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Die Kunst des Zuhörens

30 Nov

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 28.11.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Die Kunst des Zuhörens

Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören um zu verstehen, sondern wir hören zu um zu antworten.“ (Verfasser unbekannt)

Dieser Spruch begegnete mir vor einigen Tagen und sofort fühlte ich mich ertappt und an etliche Situationen erinnert, in denen ich im Gespräch, während mein Gegenüber noch redete, bereits im Kopf schon die Antwort formulierte. Oder ich im schlimmsten Fall den Anderen vor lauter Ungeduld sogar unterbrach. Wer von Euch kennt solche Situationen noch?

Tragischerweise ist man in solchen Situationen vom Zuhören weit entfernt. Häufig antwortet man dann ohne irgendeinen Bezug auf das zu nehmen, was der andere zuvor gesagt hat. Seine Botschaft kommt so meistens gar nicht bei uns an – Konflikte sind vorprogrammiert.

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

schon Zenon der Ältere, ein griechischer Philosoph aus dem 5. Jh. v. Chr., beobachtete:
Die Natur hat uns nur einen Mund, aber zwei Ohren gegeben, was darauf hindeutet, daß wir weniger sprechen und mehr zuhören sollten.“

Ich weiß nicht, ob diese Schlussfolgerung von allen Toastmastern so geteilt wird, denn neben der Verbesserung der Rhetorikfähigkeiten spielt aberbei den Toastmastern auch das Zuhören eine große Rolle. Deshalb wird es auch in verschiedenen Ämtern und Führungsprojekten aus dem CL-Handbuch geübt.

Heute möchte ich euch auf eine Reise des Zuhörens mitnehmen und lehne mich dabei an ein Kommunikationsmodell des deutsch-amerikanischen Professor Otto Scharmer an. So möchte ich Euch heute einladen, in den 4 folgenden Ebenen Neues zu entdecken.

  1. Ebene: Denkgewohnheiten und Zuhören in der Qualität des Herunterladens. Das ist, als ob ich in einem Raum stehe, dessen Wände aus Spiegeln bestehen: Ich sehe und höre nur das, was schon da ist, was ich hören will bzw. was ich eh schon weiß. Alles andere dringt gar nicht zu mir durch. „Ja, das ist schon bekannt.“
    Oder ich höre nur „nebenbei“ zu, und mache gleichzeitig noch etwas anderes, sei es dass ich nebenher am PC arbeite oder mit meinem Smartphone beschäftigt bin. Durch diese Haltung nimmt man sich die Möglichkeit, vom Gegenüber etwas Spannendes oder Neues zu erfahren oder ihn näher kennenzulernen. So verpasst man Chancen auf neue Erfahrungen.
  2. Ebene: faktisches Zuhören – das ist, als ob ich am Rande meines Raumes von eben stehe, ich nehme war, was dort passiert und wenn ich Glück habe, entdecke ich durch ein Fenster nach draußen etwas Neues.
    Ich tausche mich auf sehr faktenorientierte Weise aus, in der Wissenschaft beispielsweise. Bei den Toastmastern gehören zum Beispiel auch Ämter wie der Sprachstil-Bewerter oder Füllwortzähler dazu.
    Faktisches Zuhören erfordert ein Innehalten, und eine Überprüfung seiner Urteils- und Denkgewohnheiten. Offenes Denken – damit ich überhaupt zu der Erkenntnis kommen kann: „Aha, das war jetzt für mich ein neuer Aspekt, das hatte ich bisher anders gesehen – oder das habe ich bisher noch gar nicht gesehen!“ anstatt: „Das ist falsch, das kann gar nicht sein“.
    Dafür ist es hilfreich, Fragen zu stellen oder zu paraphrasieren, um zu überprüfen ob man das ganze richtig verstanden hat. Die Hauptsache beim Faktischen Zuhören ist allerdings, erst die Fakten und Aussagen zu analysieren und dann erst Schlüsse daraus zu ziehen. So sagt auch der Dalai Lama:
    Wenn du sprichst, wiederholst Du nur, was du eh schon weißt; wenn du zuhörst, kannst Du unter Umständen etwas Neues lernen.“ – ist das nicht großartig?
  3. Ebene – ist das empathische Zuhören. Dies erfordert ein Umwenden oder auch ein Hinwenden. Um bei obigem Raum zu bleiben: Durch das geöffnete Fenster nehme ich auch Stimmungen wahr, die von draußen zu mir hereindringen – es ist das Wahrnehmen dessen, was zwischen den Zeilen steht oder auch das non-verbale. Zum Beispiel: „In Ihren Wort schwingt Ärger mit – gibt es etwas, mit dem Sie nicht einverstanden sind?“
    Durch Einfühlsamkeit lerne ich, die Realität aus der Perspektive des anderen zu sehen und kann dessen Lebensumstände mit empfinden, so in etwa wie in dem indianischen Sprichwort: „Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht 7 Meilen oder einen Monat in seinen Mokassins gelaufen bist!“ Für das empathische Zuhören hilft eine offene Körperhaltung und ein gelegentliches Zustimmen oder Nicken. Empathisches Zuhören bedeutet nicht, dass man die gleiche Meinung wie sein Gegenüber annehmen muss.
  4. Ebene – generatives Zuhören. Es bedeutet einen Raum intensiver Aufmerksamkeit und offener Präsenz zu schaffen, so dass der Redende die Möglichkeit bekommt, Dinge zu sagen, die ihm selbst noch nicht so bewusst waren.
    Anstatt Dinge aus der Vergangenheit zu reproduzieren, die schon da sind, erschaffe ich Neues, was aus dem Moment heraus entsteht.
    Ein Beispiel dafür ist die Improvisation eines Musikers in einem Orchester, der das größere Ganze hört und gleichzeitig sein Instrument so spielen kann, dass gemeinsam etwas Neues entsteht.

