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Operation am offenen Herzen

7 Okt

Diesen Beitrag hielt ich am 25.09.2017 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

 

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

Hand aufs Herz – Erinnert ihr Euch noch an dieses gute alte Nokia-Handy?

Mein altes Nokia-Telefon

Mei, ist das lange her. Nokia Telefone gibt es ja schon fast so lange nicht mehr wie Nokia Fahrradreifen.

Was habe ich dieses Telefon geliebt! Es ist klein, leicht, und unkaputtbar. Seine großen Stärken waren – wie es sich für ein Telefon gehört – dass man optimal damit telefonieren konnte, und evtl. noch SMS schreiben. Das Beste war allerdings, dass mein gutes altes Nokia außerdem eine Akku-Laufzeit von 10 Tagen hatte! Noch mal zum Mitschreiben: Über eine Woche Akkulaufzeit!

Heutzutage gibt es ja Telefone, die sind so smart- die können ja beinahe alles: Telefonieren, im Internet surfen, fotografieren, navigieren – und wenn man Glück hat, hat man auch noch eine App zum Telefonieren. Und wenn man noch mehr Glück hat, hält der Akku sogar auch fast zwei Tage. Zwei ganze Tage!

Deshalb habe ich mich auch erst von meinem Nokia getrennt, als mich höhere Umstände dazu zwangen…

Genauso geliebt habe ich übrigens auch mein gutes altes Toshiba-Notebook! Windows XP, Office 2003 – gute ausgereifte ausspäh-sichere Software, die sich bewährt hatte. Die Festplatte hieß übrigens Schätzchen.

Auch die Trennung von Schätzchen fiel mehr sehr schwer. Vor ca. fünf Jahren, da war Schätzchen ca. 6 oder 7 Jahre, und kurz vor dem Verrecken. Immer wenn ich eine neue Hardware anschloss, wurde der Bildschirm ganz blau.

Blue Screen –

unter Kennern übrigens auch scherzhaft Blue Screen of Death (Blauer Bildschirm des Todes) oder Blauer Tod  genannt.

Nun ja, was tut man nicht alles für sein Schätzchen? Wie ihr Euch vielleicht schon denken könnt, bin ich eigentlich eher nicht so der technikverliebte Nerd. Dennoch entschied ich mich mutig für eine lebensverlängernde Maßnahme: Eine Erweiterung des Arbeitsspeichers sollte das Problem beheben. Von damals übliche 0,5 GigaByte auf dann sagenhaften 2,0 GigaByte!

Gesagt getan – bei einem Fachhändler zwei 2 neue 1-Giga Arbeitsspeicher gekauft, die auch prompt geliefert wurde. Das beste war: Sogar eine Montage-Anleitung wurde mitgeliefert. Wobei ich das zunächst gar nicht für nötig hielt, denn Bedienungsanleitungen sind ja eher was für Blondinen:
Also: Klappe hinten aufschrauben, Arbeitsspeicher einklicken, fertig.

Nun ja. Der Beamer, den ich anschließen wollte, lief immer noch nicht.

Also musste der zweite Arbeitsspeicher wohl doch noch montiert werden. Vielleicht erinnert ihr Euch: 2012 ist schon einen Weile her, damals waren diese „So reparieren Sie alles selbst“-Videos auf Youtube noch nicht so verbreitet wie heute. Also war ich froh, dass die Montage-Anleitung mitgeliefert worden war. Die Beschreibung klang einfach: „Der zweite Steckplatz für den Arbeitsspeicher befindet sich hinter der Tastatur.“

Wer von Euch noch nie an einem Laptop herumgeschraubt hat, kann sich das in etwa so vorstellen, wie eine Operation am offenen Herzen. Um den zweiten Arbeitsspeicher austauschen zu können, musste mehr oder weniger das komplette Innenleben demontiert werden, angefangen beim Akku über Festplatte, CD-Laufwerk und den Monitor- und Tastatur-Steckern. Dann kam der große Moment, wo die drei Roten lackierten Schrauben  aufgeschraubt werden mussten. Die drei rot lackierten Schrauben, die bedeuten:

„Achtung, Sperrgebiet – Lebensgefahr!

Wenn Sie hier weiter gehen, verlieren Sie jegliche Gewährleistungsansprüche!“ Nun ja, was eigentlich eh schon egal war – die Kiste war immerhin schon 6 oder 7 Jahren.

Also weiter schrauben – um den zweiten Steckplatz zu finden, mussten nun noch weitere Bauteile demontiert werden. So Nebensächlichkeiten wie Lautsprecher und WLan-Adapter.

Am Ende, nach Stunden,  war es geschafft. Und wir mussten zugeben: „Ja, der zweite Steckplatz für den Arbeitsspeicher befindet sich hinter der Tastatur.“
Aber etwas präziser ausgedrückt, war es in etwa so, als wenn wir eine Operation an der Wirbelsäule durch das Brustbein und die Rippen durchgeführt hätten! Ohne die Gedärme einfach beiseite zu schieben zu können, denn die Innereien des Computers mussten Stück für Stück demontiert werden.

Der Toshiba hat die OP übrigens gut überlebt – er läuft auch immer noch, wenn auch noch sehr langsam. So hab ich Schätzchen vor 4 Jahren durch einen Lenovo abgelöst. Aber das war natürlich nur eine rein geschäftliche Beziehung.

