Tag Archives: Leben
Video

Metamorphose – Veränderung

17 Aug
Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling – wie sie sehr schön in diesem Video von Terra X zu sehen ist – erklärt wie ich finde wunderbar, warum uns Transformation so schwer fällt.
Was wir für uns daraus ableiten können, ist:
1. Es braucht Geduld und Vertrauen – um die Phase zu überbrücken, in der „das Alte“ (die Raupe) nicht mehr passt und „das Neue“ (der Schmetterling) noch nicht seine Form gefunden hat, ja diese teilweise sogar noch nicht mal erkennbar ist.
2. Rückzug und Kraftschöpfen (in jeglicher Hinsicht) sind dabei ein guter Weg.
Viel Spass bei Eurer persönlichen Veränderung – auf dass Euch bald die Flügelchen trocken sind und ihr mit Leichtigkeit Eure neue Lebensphase genießt.
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Begegnungen

21 Mai

Gerade habe ich mich wieder mal auf den Weg gemacht – auf den Jakobsweg…

Dabei bin ich noch nicht einmal losgegangen, sondern nur mit dem Bus vom Flughafen in Vigo (Spanien) zum meinem Startort Valenca do Minho, der nördlichsten Stadt in Portugal, gefahren, wo ich morgen losgehen werde.

Dabei ist mir eine Sache sofort wieder aufgefallen (und ich vermute, das ist einer der Gründe, warum Menschen wieder und wieder pilgern gehen), die hier, unterwegs, total anders ist als in Deutschland – nämlich wie leicht man mit anderen Menschen ins Gespräch kommt. Anscheinend ist ein Rucksack oder eine Jakobsmuschel ein willkommenes Erkennungszeichen, um sich zu trauen, jemand Wildfremdes anzuquatschen – als ob alle anderen Menschen beissen würden… Ich jedenfalls finde es schön, wenn Menschen sich mitteilen – teilen, wer sie sind und was sie ausmacht. Das macht (unter anderem) für mich das Wesen des Jakobsweges aus.

Dabei wäre es doch eigentlich gar nicht so schwer, dies auch zu Hause zu tun, denn alles was man tun muss ist, mit offenen Augen und offenem Herzen herumzulaufen – anstatt wie es viele Menschen in meiner Münchner Heimat tun, sich hinter ihren Smartphones oder ihrer Musik zu verbarrikadieren, so dass man sich auch gar nicht trauen würde sie anzusprechen. Man könnte. sie ja dabei stören. Ich glaube jedenfalls, ich werde es mal ausprobieren, wenn ich wieder nach Hause komme, und einfach mal sehen was passiert, wenn ich mir meine Jakobsmuschel an meine Handtasche befestige. Wer weiss, wer mich da alles anspricht.

Habt ihr noch Ideen, um in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen? Dann freue ich mich, wenn ihr sie mir mit-teilt.

Herzliche Grüße von unterwegs

von

Christina Bolte

Vorsprung durch Technik?

3 Apr

Neulich war ich auf einer Veranstaltung, wo es darum ging, wie wir in Zukunft leben wollen. Natürlich lag der Schwerpunkt der Frage auf dem „WIE wollen wir in Zukunft leben?“ – und wie so ganz häufig wird man dann ganz schnell in Szenarios von hochtechnologisch ausgefeilten Visionen versetzt. Technischer Fortschritt par exellance. Virtual-Reality-Glasses oder Stichworte wie Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und ultimative Vernetzung werden genannt.

Ob diese Szenarien, sollten sie ganz oder nur in Teilen, irgendwann in ferner oder nicht mehr ganz so ferner Zukunft zur Realität werden, uns mit Freude, Begeisterung oder mit Angst erfüllen werden, ist sicherlich individuell unterschiedlich und hängt in hohem Maße davon ab, welches Menschenbild und welche Lebenseinstellung insgesamt jeder einzelne hat.

Was mich jedoch viel mehr beschäftigt – und es ist schade, dass dieser Aspekt auf Veranstaltungen wie die anfangs erwähnte meistens völlig ausser Acht bleibt – ist, dass man den Schwerpunkt der Frage genauso gut auf das WIR oder das LEBEN legen könnte, also: „Was bedeutet LEBEN in der Zukunft?“ oder: „Wer ist das WIR, das wir in Zukunft leben wollen?“

Denn wenn ich an die Zukunft denke, denke ich nicht darüber nach, ob mir sprechende und vernetzte Kühlschränke das Leben vereinfachen, wieviel komfortabler ….. Nein, mich interessiert viel mehr, wie wir Menschen miteinander umgehen, wenn sie in einem noch größeren Maße als heute schon eine Koexistenz mit Maschinen und technischen Geräten führen. Ist es ein empathischer, liebevoller Umgang oder einer eine Begegnung voll Misstrauen und gegenseitiger Kontrolle?
Mich interessiert, wer WIR sind. Besteht unsere Gesellschaft in der Zukunft nur aus Menschen, die ein gutes und uniformes Leben führen, in dem Menschen, die aus dem Rahmen fallen oder aus Gründen (Krankheit, Behinderung oder Armut beispielsweise), für die sie nichts können oder auch doch, durch das Raster fallen und ein Leben im Untergrund oder in Ungnade fristen müssen? George Orwell bezeichnete dies mit „gleicher als gleich“ sein. Oder ist unsere Zukunft groß genug für Menschen, in der sich jeder nach Gutdünken, Wissen und Gewissen entfalten und leben können wie sie möchten – und in der man sich dabei unterstützt und in der jeder dem anderen mit offenem Geist, offenem Herzen und Respekt begegnen kann?