Wenn jemand diese Kunst des Zuhörens beherrscht, gewinnt der Ausdruck „jemandem Audienz gewähren“ so gesehen  eine neue Bedeutung: Denn Generatives Zuhören weckt im Gegenüber ein bisher noch nicht sichtbar gewesenes Potenzial. So kann eine im Entstehen begriffene Zukunfts­möglichkeit sich zumindest mal verbalisieren oder gar manifestieren.

Genau deshalb sind nicht Visionen die wichtigste Fähigkeit oder Eigenschaft einer Führungs- persönlichkeit. Sondern die Quelle von jeglichem großartigen Leadership ist das Zuhören, denn es bringt nicht nur Neues hervor, sondern kann auch das höchstmögliche Potenzial in anderen Menschen zum Vorschein bringen.

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Die Welt und der Fussball

12 Sep

Neulich war ich auf einer Geschäftsreise in Spanien und musste dabei am Flughafen in Madrid umsteigen. In dem Bus, der uns zu unserer Maschine auf dem Außenfeld bringen sollte, hatte ich eine sehr denkwürdige Konversation mit einem in Kanada lebenden Spanier, von der ich heute berichten möchte.
Von seiner harmlosen Einstiegsfrage, woher ich denn käme, man könnte es dem Akzent mit dem ich Spanisch spreche nicht entnehmen, kamen wir ziemlich bald auf die Tatsache, dass die Welt zunehmend mehr zusammen wächst, bzw. in den letzten Jahrzehnten dank moderner, schneller Verkehrs- und Kommunikations-mittel zusammen gewachsen ist – zumindest was das Geografische betrifft.
Dadurch, dass diese länderüberschreitenden Grenzen heutzutage so leicht zu überwinden sind wie nie zuvor in unserer Geschichte, kommt es an allen Ecken und Enden der Welt zu verschiedenen Migrationsbewegungen. Gründe mögen sein Auslandssemester, der Liebe oder der Karriere wegen, auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen oder um der Armut oder Lebensgefahr im Heimat-land zu entkommen. Was sicher nur eine Hand voll Gründe sind, jeder hat ja seine eigenen.

Logische Konsequenz davon ist, dass unsere Gesellschaften immer mehr Multi-Kulti werden, was nicht immer einfach ist – vor allem nicht, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder Religionen und vor allem daraus resultierenden Mind-Sets & Erwartungshaltungen aufeinander treffen und miteinander leben müssen. Die Trinkgeld-Frage (wieviel?), die wir uns als Touristen im Ausland stellen, ist da, glaube ich eher noch ein harmloses Beispiel. Die verschiedenen Kleidungsgewohnheiten und daraus resultierend Ansichten, was Menschen für ‚freizügig‘ halten (oder auch nicht) oder als ‚Zeichen von Unterdrückung‘ ansehen, ein weniger harmloses (weil weiter verbreitetes).

So kamen wir darauf zu sprechen, dass sich heutzutage zwar die geografischen Grenzen ziemlich leicht überwinden lassen, aber dass es viel schwieriger sei, die geistigen  Grenzen in unserem Kopf zu überwinden. Dass das, was ich für normal halte (z. B. dass in München die U- und S-Bahnen im 5-20-Minuten-Takt fahren und wir alle ziemlich sauer sind, wenn sie mal 3 Minuten Verspätung haben), für jemand anderen aus einem sogenannten Schwellenland auf echtes Unverständnis stößt, weil dort die Busse nur 3x am Tag vorbeikommen und es noch nicht einmal Fahrpläne gibt.

Im Verlauf unseres Gesprächs kamen wir zu dem Ergebnis, dass es Diskussionen wie über die Ukraine eigentlich gar nicht braucht. Ob die EU nun seine Grenze zur russischen Sphäre da oder dort hat, wer „Recht“ oder „Unrecht“ hat (sofern es so etwas überhaupt gibt) – sind doch alles machtpolitische Spitzfindigkeiten. Dabei scheinen die beteiligten Protagonisten zu vergessen, dass wir letztendlich alles Menschen sind – und uns der Wunsch eint, unser Leben nach unseren Maßstäben gestalten zu wollen. Darüber hinaus sind wir auf einer höheren Ebene sowieso alle miteinander verbunden – aber das ist eine andere Diskussion.

Und nachdem wir die Welt und die Menschen, die sie bevölkern, so nehmen müssen wie sie sind (denn es gibt keine andere), macht es doch auch Sinn, eine gemeinsame (Welt-)Vision zu entwickeln um die Welt gemeinsam (be-)leben zu können. Eine Vision, in der jeder das gleiche Recht hat, sein Leben nach seiner Façon zu gestalten wie ich auch (der Kant’sche Imperativ sei an dieser Stelle unterstellt).

Klar, mag nun jemand von Ihnen sagen, was für eine Träumerei, das wird doch nie klappen. Mag sein, aber zumindest habe ich hiermit ein wenig geistiges Saatgut in die Welt gestreut, das mit der Zeit wachsen kann. Wer mag, kann gerne helfen, es zum Wachsen zu bringen.

Darüber hinaus möchte mit einer kleinen Analogie verdeutlichen, was passieren kann, wenn viele Menschen eine gemeinsame Vision haben – und dann gemeinsam alles dafür Notwendige tun:

Erinnern wir uns an die dem 13. Juli 2014 vorangegangenen Wochen und Monate – „Jogis Jungs“ hatten ein klares Ziel vor Augen – sie wollten den Pokal. Unbedingt. Und machten dafür alles richtig.
Haben wir als Menschheit auch einen gemeinsamen Pokal, eine gemeinsame Vision vor Augen? Wie wäre es damit, sich sicher & in Frieden ein ordentliches, gesundes Leben aufzubauen, ohne sich dafür in irgendeiner Form versklaven zu müssen? Und zwar für alle, und nicht nur für einige wenige, die sich für gleicher als gleich* halten?