Obwohl das ganze eine sehr lehrreiche Erfahrung war, brauche ich so einen Nervenkitzel so schnell nicht wieder:
Wenn mein Smartphone jemals einen BlueScreen bekommen sollte, werde ich keine Speicher-Erweiterung oder ähnliche Operation vornehmen. Sondern dann freue ich mich, dass mein gutes altes Nokia noch funktioniert. Wenn das mal nicht nachhaltig ist!

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Die drei Tanten

15 Aug

Diesen Beitrag hielt ich am 14.08.2017 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

 

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

heute möchte ich Euch von meinen drei Tanten erzählen, namens Lizzy, Rita und Olivia, die lebten zusammen in einem Haus. Alle drei waren sehr freundlich und hilfsbereit zu jedermann. Meine Eltern sagten, sie seien alle auf eine sehr bodenständige Art und Weise intelligent. Bauernschläue sagten sie immer dazu. Mein Bruder und ich freuten uns als Kinder immer, wenn wir bei den Tanten zu Besuch waren – und das war ziemlich oft – denn sie erzählten uns immer lustige, phantasievolle Geschichten. Außerdem hatte jede von ihnen ein tolles Kuchenrezept, mit dem sie bei uns punkten konnten. Als wir klein waren, mochten mein Bruder und ich alle drei Tanten gleichermaßen gern. Das änderte sich allerdings, als wir beide älter wurden…

Ob es daran lag, dass die drei Tanten – jede auf ihre Weise – ein bisschen wunderlicher wurden oder wir beide älter wurden und über manche Dinge mehr nachdachten, lässt sich so im Nachhinein nicht mehr so genau sagen. Jedenfalls fiel uns auf, wie unterschiedlich die Tanten reagierten, wenn wir überschwänglich und begeistert von unseren Ideen, Plänen, Träumen erzählten. Denn natürlich waren unsere Ideen und Visionen in unserem jugendlichen Eifer manchmal eher von kurzer Dauer oder bei näherer Betrachtung nicht immer sehr schlau.

Wenn ich damals euphorisch von meinen – regelmäßig wechselnden – Berufswünschen erzählte, war Tante Lizzy meistens der Meinung, ich sollte ruhig alles auszuprobieren und viele Praktika machen, denn davon würde ich ja schließlich nicht dümmer. Keine unserer vielen Ideen schien ihr komisch oder kindisch oder zu phantasievoll. Sie war diejenige, die uns darin bestärkte, all unseren Interessen nachzugehen um zu schauen, was davon uns wirklich gefiele. So könnte ich mir eine eigene und fundierte Meinung bilden und am besten herausfinden, was mir am besten entsprechen würde. Regelmäßig vermittelte sie uns, dass jedes unserer Vorhaben grundsätzlich machbar wäre und fragte sie uns bei unserem nächsten Treffen, was wir von unseren Plänen umgesetzt hätten. Wenn es nicht so gelaufen war, wie wir es uns in unserem Eifer so ausgemalt hatten, lachte sie nicht etwa über uns, sondern ermunterte jeden von uns, zu schauen, zu überlegen, was gut gelaufen war und was wir andererseits vorher übersehen hatten und was wir daher beim nächsten Mal anders machen könnten. Dadurch fühlten wir uns ernst genommen von ihr und fühlten uns „erwachsen“. Außerdem waren wir motiviert, weiter zu denken und an der Umsetzung der diversen Vorhaben zu arbeiten.

Tante Olivia hingegen lachte oft über unsere Ideen. „Du musst zusehen, dass Du eine rote Linie in Deinem Lebenslauf hast“, riet sie mir in Bezug auf meine Berufswahl, „also mach‘ am besten was Seriöses, um Dein Geld zu verdienen.“ Dabei hatte sie aber schon sehr konkrete Vorstellungen, was dazu gut geeignet wäre und was nicht. „Wer braucht denn das schon? Das ist doch alles eine brotlose Kunst“, befand sie meinen Berufswunsch Schriftstellerin, den ich mit 13 zwischendurch mal hatte. „Was hast Du denn überhaupt schon zu sagen?“, fragte sie damals.
Ich fühlte mich damals wie der größte Idiot, so als ob ich keine Ahnung hätte und befürchtete ernsthaft, irgendwann mal unter einer Brücke zu enden. Selbstredend verfolgte ich den Berufswunsch der Schriftstellerin damals nicht weiter, sondern studierte erstmal was Seriöses: Wirtschaftsingenieurwesen.

Tante Rita hingegen war immer sehr realistisch, deshalb erklärte sie mir: „Es ist gut, große Träume und Ideen zu haben, wie Tante Lizzy Dich ermuntert. Gleichzeitig kann es dann leicht passieren, dass Du dabei zu hoch fliegst – und Dir wie in der Ikarussage die tragfähige Substanz wegschmilzt. Tante Olivia will Dich davor schützen, dass Du abstürzt, wenn es nicht so klappt, wie Du Dir vorgestellt hast. Vielleicht hat sie aber auch nur ein wenig Höhenangst“, fügte sie verschmitzt hinzu. Weil sie stets sehr betriebswirtschaftlich dachte, ergänzte sie: „Wenn Du aber ihre Einwendungen ernst nimmst, und über ihre Fragen ernsthaft nachdenkst, hast Du schon gleich einen guten Input für einen guten Business-Case. Schau am besten, ob Du nicht Menschen kennst, an denen Du Dich orientieren kannst.“

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

sicherlich fällt es Euch leicht, zu erraten, welche der drei Tanten wir lieber hatten. Leider war es nicht so leicht möglich, immer nur Lizzy oder Rita zu besuchen und nicht Olivia, denn sie wohnten ja im gleichen Haus.

