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Die weiße Linie

3 Jun

Neulich war ich mit dem Rad unterwegs in München. Auf einem dieser stinknormalen Radwege, bei denen der Fußweg vom Radweg durch eine weiße Linie abgetrennt ist. Es war samstags morgens um 9 Uhr und relativ wenig los auf Münchens Strassen.
Ich hatte es, nun ja, ein bißchen eilig.  Nicht übermäßig, aber ein wenig. So war ich etwas irritiert, als ich mich einem lauthals gestikulierenden Mitbürger näherte, der mitten auf „meinem“ Radweg mit seinem Handy telefonierte.

In meinem Kopf fanden sich Gedanken wieder, wie: „So ein Depp, muss der mitten auf dem Radweg stehen? Kann der nicht sich an die Spielregeln halten und auf dem Fußweg telefonieren?“ und ähnliche. Allesamt nicht besonders nett und ziemlich (ab)wertend. Vermutlich kennen Sie solche  Momente.

Während ich so diesen meinen Gedanken nach hing, schaute ich noch mal genau hin – und sah auf einmal folgendes Bild:

 

 

 

 

 

 

Ich bemerkte also, dass die weiße Linie, die eben noch vor meinen Augen den Fußweg vom Radweg abgetrennt hatte, eigentlich weggefräst worden war.  Ich hatte sie noch vor ein paar Minuten sonnenklar gesehen, obwohl sie eigentlich nicht mehr da war. Gleichzeitig hatte ich mich im Recht auf „meinem Radweg“ gewähnt, obwohl es eigentlich „sein Fußweg“ war, auf dem ich laut Verkehrsschild nur geduldet war.

Das zeigte mir,

  1. wie schnell wir doch über andere Menschen urteilen und glauben, im Recht zu sein
    und gleichzeitig erinnerte es mich
  2. daran, wieviele unsichtbare weiße Linien, Grenzen oder Glaubenssätze ich wohl noch in meinem Kopf habe, die ich für gültig halte, obwohl sie längst für ungültig erklärt oder aus anderen Gründen eigentlich gar nicht mehr vorhanden waren.

Das sind die „weißen Linien“, die Sie und ich häufig schon als Kind aufgemalt bekamen, und die wir immer und immer wieder zu hören bekamen und die wir deshalb auch heute noch befolgen, ohne sie zu hinterfragen. Häufig enthalten solche „weiße Linien“ die Formulierung: „Das muss man …, das macht man (oder macht man nicht)“ und so weiter. Vermutlich kennen Sie noch viele weitere Formulierungen…

Egal, welche es sind und worum es geht: Diese „weißen Linien“ in unserem Kopf fordern uns permanent auf, ob das, wovor sie uns ursprünglich schützen sollen (z. B. heißen Herdplatten, als Kind vom Auto überfahren zu werden etc.) auch heute noch eine Gefahr ist und wir uns bewußt dafür entscheiden können, diese Linie nach wie vor für gültig zu erklären. Oder ist diese „weiße Linie“ eigentlich überflüssig geworden, weil wir nun als Erwachsene einen neuen Horizont oder eine neue Perspektive darauf gewinnen konnten – und wir die damalige Gefahr heute eigentlich nur noch als „Randerscheinung des Lebens“ einstufen würden?

 

Also, wenn Ihnen das nächste mal auch eine vermeintliche weiße Linie begegnet – schauen Sie genau hin – und entscheiden Sie jedes Mal neu, ob diese Linie für Sie heute noch aktuell ist!

Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude, Erkenntnisse und Gutes Gelingen!

Ihre Christina Bolte

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Das Unternehmen und seine Menschen

29 Jan

In dem Seminar-Programm eines schweizer Anbieters von Führungs- und Management-Seminaren fand ich vor einer Weile zwei Analogien zwischen einem Unternehmen und dem menschlichen Körper. Zum einen seien Prozesse das Nervensystem und zum anderen die Finanzen seien der Blut-kreislauf eines jeden Unternehmens. Auf die Frage, die mir spontan im Kopf auftauchte, was denn dann für das Unternehmen die Mitarbeiter sind, fand ich in dem Katalog leider keine Antwort.
Unabhängig von der Diskussion, ob der Vergleich zwischen einem Unternehmen und dem menschlichen Körper sinnvoll ist oder nicht, möchte daher ich an dieser Stelle die These aufstellen, dass die Mitarbeiter die Zellen eines jeden Unternehmens darstellen.

So zum Beispiel ist jeder Mensch wie auch jede Zelle seines Körpers ein eigener Mikroorganismus, sozusagen ein Individuum mit einer entsprechenden Identität. Für die eigene Identität ist es aber wichtig, die eigene Zugehörigkeit und auch die Organisationseinheit zu kennen, der man angehört. Vor allem letzteres ist auch im menschlichen Körper bei den Zellen wichtig, damit jedes Organ optimal funktionieren kann. Denn wenn eine Leberzelle plötzlich die Merkmale und Aufbau einer Zelle in der Mundschleimhaut aufweisen würde, könnte sie ihrer eigentlichen Aufgabe (sagen wir mal: Gallensaft zu produzieren) gar nicht mehr gerecht werden sondern würde stattdessen zum Beispiel Speichel absondern.

So ähnlich ist das auch in einem Unternehmen. Wenn das Marketing plötzlich anfängt die Buchhaltung zu machen, weil es ihr dort nicht schnell genug geht, kann das mitunter recht kreativ vonstatten gehen. Leider ist kreative Buchführung erfahrungsgemäß beim Finanzamt nicht sonderlich beliebt und kann dann für alle Beteiligten unangenehme Folgen haben.

Zum Abschluss noch ein kleiner Witz – von dem ich hoffe, dass er nie – zumindest nicht solange ich lebe – Realität wird.
Egal ob im Unternehmen oder auf diesem Planeten:
Sagt ein Planet zum anderen: “Du, ich habe Menschen !”
Sagt der andere: “Bleib locker, das geht vorbei…”

In diesem Sinne: Welche Aufgabe und Funktion haben die Mitarbeiter bei Ihnen im Unternehmen?

Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

Ihre Christina Bolte

Unternehmens-Gesundheit

30 Okt

Im Rahmen meiner früheren langjährigen Tätigkeit im Controlling eines großen Industrieunternehmens erlebte ich regelmäßig, was in vielen Unternehmen in Krisenzeiten gerne mal gemacht wird und was eigentlich jedes Controller-Herz erfreuen sollte: Zur Optimierung (bzw. in Krisenzeiten: Rettung) des Betriebsergebnisses wurde ebenso regelmäßig der Focus eher auf pauschale Kostenreduzierungen gelegt, die à la Praktiker-Baumarkt („20 % auf alles, außer auf Tiernahrung“) mit dem Gießkannen-Prinzip auf alle Bereiche verteilt wurden, anstatt auf die Überlegung, wie man die Wirkung am Absatzmarkt verändern könnte.

„Gute Sache“, dachte ich anfangs, denn somit wurde endlich jenen Leuten Einhalt geboten, die ich mindestens fünf Mal täglich und kaffeetrinkenderweise in der Kantine sehen konnte, während ich auf dem Weg von einem Termin zum nächsten dort rastlos vorbeihetzte, oder solchen, die ihren lieben, langen Arbeitstag mit Hirngespinsten und Spielereien verbrachten.
Und so trug im ersten Jahr das per Gießkannen-Prinzip pauschal verteilte Einsparpaket auch ohne signifikante Kollateralschäden zu einem erfolgreichen Jahresabschluss bei. Prima, dachte man sich auf oberster Ebene, was einmal geht, geht auch öfter so gut – und verordnete das vermeintlich erfolgreiche Patentrezept gleich noch ein paar Mal.
Allerdings lernte man dafür an manch anderer Stelle dazu, was dazu beitrug, dass nun Heerscharen an Menschen wochenlang damit beschäftigt waren zu argumentieren, warum das eigene Budget die -20% nun gerade ausgerechnet nicht hergab. Zeit, die eigentlich für etwas wirklich Sinnvolles (im Sinne des Kunden beispielsweise) hätte verwendet werden können.

Auch in mir reifte mit der Zeit eine neue Erkenntnis, nämlich dass das Ausquetschen von möglicherweise (möglicherweise jedoch auch nicht) vorhandenen Freiräumen einen ganz gewaltigen Nachteil hatte. Während nämlich den Maschinen und Anlagen in der Produktion immerhin gelegentlich mal eine Freischicht zur Instandhaltung gegönnt wurde, liefen die Mitarbeiter heiß. Auch wenn viele Controller und Krisenmanager häufig der Ansicht sind, die Belegschaft wäre primär ein mehr oder weniger beliebig reduzierbarer Kostenfaktor, sollte an dieser Stelle auch daran erinnert werden, dass die Mitarbeiter auch in einem ganz erheblichen Umfang als Leistungsträger zum Unternehmenserfolg beitragen. Mit der Konsequenz, dass auch diese „nur Menschen“ sind und daher nicht unbegrenzt belastet werden können.
Auch der Rationalisierung von Arbeitszeiten um scheinbar unproduktive Kaffeepausen – die, wie ich es heute sehr häufig erlebe, durchaus dem kreativen Austausch und Generierung bzw. Vermehrung von Informationen dienen, stehe ich mittlerweile recht kritisch gegenüber. Denn wenn die Unternehmensziele ihren Focus einseitig auf Gewinnmaximierung legen und andere Stake-Holder am Unternehmen, wie zum Beispiel die Mitarbeiter, vernachlässigt werden, hat das meist Effekte, die erst auf den zweiten Blick mit der Ursache in Verbindung gebracht werden, weil sie mitunter erst eine ganze Weile später sichtbar werden. So waren Kreativitäts- (= Innovations-)verlust, Demotivation und daraus resultierend Leistungseinbußen oder in einigen Fällen Burnout die Folge.

Mittlerweile ist mir klar, dass – wenn ich wie anfangs über die Menschen im Bistro dachte – aus meinen Gedanken eigentlich nur der Neid sprach, weil ich mir selbst viel zu selten auch einmal eine kurze Kaffeepause gönnte…

So möchte ich abschließen mit einem Zitat Stefan Zweig: „Auch die Pause gehört zum Rhythmus„.
Ich wünsche Ihnen – passend zu den bayrischen Herbstferien – eine erholsame Pause und gutes Durchatmen.

Ihre Christina Bolte

PS: Was den „Erfolg“ von Praktikers‘ Gießkannen-Prinzip angeht, sich dies ja mittlerweile auch schon gezeigt…

Geh heim – finde Dich selbst

4 Feb

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade meiner lieben Freundin Irene aus Wien zum Thema „Neu starten und endlich deine Berufung leben„,  die unter diesem Link zu finden ist:

Mein Weg (zurück) in mein Leben

Nach meinem Abitur studierte ich im Rahmen eines dualen Studiums (was damals noch ein Novum war) Wirtschaftsingenieurwesen, kam also direkt nach meinen beiden Elternteilen (mein Vater war Ingenieur, meine Mutter Kaufmännische Angestellte). Auch aus heutiger Sicht würde ich noch sagen, dass es damals genau das richtige für mich war. Es machte mir Spass – und sicherte mir darüber hinaus gute Jobaussichten.