Natürlich mussten die ‚Jungs‘ während der Spiele eine ganze Menge harte Attacken oder Fouls einstecken, auch Kritik & Häme seitens der Medien – und sind trotzdem jedes Mal wieder aufgestanden.
Wie oft steht jeder einzelne von uns nach (vermeintlichen) Rückschlägen wieder auf, wenn er seinen Teil zu der Vision beitragen möchte? Meist braucht es mehr als einen Anlauf, um in der Welt etwas zu bewegen. Und viele, viele kleine Schritte, es fängt immer mit dem ersten an. Sind wir gewillt, Rückschläge und Nichtakzeptanz oder gelegentlich auch Spott & Kritik zu ertragen?

Neben hartem Training, großartigem Ballgeschick und sportlichen Fähigkeiten bewies die deutsche Fussball-Nationalelf auch, dass nicht einzelne „Stars“ der Schlüssel zum Erfolg sind sondern Teamgeist.
Wir als Menschheit bestehen aus unsagbar vielen Individuen mit unendlich vielen Qualitäten. Während sich in der (jüngeren) Vergangenheit  insbesondere der Individualismus stärker ausgeprägt hat, durften wir lernen, dass Solo-Vorstöße auf’s Tor gelegentlich im Abseits enden. So dürfen wir nun wieder verstärkt lernen, unsere individuellen Qualitäten zu einem übergeordneten Ziel, einer großen umfassenden Vision zusammen zu bringen.

Last but not least braucht es außerdem auch noch eine gute Führung, einen guten Trainer & Coach, der das Beste aus jedem einzelnen herauszukitzeln weiss.
Wem könnten wir gemeinsam unser Vertrauen schenken, wem können wir zutrauen, ein guter Trainer, ein guter Coach, eine gute Führungspersönlichkeit in Sachen gemeinsamer Weltvision zu werden?

Vorschläge werden gerne entgegen genommen!

 

* Formulierung entliehen aus „Die Farm der Tiere“ von George Orwell, 1945

Schwimmen gegen den Strom (1)

21 Okt

Diese Woche las ich (zu einem Bild wie diesem) auf Facebook den Spruch : „Wer mit der Herde geht…  kann nur den Ärschen folgen!“

Wer mit der Herde geht Nun kann man sicher darüber streiten, ob dieser Satz witzig, politisch korrekt oder einfach nur blöd ist. Ich musste jedenfalls ganz spontan an meine Reise auf den Jakobsweg denken, von der ich gerade zurückkam.

Ich war nun bereits zum dritten Mal auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen. Mit dem Unterschied, dass ich diesmal rückwärts gegangen bin. Rückwärts nicht im Sinne von Rücken voran, sondern in dem Sinn, dass ich dort meinen Weg begonnen habe, wo andere normalerweise ihren Weg beenden.

 

 

 

 

Und das war in vielerlei Hinsicht seltsam – zunächst mal für mich…

Zunächst mal war es ein komisches Gefühl, auf der Fahrt mit dem Bus nach Santiago bzw. Finisterre zu fahren (mein Hin-Flug ging nämlich nach Porto) und in den 2,5 Std. bis zu meiner Weiterfahrt nach Finisterre (was übersetzt so viel bedeutet wie „Ende der Welt“, von wo aus ich loslaufen wollte) in das Flair von Santiago de Compostella einzutauchen, um die Zeit nicht am Busbahnhof verbringen zu müssen und um was zu essen.

Mir begegneten mir lauter euphorische Pilger oder gemütliche Bustouristen, die sich trotz starker Bewölkung freuten, durch die Gegend zu bummeln. Um die beeindruckende Kathedrale von Santiago de Compostela – Ziel eines jeden Jakobs-pilgerwegs – machte ich einen großen Bogen. Nicht etwa, weil ich das Gefühl hatte, es nicht wert zu sein dorthinzugehen (wie mich später jemand fragte), sondern eher weil ich von mir selbst aus gar nicht das Gefühl hatte, dort richtig zu sein.

Ungewohnt war sicherlich auch, Santiago und Finisterre in frischen Klamotten zu erreichen – normalerweise hat man am Ende seines Pilgerweges eher selten noch Kleidungsstücke, die nicht mindestens drei Mal gewaschen wurden und dennoch ein wenig müffeln (daher kommt übrigens auch der Brauch, dass in der Kathedrale von Santiago zu wichtigen Messen das Weihrauchfass geschwungen wird – früher diente dies der Desinfektion…)

Eine (Camino-erfahrene) Bekannte hatte mir zuvor prophezeit, dass es rückwärts ein einsamer Camino werden würde – womit sie zum Teil Recht hatte. Denn naturgemäß sind mir viel mehr Leute entgegen gekommen, als in meine Richtung gingen. Und so bin ich „meinen Weg“ zumeist alleine gegangen, was für mich ok war, weil ich so gut meinen eigenen Takt finden und nachdenken konnte. Auch konnte ich dadurch auf eine ganz besondere Weise die unterschiedlichen Stimmungen wahrnehmen, die mir durch die Natur und die verschiedenen Wetterlagen vermittelt wurden.

Apropos „meinen Weg“: Manchmal, vor allem bei schlechtem Wetter oder in der Dämmerung, war es gar nicht immer so leicht, die Wegmarkierungen zu finden, die meinen oder den entgegen-gesetzten Weg markierten. Ein paar Mal hatte ich mich sogar auch verlaufen. Dann freute ich mich immer, entgegen- oder vorbei-kommende Pilger zu sehen, denn sie zeigten mir an, dass ich wieder auf dem richtigen Weg war – waren mir also im Wortsinn „Weg-weiser“.