Mich interessiert die Frage, wo ist mein Platz in dieser Welt, wenn bestimmte Tätigkeiten und Dienstleistungen von Maschinen übernommen wurden oder werden. Werde ich meine Träume realisieren und malen, schreiben, singen, tanzen und spazierengehen können? Oder werde ich ein Leben in Langeweile fristen, weil alle sinnvollen erscheinenden Berufstätigkeiten nur noch durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz ausgeführt werden dürfen (u. a. weil menschliche Arbeit zu teuer geworden ist)? Oder werde ich womöglich nur noch ein Sklave dieser technischen, überlegenen Spezies sein?

Und schliesslich bewegt mich noch die Frage, ob es in ferner Zukunft überhaupt noch Menschen auf diesem Planeten geben wird – oder sind wir gerade auf dem besten Weg uns selbst überflüssig zu machen und abzuschaffen? Getreu dem Motto des Witzes:

„Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: ‚Wie gehts dir?‘, antwortet der andere: ‚Schlecht, ich hab Menschen.‘ Darauf tröstet ihn wiederum der eine: ‚Ach, keine Sorge, das geht vorbei.‘ „

Was bewegt Sie, wenn die an die Zukunft denken – welche Szenarien wünschen Sie sich?
Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Ihre
Christina Bolte

Geh heim – finde Dich selbst

4 Feb

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade meiner lieben Freundin Irene aus Wien zum Thema „Neu starten und endlich deine Berufung leben„,  die unter diesem Link zu finden ist:

Mein Weg (zurück) in mein Leben

Nach meinem Abitur studierte ich im Rahmen eines dualen Studiums (was damals noch ein Novum war) Wirtschaftsingenieurwesen, kam also direkt nach meinen beiden Elternteilen (mein Vater war Ingenieur, meine Mutter Kaufmännische Angestellte). Auch aus heutiger Sicht würde ich noch sagen, dass es damals genau das richtige für mich war. Es machte mir Spass – und sicherte mir darüber hinaus gute Jobaussichten.

Und so zog ich dann für meinen ersten Job direkt nach dem Studium 800 km in den Süden (damals wohnte ich noch in Hamburg), um bei einem größeren Münchner Arbeitgeber in der Automobilbranche im Produktcontrolling zu beginnen. Die neue Stadt, die tollen Kollegen und die Herausforderungen bei der Arbeit begeisterten mich zunächst sehr, vor allem die Vorteile des „von oben“ angeordneten Überstundenabbaus ermöglichten mir, insbesondere im Winter längere Urlaubsreisen in den sonnigen Süden zu unternehmen. Die ich auch dringend brauchte, um mich nach meinen Überstunden-intensiven Arbeitsphasen wieder zu regenerieren…

Denn Kraft und Erholung schöpfen hatte ich ziemlich nötig bei meinem Lebenswandel (oder wie man auf neudeutsch sagt: „Lifestyle“). Wenn ich diesen mit einem Liedtitel beschreiben sollte, wäre wahrscheinlich „Ja, ich weiß, es war ‘ne geile Zeit, uns war kein Weg zu weit…” von der Gruppe Juli sehr zutreffend.

Irgendwann (ca. 6-7 Jahre später, ich hatte mittlerweile die 30 überschritten) begann ich einfach so aus Spass eine Massage-Ausbildung. Ich glaube, es war der Wunsch, als Ausgleich zu meiner langjährigen Controller-Tätigkeit, während der mich die Leute lieber von hinten (beim Verlassen eines Raums) als von vorne (im Hereinkommen) gesehen haben, endlich auch mal Menschen mit meiner Anwesenheit und meinem Tun eine Freude bereiten zu wollen. Interessanterweise hatte ich das Gefühl, je öfter ich diese Massage-Ausbildungs-Wochenenden hatte, desto weniger befriedigend empfand ich meinen Job. So kamen mir dann zum ersten Mal Gedanken auf, dass mein stressiger Job ja wohl nicht alles sein könnte. Aber was sollte ich anderes tun, ich konnte ihn ja nicht einfach so aufgeben… Aber aus irgendeinem Grund wurden diese Gedanken im Alltag leider immer wieder verschüttet.

So unternahm ich zwar im Außen einige Dinge (z. B. wechselte ich intern auf eine andere Position und zog ich um in eine andere Wohnung mit mehr Grün im Umfeld und begann darüber hinaus eine nebenberufliche Heilpraktiker-Ausbildung), um meine latente innere Unzufriedenheit und Leere zu füllen, ohne dass sich diese jedoch linderte. Bis mich der so genannte Zufall 2007 auf den Jakobsweg führte – den ich in meiner damaligen Manier ziemlich rastlos absolvierte. Dort fiel dann nach einiger Zeit der Groschen und machte das bisher unbewusste offensichtlich: So kann es nicht weitergehen!

In den darauf folgenden Monaten und Jahren kam ich mir immer deutlicher wie in dem Lied „Entre dos tierras“[1] vor, so als ob ich mich zwischen zwei Welten befinden würde. In die „alte“ Welt, die meines Arbeitsplatzes, die des Kopfes, des Rationalen, des Denkens und irgendwie auch des Kämpfens, passte ich irgendwie nicht mehr hinein. In die „neue“ Welt, die des Fühlens, des Bauchgefühls und des Seins, aber irgendwie auch nicht. Für den klar entschiedenen Schritt, diesen sicheren Job aufzugebben, fehlte mir zum einen der Mut und zum anderen sprach der Verstand dagegen. Zum ersten Mal nahm ich ganz klar das Gefühl der Angst wahr, das mir bekannte Terrain zu verlassen und mich auf etwas Neues, Unbekanntes einzulassen…

Denn bis mein damals noch zartes „Neues“ auch tragfähig genug war, um mich mindestens „über Wasser“ zu halten, vergingen noch einige Jahre. Jahre der Fortschritte und der Rückschläge und Jahre der Prüfungen. Im Detail sind diese in meinem Buch „Burnout – Vom Jakobsweg zurück ins Leben“ (ISBN: 9-783-000-445033) nachzulesen, das (wenn nicht mehr über Amazon[2], so zumindest) direkt in meinem Shop zu beziehen ist.