Wie die Geschichte ausgegangen ist: Unter einer Brücke gelandet bin ich bislang nicht, aber immerhin habe ich schon fünf Bücher veröffentlicht. Auch wenn ich derzeit noch davon entfernt bin, vom Bücherschreiben leben zu können: Es ist immerhin ein netter Zuverdienst und schon mal ein guter Anfang.

Was Euch vielleicht an meiner Geschichte mehr überrascht ist: Mit Verwandten wie Lizzy und Olivia hatte jeder von uns schon zu tun. Denn Lizzy und Olivia sind zwei Instanzen in jedem von uns:
Lizzy repräsentiert den liebevollen, ermutigenden und visionären Anteil in uns, der uns hilft, unsere ehrgeizigen Pläne und Visionen strukturiert und zielstrebig zu verfolgen. Lizzy glaubt an sich selbst und an andere. Sie ermutigt jeden, für seine Wünsche und Träume einzustehen.

Olivia steht dagegen für unsere innere Kritikerin. Wenn wir zu sehr auf sie hören, fühlen wir uns unbedeutend, klein und wertlos. Wenn die Olivia in unserem Leben zu viel Raum einnimmt, kann das sogar so weit gehen, dass wir irgendwann selbst davon überzeugt sind, wert- oder nutzlos zu sein oder ein gutes, erfolgreiches Leben oder das Erreichen großartiger Ziele nicht verdient zu haben.

Rita steht für die Realistin. Sie verbindet die Visionärin und die Kritikerin in uns. Sie vereint das Großartige mit den Einwendungen zum Machbaren.

Deswegen: Nimm Dir regelmäßig ein bisschen Zeit für Dich und lausche Deinen inneren Stimmen. Pass darauf auf, mit welcher „Tante“ Du wieviel Zeit verbringst – denn egal, ob Du glaubst, Du schaffst etwas oder ob Du glaubst, Du schaffst eine Sache nicht: Du wirst immer recht haben!

Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte Wirklichkeit werden!

15 Mrz

Diesen Beitrag hielt ich am 13.03.2017 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

Wer von Euch hat schon mal von den „Wünschen an das Universum“ gehört? Oder sie sogar auch schon mal ausprobiert?

Ich hab das früher immer für einen großen Quatsch gehalten – bis ich bei Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ davon gelesen habe, wie er sich auf seinem Jakobsweg immer Einkehr-möglichkeiten gewünscht hat.

Deswegen dachte ich mir auf meinem eigenen Jakobsweg: „Super Sache, das muss ich auch mal ausprobieren. Schaden kann es ja eh nicht – im schlimmsten Fall passiert halt – nichts.“

Soll ich Euch was sagen? Es funktioniert!

An einem bewölkten Tag, wo es stundenlang bei Gegenwind durch die Weizenfelder ging, sagte ich mehr aus Spaß zu meinem Wegbegleiter: „Du, ich brauch mal ’ne Pause. Es wäre doch schön, wenn wir jetzt dann zum Picknicken eine Bank in der Sonne fänden.“
Er: „Hmm, so wie das hier aussieht – glaube ich nicht, dass wir eine finden. Lass uns doch noch ein bisschen weiterfahren.“

Ca. 10 Minuten später waren wir beide ziemlich perplex, als hinter einem Gehöft, das wir schon aus der Ferne gesehen hatten, ein ganzes Dorf samt Bank auf dem Dorfplatz auftauchte, wo wir tatsächlich ein Picknick machten.

Nun kann man sicher einwenden: Einmal kann das Zufall sein.
Aber ich hatte noch mehrere Erlebnisse dieser Art.

Nachdem ich in Santiago ankam, fuhr ich noch für einen Tag nach Finisterre. In meinem Reiseführer stand, dass das für Pilger zum Programm gehöre, also machte ich das.
Finisterre heißt übersetzt „Ende der Welt“. Tatsächlich ist es ein kleiner Fischerort am westlichen Zipfel von Galicien gelegen. Nach dem Ort geht es nur noch 4 km zu einem Kap. Dort liegt auf einer Art Klippe ein Leuchtturm – das Ende der Welt und des Jakobsweges.
Davon hatte ich in meinem Reiseführer auch schon Bilder gesehen, so hatte ich eine Vorstellung, wie es dort aussehen sollte.

Leider war es an dem Tag, an dem ich dort war, sehr neblig. Auf dem Weg zum Kap konnte ich kaum zwei Meter links und rechts der Straße etwas sehen. So saß ich kurz vor meinem Ziel eine Weile auf einem großen Stein – umgeben von Ginsterbüschen und Nebel. Dort wollte ich ein Pilgerritual durchführen. Das symbolische Verbrennen eines alten Kleidungsstückes – in meinem Reiseführer stand, dass das man das als Pilger so macht.
Ich hatte mich für meine Treckinghose entschieden, denn die war durch zwei Wochen quasi ununterbrochenes Tragen nicht nur erstarrt vor Dreck, sondern war von den vielen Rucksackreisen der Jahre davor auch schon ziemlich fadenscheinig geworden.

