Tag Archives: Frieden

Ruhig schlafen – und andere Banalitäten

25 Mai

Neulich bin ich auf meiner letzten Wanderung auf dem (portugiesischen) Jakobsweg durch den spanischen Ort Tui gekommen, den ersten Ort nach Überschreiten der spanisch-portugiesischen Grenze.

Dies erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich vor vier Jahren hatte, als ich das letzte Mal hier war. Damals übernachtete ich in einer kleinen privaten Herberge und freute mich, dass ich auch noch abends um 20 Uhr das einzige Bett in meinem 6-Bett-Zimmer belegte. Normalerweise sind „ordentliche“ Pilger (und deutsche Pilger sind seehhr ordentlich *Ironie aus*😉) um diese Zeit schon längst angekommen und spätestens um 22 Uhr auch im Bett, damit sie sich am nächsten Morgen pünktlich um 6.30 Uhr oder sogar noch früher wieder auf den Weg machen können.

So war auch ich an besagtem Tag um die Zeit schon im Bett und sanft am Schlummern, als plötzlich Horden von Menschen mit schweren Schuhen laut die Holztreppe hinauf polterten, sämtliche Türen aufrissen, Licht anmachten, sich lautstark in einer fremden Sprache (Portugiesisch) unterhielten, dann (nachdem sie netterweise das Licht wieder aus und die Türen wieder zugemacht hatten) lautstark die Treppe wieder hinunter polterten. Eine Stunde später wiederholte sich das ganze, zum Glück einige Dezibel leiser, aber immer noch laut genug, um viele der bereits Schlafenden nochmals aufzuwecken.

In mir hat die ganze Aktion damals verschiedene Reaktionen ausgelöst. Zum einen war ich ziemlich sauer, in Anbetracht der Rücksichtlosigkeit dieser Horde Männer (es waren keine Frauen dabei). Mein nächster Gedanke war: „Oh Gott, so muss es sich anfühlen, wenn Krieg ist, wenn böswillige Menschen einfach in die Häuser stürmen und (im besten Fall nur) Angst und Schrecken verbreiten.“ Dann wurde mir klar, in wie vielen Ländern auf diesem Planeten es heutzutage nichts Ungewöhnliches ist, nachts durch solche oder ähnliche Erlebnisse aus dem Schlaf gerissen zu werden und sich nicht einmal im eigenen Zuhause sicher fühlen zu können. Das ließ mich gleich ein Stückchen dankbarer werden dafür, dass wir in Europa schon ziemlich lange in Frieden leben können und ein friedlicher Nachtschlaf daher für mich bis dahin etwas Selbstverständliches gewesen ist.

Und Sie? Was für Erfahrungen haben Sie schon mal mit den sogenannten Selbstverständlichkeiten im Leben gemacht?

Ich freue mich auf Ihre Geschichten!

Ihre Christina Bolte

PS: Am nächsten Morgen löste sich das Rätsel übrigens auf. Was passiert war, war folgendes: Eine Gruppe von ca 8-10 Portugiesen hatte sich mit ihren Mountainbikes von Porto aus, quasi als Wochenendausflug, auf den Jakobsweg begeben. An diesem Tag hatten sie etwa die Hälfte der etwa 240 km bis nach Santiago zurück gelegt und waren entsprechend adrenalin- und testosterongeladen. Leider hatten sie auf der portugiesischen Seite keine Unterkunft mehr bekommen und beim Betreten der Herberge in Tui vergessen,
a) daß in Spanien die Uhren schon eine Stunde vorgingen und deshalb
b) die anderen Gäste schon am Schlafen waren und
c) ihre Schuhe mit den Klickpedal-Einsätzen auf der Holztreppe einen Heidenlärm verursachten.