Unerwarteterweise gab es tatsächlich einen Tag, an dem ich Gesellschaft hatte: Denn zunächst begegnete mir ein Italiener und später auch noch eine Tschechin, die in die gleiche Richtung liefen wie ich, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Motivationen und mit verschiedenen Zeitplänen. Und so empfand ich es einerseits als schön, diese eine Etappe zusammen mit meinen neuen Weggefährten zu laufen, dennoch war es aber eben auch sehr ungewohnt, jemand anderes‘ Präsenz neben mir zu spüren.
Alles in allem möchte ich nicht sagen, dass ich auf meiner Reise einsam war. Denn abends in den Herbergen gab es ja genügend Begegnungen. Nur dass mir die wenigsten der Menschen, die ich dort traf, wiederbegegnet sind – was ja anders ist, wenn man „mit dem Strom schwimmt“, wo man sich früher oder später immer wieder begegnet.
Ein paar Mal unterwegs musste ich auch – zum ersten Mal seit über 20 Jahren – wieder an meinen Konfirmationsspruch denken, den ich mir als 14-Jährige in einem aus heutiger Perspektive zu bezeichnend als „heller Moment“ ausgesucht hatte: „Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s die ihn finden!“ (Matt. 7,14).

Übrigens habe ich ich mit diesen Menschen, auch wenn ich sie nur dies eine Mal getroffen habe, überwiegend sehr tiefgehende Gespräche geführt, wie es fast nur auf dem Camino möglich ist. Und diese Gespräche haben teilweise in mir noch relativ lange „nachgeschwungen“…

So zum Beispiel stimmte mich u. a. der abendliche Kommentar einer Engländerin in einer Herberge sehr nachdenklich, die sagte, dass sie es extrem schwierig fände, den Pilgerweg rückwärts zu laufen, denn dann würde man ja dauernd Leuten entgegen gehen. Möglicherweise war ich etwas unbedarft an mein Vorhaben (mit dem Rückwärtsgehen) herangegangen, denn darüber hatte ich mir zum Glück zu keinem Zeitpunkt Gedanken gemacht. Während meiner ganzen Reise habe ich das getan, was man als gut erzogener Mensch so macht: Ich habe jeden mir entgegen gehenden Pilger mit dem üblichen Pilgergruß/-wunsch „Buen Camino“ (das heißt soviel wie „Guter Weg!“) gegrüßt.

Die Reaktionen der Menschen darauf waren allerdings höchst unterschiedlich, aber das wird eine andere Geschichte…

Fortsetzung folgt.

(Selbst-)Führung und Burnout

15 Mai

Kürzlich nutzte ich mal aus purer Neugier die von WordPress zur Verfügung gestellten Auswerte-möglichkeiten, um zu herauszufinden, über welche Suchworte dieser Blog so gefunden wird. Sehr zu meiner Überraschung (zu Ihrer vermutlich nicht, denn so steht’s ja schon im Titel) waren die häufigsten Suchbegriffe, in verschiedener Kombinatorik und Schreibweise, „Burnout“ und „Führung“.

Verwundert bin ich gar nicht mal unbedingt darüber, dass „Burnout“ unter den Top-Suchbegriffen zu finden ist (denn es ist immer hin mein am zweitmeisten verwendetes Schlagwort und ich habe ja auch schon den einen oder anderen Blogbeitrag so betitelt), sondern vielmehr darüber, dass es anscheinend viele davon Betroffene gibt, die einen direkten Zusammenhang mit Ihrem Vorgesetzten sehen und sich für Ihre Situation Rat und/oder Unterstützung im Internet erhoffen.

Liebe Leserinnen und Leser, mich würde Ihr Feedback interessieren:
Haben Sie auf meinen Seiten gefunden, was sie gesucht haben oder Ihnen weiter geholfen hat?
Ich bin offen für jede Diskussion!

Selbstverständlich können sowohl eine Führungskraft durch ihr persönliches Verhalten als auch die generelle Kultur und der Umgangston in einem Unternehmen einen Burnout von einzelnen oder mehreren Mitarbeitern begünstigen. Das will ich gar nicht abstreiten, vor allem weil ich selbst mal einen Vorgesetzten hatte, der auf meinen eigenen Burnout nicht ganz unwesentlichen Einfluss hatte.

Mit etwa vier bis fünf Jahren zeitlichem Abstand bin ich diesbezüglich aber zu einer etwas anderen Sichtweise gekommen – und diese Überlegung möchte ich gerne mit Ihnen, liebe Google-Nutzerinnen und -Nutzer teilen, für den Fall dass diese eventuell auch bei Ihnen zutrifft:
Mein damaliger Chef nämlich, der im übrigen an sich ein ganz netter Kerl war, hatte gelegentlich, vorzugsweise wenn er sich selbst unter Druck gesetzt sah, die unangenehme Eigenschaft, diesen mehr oder weniger unreflektiert oder unbewusst an seine Mitarbeiter (also meine Kollegen und mich) weiterzugeben. Zartbesaitete oder sensible Menschen wie ich, oder auch Menschen, denen es Schwierigkeiten bereitet, auch mal „Nein“ zu sagen, nahmen sich das natürlich besonders zu Herzen.

Führung und Selbstführung

Nachdem ich bereits mehrere Jahre, auch gesundheitlich, darunter gelitten hatte, wagte ich irgendwann einmal einen Mutanfall und bat ihn in einem Vier-Augen-Gespräch, sein Verhalten mir gegenüber doch bitte zu verändern. Sie werden mir sicherlich glauben, dass mir das Gespräch damals alles andere als leicht fiel. Aber ob Sie es glauben oder nicht: Das hat er sogar seitdem auch getan. Und vermutlich können Sie sich vorstellen, wie ich mir im Nachhinein in den Hintern gebissen habe, nicht schon etliche Monate früher etwas gesagt zu haben…

Fazit von der Geschichte: Es gibt (zumindest unter Erwachsenen Menschen) keine Täter und Opfer. Sondern nur Täter und Menschen, die sich mehr Dinge gefallen lassen, als es Ihnen eigentlich recht ist. Das mag hart klingen, aber genauso benötigen manche Menschen (auch Führungskräfte!) klare Ansagen, wenn sie die persönlichen Grenzen ihres Gegenübers verletzen. Und für seine Grenzen kann kann eben jeder nur für sich selbst einstehen (wie soll denn auch mein Arbeitskollege wissen, was mich stört?)

