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Der Schmetterling

12 Mrz

Diesen Beitrag hielt ich am 11.03.2019- so oder so ähnlich – in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Manchmal, wenn ich ganz still und leise im Garten auf einer Bank in der Sonne sitze und die Leichtigkeit des Seins genieße, setzt sich mit sanftem Flügelschlag ein Schmetterling auf meinen Arm. Ich liebe es einfach, wenn die Leichtigkeit des Flügelschlags über meine Haut dahinhaucht.

Dann kommt es mir so vor als wollte er ein Geheimnis mit mir teilen und mich mit seinem sanften Geflatter davon überzeugen, wie einfach das Leben sein kann.

Leider sind diese Momente, in denen ich ganz still bin, extrem selten und mein Schmetterling ist auch nicht immer mein Freund. Im Gegenteil – denn auf der anderen Seite gibt es dann auch diese Momente, wenn der Schmetterling sich mit festem Griff einem Raubvogel gleich auf meinen Nacken stürzt, mein Lebensgefühl beschwert – und mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

In so einer Situation ertappte ich mich neulich bei einem neuen Gedanken:
Während ich so spazieren ging, dachte ich: „Es wäre doch jetzt eigentlich ganz praktisch, wenn ich von einem Auto überfahren werde.“

PAUSE – SACKEN LASSEN

Während die Tragweite dieses Gedankens tropfenweise in mein Bewusstsein durchsickerte, begannen gleichzeitig meine Alarmglocken zu schrillen – und ich erkannte: Es ist höchste Zeit, mir Hilfe zu suchen. Denn dieser Gedanke war der Schrei meines Schmetterlings um Hilfe.

Wir alle haben so einen Schmetterling. Dieser Schmetterling, der unser aller Leben beeinflusst und mit Leichtigkeit oder Schwere versieht, sitzt in unserem Hals. Es ist die Schilddrüse.
Kaum jemand kennt dieses kleine unauffällige Organ, und doch übernimmt es so wichtige Funktionen mit so weitreichenden Konsequenzen für unser Wohlbefinden. Die Schilddrüse steuert unseren Stoffwechsel, das Gewicht, das Temperaturempfinden, unsere Stimmung und insgesamt unser Lebensgefühl.

Was wenige wissen ist, das eine Schilddrüsen-Unterfunktion – also wenn die Schilddrüse zu wenige Hormone produziert – ähnliche Symptome verursacht wie eine Depression. Es ist dann alles im Leben so, ob jemand auf der Bremse stehen würde: Der Stoffwechsel arbeitet extrem langsam, Nahrung wird nicht gut verdaut und setzt sich stattdessen auf die Hüften. Man friert sehr leicht und auch sonst ist das Leben eher schwer, gebremst und trübe.

Manchmal verordnen Ärzte aufgrund der Depressions-ähnlichen Beschwerden Antidepressiva. Das nützt nur nichts, wenn die Ursache eine andere ist. Was kann man nun also tun, wenn man – egal aus welchem Grund – das Gefühl hat, in einer hohen dunklen Schlucht zu sitzen und den Ausweg nicht zu sehen?

  1. Such Dir Hilfe – und zwar schnell. Das kann, für eine gute und gründliche Untersuchung nach körperlichen Ursachen, ein Arzt sein, und genauso kann ein vertrauensvolles, ehrliches Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens dazu beitragen, dass Deine gefühlte Last nur noch die Hälfte ist.
  2. Umgib Dich mit was Schönem, etwas Buntem – hör eine schöne Musik, eine die Leichtigkeit verströmt oder die Dich aufbaut und
  3. erinnere Dich – an einen Schmetterling.

Denn der Schmetterling erinnert MICH in diesen Momenten noch an etwas anderes: Nämlich, dass der Schmetterling eigentlich ein ganz phantastisches Tierchen ist. In seiner jugendlichen Form ist er nämlich eine Raupe, so ein kleines haariges, am Boden kriechendes Etwas. Und doch wird in der erwachsenen Form etwas so schönes, buntes daraus wie ein Schmetterling. In der Zeit dazwischen, auch Metamorphose genannt, durchläuft er das Stadium als Puppe. In dieser Zeit ist das Tierchen weder Raupe, noch Schmetterling, sondern sprichwörtliche braune, undefinierbare Masse. Und dennoch wird mit der Zeit daraus etwas so Wunderschönes wie ein Schmetterling!

Diesen Gedanken habe ich ganz ganz tief in mir abgespeichert – damit ich mich jedes Mal daran erinnern kann, wenn mich der Greifvogel im Griff hat oder ich mich in Veränderungssituationen fühle wie undefinierbare braune Masse, aus der ich gerade keinen Ausweg weiss und die mich nach unten zieht.