PS2: Mit dem Beitrag will ich nicht gesagt haben, dass Portugiesen rücksichtslose Menschen sind, im Gegenteil, die meisten von ihnen, die ich traf waren überaus freundlich. Ich denke vielmehr, dass es sich bei dieser Geschichte um eine für größere Gruppen typische Hirn-aus-Aktion handelt…

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Schweigen

23 Mai

Ein Gedicht in vier Kapiteln

I

Du läßt mich allein in diesem eiskalten Schweigen.
Mein Herz schreit vor Schmerz und es drängt mich zu wissen warum.
Was ich falsch gemacht hab, trau ich mich nicht zu fragen –
viel zu groß ist meine Angst vor dem Lärm Deines Wutausbruchs.
Das Schweigen macht mich hilflos. Und sprachlos.
Ich fühle mich getrennt. Und klein. Und nichtssagend.
Dabei bist Du es, der tatsächlich nichts-sagend ist.

II

Ein Vierteljahrhundert später hab ich gelernt mich auszudrücken.
Die Welt dreht sich schneller, als als Kind es mir schien.
Jedoch nicht nur schneller, auch lauter,
vergeht doch fast keine Stunde, wo kein Radio oder Lärm ertönt.
Wie sehr genieß ich die Auszeit in der Ruhe der Berge,
oder die wortlose Aufmerksamkeit beim Tauchgang.
Ich genieße das Schweigen als Ausgleich in dieser beschleunigten Welt.

III

Wie wohl tun mir heute die Orte der Ruhe –
in Kirchen und Klöstern scheint die Zeit still zu stehn.
Und auch die Welt scheint langsamer zu drehn.
Ich fühle mich wattiert wie in der Stille des Nebels.
Und dennoch: Meine Sinne sind geschärft,
denn das Schweigen hilft, mich zu zentrieren:
Die Stille gibt mir wohltuenden Halt.

IV

Welch kraftvolle Ruhe! Ein Schweigen so heilsam.
Es braucht kein leeres Füllwort, um die Stille zu füllen.
Denn das Schweigen sagt alles.
Dein liebevoll-aufmerksamer Blick
vermag so viel mehr als ein Wort auszudrücken.
Ich fühl mich vertraut und verbunden zugleich.
Ich bin so dankbar und von Schweigen erfüllt.

Damit das ICH in mir einen Raum findet, um zu schwingen.
Denn ohne Schwingung bin ICH wie erstickt.

Trost des Baumes

20 Jun

Kennen Sie das Gefühl von innerer Traurigkeit. So diese Art, Traurigkeit die ganz subtil aus der Tiefe kommt, aber nur wenn man alleine ist und wenn man ganz ruhig zuhört, und wenn jemand anderes da ist, ist sie ganz schnell wieder weg?

Was machen Sie denn in solchen Situationen? Ein Gläschen Bier oder Wein trinken? Den Mitmenschen Ihr Leid klagen? Ins Fitness-Studio gehen und die Emotionen aus sich heraus-powern? Oder sich einfach schnell mit anderen Tätigkeiten ablenken? Nun, das sind alles sehr mehr oder weniger hilfreiche Methode, die wir sicherlich alle schon häufiger ausprobiert haben.
Also, ich hatte neulich auch so eine Phase, und mein erster Impuls war, zur Ablenkung mit meinem Kumpel etwas trinken zu gehen. Zum Glück hatte er keine Zeit, denn sonst wäre mir dieses wunderbare nachfolgende Erlebnis nicht passiert…

Manche Kinder haben ja diese wunder-volle Gabe, einem die Emotionen an der Nasenspitze anzusehen. Meine kleine Nachbarstochter ist eines dieser Kinder. Ihr Lösungsvorschlag, den sie mir unterbreitete, war so verblüffend wie einfach: Wann hast Du denn eigentlich zum letzten Mal aus vollem Herzen einen Baum umarmt, fragte sie mich. Ja, wann eigentlich? Vermutlich als ich so alt war wie dieses kleine Mädchen…
Da ich nichts zu verlieren hatte, so dachte ich, schadet es zumindest nicht, es mal auszuprobieren. Also ging ich später am Abend als es schon dunkel war (damit mich keiner sieht, denn sonst wird man ja für bescheuert gehalten, wenn man als erwachsener Mensch am helllichten Tag einen Baum umarmt…) zu meinem Lieblingsbaum im nahe gelegenen Park, einer Rotbuche.

