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Vom Strassenkehren und biologischer Landwirtschaft

13 Apr

Seit wir im letzten Jahr von München „aufs Land“ (korrekter: ins Münchner Umland) gezogen sind, reiht sich – wie mir scheint – eine Spießigkeit an die andere. Neuerdings  probieren wir uns als Biobauern aus, denn wir haben uns für diese Saison eine Ackerfurche auf dem Sonnenacker gepachtet (woanders auch als „Krautgarten“ bekannt) um unser eigenes Gemüse anzubauen – und nebenbei auch noch viel Zeit an der frischen Luft verbringen und dabei mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen.

Nun hört sich ein halber Bifang (1 Bifang sind 100 Meter Ackerfurche) eigentlich relativ wenig an. Wenn man allerdings davor steht und sieht, wie viel da noch von Steinen und Unkraut befreit werden möchte, kommen einem die vor einem liegenden 50 Meter vor wie die lange Strasse von Momos Strassenkehrer Beppo: „Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. […] Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.“ (Zitat aus dem Buch von Michael Ende)

Gleichzeitig sind aber genau diese mühsamen, lästigen Tätigkeiten extrem wertvoll: Nicht nur sind Unkraut zupfen (per Hand versteht sich, denn Herbizide sind auf den Sonnenäckern nicht erlaubt) und Steine aussortieren extrem gut dazu geeignet, die eigenen destruktiven Energien auszutoben, die einen manchmal befallen.
Nein, es sind auch wunderbare Tätigkeiten, um nach einem anstrengenden Tag oder einer anstrengenden Woche am Schreibtisch den Kopf wieder frei zu bekommen. Die mechanischen, gleich-förmigen, Bewegungen veranlassen einen, sich nur auf das Stückchen Acker direkt vor einen zu konzentrieren und gleichen dabei einer Art Meditation.

Darüber hinaus war meine erste Lektion, die ich von „meiner“ Ackerfurche lernen durfte, wie wichtig diese nervigen Aufgaben, die so gar nicht in mein Bild von „ich bin dann mal Biobauer und zieh mein eigenes Gemüse“ passten. Auf Dauer ist es jedenfalls eine ziemlich mühsame Haltung und eine noch lästigere Tätigkeit, so gebückt dazustehen oder zu hocken, um das Unkraut oder die Produkte des Vorjahres-Pächters zu entfernen. Vor allem wenn man (noch) nicht erkennen kann, was es ist bzw. wird.

Aber immerhin will man ja wissen, was man erntet und sich nicht davon überraschen lassen, was kommt (zumindest geht es mir so). Ich fände es ziemlich blöd, am Ende etwas zu ernten, womit ich gar nichts anfangen kann, weil ich es womöglich nicht mag. Topinambur zum Beispiel wuchert ziemlich hartnäckig, schmeckt aber bei bestem Willen nicht jedem.

Und so passt das Biobauerntum irgendwie auch zu meinem Metier. Auch die gestressten Menschen, die zu mir kommen, erledigen häufig, was andere ihnen anschaffen, oder „schauen, was passiert“ – und wundern sich am Ende, dass ihnen das, was dabei heraus kommt, nicht gefällt.
Hier kann es helfen sich vorher zu überlegen, was man am Ende des Tages eigentlich ernten möchte, um dann seine Tätigkeiten entsprechend danach zu planen und auszurichten, auch wenn diese mitunter lästig sind und es somit einfacher erscheint, darauf zu verzichten.

Als kleines „Nebenprodukt“ kam mir, nach ein paar Stunden in gebückter Haltung, so ganz nebenbei auch noch der Gedanke, unter welchen Bedingungen eigentlich die Obst- oder Gemüsesorten produziert sein müssen, die man so für 1,29 Euro das Kilo im Supermarkt kaufen kann. Wieviele Stunden am Tag verbringen wohl die Leute, die berufsmäßig Gemüseanbau betreiben, in einer solchen Haltung oder wo kommen sie her? Oder brauchen die kein Unkraut zu zupfen, weil irgendwelche „ich will gar nicht weiter drüber nachdenken was für“-Mittel verwendet werden?

Na, wenn die Aussicht auf pestizidfreies, selbstgezüchtetes Gemüse mal nicht gleich noch mehr motiviert, das eigene Stück Acker von Unkraut zu befreien – Stück für Stück, Meter für Meter, Schritt für Schritt. Wie Beppo sagt: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“*

Wenn Sie also Unterstützung brauchen, was Sie im wörtlichen und/oder übertragenen Sinne in Zukunft nähren soll, sprechen Sie mich gerne an – ich helfe gerne weiter.