Während ich so auf dem Stein saß und meiner Hose beim Brennen zusah, hörte ich in der Distanz immer wieder das Nebelhorn des Leuchtturms tröten. Um mich herum immer noch nur Nebel. Ich dachte mir: „Ich wünsche mir Sonnenschein und keinen Nebel mehr, wenn ich vorne an dem Leuchtturm ankomme.“

Leider hatte ich bei meinem Ritual nicht bedacht, dass die Hose einen ziemlich hohen Kunstfaseranteil hatte. Anstatt zu verbrennen, schmolz sie eher zu einem Plastikklumpen zusammen. Als ich das Ritual beendet hatte, entsorgte ich den Plastikhaufen ordnungsgemäß in einem Mülleimer und machte mich auf die letzten paar Hundert Meter auf den Weg zum Leuchtturm. Erst nach einer ganzen Weile fiel mir auf, dass ich auf der anderen Seite der Meeresbucht durch den Nebel ein Stück Ufer und die Sonne blitzen sah. So musste ich plötzlich laut loslachen, denn ich war begeistert, wie schnell doch so Wünsche an das Universum in Erfüllung gehen.

Voller Wehmut, alleine an einem „so wichtigem Ort“ zu sein, dachte ich mir: „Wenn ich schon niemanden habe, der mit mir bis ans (sprich-)wörtliche Ende der Welt geht, möchte ich zumindest beim nächsten Mal, wenn ich den Jakobsweg begehe, mit jemandem zusammen bis zum Ende der Welt gehen. Oder zumindest mit jemanden den Weg zurück ins Leben gehen.“

Ich sagte es, sprach‘s und vergaß es auch schon wieder, weil ich so damit beschäftigt war, den nun nebelfreien Ausblick zu genießen und Pilgerrituale zu absolvieren. Anschließend ging ich zurück in den Ort und verbrachte dort die noch verbleibende Zeit bis zur Abfahrt meines Busses. Der Urlaub war für mich beendet. Abgeschlossen. Terminado.

Wehmütig und traurig setzte ich mich in den vollbesetzten Bus. Wie man das unter Pilgern so macht, begann ich mit meinem Sitznachbarn ein Gespräch: „Wie lange warst Du unterwegs?“ – „Neun Wochen“. „Freust Du Dich, nach Hause zu kommen?“ Er schwieg. Stattdessen machte er ein eher nachdenkliches Gesicht. „Weiß nicht.“
Das darauf folgende Gespräch erstreckte sich über die restlichen 2 Stunden Busfahrt und darüber hinaus – so als ob wir uns schon ewig kennen würden. Darüber hinaus heißt, dass wir mit einigen Unwägbarkeiten für die nächsten 1 ½ Jahre eine Beziehung führten. Die war einerseits sehr intensiv, aber gleichzeitig auch sehr anstrengend und brachte mich oft an den Rand meiner Kraft.
Dennoch – das Universum konnte nichts dafür, es hatte geliefert, was ich bestellt hatte.

Deswegen: Pass auf, was Du Dir wünscht – sei präzise und klar im Ausdruck – es könnte in Erfüllung gehen. Denn sonst sehen die Lieferungen auf Deine Bestellungen manchmal anders aus, als Du sie Dir vorgestellt hast!

Die Kunst des Zuhörens

30 Nov

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 28.11.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Die Kunst des Zuhörens

Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören um zu verstehen, sondern wir hören zu um zu antworten.“ (Verfasser unbekannt)

Dieser Spruch begegnete mir vor einigen Tagen und sofort fühlte ich mich ertappt und an etliche Situationen erinnert, in denen ich im Gespräch, während mein Gegenüber noch redete, bereits im Kopf schon die Antwort formulierte. Oder ich im schlimmsten Fall den Anderen vor lauter Ungeduld sogar unterbrach. Wer von Euch kennt solche Situationen noch?

Tragischerweise ist man in solchen Situationen vom Zuhören weit entfernt. Häufig antwortet man dann ohne irgendeinen Bezug auf das zu nehmen, was der andere zuvor gesagt hat. Seine Botschaft kommt so meistens gar nicht bei uns an – Konflikte sind vorprogrammiert.

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

schon Zenon der Ältere, ein griechischer Philosoph aus dem 5. Jh. v. Chr., beobachtete:
Die Natur hat uns nur einen Mund, aber zwei Ohren gegeben, was darauf hindeutet, daß wir weniger sprechen und mehr zuhören sollten.“

Ich weiß nicht, ob diese Schlussfolgerung von allen Toastmastern so geteilt wird, denn neben der Verbesserung der Rhetorikfähigkeiten spielt aberbei den Toastmastern auch das Zuhören eine große Rolle. Deshalb wird es auch in verschiedenen Ämtern und Führungsprojekten aus dem CL-Handbuch geübt.

Heute möchte ich euch auf eine Reise des Zuhörens mitnehmen und lehne mich dabei an ein Kommunikationsmodell des deutsch-amerikanischen Professor Otto Scharmer an. So möchte ich Euch heute einladen, in den 4 folgenden Ebenen Neues zu entdecken.