Anfangs wird sich sicherlich bei solchen Interventionen öfters mal das alt-bekannte innere Stimmchen melden, welches sich sorgt, was denn der andere von einem denken könnte… (vermutlich gar nichts, denn hat er sich Gedanken gemacht, was man selbst von seiner Grenzüberschreitung hält?) … oder man könne den anderen doch nicht derartig vor den Kopf stossen… (warum denn vor den Kopf stossen – hier geht es um die Verteidigung der eigenen Grenzen!) Ja warum denn nicht – immerhin stellt jeder Staat, jedes Bundesland, jeder Ort an seiner Grenze Schilder auf, auf denen steht „Achtung, hier Ende“.

Wichtig ist, dass Sie dran bleiben, dass Sie konsequent bleiben – trotz des schlechten Gewissens, dass Sie anfangs quälen mag. Denn nur so wird man Sie bzw. Ihre Aussage ernst nehmen. Denn ein wichtiger Aspekt der Führung ist zunächst einmal, sich selbst zu führen – das gilt für Führungskräfte aber auch im Hinblick darauf, WIE man selbst geführt werden möchte.

Denn Führung hat auch viel mit Verantwortung zu tun – und damit sind wir dann auch wieder bei uns selbst angelangt. Denn Verantwortung hängt mit Wort und Ant-Wort zusammen. D. h. Verantwortung heißt auch, mal eine Ant-Wort einzulegen, ob auf ein Wort oder eine grenzüberschreitende Handlung. Und Selbst-Verantwortung heißt demnach, dies für sich selbst zu tun…

Führung, Kunst und Burnout

30 Aug

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über Führungskunst und Selbstführung. Heute möchte ich dies anhand eines kleines Beispiels bzw. einer Übung ein wenig konkretisieren, auch um den Zusammenhang zu meinem fast schon Lieblingsthema „Burnout“ zu verdeutlichen.

Stellen Sie sich bitte die folgende Situation vor: Auf Ihrem Schreibtisch stapeln sich die Unter- lagen für etliche unerledigte Aufgaben, und permanent klingelt das Telefon und jeder will „noch ganz dringend“ etwas erledigt haben.
Zu Hause müssen Sie noch ein Geburtstagstagsgeschenk für die (Schwieger-)Mutter oder wahlweise die Partnerin oder den Partner kaufen, die Wohnung will geputzt werden und das Finanzamt mahnt auch schon zur Abgabe der Steuererklärung. Das sind dann die Momente, in denen man sich wünscht der Tag hätte 36 Stunden, damit man endlich mal genügend Zeit hätte, alles zu erledigen und sich anschliessend auch mal um sich selbst kümmern kann.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hat nur leider einen Fehler – das Modell funktioniert nämlich nicht. Denn auch wenn Ihr Tag 36 Stunden hätte, ist das in etwa so wie mit dem Auto, mit dem Sie in den Urlaub fahren. Denn egal wie lang oder kurz der Urlaub, ob mit Kindern oder ob ohne und vor allem egal wie groß oder klein das Auto ist – der Kofferraum bzw. das ganze Auto sind immer voll. Und genau so ist das mit dem 36-Stunden-Tag: Am Ende des Tages hätten Sie vermutlich genauso viele unerledigte Dinge wie mit dem herkömmlichen 24-Stunden-Tag. Denn es ist nur allzu menschlich, in den dann längeren Tag auch nur noch mehr Aufgaben zu packen.

Und was die Länge des Tages betrifft, da ist ja das Leben äußerst gerecht: Egal wie arm oder reich jeder von uns ist, oder wie alt oder wie jung – der Tag hat nun einmal für jeden 24 Stunden, eine Woche hat demnach 7 x 24 Stunden = 168 Stunden. Die Frage ist, wie wir sie gestalten.

Gerne können wir das mal anhand eines kleinen Beispiels durchgehen. Praktisch wäre, wenn Sie parallel zu meinen Ausführungen Ihre eigene Woche auf einem weissen Blatt Papier darstellen, in dem Sie sich darauf zwei gleich große Kreise malen (Anmerkung: auf den Kopf gedrehte Teller oder Untertassen sind hierfür geeignete Vorlagen).
Stellen wir uns nun also vor, dass wir uns eine typische Woche des Lebens als Kuchen ansehen.
Die 168 Stunden der ganzen Woche sind demnach der ganze Kuchen. Wenn Sie mögen, klicken Sie sich dazu durch diese Datei, die ich hier als Beispiel heranziehen möchte:

Wenn wir nun von einer durchschnittlichen Schlafdauer von je sieben Stunden pro Nacht ausgehen, sind davon schon 7 x 7 Stunden = 49 Stunden weg. Bitte schneiden Sie sich Ihren „eigenen Schlaf-Sektor“ aus Ihrem persönlichen Kuchen.

Gehen wir nun weiter davon aus, dass Sie eine auf die üblichen Werktage (Mo-Fr) verteilte 40 Stunden Woche haben.
Zuzüglich täglich etwa einer Stunde Mittagspause und etwa 2 Stunden Fahrtzeit von zu Hause ins Büro und zurück (denn die verbringen wir ja auch nicht unbedingt so, wie wir es täten wenn wir könnten wie wir wollten). Das ergibt bis hierher 5 x 11 Stunden = 55 Stunden. Aber Überstunden machen Sie vermutlich auch gelegentlich, oder? Also geben wir noch mal fünf Stunden extra die Woche dazu. Ergibt 5 x 12 Stunden = 60 Stunden.