Als ich für etwa 15 min an den recht kräftigen Baumstamm angelehnt war, fing sie auf einmal an, mit mir zu reden. Natürlich redete sie nicht im herkömm­lichen Sinne mit mir, aber auf einmal fing „es“ an, mir ein Gedicht zu flüstern

„Der Trost der Rotbuche

 Bitte, teil mit mir die Sorgen
Bitte, wirf weg Deinen Schmerz.
Bitte, denke nur an morgen
Und nimm Freude in Dein Herz.

Du hast heut die Wahl zu Lieben
Und voll Hoffnung zu sein.
Bitte, leb Dein Leben in Freiheit
Und lass Deine Ängste gehen.

Refrain:
Ruh’ Dich ruhig bei mir aus
Und lehne Dich an mich an.
Ich gebe Dir Kraft,
egal was passiert.
Ich gebe Dir Liebe
Gib sie der Welt auch zurück.
Es ist mein Geschenk
Und soll nicht vergebens sein.

Sieh doch die Schönheit dieser Schöpfung.
Sieh an alle Geschöpfe in Frieden.
Du brauchst nicht die Hilfe der andren.
Du hast alles was Du brauchst in Dir.

Bitte, überwind Deine Grenzen
Du bist zum Wachsen hier.
Bitte, mach diesen Tag zum Kunstwerk
Du hast dazu alles in Dir.

Refrain“

Dieses Gedicht hat mich damals in der Tat sehr getröstet, und die Geschichte wie es entstanden ist, hat mir letztendlich zweierlei gezeigt:

  1. Die Natur ist nach wie vor unsere beste Heil(ungs-)quelle, nicht nur im phytotherapeutischen (=pflanzenheilkundlichen) Sinn sondern auch im energetischen.
  2. Kinder sind mit ihrer Ursprünglichkeit und angeborenen Intuition noch ganz einfach viel mehr mit der Natur verbunden. Wenn wir es schaffen uns auch wieder öfters an diese Gabe zu erinnern, haben wir bereits einen großen Schritt zu unserer eigenen Heil-(werd-)ung getan.

Zu-Frieden-heit

2 Jun

Wie geht es Ihnen, wenn Sie im Fernsehen, im Internet oder in anderen Medien Bilder von Demonstranten sehen, die gegen Stuttgart21, gegen Krieg, gegen Umweltverschmutzung, gegen Gurken aus Spanien oder gegen Atomkraft auf die Strasse gehen und demonstrieren?
Mir persönlich vermitteln solche Demonstrationen mit (Auf-) Forderungen an irgendjemanden – ja, an wen eigentlich? – immer ein etwas befremdliches Gefühl.

Zum einen fällt mir auf, dass eigentlich meistens GEGEN etwas und selten FÜR etwas demonstriert wird. Wieso eigentlich? Man könnte doch genauso gut für regenerative Energien, für eine saubere Umwelt, für ein gesundes Wachstum, für einen verantwortungsvollen Umgang in der Wirtschaft oder für Frieden demonstrieren.
Für etwas zu sein und sich dafür einzusetzen, ist doch zum einen viel konstruktiver und motivierender, und außerdem wissen wir, dass unsere Hormone damit gleichzeitig eine positive Botschaft an unser Gehirn übermitteln.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin nicht gegen Demonstrationen und die freie Meinungsäußerung, denn in der Vergangenheit wurde sicherlich einiges durch diese Form der politischen Meinungsäußerung erreicht, man denke da nur an den Fall der Mauer. Aber ich bin nicht sicher, dass dieser Weg für die Zukunft noch geeignet ist, sinnvoll zu einer Problemlösung beizutragen. Denn ist nicht eine Demonstration eigentlich ein Akt der Abgabe von Verantwortung? Ein Bitten oder Flehen an den eingangs erwähnten „irgendjemand“ oder an „die da oben, die gerade an der Macht sind“, doch bitte irgend etwas zu ändern?