* Die ganze Geschichte von Beppo können Sie hier nachlesen oder dort nachhören – oder Sie kaufen sich gleich das ganze Buch, das ist auch eine schöne Auszeit 🙂

Gedanken zum Garten und Burnout (2)

31 Mrz

Im letzten Jahr schrieb ich über den Zusammenhang zwischen einem Garten und Burnout.
Heute möchte ich das Ganze um einen weiteren Aspekt ergänzen, nämlich um den der Jahreszeiten.

Wenn Sie derzeit aus dem Fenster schauen, werden Sie die ersten zarten grünen Triebe aus der Erde hervorschauen sehen, und mancherorts sogar auch die eine oder andere gelbe, weiße oder violette Blüte. Endlich ist Frühling!

Frühling bedeutet aber – neben dem im letzten Beitrag erwähnten Boden bestellen – auch, die Samen oder Setzlinge für die Zukunft auszusäen, idealerweise auch zur richtigen Jahreszeit. Denn nicht jedes Korn oder jede Pflanze bringt das erwartete Ergebnis, wenn man es zu einem beliebigen Zeitpunkt aussät.

Im Sommer ist es dann an der Zeit, die Saat wachsen zu lassen. Natürlich muss man gelegentlich gießen und den Boden pflegen, aber im Wesentlichen heißt es nun: Abwarten. Oder etwas flapsiger formuliert:
Ein Grashalm wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht
(leider ist mir die Quelle dieses wunderbaren Spruches nicht bekannt).

Im Herbst heißt es dann endlich: Ernten. Egal, ob Apfel- oder Pflaumenbaum, Getreidefelder oder Mais, eines bleibt nicht aus – das Sortieren und Trennen von Ernte und dem, das zur direkten Verwendung nicht geeignet ist. Im Märchen heisst es so schön: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Dennoch ist auch das „Schlechte“ nicht sinnlos, denn auch aus dem Mist lässt sich für die kommenden Jahre zu einem hervorragenden Dünger machen!

Natürlich lassen sich diese Jahreszeiten auch auf unserem „Seelengarten“ und unser alltägliches Leben übertragen. Darüber hinaus verstecken sich hinter den „Bildern“ wichtige Faktoren, die einen Burnout begünstigen oder verhindern können.

Projekte starten und Kontakte knüpfen sind wertvolle Aktionen (Säen!) – die jedoch ohne Erfolg bleiben, wenn man sie zum falschen Zeitpunkt oder im falschen Umfeld angeht. Stattdessen verliert sich die aufgewendete Energie dann im blinden Aktionismus.
Natürlich empfiehlt es sich, auch darauf zu achten, welches Saatgut man aussät. Wer Intrigen sät, braucht sich nicht zu wundern wenn er (oder sie) später selbst welche erntet. Heutzutage wird das ganze etwas postmoderner als Resonanzgesetz bezeichnet oder wer auf Anglizismen steht: Law of Attraction. Früher sagte meine Mutter dazu  immer: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück“ “ – aus Wort und Ant-Wort folgt also, Verantwortung zu übernehmen.

Noch schlichter formuliert es ein chinesisches Sprichwort, das ich an dieser Stelle teilen möchte:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Genauso wichtig für ein zufriedenes und gesundes Leben ist natürlich auch der Faktor Zeit. So, wie man im Sommer die Saat in Ruhe wachsen lässt, braucht eine Liebesbeziehung Zeit, braucht Vertrauen Zeit, um sich zu entwickeln. Auch eine regelmäßige Entspannungs- oder Meditationspraxis braucht Zeit (und Übung!) um einen Effekt zu erzielen. In meinem Umfeld höre ich immer wieder, dass Zeit haben ein Luxus sei, den man sich derzeit nicht leisten könne. Ich sehe dies anders, denn erstens habe ich keine Zeit, sondern vielmehr: ich nehme sie mir! Und zweitens finde ich, dass Zeit haben/nehmen kein Luxus ist, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für ein zufriedenes Leben. Denn eine echte Freundschaft, die einem in schwierigen Zeiten Rückhalt gibt, möchte in „guten Zeiten“ gepflegt werden, und Entspannung auf Knopfdruck funktioniert halt auch nur, wenn man vorher entsprechend geübt hat. Eben so, wie ich auch den Apfel und das Getreide nicht gleich schon im Frühling ernten kann, sondern abwarten muss, bis es gereift ist…

Wie wir bereits am Frühling gesehen haben, ist Acht-samkeit also das Mittel der Wahl – und dazu fordert uns auch der Herbst wieder heraus. Das Aufheben und Sammeln der Ernte kann bereits – zumindest wenn man es manuell erledigt – als wahre Meditationsübung praktiziert werden. Dabei in einer gebückten Körperhaltung zu verharren, z. B. bei der Ernte von Beerenfrüchten, verlangt auch dem Erntenden auch mental eine quasi demütige Haltung ab.