Und so zog ich dann für meinen ersten Job direkt nach dem Studium 800 km in den Süden (damals wohnte ich noch in Hamburg), um bei einem größeren Münchner Arbeitgeber in der Automobilbranche im Produktcontrolling zu beginnen. Die neue Stadt, die tollen Kollegen und die Herausforderungen bei der Arbeit begeisterten mich zunächst sehr, vor allem die Vorteile des „von oben“ angeordneten Überstundenabbaus ermöglichten mir, insbesondere im Winter längere Urlaubsreisen in den sonnigen Süden zu unternehmen. Die ich auch dringend brauchte, um mich nach meinen Überstunden-intensiven Arbeitsphasen wieder zu regenerieren…

Denn Kraft und Erholung schöpfen hatte ich ziemlich nötig bei meinem Lebenswandel (oder wie man auf neudeutsch sagt: „Lifestyle“). Wenn ich diesen mit einem Liedtitel beschreiben sollte, wäre wahrscheinlich „Ja, ich weiß, es war ‘ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit…” von der Gruppe Juli sehr zutreffend.

Irgendwann (ca. 6-7 Jahre später, ich hatte mittlerweile die 30 überschritten) begann ich einfach so aus Spass eine Massage-Ausbildung. Ich glaube, es war der Wunsch, als Ausgleich zu meiner langjährigen Controller-Tätigkeit, während der mich die Leute lieber von hinten (beim Verlassen eines Raums) als von vorne (im Hereinkommen) gesehen haben, endlich auch mal Menschen mit meiner Anwesenheit und meinem Tun eine Freude bereiten zu wollen. Interessanterweise hatte ich das Gefühl, je öfter ich diese Massage-Ausbildungs-Wochenenden hatte, desto weniger befriedigend empfand ich meinen Job. So kamen mir dann zum ersten Mal Gedanken auf, dass mein stressiger Job ja wohl nicht alles sein könnte. Aber was sollte ich anderes tun, ich konnte ihn ja nicht einfach so aufgeben… Aber aus irgendeinem Grund wurden diese Gedanken im Alltag leider immer wieder verschüttet.

So unternahm ich zwar im Außen einige Dinge (z. B. wechselte ich intern auf eine andere Position und zog ich um in eine andere Wohnung mit mehr Grün im Umfeld und begann darüber hinaus eine nebenberufliche Heilpraktiker-Ausbildung), um meine latente innere Unzufriedenheit und Leere zu füllen, ohne dass sich diese jedoch linderte. Bis mich der so genannte Zufall 2007 auf den Jakobsweg führte – den ich in meiner damaligen Manier ziemlich rastlos absolvierte. Dort fiel dann nach einiger Zeit der Groschen und machte das bisher unbewusste offensichtlich: So kann es nicht weitergehen!

In den darauf folgenden Monaten und Jahren kam ich mir immer deutlicher wie in dem Lied „Entre dos tierras“[1] vor, so als ob ich mich zwischen zwei Welten befinden würde. In die „alte“ Welt, die meines Arbeitsplatzes, die des Kopfes, des Rationalen, des Denkens und irgendwie auch des Kämpfens, passte ich irgendwie nicht mehr hinein. In die „neue“ Welt, die des Fühlens, des Bauchgefühls und des Seins, aber irgendwie auch nicht. Für den klar entschiedenen Schritt, diesen sicheren Job aufzugebben, fehlte mir zum einen der Mut und zum anderen sprach der Verstand dagegen. Zum ersten Mal nahm ich ganz klar das Gefühl der Angst wahr, das mir bekannte Terrain zu verlassen und mich auf etwas Neues, Unbekanntes einzulassen…

Denn bis mein damals noch zartes „Neues“ auch tragfähig genug war, um mich mindestens „über Wasser“ zu halten, vergingen noch einige Jahre. Jahre der Fortschritte und der Rückschläge und Jahre der Prüfungen. Im Detail sind diese in meinem Buch „Burnout – Vom Jakobsweg zurück ins Leben“ (ISBN: 9-783-000-445033) nachzulesen, das (wenn nicht mehr über Amazon[2], so zumindest) direkt in meinem Shop zu beziehen ist.

Was jedoch den Ausschlag gab, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, war die Aufgabe, die ich im Rahmen einer Fortbildung bekam: Schreiben Sie mal bitte Ihre eigene Traueranzeige!  Im ersten Moment hatte ich erst einmal heftigst schlucken müssen – denn man denkt ja an viel mit Mitte Dreißig, aber doch nicht an seine eigene Traueranzeige! Aber so im Nachhinein muss ich sagen, dass dies in Kombination mit einigen Todes- und Beinahe-Todesfällen in meinem persönlichen Umfeld einen entscheidenden Denkprozess bei mir ausgelöst hatte.

Was möchte ich in diesem Leben hinterlassen?

Mir wurde klar, wie schwierig es für die Mehrheit der Menschen, die ich kenne, ist, sich damit auseinanderzusetzen, dass der Tod für uns alle Bestandteil des Lebens ist. Kein Wunder, Sterben ist nun auch ein unangenehmes und vor allem endgültiges Thema. Aber so konnte ich nun diese verrinnende Sanduhr so deutlich vor mir sehen. Seitdem beschäftigt mich der Gedanke, wenn das „normale“ Leben mitunter so schnell beendet sein kann, wofür ich dann meine (wie mir klar wurde) begrenzte Lebensenergie aufwenden wollte. War ich denn überhaupt in einem Job, in dem ich die Dinge nicht aus Überzeugung tat, sondern nur weil ich dafür bezahlt wurde, am richtigen Ort? Wollte ich in meiner Traueranzeige stehen haben: „Sie erstellte 1 Millionen Excel-Tapeten“? Was waren denn überhaupt meine eigenen Lebensziele und –hoffnungen? Und wann endlich wollte ich denn – im positiven Sinne – überhaupt anfangen, mir „das Leben zu nehmen“? Anstatt es in einem Job, der mir keinerlei Befriedigung verschafft, zerfließen zu lassen.

2012 wagte ich ihn also endlich – den Sprung ins kalte Wasser und in die Selbständigkeit. Leinen los und Segel setzen. Aufbrechen zu neuen Ufern. Träume verwirklichen. Mein Leben, ich komme!