Was jedoch den Ausschlag gab, den Sprung ins kalte Wasser zu wagen, war die Aufgabe, die ich im Rahmen einer Fortbildung bekam: Schreiben Sie mal bitte Ihre eigene Traueranzeige!  Im ersten Moment hatte ich erst einmal heftigst schlucken müssen – denn man denkt ja an viel mit Mitte Dreißig, aber doch nicht an seine eigene Traueranzeige! Aber so im Nachhinein muss ich sagen, dass dies in Kombination mit einigen Todes- und Beinahe-Todesfällen in meinem persönlichen Umfeld einen entscheidenden Denkprozess bei mir ausgelöst hatte.

Was möchte ich in diesem Leben hinterlassen?

Mir wurde klar, wie schwierig es für die Mehrheit der Menschen, die ich kenne, ist, sich damit auseinanderzusetzen, dass der Tod für uns alle Bestandteil des Lebens ist. Kein Wunder, Sterben ist nun auch ein unangenehmes und vor allem endgültiges Thema. Aber so konnte ich nun diese verrinnende Sanduhr so deutlich vor mir sehen. Seitdem beschäftigt mich der Gedanke, wenn das „normale“ Leben mitunter so schnell beendet sein kann, wofür ich dann meine (wie mir klar wurde) begrenzte Lebensenergie aufwenden wollte. War ich denn überhaupt in einem Job, in dem ich die Dinge nicht aus Überzeugung tat, sondern nur weil ich dafür bezahlt wurde, am richtigen Ort? Wollte ich in meiner Traueranzeige stehen haben: „Sie erstellte 1 Millionen Excel-Tapeten“? Was waren denn überhaupt meine eigenen Lebensziele und –hoffnungen? Und wann endlich wollte ich denn – im positiven Sinne – überhaupt anfangen, mir „das Leben zu nehmen“? Anstatt es in einem Job, der mir keinerlei Befriedigung verschafft, zerfließen zu lassen.

2012 wagte ich ihn also endlich – den Sprung ins kalte Wasser und in die Selbständigkeit. Leinen los und Segel setzen. Aufbrechen zu neuen Ufern. Träume verwirklichen. Mein Leben, ich komme!

Es folgten stürmische Zeiten, gute Entscheidungen, und Situationen, in denen mir manche Dinge „zufielen“. Trotzdem, dass ich mein regelmäßiges Einkommen von damals manchmal vermisse, habe ich meine Entscheidung keinen Moment bereut. Seit ich den vermeintlich sicheren Hafen verlassen habe, hatte und habe ich unzählige Gelegenheiten, Neues zu lernen und über mich hinaus zu wachsen.

Es folgten viele „Erste Male“, Dinge zu tun, die ich zuvor noch nie gemacht hatte. Zur Arbeitsagentur gehen beispielsweise, oder einen Businessplan schreiben, bei dem es an mir lag, ihn mit Leben zu befüllen. Was teilweise gelang, aber teilweise ganz anders kam. So, wie auch Kolumbus noch nicht wusste, wo er landen würde, als er Spanien verließ, um nach China zu segeln, bin auch ich ganz wo anders gelandet, als ich es damals geplant hatte.

Was ist ist meine Essenz, mein höchstes Potenzial?

Immer und immer wieder beliefert mich das Leben auch heute noch mit Möglichkeiten zur Überprüfung meiner Ziele, fordert mich heraus, meinen Kurs zu verändern bzw. anzupassen und zu schauen, ob die Mannschaft, mit der ich gerade unterwegs bin, noch zu mir passt (oder auch: ich zu ihr).

Heute weiss ich, dass die Ziele, die ich mir vornehme, nicht nur aus meinem Kopf und meinem Herzen kommen müssen, sondern auch meinem Wesen und einem höheren Ziel entsprechen müssen. Ich habe gelernt, mich immer wieder mit diesem Höheren zu verbinden. Aber ich weiss auch, dass es manchmal einfacher ist, seinen Weg zu sich selbst nicht alleine zu gehen. Die Hauptsache jedoch ist ist, Sie gehen Ihren eigenen Weg. Denn:

Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden. (Marlon Brando)

Und wer sonst, wenn nicht Sie, soll Ihren Weg gehen?

Gerne begleite ich Sie dabei ein Stück Ihres Weges, ob als Lotse, Pilgerbegleiterin auf einem Jakobsweg oder als GEH Heim-Agentin auf Ihrem Weg zurück ins Leben oder zu sich selbst.

Guten Weg, wünscht Ihnen

Ihre Christina Bolte

Mehr zu mir erfahren Sie auf:

http://www.christina-bolte.de/

http://www.geh-heim-weg.de und

http://www.unternehmens-gesundheit.de
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[1] von den Heroes del Silencio

[2] da Neuauflage gerade in Arbeit ist

Eindrücke vom Camino (2): Mit dem Finger auf der Landkarte

29 Jul

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 29.07.2015 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Reisen ist schön. Deshalb tue ich es auch sehr gerne. Gerade komme ich zurück von meiner Tour mit dem Fahrrad auf dem – wie sollte es bei mir anders sein? – Jakobsweg. Und zwar dem Streckenabschnitt von München bis an den Bodensee. Wir sind direkt von der Haustür aus weggeradelt!