Denn der Schmetterling erinnert mich daran, dass nach der Zeit dieser Veränderung wenn der Schmetterling schlüpft und seine Flügelchen reckt und streckt – dass das Leben weitergeht und mit welcher Schönheit, Anmut und Leichtigkeit er anschließend mit sanftem Flügelschlag durch sein Leben flattert. So  lass Dir von ihm das Geheimnis der Leichtigkeit erzählen.

Als weiterführende Literatur zum Thema Schilddrüse empfehle ich das Buch „Die Schilddrüse: Funktionsstörungen ganzheitlich begegnen„* meiner geschätzten Kollegin Sabine Hauswald.

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Photocredits: CC BY-SA 3.0, by Beentree https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=737211

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Video

Metamorphose – Veränderung

17 Aug
Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling – wie sie sehr schön in diesem Video von Terra X zu sehen ist – erklärt wie ich finde wunderbar, warum uns Transformation so schwer fällt.
Was wir für uns daraus ableiten können, ist:
1. Es braucht Geduld und Vertrauen – um die Phase zu überbrücken, in der „das Alte“ (die Raupe) nicht mehr passt und „das Neue“ (der Schmetterling) noch nicht seine Form gefunden hat, ja diese teilweise sogar noch nicht mal erkennbar ist.
2. Rückzug und Kraftschöpfen (in jeglicher Hinsicht) sind dabei ein guter Weg.
Viel Spass bei Eurer persönlichen Veränderung – auf dass Euch bald die Flügelchen trocken sind und ihr mit Leichtigkeit Eure neue Lebensphase genießt.

Zutaten der Leichtigkeit

6 Apr

Irgendwie ging in meinem Leben vieles schwer. Schon als Kind hörte ich Sprüche wie: „Wer schön sein will, muss leiden“ und „Ohne Fleiss kein(en) Preis“ oder später dann „Als Frau musst Du [in dem „Männerberuf“, den ich wählte] doppelt so gut sein, wie ein Mann um Erfolg zu haben.

Das prägte sich natürlich tief in mein (Unter-) Bewusstsein ein. Zwar bestand ich auch mein Abitur und später meinen Studienabschluss mit recht guten Noten, aber natürlich steckte auch einiges an Konsequenz und Arbeit dahinter. Und während es mir in den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit noch sehr viel Freude bereitete, es mit den Herausforderungen der täglichen Arbeit aufzunehmen, merkte ich allerdings mit der Zeit, wie sehr mich diese verändert hatten.
Zwar war es weniger die Arbeit an sich (denn die machte mir prinzipielle nach wie vor Spass), war es vielmehr die falsche Dosis. Ein Mehr an Arbeit ist nicht automatisch auch ein Mehr an Spass… Und so realisierte ich irgendwann, dass die anfängliche Freude bei der Arbeit (und im übrigen Leben) irgendwann nur noch einem „Funktionieren“ gewichen war – und ich mich kurz vor dem Burnout befand.

Zu dem Zeitpunkt hatte mein Leben entsprechend wenig mit Leichtigkeit zu tun. Interessanterweise schlichen sich aber (im Rückblick) auch genau in dieser Phase mit einer solchen Leichtigkeit einige Gegebenheiten in mein Leben, um diesen Zustand offensichtlich zu machen.
Angefangen über meine „Reise“ auf den Jakobsweg, die mein Leben verändern sollte (und über den Sie bei Interesse hier nachlesen können), die sich an sich und vor allem in dieser Form eher „zufällig“ fügte… Über meine mündliche Heilpraktiker-Prüfung, denn immerhin hatte ich mir eine der Fragen zuvor beim Universum bestellt gehabt… Bis zu genau den richtigen Menschen und Informationen, die genau zur richtigen Zeit in mein Leben purzelten…
Was aber auch die Aufgabe mit sich brachte, mich von vielem unnötigen Zeug, was teilweise schon jahrelang ungenutzt herumlag, oder dem einen oder anderen Mitmenschen zu verabschieden (nämlich beispielsweise von denjenigen, die lieber jammerten anstatt etwas zu verändern um so Veränderungswillige von ihrem eigenen „Glück“ abzuhalten) – ähnlich wie auf einer Fahrt mit einem Heissluftballon, bei der man auch Ballast abwerfen muss um zu neuen, höheren Perspektiven und Zielen zu gelangen…

Mein (vorerst) letztes Kapitel zum Thema Leichtigkeit, was mir „zuflog“, war mein (neues) Studium, zu dem ich mich anmeldete, kognitiv nicht wissend, warum ich dies eigentlich tat und was ich mir von dem Abschluss erhoffte – und nicht nur den Studienplatz bekam sondern ein Stipendium gleich dazu.
„Glückspilz“, würde meine Mutter sagen. „Wenn es leicht geht, soll’s so sein“, sage ich.