Es folgten stürmische Zeiten, gute Entscheidungen, und Situationen, in denen mir manche Dinge „zufielen“. Trotzdem, dass ich mein regelmäßiges Einkommen von damals manchmal vermisse, habe ich meine Entscheidung keinen Moment bereut. Seit ich den vermeintlich sicheren Hafen verlassen habe, hatte und habe ich unzählige Gelegenheiten, Neues zu lernen und über mich hinaus zu wachsen.

Es folgten viele „Erste Male“, Dinge zu tun, die ich zuvor noch nie gemacht hatte. Zur Arbeitsagentur gehen beispielsweise, oder einen Businessplan schreiben, bei dem es an mir lag, ihn mit Leben zu befüllen. Was teilweise gelang, aber teilweise ganz anders kam. So, wie auch Kolumbus noch nicht wusste, wo er landen würde, als er Spanien verließ, um nach China zu segeln, bin auch ich ganz wo anders gelandet, als ich es damals geplant hatte.

Was ist ist meine Essenz, mein höchstes Potenzial?

Immer und immer wieder beliefert mich das Leben auch heute noch mit Möglichkeiten zur Überprüfung meiner Ziele, fordert mich heraus, meinen Kurs zu verändern bzw. anzupassen und zu schauen, ob die Mannschaft, mit der ich gerade unterwegs bin, noch zu mir passt (oder auch: ich zu ihr).

Heute weiss ich, dass die Ziele, die ich mir vornehme, nicht nur aus meinem Kopf und meinem Herzen kommen müssen, sondern auch meinem Wesen und einem höheren Ziel entsprechen müssen. Ich habe gelernt, mich immer wieder mit diesem Höheren zu verbinden. Aber ich weiss auch, dass es manchmal einfacher ist, seinen Weg zu sich selbst nicht alleine zu gehen. Die Hauptsache jedoch ist ist, Sie gehen Ihren eigenen Weg. Denn:

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden. (Marlon Brando)

Und wer sonst, wenn nicht Sie, soll Ihren Weg gehen?

Gerne begleite ich Sie dabei ein Stück Ihres Weges, ob als Lotse, Pilgerbegleiterin auf einem Jakobsweg oder als GEH Heim-Agentin auf Ihrem Weg zurück ins Leben oder zu sich selbst.

Guten Weg, wünscht Ihnen

Ihre Christina Bolte

Mehr zu mir erfahren Sie auf:

http://www.christina-bolte.de/

http://www.geh-heim-weg.de und

http://www.unternehmens-gesundheit.de
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[1] von den Heroes del Silencio

[2] da Neuauflage gerade in Arbeit ist

Was Trauer mit Burnout zu tun hat

24 Jul

Anfang der Woche hatte ich eine sehr interessante Unterhaltung mit Herrn Ulrich Welzel, der sich beruflich mit Trauer am Arbeitsplatz befasst.
Es war ein sehr tiefgreifendes Gespräch, das mich sehr beschäftigt hat. Nicht nur weil wir die gleichen Ansprechpartner bei unseren Kunden haben, sondern auch, weil Trauern und Burnout einiges gemeinsam und miteinander zu tun haben. Daher möchte ich hier meine mit Ihnen Gedanken teilen, die sich in mir aus der Unterhaltung ergeben haben.

Nicht nur kann sind sowohl Burnout als auch Trauer am Arbeitsplatz Themen, die derzeit (noch?) wenig in der Öffentlichkeit thematisiert werden, wenn man mal von reisserischen Schlagzeilen und Aufmachern in den Printmedien absieht. Darüber hinaus besteht natürlich auch eine Wechselwirkung zwischen dem Trauern und einem Burnout-Prozess.

Denn wenn ein Mensch, der sich in seinem persönlichen Hamsterrad gerade so eben noch durch erhöhte Drehzahl (zumindest scheinbar) im Gleichgewicht halten kann, unerwartet in seinem familiären oder erweiterten Umfeld oder womöglich am Arbeitsplatz mit einem Todesfall konfrontiert wird, kann dies schon mal der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt – oder zum Platzen, je nachdem wie Sie wollen.
Fakt ist: Ein Trauerfall im persönlichen Umfeld rüttelt auf – konfrontiert uns mit unserer eigenen Endlich- und/oder auch Hilflosigkeit oder nimmt uns, gerade bei nahestehenden Angehörigen, die Orientierung. Abschied nehmen (müssen) schmerzt. Wer da nicht fest mit beiden Beinen im Leben steht und in sich selbst ruht, wird leicht aus der Bahn geworfen. Ein Zusammenbruch ist die Folge – auch wenn dieser vermutlich nicht unbedingt als Burnout sondern eher als Posttraumatische Belastungsstörung in die Akten eingeht. Eine Stabilisierung der eigenen Person wie Situation, eine Auseinandersetzung mit und Akzeptanz der eigenen Endlich- bzw. Hilflosigkeit sind wichtige und notwendige Schritte – ein Tun, was getan werden muss.
Wer sich diesen Schritten entzieht und der so weitermacht als ob nichts geschehen sei, sei es aus Zeitgründen oder weil es potenziell unangenehm oder unbequem ist, dem wird es früher oder später so gehen, wie dem Hochhaus, dessen Stahlbetonträger im Inneren zu viel Feuchtigkeit ausgesetzt sind: Lange Zeit passiert nichts und von außen ist häufig auch nichts zu sehen, aber innerlich am rosten die Träger druch – sodass die langfristige Stabilität nicht mehr gewährleistet ist.