Außerdem essen Sie ja noch was – was allerdings vorher noch zubereitet werden muss. Und anschliessend muss noch abgespült werden. Grob überschlagen rechnen wir hier für das Thema Essen einmal mit im Schnitt 4 Stunden täglich, macht 7 x 4 Stunden = 28 Stunden.

Darüber hinaus investieren Sie als gesundheitsbewußter Mensch auch noch einige Zeit in Sport oder für Ihre Gesundheit, Arztbesuche gehören beispielsweise dazu. Unterstellen wir mal viermal pro Woche 1,5 Stunden bzw. dreimal pro Woche 2 Stunden = 6 Stunden.

Für’s Fernsehen, Playstation oder Videos schauen unterstellen wir nun noch täglich eine Stunde. Ergibt sieben weitere Stunden unserer Woche. Ach übrigens: Das ist weniger als ein Spielfilm oder ein Fussballspiel am Tag!

Damit sind wir nun schon bei 150 Stunden unserer Standard-Woche, obwohl wir noch nicht einmal etwas „Besonderes“ gemacht haben. Und dafür bleiben uns dann nur noch magere 18 Wochenstunden übrig, die ich hier auf dieser Grafik nun mit „übrige Zeit“ gekennzeichnet habe:

LebensKunstWerk by Wortakupressur

Von denen dürfen Sie sich überlegen, ob Sie sie mit dem Partner/der Partnerin oder mit der Familie, mit Freunden, mit Ihren Hobbies und/oder mit sich selbst verbringen können (oder Ihr Fußballspiel zu Ende gucken möchten, das oben nicht „im Budget“ war).
Jedenfalls sind das nur etwa 2,5 Stunden pro Tag, das finde ich nicht besonders viel. Vor allem weil da Hausarbeit und Körperpflege noch gar nicht berücksichtigt sind.

Wie sieht nun Ihr Idealzustand aus?

Aber wie sieht nun Ihre tatsächliche Alltagssituation, die Sie gerade beschrieben haben, im Vergleich zu dem, was wünschenswert wäre – Ihrem Idealzustand aus? Den Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte malen Sie bitte alleine in den zweiten Kreis auf Ihr Blatt. Denn ich kann Ihnen ja nicht sagen, wie Ihr Ideal-Zustand aussieht. Sie sollen sich ja damit wohl fühlen. Außerdem ist der Idealzustand für Sie ja vermutlich auch etwas ganz anders als zum Beispiel für Ihren Nachbarn.

Egal, wie der Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte aussieht, wichtig ist, dass sie Ihre persönliche Lebensqualität darstellt. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebens-künstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv, wie Ihre persönliche Lieblings-Lebensführungs-Torte. Sowohl in Bezug auf die Form, als auch in Bezug auf die Zutaten. Denn was dem einen gefällt, gefällt dem nächsten vielleicht nicht – oder anders herum. Und wissen Sie was gut ist? Es gibt dabei kein richtig und fast kein falsch – wie eben bei Kunstwerken auch. Nur Nichtstun funktioniert nicht.

Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Selbstführung ist das: Pflegen Sie es (das Kunstwerk), und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Sei es durch eine ausgewogene Ernährung, durch Entspannung, durch regelmäßigen Sport, durch eine entspannte mentale Einstellung oder durch geistige Einkehr sein. Oder durch jede beliebige Kombination davon.

Ganz besonders „leckere“ Zutaten für Ihre Lieblings-Lebens-Torten-KunstWerk sind übrigens Neugier und Freude.
Zum Ausprobieren zum Thema Neugier habe ich eine ganz einfache Übung: Sehen Sie sich doch mal für eine Stunde die Welt durch die Augen eines Kindes an – für Kinder ist nämlich alles im Leben voller Wunder, also ganz wunder-voll.

Und das wiederum – wenn sie es ausprobieren –  macht unheimlich Freude!
Und mit Freude können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Weiterhin viel Freude mit dem Kunstwerk Ihres Lebens
wünscht Ihnen herzlichst

Ihre Christina Bolte

PS:
Passend dazu – und als ob er meinen Beitrag gelesen hätte – zu was sich die 168 Stunden der Woche so im Laufe des Lebens aufsummieren können:
Die lesenswerte Kolumne von dm-Gründer Prof. Götz W. Werner aus dem alverde-Kundenmagazin, Ausgabe 09/2012

FührungsKunst (1)

16 Aug

Im Mai nahm ich einen Tag an dem Kongress „Wirtschaft & Gesundheit“ der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen teil.

Während vormittags das Programm eher aus Vorträgen bestand, war nachmittags Mitmachen angesagt – Workshop nannte sich das Ganze. Und obwohl ich ursprünglich an einem ganz anderen Workshop geplant hatte teilzunehmen, entschied ich mich spontan für eine Veranstaltung mit dem Titel „Spirituelles Selbstmanagement – Ein Weg zur Versöhnung von Macht und Liebe“.

Was mich genau bewogen hat, genau in genau diese Veranstaltung zu gehen, weiß ich nicht mehr genau, aber im Nachhinein muss es wohl Fügung gewesen sein. Oder besser: Führung – innere Führung.

Und damit ging es für mich auch gleich ins Thema, obwohl der Workshop-Titel zunächst erstmal keinen Zusammenhang zum Thema Führung vermuten ließ. Denn – so hieß es später im Verlauf des Workshops – für die „innere Führung“ empfänglich zu sein, gleicht es der genauen Einstellung, die er bedarf, um einen Radiosender einzustellen. Dieser wird zwar immer gesendet, wenn wir selbst aber auf der falschen Frequenz eingestellt sind, bekommen wir davon nichts mit. Um also Kontakt mit dem inneren Radiosender aufzunehmen, bedarf es ein wenig Training – und Innehalten, damit man auch mal kurz wahrnehmen kann, wer denn da überhaupt gerade so sendet. Und vor allem, dass auch der Körper und das Herz mal die Gelegenheit haben, zu erkennen, wie es sich anfühlt, wenn man die richtige Frequenz gefunden hat!