  1. Ebene: Denkgewohnheiten und Zuhören in der Qualität des Herunterladens. Das ist, als ob ich in einem Raum stehe, dessen Wände aus Spiegeln bestehen: Ich sehe und höre nur das, was schon da ist, was ich hören will bzw. was ich eh schon weiß. Alles andere dringt gar nicht zu mir durch. „Ja, das ist schon bekannt.“
    Oder ich höre nur „nebenbei“ zu, und mache gleichzeitig noch etwas anderes, sei es dass ich nebenher am PC arbeite oder mit meinem Smartphone beschäftigt bin. Durch diese Haltung nimmt man sich die Möglichkeit, vom Gegenüber etwas Spannendes oder Neues zu erfahren oder ihn näher kennenzulernen. So verpasst man Chancen auf neue Erfahrungen.
  2. Ebene: faktisches Zuhören – das ist, als ob ich am Rande meines Raumes von eben stehe, ich nehme war, was dort passiert und wenn ich Glück habe, entdecke ich durch ein Fenster nach draußen etwas Neues.
    Ich tausche mich auf sehr faktenorientierte Weise aus, in der Wissenschaft beispielsweise. Bei den Toastmastern gehören zum Beispiel auch Ämter wie der Sprachstil-Bewerter oder Füllwortzähler dazu.
    Faktisches Zuhören erfordert ein Innehalten, und eine Überprüfung seiner Urteils- und Denkgewohnheiten. Offenes Denken – damit ich überhaupt zu der Erkenntnis kommen kann: „Aha, das war jetzt für mich ein neuer Aspekt, das hatte ich bisher anders gesehen – oder das habe ich bisher noch gar nicht gesehen!“ anstatt: „Das ist falsch, das kann gar nicht sein“.
    Dafür ist es hilfreich, Fragen zu stellen oder zu paraphrasieren, um zu überprüfen ob man das ganze richtig verstanden hat. Die Hauptsache beim Faktischen Zuhören ist allerdings, erst die Fakten und Aussagen zu analysieren und dann erst Schlüsse daraus zu ziehen. So sagt auch der Dalai Lama:
    Wenn du sprichst, wiederholst Du nur, was du eh schon weißt; wenn du zuhörst, kannst Du unter Umständen etwas Neues lernen.“ – ist das nicht großartig?
  3. Ebene – ist das empathische Zuhören. Dies erfordert ein Umwenden oder auch ein Hinwenden. Um bei obigem Raum zu bleiben: Durch das geöffnete Fenster nehme ich auch Stimmungen wahr, die von draußen zu mir hereindringen – es ist das Wahrnehmen dessen, was zwischen den Zeilen steht oder auch das non-verbale. Zum Beispiel: „In Ihren Wort schwingt Ärger mit – gibt es etwas, mit dem Sie nicht einverstanden sind?“
    Durch Einfühlsamkeit lerne ich, die Realität aus der Perspektive des anderen zu sehen und kann dessen Lebensumstände mit empfinden, so in etwa wie in dem indianischen Sprichwort: „Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht 7 Meilen oder einen Monat in seinen Mokassins gelaufen bist!“ Für das empathische Zuhören hilft eine offene Körperhaltung und ein gelegentliches Zustimmen oder Nicken. Empathisches Zuhören bedeutet nicht, dass man die gleiche Meinung wie sein Gegenüber annehmen muss.
  4. Ebene – generatives Zuhören. Es bedeutet einen Raum intensiver Aufmerksamkeit und offener Präsenz zu schaffen, so dass der Redende die Möglichkeit bekommt, Dinge zu sagen, die ihm selbst noch nicht so bewusst waren.
    Anstatt Dinge aus der Vergangenheit zu reproduzieren, die schon da sind, erschaffe ich Neues, was aus dem Moment heraus entsteht.
    Ein Beispiel dafür ist die Improvisation eines Musikers in einem Orchester, der das größere Ganze hört und gleichzeitig sein Instrument so spielen kann, dass gemeinsam etwas Neues entsteht.

Wenn jemand diese Kunst des Zuhörens beherrscht, gewinnt der Ausdruck „jemandem Audienz gewähren“ so gesehen  eine neue Bedeutung: Denn Generatives Zuhören weckt im Gegenüber ein bisher noch nicht sichtbar gewesenes Potenzial. So kann eine im Entstehen begriffene Zukunfts­möglichkeit sich zumindest mal verbalisieren oder gar manifestieren.

Genau deshalb sind nicht Visionen die wichtigste Fähigkeit oder Eigenschaft einer Führungs- persönlichkeit. Sondern die Quelle von jeglichem großartigen Leadership ist das Zuhören, denn es bringt nicht nur Neues hervor, sondern kann auch das höchstmögliche Potenzial in anderen Menschen zum Vorschein bringen.

Ackern wir uns zu Tode?

9 Aug

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 08.08.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Karōshi.

Karōshi ist japanisch und bedeutet Tod durch Überarbeiten. Also einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Die Todesursache ist dabei meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Japan trat das Phänomen bereits in den 1970ern auf, wo Arbeitnehmer über Jahre hinweg sechs bis sieben Tage pro Woche mehr als zwölf Stunden täglich arbeiteten.

Aber auch in Deutschland machten vor einigen Jahren ähnliche Schlagzahlen in Deutschland die Runde: Arbeiten bis zum sprichwörtlichen Umfallen – immer mehr Menschen brechen heutzutage stressgeplagt bei der Arbeit schwer erkrankt zusammen – und scheiden nicht selten nach Burnout, Schlaganfall oder Herzinfarkt komplett aus dem Berufsleben aus.

Ackern wir uns zu Tode? Ich sage: Nein.