Aber auch andersherum gibt es einen Zusammenhang. Denn auch ein ’normaler‘ Burnout (wenn es so etwas überhaupt gibt, an dieser Stelle meine ich damit jedenfalls einen ohne Todesfall) lädt ein zum Abschiednehmen: Vielleicht bin ich doch nicht so ein grenzenloses Kraftpaket wie ich immer dachte. Vielleicht kann ich doch nicht mehr überall mithalten (wie früher). Vielleicht bin ich auch doch nicht so flexibel, wie ich immer dachte. Vielleicht habe ich doch nicht (wofür mich andere immer schäz(t)en) für jede Sache eine Lösung parat. Vielleicht bin ich den ganzen Anforderungen nicht mehr gewachsen (ob diese von außen oder von mir selbst kommen, ist natürlich eine andere Sache). Vielleicht bin ich mit meinem Latein und/oder mit meiner Kraft einfach komplett am Ende…. Vielleicht ist es gerade (m)eine Fassade, die einstürzt.
Da sind wir wieder bei der Hilflosigkeit. Denn dieses Abschiednehmen bedeutet auch Trauern: Um die Vergangenheit, die eigenen Grenzen, die eigene Verletztlichkeit. Evtl. aber auch um das Eingeständnis, dass mit meinem bisherigen Weltbild irgendetwas nicht funktioniert hat – sollte ich womöglich gescheitert sein?
Dennoch ist das Anerkennen dessen der erste Schritt zur Heilung: Das Fragen nach oder Annehmen von Hilfe, die Einsicht, dass sich nun etwas ändern muss/kann/darf. Klar, auch das tut weh, sehr weh. Ist aber langfristig die einzige Chance.

Nicht nur auf individueller Ebene neigt man/frau gerne dazu, diese Themen zu verdrängen, auch auf gesellschaftlicher. Anscheinend leben wir in Deutschland in einer Kultur (von Werbung & Medien unterstützt) in denen vordergründig „unangenehme“ Themen wie Krankheit, Alter oder Tod zu ‚uncool‘ sind für unseren hippen, ewig-jungen Lifestyle.
Nachdem aber Älterwerden und Tod niemandem im Leben erspart bleiben – und da ist das Leben äußerst gerecht, egal welcher Bevölkerungsschicht, Nationalität oder Bildungsgrad man angehört – tun wir gut daran, uns auch schon im frühen Erwachsenen-Alter damit auseinander zu setzen. Idealerweise schon bevor uns die eigenen Lebensumstände dazu auffordern.

Denn je früher man sich Gedanken macht, wie man im Alter sein Leben verbringen möchte – gesund oder pflegebedürftig, mit Familienangehörigen oder alleine, geliebt oder verachtet, erfüllt von dem Erlebten oder verbittert von dem Bereuten – desto eher kann man die entsprechenden Weichen im Leben stellen und sich für ein bewusst gestaltetes Leben entscheiden (und das schliesst auch den Abschied von einigen Optionen mit ein).

Welche Weichen möchten Sie stellen? Welche Ziele möchten Sie am Horizont Ihres Alters erreicht haben? Dann ist JETZT ein guter Zeitpunkt für eine Kurs-Veränderung. Der nächste Kurs Veränderung startet im Herbst – damit Sie Ihre Lebensumstände bewußt gestalten anstatt Opfer der Umstände zu sein.

Herzlichst, Ihre
Christina Bolte

Es lebe der Sport!

4 Jul

Deutschland ist eine sportliche Nation! Das beweist die aktuelle Fussball-Weltmeisterschaft – und insbesondere die hohen Einschaltquoten bei den Spielen mit deutscher Beteiligung.

Wunderbar, sollte man meinen – wo doch Bewegung so gesund ist und sich äußerst positiv auf den Verlauf vieler Krankheiten auswirkt: Angefangen bei Adipositas (Übergewicht) über hohen Blutdruck und weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zur Prävention von „Erkrankungen des Bewegungs-apparates“, wie Muskel- und Skelettbeschwerden auf medizinisch so schön genannt werden. Darüber hinaus ist Bewegung jeglicher Art – am besten länger als 20 Minuten am Stück und idealerweise an der frischen Luft – nicht nur optimal geeignet um die Stresshormone in unserem Körper abzubauen, sondern trägt auch noch dazu bei, dass die Organe besser mit Sauerstoff versorgt werden. Der ganze Körper kommt also in Schwung!

Nun hat die Sache leider einen Haken – das eben gesagte gilt leider nur für die 22 Spieler auf dem Feld, aber nicht für die zig-Millionen Zuschauer, die es sich mit einem (oder mehreren) Bierchen vor dem Fernseher (wahlweise der Groß-leinwand) bequem gemacht haben. Auch wenn Sie damit in guter und viel besungener Gesellschaft sind.
Blöd eigentlich. Aber erklärt sich unter anderem auch dadurch, dass der Bewegungsapparat auch Bewegungsapparat heißt und nicht Steh-, Sitz- oder gar Liegeapparat.

Zwar verbraucht auch das (hoffentlich häufige) torbedingte Jubeln einige Kalorien, aber vermutlich weniger als Sie Ihrem Körper durch die oben erwähnten 1-2 Bierchen (oder passend zur Gastgeber-Nation evtl. auch Caipiriña) wieder zu führen. Wussten Sie, dass 1 Gramm reiner Alkohol 9 Kalorien hat – also mehr als 1 Gramm Fett (7 Kalorien) und sogar mehr als doppelt so viel wie 1 Gramm Eiweiß oder Kohlenhydrate (je 4 Kalorien)?
Da können Sie hier glatt mal ausrechnen, wie lange Sie eine Extra-Runde Joggen oder eine andere Sportart betreiben müssen, um das wieder zu kompensieren… Sport, nicht Auto-Korso!