Ich muss sagen, für mich ist Reisen immer doppelt schön, denn die Reise beginnt bei mir schon mit der Vorbereitung. Vor allem bei Wander- oder Radtouren wird der Urlaub geradezu minutiös ausgeplant. Wie viele Kilometer, wo wird übernachtet, und so weiter. Kennt ihr das? Macht das von Euch auch jemand so? Wem von Euch geht es ähnlich?

Dann könnt ihr ja gut nachvollziehen, wieviel Freude – vor allem Vor-Freude – es macht, sich die Höhenprofile anzuschauen sowie die Etappenbeschreibung und die der Zielorte durchzulesen. Fast ist es, als wäre man schon unterwegs und auch schon fast am Ziel.

 

Dennoch war beim Reisen selbst, beim Radfahren dann alles anders. Denn in keinem Reiseführer steht, wie es sich anfühlt, stundenlang das Gewicht seines Rucksacks auf den Schultern zu spüren. Oder wie extra-anstrengend es ist, bei über 35 Grad in praller Sonne zu fahren. Zwar war die enorme Hitze nicht wirklich überraschend, weil das Wetter ja entsprechend vorher gesagt war. Dennoch war es einfach wunderbar, bei der Affenhitze den kühlen Fahrtwind auf der Haut zu spüren, das kann einem keine Planung ermöglichen.

Aber: Beim Reisen selbst war dann auch alles anders als in der Theorie, weil auf keiner Landkarte eingezeichnet war, an welchen Streckenabschnitten das Zwitschern der Vögel oder das Muhen der Kühe zu hören war. Könnt ihr es hören?

Und die Gerüche erst, auch die waren nirgendwo verzeichnet. Aber dennoch: ein Traum! Ich liebe es einfach, wenn es nach Sommer riecht! Nach frisch gemähtem Heu an einem Ort, oder ein paar Kilometer weiter im Wald, wo es so schön nach frisch geschlagenem Holz roch.

Letztendlich ist es aber mit dem Reisen wie mit allem im Leben, egal ob es berufliche Projekte oder Ziele sind oder private: Man wird niemals dort hinkommen, indem man davon träumt oder es plant, so lange man sich nicht auf den Weg macht.

Die Welt und der Fussball

12 Sep

Neulich war ich auf einer Geschäftsreise in Spanien und musste dabei am Flughafen in Madrid umsteigen. In dem Bus, der uns zu unserer Maschine auf dem Außenfeld bringen sollte, hatte ich eine sehr denkwürdige Konversation mit einem in Kanada lebenden Spanier, von der ich heute berichten möchte.
Von seiner harmlosen Einstiegsfrage, woher ich denn käme, man könnte es dem Akzent mit dem ich Spanisch spreche nicht entnehmen, kamen wir ziemlich bald auf die Tatsache, dass die Welt zunehmend mehr zusammen wächst, bzw. in den letzten Jahrzehnten dank moderner, schneller Verkehrs- und Kommunikations-mittel zusammen gewachsen ist – zumindest was das Geografische betrifft.
Dadurch, dass diese länderüberschreitenden Grenzen heutzutage so leicht zu überwinden sind wie nie zuvor in unserer Geschichte, kommt es an allen Ecken und Enden der Welt zu verschiedenen Migrationsbewegungen. Gründe mögen sein Auslandssemester, der Liebe oder der Karriere wegen, auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen oder um der Armut oder Lebensgefahr im Heimat-land zu entkommen. Was sicher nur eine Hand voll Gründe sind, jeder hat ja seine eigenen.

Logische Konsequenz davon ist, dass unsere Gesellschaften immer mehr Multi-Kulti werden, was nicht immer einfach ist – vor allem nicht, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder Religionen und vor allem daraus resultierenden Mind-Sets & Erwartungshaltungen aufeinander treffen und miteinander leben müssen. Die Trinkgeld-Frage (wieviel?), die wir uns als Touristen im Ausland stellen, ist da, glaube ich eher noch ein harmloses Beispiel. Die verschiedenen Kleidungsgewohnheiten und daraus resultierend Ansichten, was Menschen für ‚freizügig‘ halten (oder auch nicht) oder als ‚Zeichen von Unterdrückung‘ ansehen, ein weniger harmloses (weil weiter verbreitetes).

So kamen wir darauf zu sprechen, dass sich heutzutage zwar die geografischen Grenzen ziemlich leicht überwinden lassen, aber dass es viel schwieriger sei, die geistigen  Grenzen in unserem Kopf zu überwinden. Dass das, was ich für normal halte (z. B. dass in München die U- und S-Bahnen im 5-20-Minuten-Takt fahren und wir alle ziemlich sauer sind, wenn sie mal 3 Minuten Verspätung haben), für jemand anderen aus einem sogenannten Schwellenland auf echtes Unverständnis stößt, weil dort die Busse nur 3x am Tag vorbeikommen und es noch nicht einmal Fahrpläne gibt.