„WIR SIND DAS VOLK“ (1989) und „WIR SIND DEUTSCHLAND“ (Fussball-WM 2006) hat uns geeint. Anscheinend haben wir das „wir“ schon wieder vergessen. Denn ist es denn nicht so, dass letztendlich wir, Jeder einzelne, das Volk sind?

WIR haben die Verantwortung und die Entscheidungsfreiheit zu wählen – und zwar jeden Tag neu. Sei es, dass wir unsere Regierung wählen, wenn wieder mal Wahlen anstehen, oder uns zwischen Öko- oder Atomstrom entscheiden wenn es um die Energieversorgung unserer eigenen vier Wände geht. WIR sind letztendlich diejenigen, die mit unserer Nachfrage das Angebot dessen kreieren und  diktieren, was uns da in nächster Zukunft serviert werden wird.

Und deshalb haben WIR auch die Verantwortung, wenn wir etwas ändern oder geändert haben wollen. Wir sollten nicht nur lautstark danach schreien, dass die anderen etwas tun mögen, sondern WIR haben auch die Verantwortung, SELBST etwas zu tun. Und wenn es nur das ist, dass wir uns mit unserem eigenen Konsumverhalten und unseren Ansprüchen auseinandersetzen und offen sind, daran etwas zu verändern.

Noch effizienter wäre es allerdings, anstatt gegen Krieg oder für Frieden auf der Strasse zu demonstrieren, diesen zu allererst einmal im eigenen Leben zu etablieren und zu demonstrieren.

Der erste Schritt wäre wohl, Frieden mit sich selbst zu schließen. Wie das geht? Wikipedia definiert Frieden als Ergebnis von Friedensbemühungen und Fried-Fertigkeit. Dabei bedeutet Fertigkeit, dass etwas erlernbar ist. Wie also lerne ich Frieden?

Ist nicht Frieden ein elementarer Bestandteil des Begriffs Zu-Frieden-heit, also Frieden in uns selbst? Der erste Schritt zum inneren Frieden ist deshalb wohl, erstmal für sich selbst zu schauen, was Sie bereits alles Großartiges geschafft oder erreicht haben, anstatt danach zu trachten was noch fehlt. Sprechen Sie sich selbst für das bereits Erreichte eine ordentliche Portion Lob, Anerkennung und Dankbarkeit aus. Dankbarkeit ist dabei ein ganz wichtiger Faktor. Dankbar zu sein, für das, was da ist, und nicht hadern mit dem was noch fehlt (da wird es nämlich immer etwas geben was noch besser oder noch mehr sein könnte).
Danach schließen Sie Frieden mit sich – und mit all den inneren Stimmen, die Ihnen was erzählen von „Du musst aber“, „wieso ist mir das bloß schon wieder passiert“ und „das konnte ja gar nicht gut gehen…“
“Hören“ Sie auf Ihr intuitives Glücksgefühl!

 Wenn Sie diesen großartigen ersten Schritt erst einmal geschafft haben, ist es eigentlich gar nicht mehr so schwer, Frieden nach außen zu schließen.

 Ihr eigener innerer Frieden hilft Ihnen, mit den Nachbarn, mit dem Chef oder mit dem dummen Typen, der da vor mir in der Schlange am Schalter steht und der ausgerechnet heute wo ich es eilig habe, ein besonders kompliziertes Anliegen hat, oder mit einer belastenden Situation klarzukommen und in Frieden zu sein – so schwierig dies auch manchmal sein mag.

Eigener innerer Frieden und innere Zufriedenheit sind dann nur noch eine logische Konsequenz und lassen uns die Welt mit anderen, positiveren, zugewandten Augen sehen.

 Zum Schluss eine Weisheit von Mahatma Gandhi: „Es gibt wichtigere Dinge im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“