Und so können wir nur froh sein, wenn nächsten Sonntag wieder die WM-freie Zeit los geht, und wir uns endlich wieder selbst bewegen dürfen. Damit Sport auch wirklich gesund ist…

Nachbars Garten

30 Jun

Wie bereits in den letzten Wochen häufiger erwähnt, ist mein neuestes Hobby unsere 2x 25 Meter lange Ackerfurche. Natürlich nutzten wir das schöne Wetter der letzten Tage und Wochen etwas häufiger, um dort ein wenig Zeit zu verbringen – denn ohne Gießen und Pflege verkommt das ganze sonst zur Unkraut-Wiese. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell dort etwas wächst, was dort nicht hin soll…

Während ich also so vor mich hinzupfe, ertappe ich mich immer wieder dabei, auch die zwischen den Beeten zu unseren Nachbarn liegenden Wege von Unkraut zu befreien. Warum werfen manche Nachbar ihr eigenes gezupftes Unkraut immer nur so lieblos aus die Wege, anstatt es auf die dafür vorgesehenen Plätze zu entsorgen? Immer wieder überlege ich dann, ob es meine Ausgabe ist, es zu entsorgen oder ob ich es lieber auf deren Beet zurück legen soll.

Oder ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich mich daran störe, was für ein ‚Unkraut‘ in den Wegen wächst – so als ob ich Angst hätte, dass es unser Beet „anstecken“ würde. Warum stört mich nur so, was dort wächst? Bei diesem Gedanken fällt mir auf, dass ich dieses Verhaltens- (oder vielmehr Gedanken-)Muster auch aus meinem sonstigen Leben kenne: Das erste Mal ist es mir aufgefallen, als ich einen eigentlich trockenen Alkoholiker als Freund hatte: Je mehr er soff – desto vernünftiger, quasi ’nüchterner‘, wurde ich. Ebenfalls aus Angst, ich hätte der gleichen Sucht verfallen können oder die Lage geriete völlig ausser Kontrolle.

Und so oder so ähnlich verhält es vermutlich auch bei unserem Nachbarbeet. Manche Verhaltensweisen (wie z. B. herumliegende Sachen) stören mich bei meinem Partner, meinen Familienangehörigen oder auch bei komplett Fremden mehr als bei mir selbst – obwohl ich in Bezug darauf sicherlich auch noch Handlungsbedarf  hätte. Aber gut, es ist eine alte Erkenntnis und anscheinend menschlich, den Splitter in seines Bruders Auge zu sehen und den Balken vor dem eigenen nicht… Aber da kann mitunter ein Blick in den Spiegel Abhilfe schaffen.

Abschließend bin ich eigentlich selbst ziemlich überrascht, welche ungewöhnlichen und unerwarteten Orten man als Spiegel zur Selbst-erkenntnis heranziehen kann – sogar der eigentlich als Spielerei gedachte Garten kann dabei helfen. Zumindest wenn man sich die Zeit nimmt um von ganz profanen Tätigkeiten Rückschlüsse auf seinen Alltag zu schliessen.

Und so kann ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nur einladen, nach den „Spiegeln“ in ihrem eigenen Leben Ausschau zu halten – es ist immer wieder interessant, wem oder was – Nachbarn oder selbst – Sie dort begegnen werden.

Alles Gute wünscht Ihnen
Ihre Christina Bolte

Was mein Leben mit Höhlenforschung und Edelsteinen zu tun hat

8 Jun

Diese Gedanken hielt ich (so oder so ähnlich) als freie Rede am 12.05.2014 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Über Ostern war ich mit einer Freundin per Fahrrad im Inntal unterwegs. So hatten wir Gelegenheit, all die Städte und Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst im Auto auf dem Weg zum Gardasee immer achtlos vorbei fährt, auch einmal „live“ anzusehen.

In Wattens machten wir deshalb einen kleinen Abstecher zu den Svarowski-Kristallwelten. Neben einer schönen Parkanlage konnte man auch diverse unterirdische Wunderkammern bestaunen, die eine Entdeckungsreise durch die Werke verschiedener Künstler ist. Unterstützt durch diverse audiovisuelle Effekte interpretierten diese Höhlen auch die verschiedenen Facetten der von Svarovski produzierten Kristalle.

Und als der Trubel und das kommerzielle Trara irgendwann anfingen mich zu langweilen, kam mir der Gedanke, dass mein Leben mir von außen betrachtet auch manchmal vorkommt wie eine dunkle Höhle, aber wenn ich mir dann die Zeit nehme, in die Tiefen hinabzusteigen, auch der eine oder andere Edelstein zum Vorschein kommt.

Deshalb möchte ich Sie bzw. Euch, liebe Toastmaster und liebe Gäste, nun mitnehmen auf eine kleine Höhlen-Reise durch Christinas Leben:

Die erste Höhle war – wie bei jedem anderen Menschen auch – die Bauchhöhle meiner Mutter. Von dort ging es in eine mittelgroße Vorortgemeinde im Hamburger Umland. Wenn ich diese mit einem Münchner Vorort vergleichen müsste, würde ich sagen, es ist irgendwas zwischen Ober- und Unterschleißheim. Zum Wohnen für junge Familien vielleicht noch ganz ok, aber als Teenager ziemlich öde.

Nachdem Abi studierte ich dann – als perfekte Synthese aus den Berufen meines Vaters, eines Ingenieurs, und meiner Mutter, einer kaufmännischen Angestellten – Wirtschaftsingenieurwesen an einer privaten Fachhochschule in Norddeutschland. Zu Hause war ich damals eigentlich mehr oder weniger nur noch zum Schlafen, denn das Motto dieser Zeit war: „Hart feiern & hart arbeiten“. Da wir hinsichtlich der Vorlesungen eine Anwesenheitspflicht hatten, ließ ich auch selten eine Party aus, weder auf dem Campus noch auf der Hamburger Piste.

Dennoch wurde es mir bald zu eng in meinem Leben, sowohl in dem Unternehmen, in dem ich das studienbegleitende Praktikum machte, als auch zu Hause, wo mir dauernd jemand „einen Tisch über meine Füße“ stellte. So war ich letztendlich froh, dass mich mein ersten „richtiger“ Job nach meinem Studium nach München verschlug.