Denn seit 3 Jahren haben wir uns ein Stück Ackerfurche gepachtet, daher bin ich der Meinung wir ackern nicht viel genug!
Im Gegenteil, seitdem bin ich der Meinung, dass das Betreiben von Ackerbau oder zumindest einer kleinen Acker-Parzelle oder eines kleinen Gartens Stress reduziert und so vor dem Umfallen bei der Arbeit schützt:

Somit möchte ich Euch 3 Gründe nahelegen, warum m. E. jeder Ackerbau betreiben sollte:

  • Es ist gesund. Insbesondere Menschen, die sonst viel Zeit vor dem Computer sitzen und vor allem solche, die nicht ganz so sportlich sind, haben dadurch die Möglichkeit, Zeit an der frischen Luft zu verbringen und sich auf einfache Weise körperlich zu betätigen.
  • Egal, mit was für hochgeistigen Projekten und Ideen wir uns in unserer Arbeit beschäftigen, die Hände in der Erde zu haben, Unkraut zu jäten oder Saatgut bzw. Setzlinge zu Pflanzen verbindet uns mit dem Boden der Tatsachen. Es erdet ungemein.
    Wenn ich auf unserem Acker stehe und sehe, wie viele vor mir liegende Meter Acker noch umgegraben, Unkraut gezupft oder bepflanzt werden soll, geht es mir immer so wie dem Straßenkehrer Beppo in Michael Endes Buch „Momo“:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist schrecklich lang, das kann man niemals schaffen.
Aber man darf niemals die ganze Straße auf einmal denken.
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich.
Auf einmal merkt man, dass man die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist gar nicht außer Puste.“

So gesehen, finde ich, hat Ackern etwas Meditatives!

  • Es erhöht die Wert-Schätzung gegenüber unserer Nahrung.
    Das selbst angebaute Gemüse zu essen, macht mich stolz. Außerdem schmeckt es viel besser als gekauftes. Wenn ich im Laufe von Wochen und Monaten sehe, wie viel Arbeit nötig ist, um 5 Karotten zu ernten, auch wenn die Arbeit noch so viel Freude macht, kommt mir immer wieder der Gedanke in den Sinn, unter welchen Bedingungen wohl die Karotten aufgewachsen sind, die man für 79 Cent das Kilo im Supermarkt kaufen kann.

Vermutlich denkt sich jetzt der eine oder andere von Euch: „Ich wohne hier in der Stadt, wie soll ich mir da ein Stück Acker leisten können bei den Bodenpreisen“ – oder: „Schrebergärten sind mir zu spießig.“

Auch in der Stadt gibt es verschiedene Möglichkeiten oder Initiativen, die dabei helfen, sich ein Stück Acker zu mieten und Gemüse anzubauen:

  1. Krautgärten – eine Initiative der Stadt München, gibt es in vielen verschiedenen Stadteilen
  2. ÖBZ (Ökologisches Bildungszentrum) in Daglfing
  3. O’Pflanzt is-Gemeinschaftsgärten – eine Privatinitiative in Schwabing/Neuhausen

So möchte ich abschließen mit einem Zitat des  indischen Dichters und Philosophen Rabindranath Tagore (1861 – 1941):

„Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen durch den Garten.“

Also, worauf wartet ihr noch?

Bist Du richtig verbunden?

17 Jun

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 13.06.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Was haben das Internet und Spiritualität gemeinsam?

Nun, auf den ersten Blick nicht so viel. Bei genauerem Hinsehen können beide dieser scheinbar sehr verschiedenen Bereiche mit dem Begriff „Verbundenheit“ zusammen-gefasst werden.

Nun wird Spiritualität sowohl aus der Sicht von sehr religiösen Menschen als auch aus der Sicht von eher a-religiösen Menschen häufig als etwas esoterisch betrachtet. Dabei wurde Spiritualität sogar wissenschaftlich erforscht. Es wurden viele Menschen befragt und als Ergebnis kristallisierte sich der Begriff „Verbundenheit“ heraus – Verbundenheit, mit dem was uns umgibt.

Anhand einiger Beispiele möchte ich Euch zeigen, dass Verbundenheit gar nicht so etwas Exklusives ist wie viele meinen, sondern es möglich ist für jeden, diese in der einen oder anderen Dimension zu erfahren – von diesen Dimensionen gibt es vier:

  1. Verbundenheit mit der Natur, dem Kosmos
    Wer von Euch beispielsweise schon mal in den Bergen war und auf dem Berggipfel das Gefühl von besonderer Erhabenheit oder Demut beim Ausblick über die Umgebung hatte, kann nachvollziehen, was ich meine.
    Genauso, wie ein Spaziergang im Wald oder das Rauschen des Meeres am Strand ein Gefühl von Einssein mit der Natur hervorrufen kann.
  2. Verbundenheit mit den Mitmenschen, der sozialen Umwelt
    Das kann sich beispielsweise darin zeigen, wenn man an einen lieben Menschen denkt – und dieser dann ein paar Minuten später anruft.
    Oder wenn im gemeinsamen Gespräch aus dem Moment heraus neue Ideen und Möglichkeiten entstehen, die einer alleine nie gehabt hätte – die höhere Intelligenz der Gruppe sozusagen.

Das ergibt quasi eine horizontale Achse, deshalb werden diese beiden Dimensionen auch horizontale Verbundenheit genannt.

  1. Verbundenheit mit sich selbst
    Das bedeutet, zu fühlen – nicht nur vom Kopf her zu wissen -, wie ich mich gerade fühle. Bin ich traurig, bin ich glücklich, müde oder erschöpft, und dies wirklich zu fühlen.
  2. Verbundenheit mit dem Universum, dem Göttlichen, dem Größeren Ganzen
    Für eine wissenschaftliche Arbeit habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die dafür unterschiedliche Begriffe oder Namen haben. In den monotheistischen Religionen sagt man: Gott, JHWE oder Allah, bei den Indianern sagt man glaube ich „großer Geist“ und für wieder andere ist damit ein universelles Wirkprinzip gemeint, das allem zugrunde liegt.
    Egal wie sie es nennen, die Menschen empfinden eine Verbundenheit mit etwas, das sie übersteigt und das dann bei ihnen den einen oder anderen guten Ein-Fall hervorruft.