Und wenn ich mir all diese kleinen Details und Episoden so betrachte, sind ihnen ein paar wesentliche „Zutaten“ gemeinsam, die zu meinem persönlichen Leichtigkeits-Rezept beitragen:
1. Die Erfahrung, dass ich selbst manche (bzw. die meisten?) Dinge nur zu einem gewissen Grad beeinflussen kann.
2. Das Loslassen des Ergebnisses – also das Vertrauen entwickeln, dass das Ergebnis schon gut sein wird, egal ob es dem entspricht, was ich mir gerade darunter vorstelle.
3. Die Erkenntnis, dass es während der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling eine Phase gibt, die es auszuhalten gilt, nämlich die Puppen-Phase. Das ist die Phase des „Nichtwissens“, des „Nicht-Zustandes“, des „Nicht Fisch-nicht Fleisch“ oder (wie eine liebe Wegbegleiterin es mal formulierte) eine Phase in der „man sich fühlt wie braune Masse“.
4. Vor allem aber hilft es, bei all diesem auf die eigenen (positiven) Fähigkeiten zu vertrauen.

Das sind nun zugegebenermaßen nicht gerade die am leichtesten zu verdauenden Zutaten. Vielleicht gibt es aber auch andere – welches sind Ihre? Ich bin gespannt sie zu erfahren (und auszuprobieren)!

Veränderungen sind Wege aus der Krise in die Kraft

20 Jul

Frisch gestärkt komme ich gerade aus dem Urlaub zurück, den ich im doch sehr katholischen Spanien auf dem Jakobsweg verbrachte. So blieb es nicht aus, doch an dem einen oder anderen Gottesdienst teilzunehmen, was mich vor allem beim Vaterunser regelmäßig bei dem Wort „Wiederauferstehung“ unwillkürlich an Ostern denken ließ, das alljährlich gefeierte Fest der Wiederauferstehung Jesu Christi. Was sicherlich mehr beinhaltet, als eierlegende oder klappernde Schmunzelhasen.

Unabhängig davon, ob Sie jetzt gläubig sind oder nicht, und die Auferstehung Jesu als wirkliches historisches oder theologisches Ereignis anerkennen können, fand ich bei Wikipedia  unter 1.4 Mehrdimensionalität der Ostertexte einen recht interessanten Aspekt beschrieben, nachdem die Auferstehung auch als Eröffnung einer neuen Zukunft für die Welt und Menschheit betrachtet werden könnte. 

Was ich spannend an diesem Aspekt finde, ist Folgendes: Obwohl das Ereignis der Wiederauferstehung Christi (so es denn stattgefunden hat) schon gute 2000 Jahre her ist, handelt es sich um ein ganz natürliches „Ritual“, das uns die Natur auch ohne den Einfluss des Menschen alljährlich zur Frühjahrszeit vorlebt.

Denn auch die Pflanzen ziehen sich im Winter zurück, um sich zu sammeln und sich vor den klimatischen Widrigkeiten der kalten Jahreszeit zu schützen, um dann im Frühjahr mit voller Kraft neu erblühen zu können. 

Genauso verhält es sich auch mit dem Schmetterling, der sich – geboren als haarige, kriechenden Raupe – auf dem Weg zum schönen, flatternden Schmetterling zunächst in die Puppe zurückzieht. Die Raupe, die sich satt und glücklich nur in kleinen „Schritten“ und mit begrenztem Radius auf ihrer Pflanze bewegt. Es ist immer genügend zu futtern vorhanden, sie ist umgeben von netten Kameraden, ein nettes Leben. Doch irgendwann fängt die Raupe an zu spinnen, dann zieht sie sich zurück in ihren Kokon, und es vollzieht sich in ihr eine Wandlung, sie absolviert eine Metamorphose. Und wenn die Zeit reif ist, wiederaufersteht – nein, kämpft sich – ein neues Wesen aus der Starre: Ein junger Schmetterling streckt – zunächst recht zaghaft und ziemlich zerknittert – seine zarten Flügel hervor und verlässt die Puppe. Und schöner als je zuvor flattert er von nun an durch die Welt – in einem viel größeren Aktionsradius, als es sich die Raupe je hätte träumen lassen.

