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Vom Schleudergang und der Wäscheleine

3 Dez

Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, ist mein Leben seit ein paar Wochen ziemlich turbulent, seit ich mich mit einem Knoten in der Brust auseinander setzen darf/durfte. Ich wähl(t)e diese Formulierung bewußt und mit Bedacht, denn eine andere mögliche Formulierung „Verdacht auf (Brust-)Krebs“ erzeugt bei vielen in unserer Gesellschaft – und ich habe gemerkt, dass ich mich davon selbst auch nicht ganz freimachen konnte – Bilder und Ängste, denen ich mich selbst nicht noch zusätzlich (über meine eigenen Gedanken hinaus) aussetzen will und wollte.

Was meinen Beschluss vom letzten Beitrag betraf, mich als gesund zu betrachten, so lange man nichts Genaueres wüsste, war das im übrigen einfacher dahergesagt als umgesetzt. Für mich – und das ist natürlich eine sehr subjektive Entscheidung – beinhaltet(e) dies, meine Arbeit so gut es mir möglich ist/war wahrzunehmen, anstatt die Möglichkeit einer Krankschreibung in Erwägung zu ziehen. Meine Motivation war natürlich einerseits, mich durch die Arbeit ein bisschen abzulenken von einem destruktiven Gedanken-Karussell, das mich in ruhigeren Momenten überfiel, und von den Schmerzen, die ich durch die Untersuchungen hatte. Andererseits besagt ja irgendein geistiges Gesetz, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt, deshalb wollte ich meinen geistigen Focus bewusst lieber auf Gesundheit, Heilung, Wohlbefinden und konstruktives Handeln legen sowie vor allem ein „gutes Resultat“ anstatt Krankheit und Panik vorzuprogrammieren (das kam auch schon von alleine in meinen Kopf, und es kostet(e) mich kontinuierliches Dranbleiben, um meinen Focus aktiv auf das Positive zu lenken, das ich gerade meinem Leben vorfinde).

Es gab für mich gute Entscheidungen…

Um mich nicht zusätzlich noch mit den Ängsten und Mustern anderer auseinander zu setzen, wählte ich auch mit Bedacht, wem ich was von meinen Untersuchungen erzählte. Letztendlich waren das nur eine Handvoll Personen, die mir entweder sehr nahe standen oder solche, von denen ich mir in irgendeiner Form sachdienliche Unterstützung versprach (die meisten davon Therapeuten). Das hat für mich übrigens gut funktioniert, denn fast alle dieser Menschen ermutigten mich, ein positives Untersuchungsergebnis in den Focus zu nehmen.

Wenn man das jetzt so liest, könnte man annehmen, ich hätte Verdrängung praktiziert. Bis zu einem gewissen Grad (nämlich dem, der mein Leben seine Struktur behalten liess) stimmt das sicherlich auch. Aber natürlich nahm ich mir (alleine wie auch mit ein paar Therapeuten meines Vertrauens) auch ganz viel Zeit für „innere Arbeit“, Friedens- und Vergebungsrituale. Dazu gehörte für mich auch, alle möglichen und zum Thema passenden Impulse aufzugreifen, die sich zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten zeigten, seien es durch Gespräche, durch Assoziationen zu verschiedenen Themen in Verbindung mit der Diagnose oder einfach so. Was für alter Schotter, Verkrustungen und alte Glaubenssätze da zu Tage kam… anstrengend.