Was eine vertikale Achse ergibt, die sich mit der horizontalen Achse im Individuum kreuzt, genauer gesagt: In dessen Herz.

Verbundenheit

Das ist die Essenz der Verbundenheit. Man erzeugt sie am besten, indem man jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Also NICHT indem man während einer Unterhaltung oder bei einem Spaziergang durch den Wald nebenbei noch schnell Emails liest, sondern einfach nur da ist – mit all seinen Sinnen und aus dem Herzen heraus.

Präsent zu sein heißt, jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. So, wie es sich anfühlt, wenn man barfuß am Strand den Sand zwischen den Zehen fühlt, oder das Vogelgezwitscher oder beim Spaziergang den Duft des Waldes wahrnimmt. DAS ist echte Präsenz.

Nicht zuletzt bedeutet das englische Wort present für Präsenz auch Geschenk.

Verbundenheit IST ein Geschenk, zumindest mal für uns selbst. Denn wir verschaffen uns dadurch Momente, die uns in Erinnerung bleiben. Erinnerungen sind es schließlich, die das Leben ausmachen.

Deshalb möchte ich Euch einladen, verbunden zu bleiben – und zwar nicht dem Smartphone sondern so wie auf dem obigen Flipchart.

 

Eindrücke vom Camino (2): Mit dem Finger auf der Landkarte

29 Jul

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 29.07.2015 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Reisen ist schön. Deshalb tue ich es auch sehr gerne. Gerade komme ich zurück von meiner Tour mit dem Fahrrad auf dem – wie sollte es bei mir anders sein? – Jakobsweg. Und zwar dem Streckenabschnitt von München bis an den Bodensee. Wir sind direkt von der Haustür aus weggeradelt!

Ich muss sagen, für mich ist Reisen immer doppelt schön, denn die Reise beginnt bei mir schon mit der Vorbereitung. Vor allem bei Wander- oder Radtouren wird der Urlaub geradezu minutiös ausgeplant. Wie viele Kilometer, wo wird übernachtet, und so weiter. Kennt ihr das? Macht das von Euch auch jemand so? Wem von Euch geht es ähnlich?

Dann könnt ihr ja gut nachvollziehen, wieviel Freude – vor allem Vor-Freude – es macht, sich die Höhenprofile anzuschauen sowie die Etappenbeschreibung und die der Zielorte durchzulesen. Fast ist es, als wäre man schon unterwegs und auch schon fast am Ziel.

 

Dennoch war beim Reisen selbst, beim Radfahren dann alles anders. Denn in keinem Reiseführer steht, wie es sich anfühlt, stundenlang das Gewicht seines Rucksacks auf den Schultern zu spüren. Oder wie extra-anstrengend es ist, bei über 35 Grad in praller Sonne zu fahren. Zwar war die enorme Hitze nicht wirklich überraschend, weil das Wetter ja entsprechend vorher gesagt war. Dennoch war es einfach wunderbar, bei der Affenhitze den kühlen Fahrtwind auf der Haut zu spüren, das kann einem keine Planung ermöglichen.

Aber: Beim Reisen selbst war dann auch alles anders als in der Theorie, weil auf keiner Landkarte eingezeichnet war, an welchen Streckenabschnitten das Zwitschern der Vögel oder das Muhen der Kühe zu hören war. Könnt ihr es hören?

Und die Gerüche erst, auch die waren nirgendwo verzeichnet. Aber dennoch: ein Traum! Ich liebe es einfach, wenn es nach Sommer riecht! Nach frisch gemähtem Heu an einem Ort, oder ein paar Kilometer weiter im Wald, wo es so schön nach frisch geschlagenem Holz roch.

Letztendlich ist es aber mit dem Reisen wie mit allem im Leben, egal ob es berufliche Projekte oder Ziele sind oder private: Man wird niemals dort hinkommen, indem man davon träumt oder es plant, so lange man sich nicht auf den Weg macht.

Was mein Leben mit Höhlenforschung und Edelsteinen zu tun hat

8 Jun

Diese Gedanken hielt ich (so oder so ähnlich) als freie Rede am 12.05.2014 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Über Ostern war ich mit einer Freundin per Fahrrad im Inntal unterwegs. So hatten wir Gelegenheit, all die Städte und Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst im Auto auf dem Weg zum Gardasee immer achtlos vorbei fährt, auch einmal „live“ anzusehen.

In Wattens machten wir deshalb einen kleinen Abstecher zu den Svarowski-Kristallwelten. Neben einer schönen Parkanlage konnte man auch diverse unterirdische Wunderkammern bestaunen, die eine Entdeckungsreise durch die Werke verschiedener Künstler ist. Unterstützt durch diverse audiovisuelle Effekte interpretierten diese Höhlen auch die verschiedenen Facetten der von Svarovski produzierten Kristalle.

Und als der Trubel und das kommerzielle Trara irgendwann anfingen mich zu langweilen, kam mir der Gedanke, dass mein Leben mir von außen betrachtet auch manchmal vorkommt wie eine dunkle Höhle, aber wenn ich mir dann die Zeit nehme, in die Tiefen hinabzusteigen, auch der eine oder andere Edelstein zum Vorschein kommt.