Im Verlauf unseres Gesprächs kamen wir zu dem Ergebnis, dass es Diskussionen wie über die Ukraine eigentlich gar nicht braucht. Ob die EU nun seine Grenze zur russischen Sphäre da oder dort hat, wer „Recht“ oder „Unrecht“ hat (sofern es so etwas überhaupt gibt) – sind doch alles machtpolitische Spitzfindigkeiten. Dabei scheinen die beteiligten Protagonisten zu vergessen, dass wir letztendlich alles Menschen sind – und uns der Wunsch eint, unser Leben nach unseren Maßstäben gestalten zu wollen. Darüber hinaus sind wir auf einer höheren Ebene sowieso alle miteinander verbunden – aber das ist eine andere Diskussion.

Und nachdem wir die Welt und die Menschen, die sie bevölkern, so nehmen müssen wie sie sind (denn es gibt keine andere), macht es doch auch Sinn, eine gemeinsame (Welt-)Vision zu entwickeln um die Welt gemeinsam (be-)leben zu können. Eine Vision, in der jeder das gleiche Recht hat, sein Leben nach seiner Façon zu gestalten wie ich auch (der Kant’sche Imperativ sei an dieser Stelle unterstellt).

Klar, mag nun jemand von Ihnen sagen, was für eine Träumerei, das wird doch nie klappen. Mag sein, aber zumindest habe ich hiermit ein wenig geistiges Saatgut in die Welt gestreut, das mit der Zeit wachsen kann. Wer mag, kann gerne helfen, es zum Wachsen zu bringen.

Darüber hinaus möchte mit einer kleinen Analogie verdeutlichen, was passieren kann, wenn viele Menschen eine gemeinsame Vision haben – und dann gemeinsam alles dafür Notwendige tun:

Erinnern wir uns an die dem 13. Juli 2014 vorangegangenen Wochen und Monate – „Jogis Jungs“ hatten ein klares Ziel vor Augen – sie wollten den Pokal. Unbedingt. Und machten dafür alles richtig.
Haben wir als Menschheit auch einen gemeinsamen Pokal, eine gemeinsame Vision vor Augen? Wie wäre es damit, sich sicher & in Frieden ein ordentliches, gesundes Leben aufzubauen, ohne sich dafür in irgendeiner Form versklaven zu müssen? Und zwar für alle, und nicht nur für einige wenige, die sich für gleicher als gleich* halten?

Natürlich mussten die ‚Jungs‘ während der Spiele eine ganze Menge harte Attacken oder Fouls einstecken, auch Kritik & Häme seitens der Medien – und sind trotzdem jedes Mal wieder aufgestanden.
Wie oft steht jeder einzelne von uns nach (vermeintlichen) Rückschlägen wieder auf, wenn er seinen Teil zu der Vision beitragen möchte? Meist braucht es mehr als einen Anlauf, um in der Welt etwas zu bewegen. Und viele, viele kleine Schritte, es fängt immer mit dem ersten an. Sind wir gewillt, Rückschläge und Nichtakzeptanz oder gelegentlich auch Spott & Kritik zu ertragen?

Neben hartem Training, großartigem Ballgeschick und sportlichen Fähigkeiten bewies die deutsche Fussball-Nationalelf auch, dass nicht einzelne „Stars“ der Schlüssel zum Erfolg sind sondern Teamgeist.
Wir als Menschheit bestehen aus unsagbar vielen Individuen mit unendlich vielen Qualitäten. Während sich in der (jüngeren) Vergangenheit  insbesondere der Individualismus stärker ausgeprägt hat, durften wir lernen, dass Solo-Vorstöße auf’s Tor gelegentlich im Abseits enden. So dürfen wir nun wieder verstärkt lernen, unsere individuellen Qualitäten zu einem übergeordneten Ziel, einer großen umfassenden Vision zusammen zu bringen.

Last but not least braucht es außerdem auch noch eine gute Führung, einen guten Trainer & Coach, der das Beste aus jedem einzelnen herauszukitzeln weiss.
Wem könnten wir gemeinsam unser Vertrauen schenken, wem können wir zutrauen, ein guter Trainer, ein guter Coach, eine gute Führungspersönlichkeit in Sachen gemeinsamer Weltvision zu werden?

Vorschläge werden gerne entgegen genommen!

 

* Formulierung entliehen aus „Die Farm der Tiere“ von George Orwell, 1945

Das Leben und die Ackerfurche

15 Jun

Wie ich bereits vor einiger Zeit berichtete, sind wir seit April erstmalig Pächter / Nutzer / Hobbygärtner einer Ackerfurche auf dem Sonnenacker bei uns im Landkreis.
Nach einiger Zeit des Keine-Zeit-Habens (bzw. politisch korrekt ausgedrückt: des Andere-Prioritäten-Setzens) waren wir an diesem Wochenende mal wieder vor Ort. Gleichzeitig waren wir erschreckt, wie hoch die Pflanzen auf unserem Acker wucherten, vor allem solche, die wir nicht angepflanzt hatten.
So hatten wir – nach den letzten Wochen von abwechselnd Hitze & Regenschauern, die für die Pflanzen offenbar sehr fruchtbar waren – diesmal Mühe, unsere eigentliche Aussaat inmitten des Unkrauts (bzw. politisch korrekt: Beikrauts) zu „entdecken“.

Und so dauerte es erstmal ein paar Stunden, bis wir die bereits „beackerten“ Stellen unserer Furche von Unerwünschtem befreit hatten, damit die erwünschten Pflanzen dort wieder mehr Platz & Luft finden können und somit auch bald wieder besser wachsen & gedeihen können.