Zurück zum Selbstmanagement: Klar war uns allen, dass wer andere führt, zunächst einmal sich selbst „im Griff“ haben sollte. Was im Wesentlichen heißt, im Einklang mit sich selbst zu sein: Angefangen bei den eigenen Gefühlen und der eigenen Kommunikation (inklusive der Kommunikation nach innen!) über eigene klare Standpunkte und Ziele bis hin zur Klarheit über die eigenen Ressourcen und Handlungsmotive.

Denn wenn die Motive – so erörterten wir bei der Begriffsklärung der beiden Tabuthemen „Macht“ und „Liebe“ im Untertitel der Veranstaltung – Angst, Scham, Überheblichkeit oder Ähnliches sind, passiert es leicht, dass Macht – vor allem wenn diese ohne Liebe und Bewußtsein ausgeübt wird – bei anderen Menschen zutiefst verletzend wirkt. Und dort häufig das Gegenteil auslöst, nämlich Ohnmacht.

Außerdem wies die Referentin auf ein interessantes Wortspiel im Englischen hin, als wir über die 7 Chakren zu sprechen kamen. Chakra wird ja meist mit „Energie-Zentrum“ übersetzt, und bei gesunden Menschen sind die Chakren gut ausgeglichen, so dass ein optimaler Energiefluss gewährleistet ist. Auf Englisch heißen die Chakren sinnigerweise Centers of Power, was genauso gut mit „Macht-Zentrum“ übersetzt werden kann – nur wenn die Chakren gut ausgeglichen sind und so unsere Lebensenergie und Liebe (im Sinne von Wertschätzung) gut fliessen können, können wir optimal in unserer Macht stehen.

Wobei Macht hier im positiven Sinne gemeint ist. Nämlich im Sinne von Führung,  Klarheit und Verbundenheit mit der Allgemeinheit, und nicht im Sinne von Selbstverliebtheit und (andere) in die Irre führen. Und somit schliesst sich der Kreis wieder – zum Thema eingangs erwähnten Kontakt mit dem inneren Sender. Um für diesen die richtige Einstellung zu finden, bedarf es etwas Übung. Aber das ist ja mit allem so. Vor allem die Dinge, die in Richtung von Virtuosität und Kunst gehen.

Und so möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von der Referentin, Frau Dr. Barbara von Meibom vom Berliner Institut für Führungskunst, beenden. Denn es fasst – wie ich finde – präzise und eloquent alle wesentlichen Aspekte des Workshops und gleichzeitig auch des Themas „Führung“ zusammen:

Wo Führung zur Kunst wird
Geschieht sie im Einklang mit
übergeordneten Gesetzmäßigkeiten
des Lebens, des Zusammenlebens und
des persönlichen Wohlbefindens.

Führungskunst gründet sich
in Selbstführung. Sie ist getragen von
einer Haltung der Wertschätzung
von sich, anderen und gegenüber
der natürlichen Mitwelt.

Führungskunst ist ein Weg
Verantwortung für sich und andere
zu übernehmen, in dem sich die
scheinbaren Gegensätze versöhnen,
wie zwischen:
Macht und Liebe
Wertschöpfung und Wertschätzung
Wissen und Weisheit
Führen und geführt werden
Effizienz und Nachhaltigkeit
Männern und Frauen
Wissenschaft und Spiritualität
Verändern und Bewahren 

Führungskunst bringt Schönheit hervor:
In uns
In unserem Zusammenleben
In unserem Zusammenwirken
Im gestalteten Raum
In unseren Organisationen
In unseren Produkten und Dienstleistungen
In unseren Städten
In unserer Umwelt.

Zur Inspiration:
„Spirituelles Selbstmanagement“ von Barbara v. Meibom,
erschienen 2009 im Kamphausen-Verlag, Bielefeld 

weitere Infos zum Thema unter http://www.communio-fuehrungskunst.de

Vom Zusammenhang zwischen Führung und Burnout

7 Jul

Führung – durch Zeiten der Veränderung und für die Wanderung auf dem Weg des Lebens

Bei den Worten Führen und Führung muss ich unwillkürlich an meine Erfahrungen aus meiner Zeit als langjährige Mitarbeiterin in einem Großkonzern denken – habe ich doch selbst hinreichende – aktive wie passive – Beispiele erleben dürfen. Jeder, der angestellt ist oder einmal war, wird diesbezüglich ähnliche Erfahrungen gesammelt haben, deshalb will ich auf diesen Aspekt an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen.

Besonders gut lassen sich Führungsqualitäten, wie ich finde, allerdings bei Hunden beobachten, wie gut oder auch nicht diese den Anweisungen ihres Herrchens oder Frauchens folgen. Meistens folgen diese nur dann gehorsam, wenn die führende Person „weiß, wo es lang geht“ und deren Befehle entsprechend klar und sicher ausgeübt oder formuliert sind.

Aber Führung heißt mehr als Anweisungen oder Befehle austeilen. Sondern Führung bedeutet vor allem auch Vorbildfunktion auszuüben, in schwierigen Situationen oder Phasen der Veränderung vorangehen. Oder – wie der Management-Autor Winfried M. Bauer schon sagte:
„Wenn man Führer ist, muss man sich als solcher verhalten, d.h. immer drei Schritte voraus sein.“

Sei es in puncto Verhalten, persönliche Integrität, Disziplin, der oben genannten Klarheit oder Konsequenz. Denn wer andauernd heute „Hü“ und morgen „Hott“ sagt, dem ist schwierig zu folgen. Insofern hat Konsequenz (von lateinisch consequi „folgen“, „erreichen“) beim Führen auch sehr viel mit Durch-Führen zu tun und im letzten Schritt auch mit Ziel-Erreichung.