Deshalb möchte ich Sie bzw. Euch, liebe Toastmaster und liebe Gäste, nun mitnehmen auf eine kleine Höhlen-Reise durch Christinas Leben:

Die erste Höhle war – wie bei jedem anderen Menschen auch – die Bauchhöhle meiner Mutter. Von dort ging es in eine mittelgroße Vorortgemeinde im Hamburger Umland. Wenn ich diese mit einem Münchner Vorort vergleichen müsste, würde ich sagen, es ist irgendwas zwischen Ober- und Unterschleißheim. Zum Wohnen für junge Familien vielleicht noch ganz ok, aber als Teenager ziemlich öde.

Nachdem Abi studierte ich dann – als perfekte Synthese aus den Berufen meines Vaters, eines Ingenieurs, und meiner Mutter, einer kaufmännischen Angestellten – Wirtschaftsingenieurwesen an einer privaten Fachhochschule in Norddeutschland. Zu Hause war ich damals eigentlich mehr oder weniger nur noch zum Schlafen, denn das Motto dieser Zeit war: „Hart feiern & hart arbeiten“. Da wir hinsichtlich der Vorlesungen eine Anwesenheitspflicht hatten, ließ ich auch selten eine Party aus, weder auf dem Campus noch auf der Hamburger Piste.

Dennoch wurde es mir bald zu eng in meinem Leben, sowohl in dem Unternehmen, in dem ich das studienbegleitende Praktikum machte, als auch zu Hause, wo mir dauernd jemand „einen Tisch über meine Füße“ stellte. So war ich letztendlich froh, dass mich mein ersten „richtiger“ Job nach meinem Studium nach München verschlug.

Nicht nur, weil die Position im Produktkosten-Controlling eines Automobilunternehmens mit drei Buchstaben exakt der Job war, den ich mir gewünscht hatte. Es war und ist nicht nur eine ideale Aufgabe, um sowohl technische wie auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse optimal zum Einsatz zu bringen. Sondern war auch deshalb ideal, weil ich in München sogar gleich zwei Personen gekannt hatte, was mir den Sprung in eine neue Arbeitsumgebung und auch den Aufbau eines neuen Freundeskreises deutlich erleichterte.

Während ich anfangs voll Elan und Freude in der Arbeit dabei war, Zahlen in den Mittelpunkt zu stellen und für Kostensenkungen zu kämpfen, kämpfte ich auch in meiner Freizeit mit Freunden oder in semi-professionellen Wettkämpfen mit dem Fahrrad um Leistung, Höhenmeter und gegen innere und äußere Schweinehunde.

So war es nicht erstaunlich, dass ich mich immer öfter in Situationen wiederfand, in denen ich mich nicht mehr richtig freuen konnte. Ich merkte, dass irgendwann etwas ganz Essentielles auf der Strecke geblieben war: Der Faktor Mensch – und zwar nicht nur in Bezug auf meine Arbeit, sondern vor allem in Bezug auf mich selbst. Anscheinend hatte ich vor lauter Kämpfen und Rennen unterwegs mich selbst irgendwo verloren.

Und in dieser Situation fand ich mich 2007 mit dem Fahrrad auf den Jakobsweg wieder. Eigentlich hatte ich nur zwei Wochen und alleine vor mich hin radeln wollen – und bekam im Laufe der Zeit nicht nur haufenweise Erkenntnisse über mich selbst sondern wie sich später herausstellen sollte, war diese Reise auch der Wendepunkt meines bisherigen Lebens.

Erst später wurde mir klar, dass sich mein Zustand, in dem ich mich auf den Jakobsweg begab, guten Gewissens als Burnout bezeichnen ließ. Ich glich einem Stück Kohle, dass kurz davor war, verheizt zu werden. Bis es aber so weit war und ich für mein Leben die notwendigen Konsequenzen daraus zog, sollten noch einige Jahre vergehen. Einige Jahre der Selbstfindung, mit vielen dunklen Momenten und schmerzhaften Auseinandersetzungen mit mir selbst – „Höhlenforschung“ quasi. Wenn ich in dieser Zeit nicht aber auch gleichzeitig einige Lichtblicke gehabt hätte, oder Momente in denen mir verschiedene und mir völlig neue Facetten meiner selbst entgegen gestrahlt hätten, hätte ich vermutlich zwischendrin aufgegeben.

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass der Druck, dem ich selbst mich und mein Leben ausgesetzt habe, mich gerade – wie jeden anderen Menschen auch – zu einem kleinen aber feinen Diamanten formt. Heute bin ich wieder ein kreativer und selbstbestimmter Mensch, der gelernt hat, die eigenen Grenzen zu beachten und seiner Inneren Stimme zu folgen. Heute tue ich Dinge, die ich vor zehn Jahren nie für möglich gehalten hätte.

Die Zeit wird ihr übriges dazu beitragen, die vielen verschiedenen weiteren Facetten, die noch in mir schlummern, zu schleifen und zum Leuchten zu bringen. Und wer weiss, ob nicht auch die Toastmasters ihren Beitrag dazu leisten werden, der einen oder anderen Facette von mir einen Feinschliff zu geben.

Ich bin mir sicher, dass kein Svarowski Stein der Welt mit dem Kristall mithalten kann, der im Inneren eines jeden Einzelnen von uns zum Leuchten und Strahlen gebracht werden möchte.

Herzlichen Dank!