Während ich so vor mich hin zupfte – ich hatte teilweise Mühe, die Aussaat vom Unkraut zu unter-scheiden – kam mir der Gedanke, dass es mit dem Ackerbau ein wenig wie im „richtigen Leben“ ist:
Wenn man zu oft oder zu lange mit anderen, scheinbar wichtigeren Dingen beschäftigt ist oder schlicht zu faul ist, um sich bei der Hitze um seinen „Alltagsgarten“ zu kümmern, kann es passieren, dass sich zunehmend mehr unerwünschte Angewohnheiten in den Alltag einschleichen. Diese Unkräuter des Alltags könnten zum Beispiel sein, zu viel Kaffee oder zu wenig Wasser zu trinken oder immer weniger Sport zu betreiben. Kurzfristig mag das „nicht so schlimm“ sein – aber langfristig ist es halt doch der Gesundheit nicht unbedingt zuträglich.
Somit ersticken dann die guten Vorsätze oder Eigenschaften immer mehr im „Unkraut“, ohne die Chance zu haben, Früchte zu tragen. So heißt es auch in dem bekannten Satz von Albert Einstein:
Die Definition von Wahnsinn ist immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Deshalb macht es durchaus Sinn, sich ab und zu die Zeit zu nehmen und sich darüber Gedanken zu machen, welche Ergebnisse man sich überhaupt wünscht, ob als Ernte der Ackerbepflanzung oder im Leben generell. Um sich dann zu überlegen, was dafür erforderlich ist zu tun.
Jemand, der Erbsen ernten möchte, der sollte zumindest mal auch welche anbauen – und das Gießen und Unkraut jäten nicht vergessen selbstverständlich! Ganz ohne geht es leider auch im Leben nicht.
Wer Klavier spielen oder eine Fremdsprache lernen möchte, wird sich regelmäßig Zeit zum Üben nehmen müssen, und für den, der sich Gesundheit wünscht, kann es beispielsweise bedeuten, eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch zu nehmen oder sich mehr zu bewegen, sich gesünder zu ernähren oder mehr Zeit an der frischen Luft anstatt im Büro zu verbringen.

Ohne nötiges Zutun, ohne regelmäßige Praxis, Übung oder Kultivierung (um bei der Wortwahl des Ackers zu bleiben) nützen sonst selbst die besten genetischen Voraussetzungen, das beste Saatgut nichts, um zu neuen und großartigen Ergebnissen zu kommen.

Zurück zu unserem Acker: Leichter und gleichzeitig anstrengender war es übrigens, das Unkraut auf den von uns bisher noch nicht beackerten Stellen zu entfernen. Zwar stand auch dieses immerhin schon über kniehoch, allerdings brauchten wir hier nicht zu unterscheiden zwischen erwünscht & unerwünscht, sondern konnten einfach mal radikal aufräumen. Klar hätten wir auch warten können, bis wir dort etwas Neues hätten anbauen wollen – aber mit dem Unkraut ist es irgendwie wie mit lästigen Eigenschaften auch: Es wird nicht einfacher, wenn man länger wartet, sondern eher noch schwieriger, es los zu werden.

Für uns war’s super. Neben dem sichtbaren Erfolgserlebnis, etwas geschafft zu haben (ein freies Stück Acker) haben wir uns nach dem Bewegungs- und Frischluft-intensiven Arbeitstag auch eine schöne Auszeit auf dem Balkon verdient.

Wenn Sie nun Lust haben, sich ebenfalls um Ihre „Alltags-Unkräuter“ oder um neue Ziele und Ergebnisse zu kümmern und dabei Unterstützung benötigen, sprechen Sie mich an. Demnächst startet in München wieder ein „Kurs Veränderung„, die unter anderem genau dies zum Inhalt hat.

Einen schönen Wochenstart
wünscht Ihnen

                    Ihre Christina Bolte

 

 

 

Was mein Leben mit Höhlenforschung und Edelsteinen zu tun hat

8 Jun

Diese Gedanken hielt ich (so oder so ähnlich) als freie Rede am 12.05.2014 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Über Ostern war ich mit einer Freundin per Fahrrad im Inntal unterwegs. So hatten wir Gelegenheit, all die Städte und Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst im Auto auf dem Weg zum Gardasee immer achtlos vorbei fährt, auch einmal „live“ anzusehen.

In Wattens machten wir deshalb einen kleinen Abstecher zu den Svarowski-Kristallwelten. Neben einer schönen Parkanlage konnte man auch diverse unterirdische Wunderkammern bestaunen, die eine Entdeckungsreise durch die Werke verschiedener Künstler ist. Unterstützt durch diverse audiovisuelle Effekte interpretierten diese Höhlen auch die verschiedenen Facetten der von Svarovski produzierten Kristalle.

Und als der Trubel und das kommerzielle Trara irgendwann anfingen mich zu langweilen, kam mir der Gedanke, dass mein Leben mir von außen betrachtet auch manchmal vorkommt wie eine dunkle Höhle, aber wenn ich mir dann die Zeit nehme, in die Tiefen hinabzusteigen, auch der eine oder andere Edelstein zum Vorschein kommt.

Deshalb möchte ich Sie bzw. Euch, liebe Toastmaster und liebe Gäste, nun mitnehmen auf eine kleine Höhlen-Reise durch Christinas Leben:

Die erste Höhle war – wie bei jedem anderen Menschen auch – die Bauchhöhle meiner Mutter. Von dort ging es in eine mittelgroße Vorortgemeinde im Hamburger Umland. Wenn ich diese mit einem Münchner Vorort vergleichen müsste, würde ich sagen, es ist irgendwas zwischen Ober- und Unterschleißheim. Zum Wohnen für junge Familien vielleicht noch ganz ok, aber als Teenager ziemlich öde.