Einen ähnlichen Veränderungsprozess wie der des Schmetterlings habe ich im letzten Monaten übrigens auch selbst durchlebt, auf dem Weg der Trennung von meinem langjährigen Arbeitgeber. Der Job, der mir lange Zeit Spaß gemacht hat und mich wie die Raupe auf der Pflanze gut genährt hat, war mir irgendwie zu eng geworden. Die Monate, die ich quasi im Stadium der Puppe verbracht habe, waren nicht wirklich angenehm – ich fühlte mich weder als Raupe noch als Schmetterling, sondern wörtlich wie im übertragenen Sinne wie das Häufchen braune, schleimige Masse in der Puppe. Was blieb mir anderes übrig, als mich dieser Zeit und diesem Prozess hinzugeben und darauf zu vertrauen, dass auch diese Phase irgendwann vorübergehen möge. Bis ich in der Nacht meines Ausstandes mitten in der Nacht aufwachte, mit dem dringenden Bedürfnis, meine Arme und Beine ganz lang auszustrecken, wie Flügel. 

Seitdem darf es leichter sein, und voller Elan und Tatendrang bekomme ich nun viele kleine Dinge erledigt, die ich lange vor mir her schob. Auf den großen weiten Aktionsradius, den ich nun dank meiner neuen Flügel entdecken darf, freue ich mich schon – und bin doch gleichzeitig erstaunt, wie schwierig und unüblich es in unserer heutigen Gesellschaft ist, sich auch die Zeit für den nötigen Rückzug einzuräumen.

Denn in einer Zeit wie dieser ist Abwarten so gar nicht gefragt, wie der etwas makabere aber dazu passenden Spruch beweist, den ich heute morgen auf Facebook las: „Project Manager is a person who thinks nine women can deliver a baby in one month” (Ein Projektmanager ist jemand, der denkt, neun Frauen könnten ein Baby in einem Monat auf die Welt bringen). Alles soll immer schneller und effizienter gehen, und am besten perfekt sein – der Schmetterling sollte idealerweise gleich als solcher auf die Welt kommen.

Und so erstaunt es auch nicht, dass es in der heutigen Gesellschaft mehr oder weniger auch als eine „Krise“ gilt (oder noch schlimmer: gar als „Scheitern“), mal nicht immer super schnell oder top-erfolgreich zu sein und 130 % Leistung zu bringen.

Deshalb überrascht es – wie ich finde – auch genauso wenig, dass in Zeiten wie diesen sich immer mehr Deutsche eine Auszeit nehmen und für mehrere Wochen auf dem Jakobsweg gehen. Der Wunsch und die Sehnsucht nach Langsamkeit, nach Entschleunigung kann dort besonders gut ausgelebt werden. Einen kleinen Eindruck dazu können Sie hier nachlesen.

Und so sehen in unserer schnelllebigen, von häufigen Veränderungsprozessen durchzogenen Zeit, die einen eine „Krise“, die alles bisherige auf den Kopf stellt. Die anderen jedoch sehen die Chance zum Rückzug, nehmen sich eine temporäre Auszeit, sammeln ihre Kräfte und schärfen ihr Profil. Der Sportler würde sagen „Anlauf nehmen“, um sich dann mit voller Kraft zu neuen Höchstleistungen aufzulaufen. Oder wie der Schmetterling – um sich mit einer neuen Leichtigkeit neuen Projekten, Kunden, Strategien oder was auch immer widmen zu können. 

Nicht umsonst sagt Otmar Wassermann: „Für unser Wort „Krise“ haben die Chinesen einen interessanten Ausdruck, Wei ji, zwei Worte: „Gefahr“ und „Gelegenheit“, also Gelegenheit zur Umkehr.“

Wichtig finde ich jedoch die Erkenntnis des österreichisch-amerikanischen Schriftstellers und Psychoanalytikers Bruno Bettelheim (1903-90): „Schicksalsschlägen kannst du im Leben nicht aus dem Weg gehen. Wichtig ist, wie du damit umgehst.“ 

Mit einem Zitat aus dem unten genannten Buch möchte ich für heute meinen Beitrag schließen

Gerade in der größten Verzweiflung hast Du die Chance,
Dein wahres Selbst zu finden.
[…]
Folge Deinem Instinkt wie einem Pfad der Weisheit,
und lass die Hoffnung Deine Ängste vertreiben.

Und wünsche Ihnen gutes Erwach(s)en durch Ihren nächsten Veränderungsprozess.

Herzlichst
Christina Bolte