Nicht nur, weil die Position im Produktkosten-Controlling eines Automobilunternehmens mit drei Buchstaben exakt der Job war, den ich mir gewünscht hatte. Es war und ist nicht nur eine ideale Aufgabe, um sowohl technische wie auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse optimal zum Einsatz zu bringen. Sondern war auch deshalb ideal, weil ich in München sogar gleich zwei Personen gekannt hatte, was mir den Sprung in eine neue Arbeitsumgebung und auch den Aufbau eines neuen Freundeskreises deutlich erleichterte.

Während ich anfangs voll Elan und Freude in der Arbeit dabei war, Zahlen in den Mittelpunkt zu stellen und für Kostensenkungen zu kämpfen, kämpfte ich auch in meiner Freizeit mit Freunden oder in semi-professionellen Wettkämpfen mit dem Fahrrad um Leistung, Höhenmeter und gegen innere und äußere Schweinehunde.

So war es nicht erstaunlich, dass ich mich immer öfter in Situationen wiederfand, in denen ich mich nicht mehr richtig freuen konnte. Ich merkte, dass irgendwann etwas ganz Essentielles auf der Strecke geblieben war: Der Faktor Mensch – und zwar nicht nur in Bezug auf meine Arbeit, sondern vor allem in Bezug auf mich selbst. Anscheinend hatte ich vor lauter Kämpfen und Rennen unterwegs mich selbst irgendwo verloren.

Und in dieser Situation fand ich mich 2007 mit dem Fahrrad auf den Jakobsweg wieder. Eigentlich hatte ich nur zwei Wochen und alleine vor mich hin radeln wollen – und bekam im Laufe der Zeit nicht nur haufenweise Erkenntnisse über mich selbst sondern wie sich später herausstellen sollte, war diese Reise auch der Wendepunkt meines bisherigen Lebens.

Erst später wurde mir klar, dass sich mein Zustand, in dem ich mich auf den Jakobsweg begab, guten Gewissens als Burnout bezeichnen ließ. Ich glich einem Stück Kohle, dass kurz davor war, verheizt zu werden. Bis es aber so weit war und ich für mein Leben die notwendigen Konsequenzen daraus zog, sollten noch einige Jahre vergehen. Einige Jahre der Selbstfindung, mit vielen dunklen Momenten und schmerzhaften Auseinandersetzungen mit mir selbst – „Höhlenforschung“ quasi. Wenn ich in dieser Zeit nicht aber auch gleichzeitig einige Lichtblicke gehabt hätte, oder Momente in denen mir verschiedene und mir völlig neue Facetten meiner selbst entgegen gestrahlt hätten, hätte ich vermutlich zwischendrin aufgegeben.

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass der Druck, dem ich selbst mich und mein Leben ausgesetzt habe, mich gerade – wie jeden anderen Menschen auch – zu einem kleinen aber feinen Diamanten formt. Heute bin ich wieder ein kreativer und selbstbestimmter Mensch, der gelernt hat, die eigenen Grenzen zu beachten und seiner Inneren Stimme zu folgen. Heute tue ich Dinge, die ich vor zehn Jahren nie für möglich gehalten hätte.

Die Zeit wird ihr übriges dazu beitragen, die vielen verschiedenen weiteren Facetten, die noch in mir schlummern, zu schleifen und zum Leuchten zu bringen. Und wer weiss, ob nicht auch die Toastmasters ihren Beitrag dazu leisten werden, der einen oder anderen Facette von mir einen Feinschliff zu geben.

Ich bin mir sicher, dass kein Svarowski Stein der Welt mit dem Kristall mithalten kann, der im Inneren eines jeden Einzelnen von uns zum Leuchten und Strahlen gebracht werden möchte.

Herzlichen Dank!

Gedanken zu Ostern – Auferstehung feiern

20 Apr

In meinem Bekanntenkreis häufen sich in den letzten Wochen das, was landläufig als „Schicksals-schläge“ bezeichnet wird. In einer Familie erfährt der Vater plötzlich, dass er eine Krebserkrankung im Endstadium hat – und ist gute vier Wochen später bereits tot. Mit Anfang-Mitte Fünfzig.
In einer anderen Familie liegt die kleine Tochter (5) seit einer plötzlichen Hirnentzündung seit gut zwei Monaten im Koma. Zwar befindet sie sich mittlerweile bereits in der Aufwachphase, aber es besteht die Möglichkeit – wenn sie wieder aufwacht – dass eine Behinderung zurückbleibt.

Was zuvor ein ganz normaler (Familien-)Alltag war, ist nun nicht mehr da. Alles anders, und zunächst für alle Beteiligten wie auch Menschen im weiter entfernten Umfeld ein großer Schock.
Was soll man auch sagen, wenn jemand so aus seinem Leben bzw. wie die Angehörigen beider Familien aus ihrem Alltag  gerissen werden?

Für die beiden oben beschriebenen Familien ist der Alltag nun ein neuer. Es gibt noch viel zu regeln und es gilt, einen neuen Alltag einzu“üben“. Ich bewundere mit Hochachtung die Eltern der kleinen Erkrankten für ihre Sichtweise, ihren neuen Alltag primär als „anders und nicht zwingend schlechter“ zu bezeichnen. In einer solchen Situation, gerade eben den Schock überwunden, bedarf es sehr viel Bewußtsein und Kraft, solche Aussagen zu treffen.

Mich jedenfalls macht es betroffen – und lädt mich zum Nachdenken ein: Wir alle haben einen Alltag, den wir mehr oder weniger schätzen, mit dem wir manchmal oder auch öfter hadern, manchmal auch jammern – obwohl es uns, zumindest hier in Mitteleuropa, trotz dem einen oder anderen Wehweh- chen, das man so hat, doch vergleichsweise gut geht.