Nachdem Abi studierte ich dann – als perfekte Synthese aus den Berufen meines Vaters, eines Ingenieurs, und meiner Mutter, einer kaufmännischen Angestellten – Wirtschaftsingenieurwesen an einer privaten Fachhochschule in Norddeutschland. Zu Hause war ich damals eigentlich mehr oder weniger nur noch zum Schlafen, denn das Motto dieser Zeit war: „Hart feiern & hart arbeiten“. Da wir hinsichtlich der Vorlesungen eine Anwesenheitspflicht hatten, ließ ich auch selten eine Party aus, weder auf dem Campus noch auf der Hamburger Piste.

Dennoch wurde es mir bald zu eng in meinem Leben, sowohl in dem Unternehmen, in dem ich das studienbegleitende Praktikum machte, als auch zu Hause, wo mir dauernd jemand „einen Tisch über meine Füße“ stellte. So war ich letztendlich froh, dass mich mein ersten „richtiger“ Job nach meinem Studium nach München verschlug.

Nicht nur, weil die Position im Produktkosten-Controlling eines Automobilunternehmens mit drei Buchstaben exakt der Job war, den ich mir gewünscht hatte. Es war und ist nicht nur eine ideale Aufgabe, um sowohl technische wie auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse optimal zum Einsatz zu bringen. Sondern war auch deshalb ideal, weil ich in München sogar gleich zwei Personen gekannt hatte, was mir den Sprung in eine neue Arbeitsumgebung und auch den Aufbau eines neuen Freundeskreises deutlich erleichterte.

Während ich anfangs voll Elan und Freude in der Arbeit dabei war, Zahlen in den Mittelpunkt zu stellen und für Kostensenkungen zu kämpfen, kämpfte ich auch in meiner Freizeit mit Freunden oder in semi-professionellen Wettkämpfen mit dem Fahrrad um Leistung, Höhenmeter und gegen innere und äußere Schweinehunde.

So war es nicht erstaunlich, dass ich mich immer öfter in Situationen wiederfand, in denen ich mich nicht mehr richtig freuen konnte. Ich merkte, dass irgendwann etwas ganz Essentielles auf der Strecke geblieben war: Der Faktor Mensch – und zwar nicht nur in Bezug auf meine Arbeit, sondern vor allem in Bezug auf mich selbst. Anscheinend hatte ich vor lauter Kämpfen und Rennen unterwegs mich selbst irgendwo verloren.

Und in dieser Situation fand ich mich 2007 mit dem Fahrrad auf den Jakobsweg wieder. Eigentlich hatte ich nur zwei Wochen und alleine vor mich hin radeln wollen – und bekam im Laufe der Zeit nicht nur haufenweise Erkenntnisse über mich selbst sondern wie sich später herausstellen sollte, war diese Reise auch der Wendepunkt meines bisherigen Lebens.

Erst später wurde mir klar, dass sich mein Zustand, in dem ich mich auf den Jakobsweg begab, guten Gewissens als Burnout bezeichnen ließ. Ich glich einem Stück Kohle, dass kurz davor war, verheizt zu werden. Bis es aber so weit war und ich für mein Leben die notwendigen Konsequenzen daraus zog, sollten noch einige Jahre vergehen. Einige Jahre der Selbstfindung, mit vielen dunklen Momenten und schmerzhaften Auseinandersetzungen mit mir selbst – „Höhlenforschung“ quasi. Wenn ich in dieser Zeit nicht aber auch gleichzeitig einige Lichtblicke gehabt hätte, oder Momente in denen mir verschiedene und mir völlig neue Facetten meiner selbst entgegen gestrahlt hätten, hätte ich vermutlich zwischendrin aufgegeben.

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass der Druck, dem ich selbst mich und mein Leben ausgesetzt habe, mich gerade – wie jeden anderen Menschen auch – zu einem kleinen aber feinen Diamanten formt. Heute bin ich wieder ein kreativer und selbstbestimmter Mensch, der gelernt hat, die eigenen Grenzen zu beachten und seiner Inneren Stimme zu folgen. Heute tue ich Dinge, die ich vor zehn Jahren nie für möglich gehalten hätte.

Die Zeit wird ihr übriges dazu beitragen, die vielen verschiedenen weiteren Facetten, die noch in mir schlummern, zu schleifen und zum Leuchten zu bringen. Und wer weiss, ob nicht auch die Toastmasters ihren Beitrag dazu leisten werden, der einen oder anderen Facette von mir einen Feinschliff zu geben.

Ich bin mir sicher, dass kein Svarowski Stein der Welt mit dem Kristall mithalten kann, der im Inneren eines jeden Einzelnen von uns zum Leuchten und Strahlen gebracht werden möchte.

Herzlichen Dank!

Vom Karma des Kartoffelackers

1 Jun

Bereits hier hatte ich ja schon von meinen ersten Erlebnissen und Gedanken auf unserm Sonnenacker berichtet. Nun möchte ich heute von einer weiteren Episode „berichten“.

Noch nicht berichtet hatte ich davon, dass auf der Ackerfläche, auf der sich unser Bifang befindet, auch in den Vorjahren schon immer nach dem gleichen Prinzip Furchen verpachtet wurden. Allerdings werden diese in jeder Saison neu verteilt, so dass man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit jedes Jahr an anderer Stelle untergebracht wird, selbst wenn man sich schon viele Jahre an dem Projekt beteiligt.