Gleichzeitig bedeutet Führung auch, Verantwortung zu übernehmen, sei es für die eigenen Handlungen und Ergebnisse oder die der anvertrauten Mitarbeiter. Interessanterweise beinhaltet das Wort Verantwortung auch ein anderes, welches ebenfalls sehr eng mit Führung zusammen hängt. Eine Führungskraft sollte nämlich auch Antworten haben, beispielsweise auf die Frage „wo es lang geht“ – oder wenn sie keine Antworten weiß, ganz einfach weil in neuen Situationen häufig alle gerade Neuland betreten, wenigstens dazu stehen. Denn nichts missfällt den Untergebenen mehr, als wenn der Chef so tut, aber keine Antworten hat.

Und damit kommen wir dann gleich zu einem weiteren Punkt:
Führung bedeutet auch Vertrauen – vor allem in Teamsituationen. Essentiell dabei ist, dass Führen nur über das Vertrauen derjenigen funktioniert, die geführt werden. Das frühere Verständnis eines Chefs mit Diktator-ähnlichem Gebaren ist da nicht wirklich dienlich. ….

Gleichzeitig muss und darf der Führende seinerseits darauf vertrauen, dass die delegierten Dinge bestmöglich erledigt werden. Tut er es nicht und meint, aus eigenem Perfektionsdrang heraus seine Untergebenen kontrollieren – oder noch schlimmer: selbst korrigieren – zu müssen, wird ehe dass er sich versieht eine ungute Spirale von Misstrauenskultur im gesamten Team genährt. Unter Umständen nähert er sich damit auch gleichzeitig seinem eigenen Burnout.

„Wer sich selbst nicht zu führen versteht, kann auch andere nicht führen.“
Alfred Herrhausen (1930-89, Bankier und Vorstandssprecher der Deutschen Bank)

Aber Führung muss nicht immer in Zusammenhang mit anderen Personen stattfinden, eine wichtige Voraussetzung, um andere zu führen, ist dabei auch die Selbstführung. Denn auch das eigene, innere Team will geführt werden. Das Team, bestehend aus den verschiedenen Persönlichkeitsanteilen, wie den Perfektionisten, den Faulen (der immer gerne Ausreden erfindet), den Aktiven, den Ungeduldigen (der am besten immer alles gleich sofort haben möchte), und (in meinem Fall) noch die „kleine Christina“, die am liebsten immer spielen möchte und ansonsten nur den Anspruch hat geliebt zu werden.

Natürlich bedarf es dazu einer gewissen Neutralität oder die Fähigkeit, wie aus einer Kamera-Perspektive zu erfassen, welcher der Team-Mitglieder bei den eigenen Handlungen gerade „am Werk“ ist. Und das ist nicht gerade einfach, denn jeder aus dem inneren Team möchte beachtet sein.

Und so ist es eine Gratwanderung, sich selbst zwischen Minderwertigkeitskomplex und Perfektionismus hindurch zu manövrieren. Das Fatale daran ist: Auf beiden Seiten des Grates kann am Ende der Burnout warten, denn sowohl Perfektionismus als auch die Suche nach Anerkennung sind häufig anzutreffende Beweggründe, um in eine solche Situation zu geraten. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, als Mensch wie auch als Burnout-Lotse®.

Lassen Sie mich dies kurz erläutern: Um nicht auf der einen Seite den Abgrund eines schwachen Selbstvertrauens hinabzustolpern, gab ich früher häufig mein Bestes und noch mehr, um mit einem erhaschten Lob mein Selbstwertgefühl zu steigern. Aus Angst, die anderen könnten mich nicht (mehr) mögen, tat ich so manches, was mir selbst und den meinen eigenen Werten eigentlich widersprach. Natürlich tue ich heute nach wie vor mein Bestes, aber nur so lange es mit meinen Werten im Einklang ist.

Auf der anderen Seite des Grates lauert die Perfektionsfalle: Unter extrem hohen Zeitaufwand werden die zu erledigenden Dinge bis ins kleinste Detail ausgefeilt oder – wie oben geschildert – die Arbeit anderer nachkontrolliert, mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass für andere, mitunter wirklich wichtige Dinge die Zeit fehlt – und das Hamsterrad sich dadurch noch schneller dreht.

„Ein Führer ist jemand, der vor seinen Leuten hergeht, doch nicht weiter, als er ihre Fußtritte hören kann.“ (Tommy Lasorda, nähere Autorenangaben nicht feststellbar)

Um in schwierigen Zeiten durch diese Gratwanderung heil hindurch zu kommen oder – besser noch – bereits präventiv auf „einfachem Terrain“ schon ein wenig Trittsicherheit auf dem Grat der Selbstführung zu erlangen, bedarf es manchmal eines guten Bergführers. Im Fall unseres Selbstführungs-Grates kann dies zum Beispiel ein Burnout-Lotse® sein.

Dieser hat im Normalfall eine extrem gute Ortskenntnis und kennt die einen oder anderen technischen Tricks und Kniffe, die das Passieren des Grates vereinfachen. Manchmal reicht auch schon die achtsame Präsenz einer erfahrenen Person, um dem Gratwanderer entsprechende Sicherheit zu geben.

Und so möchte ich Sie einladen: Sehen Sie den Weg auf dem Pfad oder Grat Ihres Lebens als Spiel. Gehen Sie ihn mit Hingabe und Vertrauen – denn wenn Sie jeden „Fehler“ (was auch immer das sein mag) als Abenteuer oder Spiel, in jedem Fall aber als Lernmöglichkeit sehen, so können Sie ein Stolpern oder Abrutschen in gewisser Hinsicht genießen.

Wenn Sie Unterstützung brauchen, sprechen Sie mich an: kontakt@gesundheitspraxis-sinderau.de.