Besonders anläßlich dieser Ostertage (und der dahinter liegenden christlichen Tradition, die ich mir an dieser Stelle erspare, weiter auszuführen) stellt sich mir immer wieder die Frage, warum wir es immer wieder darauf ankommen lassen, den ganz normalen, schnöden Alltag so wenig zu schätzen, dass es immer erst solcher „Schicksalsschläge“ bedarf, um für unsere alltäglichen „Kleinigkeiten“, wie die gesund zu sein beispielsweise oder gesunde Kinder zu haben, dankbar zu sein. Sollten wir das Leben (das einzige, was wir im Übrigen haben!) nicht viel mehr bewußt zu geniessen?

Ich finde, das ist das mindeste, was wir tun können. Und fühle mich gleichzeitig eingeladen, meine ganz persönliche Auferstehung zu feiern. Gerade zu Ostern und noch viel mehr, wenn ich das Gefühl habe, das Leben präsentiert mir wieder mal tonnenweise Mist, oder erst recht, wenn ich mich dabei ertappe, mehr oder weniger grundlos über das eine oder andere zu jammern. Vor allem, wenn ich es eigentlich sogar in meiner Hand habe, etwas daran zu ändern.

So gesehen ist Ostern auch eine Handlungsaufforderung. Und es lohnt sich, die freien Tage dazu zu nutzen, mal kurz darüber nachzudenken: „Von oder aus was möchten Sie im kommenden Jahr ihre Auferstehung feiern?“ – und dann tun Sie’s! Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben zu verändern, und Dankbarkeit ist schon ein erster guter Schritt dorthin.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ostertage!

Ihre

Christina Bolte

Zutaten der Leichtigkeit

6 Apr

Irgendwie ging in meinem Leben vieles schwer. Schon als Kind hörte ich Sprüche wie: „Wer schön sein will, muss leiden“ und „Ohne Fleiss kein(en) Preis“ oder später dann „Als Frau musst Du [in dem „Männerberuf“, den ich wählte] doppelt so gut sein, wie ein Mann um Erfolg zu haben.

Das prägte sich natürlich tief in mein (Unter-) Bewusstsein ein. Zwar bestand ich auch mein Abitur und später meinen Studienabschluss mit recht guten Noten, aber natürlich steckte auch einiges an Konsequenz und Arbeit dahinter. Und während es mir in den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit noch sehr viel Freude bereitete, es mit den Herausforderungen der täglichen Arbeit aufzunehmen, merkte ich allerdings mit der Zeit, wie sehr mich diese verändert hatten.
Zwar war es weniger die Arbeit an sich (denn die machte mir prinzipielle nach wie vor Spass), war es vielmehr die falsche Dosis. Ein Mehr an Arbeit ist nicht automatisch auch ein Mehr an Spass… Und so realisierte ich irgendwann, dass die anfängliche Freude bei der Arbeit (und im übrigen Leben) irgendwann nur noch einem „Funktionieren“ gewichen war – und ich mich kurz vor dem Burnout befand.

Zu dem Zeitpunkt hatte mein Leben entsprechend wenig mit Leichtigkeit zu tun. Interessanterweise schlichen sich aber (im Rückblick) auch genau in dieser Phase mit einer solchen Leichtigkeit einige Gegebenheiten in mein Leben, um diesen Zustand offensichtlich zu machen.
Angefangen über meine „Reise“ auf den Jakobsweg, die mein Leben verändern sollte (und über den Sie bei Interesse hier nachlesen können), die sich an sich und vor allem in dieser Form eher „zufällig“ fügte… Über meine mündliche Heilpraktiker-Prüfung, denn immerhin hatte ich mir eine der Fragen zuvor beim Universum bestellt gehabt… Bis zu genau den richtigen Menschen und Informationen, die genau zur richtigen Zeit in mein Leben purzelten…
Was aber auch die Aufgabe mit sich brachte, mich von vielem unnötigen Zeug, was teilweise schon jahrelang ungenutzt herumlag, oder dem einen oder anderen Mitmenschen zu verabschieden (nämlich beispielsweise von denjenigen, die lieber jammerten anstatt etwas zu verändern um so Veränderungswillige von ihrem eigenen „Glück“ abzuhalten) – ähnlich wie auf einer Fahrt mit einem Heissluftballon, bei der man auch Ballast abwerfen muss um zu neuen, höheren Perspektiven und Zielen zu gelangen…

Mein (vorerst) letztes Kapitel zum Thema Leichtigkeit, was mir „zuflog“, war mein (neues) Studium, zu dem ich mich anmeldete, kognitiv nicht wissend, warum ich dies eigentlich tat und was ich mir von dem Abschluss erhoffte – und nicht nur den Studienplatz bekam sondern ein Stipendium gleich dazu.
„Glückspilz“, würde meine Mutter sagen. „Wenn es leicht geht, soll’s so sein“, sage ich.

Und wenn ich mir all diese kleinen Details und Episoden so betrachte, sind ihnen ein paar wesentliche „Zutaten“ gemeinsam, die zu meinem persönlichen Leichtigkeits-Rezept beitragen:
1. Die Erfahrung, dass ich selbst manche (bzw. die meisten?) Dinge nur zu einem gewissen Grad beeinflussen kann.
2. Das Loslassen des Ergebnisses – also das Vertrauen entwickeln, dass das Ergebnis schon gut sein wird, egal ob es dem entspricht, was ich mir gerade darunter vorstelle.
3. Die Erkenntnis, dass es während der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling eine Phase gibt, die es auszuhalten gilt, nämlich die Puppen-Phase. Das ist die Phase des „Nichtwissens“, des „Nicht-Zustandes“, des „Nicht Fisch-nicht Fleisch“ oder (wie eine liebe Wegbegleiterin es mal formulierte) eine Phase in der „man sich fühlt wie braune Masse“.
4. Vor allem aber hilft es, bei all diesem auf die eigenen (positiven) Fähigkeiten zu vertrauen.

Das sind nun zugegebenermaßen nicht gerade die am leichtesten zu verdauenden Zutaten. Vielleicht gibt es aber auch andere – welches sind Ihre? Ich bin gespannt sie zu erfahren (und auszuprobieren)!