… und Fehlentscheidungen

Genauso anstrengend war übrigens auch meine Entscheidung, die Folge-Untersuchung (Biopsie) noch um 1-1,5 Wochen hinauszuzögern, denn letztendlich würde eben nur diese Untersuchung Klarheit in die eine oder andere Richtung bringen. Mein Vorsatz mit dem positiven Denken war über die Zeit immer schwieriger aufrecht zuerhalten, und meine Gedanken schwankten irgendwo zwischen „Es ist alles gut, das Gerät muss einen Fehler gehabt haben, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Oh nein, will ich doch gar nicht wissen was dabei herauskommt“.
Und blöderweise wartete ich auch ungefähr noch einmal den gleichen Zeitraum, bis ich mich in der Lage sah, ein wie auch immer geartetes Biopsie-Ergebnis hören zu wollen. Das war ein wenig, wie in der Luft zu hängen… Aber das hatte ich ja selbst so entschieden, das Ergebnis wäre viel eher verfügbar gewesen.
Währenddessen hab ich viel Kraft gebraucht, „Wenns-und-Abers“ zu jonglieren oder Schutzmauern gegen Angstgedanken aufrecht zu erhalten, die sich am Ende zum Glück als überflüssig herausstellten; der Tumor ist gutartig. Insofern bin ich nicht sicher, ob ich das in der Form noch einmal so entscheiden würde.

Unabhängig davon ist die Kuh noch nicht vom Eis, denn das „Teil“ ist ja immer noch da. Meine Meinung bzw. mein Bauchgefühl und die Empfehlung zweier Ärzte liegen bezüglich der weiteren Vorgehensweise ziemlich weit auseinander. Vermutlich weil wir grundsätzlich nicht das gleiche Weltbild teilen. Auf weitere Details verzichte ich an der Stelle, denn es könnte der Anschein von Ärzte-Bashing entstehen.
Zum Glück leben wir in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gilt. Gerne lasse ich vorerst meinen Ärzten ihr Weltbild – und genausowenig lass mir derzeit meines nehmen.

Wer recht hat (sofern es so etwas bei Meinungen überhaupt gibt), wird sich im Januar  zeigen, wenn die nächste Untersuchung ansteht…

 

Warum schreibe ich all dies?

Ganz sicher nicht, weil ich der Meinung bin, dass der Weg den ich gewählt habe, der einzig richtige und glücklich machende ist. Vielmehr habe ich mittlerweile die Demut anzuerkennen, dass es sowieso völlig unerheblich ist, was man sich theoretisch vorher überlegt.
Sondern weil ich es für wichtig halte, und jeden gerne dazu ermutigen möchte, in einer bestimmten individuellen, konkreten Aufgabenstellung, mit der Du gerade konfrontiert sein magst (egal ob das jetzt gesundheitliche oder andere persönliche Fragestellungen sind), immer neu und in Abstimmung mit der eigenen inneren Stimme Deine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Denn egal, was andere Menschen Dir sagen, es entspringt deren Erfahrungen und Wahrheiten, die können mit Deinen eigenen übereinstimmen, müssen es aber nicht. Letztendlich ist die einzige Person, die mit den Konsequenzen (D)einer Entscheidung leben musst, DU SELBST. Also, sei ehrlich mit Dir selbst und vertrau Dir. Schaue und prüfe für Dich, welches DEINE Wahrheiten sind, welche Unterstützungs- und Lösungs-möglichkeiten bzw. Therapeuten FÜR DICH passend sind, welchen Menschen DU (Dich an)vertraust und welche Weisheit DEIN Körper und DEINE innere Stimme mit in den Prozess einbringen können. Wenn Du Deine eigene Intuition bislang noch nicht kennengelernt hast: Erlaube Dir, neugierig zu sein und noch Neues über Dich zu entdecken.

Ich wünsche Dir bei Deinen Entscheidungen viel Kraft, ein gutes Händchen und immer die richtigen Berater.
Das wichtigste aber ist m. E.: Schaue immer, welchem Weg Du folgst. Folgst Du der Angst (die Dir jemand macht oder versucht zu machen?) oder dem Gegenteil davon – was auch immer das für Dich sein mag (Freude, Zuversicht, Vertrauen, dem Lebendigen oder … vielleicht hast Du ein anderes Wort dafür).

Einen guten Weg wünscht Dir
Deine Christina Bolte