Zwar gibt es gewisse Spielregeln (wie z. B. keine synthetischen Dünge- oder Unkraut-vernichtungsmittel zu verwenden oder nur einjährige Pflanzen anzubauen), aber wer weiss schon, ob sich da jeder so dran hält. Immerhin ist auch Rhabarber, den unsere Nachbarn angebaut haben, auch mehrjährig… Und so kommt es mir ganz oft – vor allem beim Unkraut jäten – so vor, als wenn das Sonnenacker-Projekt ein bisschen was von Karma hat. Du weisst nie, was in einem früheren Leben (respektive von Deinem Vor-Mieter) angebaut wurde oder was dieser sonst so angestellt hat.
Somit ist es immer wieder überraschend, welche Pflanzen sich zeigen, unabhängig von dem was wir selbst angebaut haben. Das „Karma“ unseres Ackers scheint jedenfalls irgendwas zwischen Pfefferminz, Gänsefingerkraut und Topinambur zu sein – was an sich ja auch ganz gut und/oder sein könnte, wenn wir nicht an gleicher Stelle lieber Karotten, Kräuter und Erbsen angebaut hätten.

Und so kommt mir gerade der Gedanke, dass diese Situation mich ein wenig an die Passage aus Hirschhausens Pinguin-Prinzip erinnert, wo es am Ende heißt, dass auch sieben Jahre Psychotherapie aus einem Pinguin keine Giraffe machen. Eigentlich wollten wir weder Pinguine noch Giraffen, sondern nur ein bisschen Gemüse züchten. Aber vielleicht gelingt es uns ja, auf unserer Ackerfurche zumindest ansatzweise etwas von dem zu ernten was wir sähen, anstatt nur die (vielleicht nicht so geliebten) verspäteten Früchte unserer „Vorfahren“ zu ernten…

PS:
Lieber Buddhistischer Leser, es liegt mir fern, mich über irgendwessen religiöse Ansichten lustig zu machen.
Falls Sie der Meinung sind, mein Vergleich hinke, bitte ich um Nachsicht.

Gedanken zu Ostern – Auferstehung feiern

20 Apr

In meinem Bekanntenkreis häufen sich in den letzten Wochen das, was landläufig als „Schicksals-schläge“ bezeichnet wird. In einer Familie erfährt der Vater plötzlich, dass er eine Krebserkrankung im Endstadium hat – und ist gute vier Wochen später bereits tot. Mit Anfang-Mitte Fünfzig.
In einer anderen Familie liegt die kleine Tochter (5) seit einer plötzlichen Hirnentzündung seit gut zwei Monaten im Koma. Zwar befindet sie sich mittlerweile bereits in der Aufwachphase, aber es besteht die Möglichkeit – wenn sie wieder aufwacht – dass eine Behinderung zurückbleibt.

Was zuvor ein ganz normaler (Familien-)Alltag war, ist nun nicht mehr da. Alles anders, und zunächst für alle Beteiligten wie auch Menschen im weiter entfernten Umfeld ein großer Schock.
Was soll man auch sagen, wenn jemand so aus seinem Leben bzw. wie die Angehörigen beider Familien aus ihrem Alltag  gerissen werden?

Für die beiden oben beschriebenen Familien ist der Alltag nun ein neuer. Es gibt noch viel zu regeln und es gilt, einen neuen Alltag einzu“üben“. Ich bewundere mit Hochachtung die Eltern der kleinen Erkrankten für ihre Sichtweise, ihren neuen Alltag primär als „anders und nicht zwingend schlechter“ zu bezeichnen. In einer solchen Situation, gerade eben den Schock überwunden, bedarf es sehr viel Bewußtsein und Kraft, solche Aussagen zu treffen.

Mich jedenfalls macht es betroffen – und lädt mich zum Nachdenken ein: Wir alle haben einen Alltag, den wir mehr oder weniger schätzen, mit dem wir manchmal oder auch öfter hadern, manchmal auch jammern – obwohl es uns, zumindest hier in Mitteleuropa, trotz dem einen oder anderen Wehweh- chen, das man so hat, doch vergleichsweise gut geht.

Besonders anläßlich dieser Ostertage (und der dahinter liegenden christlichen Tradition, die ich mir an dieser Stelle erspare, weiter auszuführen) stellt sich mir immer wieder die Frage, warum wir es immer wieder darauf ankommen lassen, den ganz normalen, schnöden Alltag so wenig zu schätzen, dass es immer erst solcher „Schicksalsschläge“ bedarf, um für unsere alltäglichen „Kleinigkeiten“, wie die gesund zu sein beispielsweise oder gesunde Kinder zu haben, dankbar zu sein. Sollten wir das Leben (das einzige, was wir im Übrigen haben!) nicht viel mehr bewußt zu geniessen?

Ich finde, das ist das mindeste, was wir tun können. Und fühle mich gleichzeitig eingeladen, meine ganz persönliche Auferstehung zu feiern. Gerade zu Ostern und noch viel mehr, wenn ich das Gefühl habe, das Leben präsentiert mir wieder mal tonnenweise Mist, oder erst recht, wenn ich mich dabei ertappe, mehr oder weniger grundlos über das eine oder andere zu jammern. Vor allem, wenn ich es eigentlich sogar in meiner Hand habe, etwas daran zu ändern.

So gesehen ist Ostern auch eine Handlungsaufforderung. Und es lohnt sich, die freien Tage dazu zu nutzen, mal kurz darüber nachzudenken: „Von oder aus was möchten Sie im kommenden Jahr ihre Auferstehung feiern?“ – und dann tun Sie’s! Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben zu verändern, und Dankbarkeit ist schon ein erster guter Schritt dorthin.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ostertage!

Ihre

Christina Bolte