Wenngleich mitunter auch ziemlich lästig, so erfordert das Aussortieren von Ernte und „Abfall“ eine noch ausgeprägtere meditative Grundhaltung: Achtsamkeit und Konzentration auf das Wesentliche: Das was ich gerade in der Hand habe und tue. Eine Bekannte von mir, die gerne Marmeladen einkocht, meinte neulich halb scherzhaft, ihre Art zu meditieren wäre Birnen schälen. Sehen Sie, immer noch besser als zur Entspannung herumzusitzen und nichts zu tun!
Spass beiseite…

Der aufmerksame Leser wird sich nun sicherlich fragen, was mit dem Winter ist. Im Winter leben wir von dem, was wir übers Jahr erarbeitet haben – und kümmern uns um ganz andere Dinge, z. B. darum, unser Handwerkszeug instand zu halten oder die Planung fürs nächste Jahr vorzubereiten.  Das mag erholsam klingen oder bequem, ist es aber nicht.
Denn de facto braucht es alle Jahreszeiten und alle Tätigkeiten, alle Anspannung und alle Entspannung, alle Arbeit und alle Besinnung. Aber eben alles zu seiner Zeit.

Abschließen möchte ich mit einem (gekürzten) Zitat aus dem meist gelesenen Buch auf dieser Welt:

Ein jegliches hat seine Zeit

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; […]
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; […]
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; […]
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; […]
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. […]
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein […] in seinem Leben.“

In diesem Sinne:  Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis aus allem was Sie tun, pflegen Sie Ihren Seelengarten und betrachten Sie das Leben mit einer gewissen Heiterkeit – ernst ist es schon von ganz allein.

Und: Danke, dass Sie sich die Zeit dafür genommen haben diesen Text bis zum Ende durchzulesen.
Deshalb möchte ich Ihnen nun auch noch verraten, wo Sie das zuletzt genannten Zitat in ganzer Länge nachlesen können:
Im Alten Testament beim Prediger Salomo (Kohelet) im 3. Kapitel, hier in der Übersetzung der Luther-Bibel von 1984.

Herzliche Ostergrüsse
wünscht Ihnen

Ihre Christina Bolte

Ge-Danke-n über den Herbst

11 Nov

Herbstlaub

Die bunten Blätter wiegen langsam an den Ästen,
der Herbstwind begleitet sie zu Boden
Die herbstsonnigen Strahlen
tauchen den Wald in ein farbiges Kleid.

Unter meinen Schritten rascheln Haufen
Von feuer-leuchtenden Blättern am Boden.
Fröhlich spielen darin die Kinder
Und lachen mit dem Knistern um die Wette.

Mitten im Laub entdecke ich eine glänzende Kastanie.
Mit kalten Händen schäle ich sie aus ihrem Stachelkleid.
Dazwischen an einzelnen Büschen noch gelbes Laub  oder grüngraue Flechten.
Im Kontrast dazu strotzt die grüne Wiese vor Leben.

Ernte

Am Wegrand finde ich die Früchte der Bäume:
Haselnüsse, Maroni und Walnüsse sind herabgefallen und nähren nicht nur die Tiere
Sondern auch mich durch die kommenden Wintermonate.
Wie dankbar bin ich heute für dies Geschenk der Natur!

Wenn ich die Nüsse knacke und esse,
erinnert mich das Knistern an das der herbstlichen Blätter
und der Gedanke an das Herbstsonnenlicht
erleuchtet einen nebligen Tag.

Beeren, Schlehen und Bucheckern – wie farbige Perlen an den Ästen –
ein wenig aus der Mode gekommen,
und dennoch stärken sie uns mit Saft und Kraft.
Sie zu sammeln ist für mich eine Meditation.

Wandel

Ein neuer Tag bringt mit sich den Regen
Und hinterlässt statt knisterndem Laub
eine matschig braune Blätterschicht am Boden.
Achtsam gehe ich darüber um nicht darauf auszurutschen.

Nur Schwach noch erinnern die feuchten Blätter
An die Wärme und das Licht des Sommers.
Vorbei – nun ist’s kälter und dunkler ist’s auch.
Stattdessen erwärmen mich Mütze und Handschuhe.

Aus dem Tal steigt hinauf eine dicke Schicht Nebel.
Wie Watte schützt er die Landschaft vor dem Lärm
und verpackt sie in eine Schicht aus friedlicher Stille.
Sie lädt mich ein, ebenfalls zur Ruhe zu kommen.

Vergänglichkeit – nichts ist oder bleibt wie es mal war.
Doch weiß ich auch, dass hinab gefallene Äste oder das Laub am Boden
Den Bäumen und Sträuchern als Schutz und Nahrung dient
Um zu ruhen im Winter und zu wachsen im Frühling.

Es stimmt mich froh, zu wissen,
dass nach einer Zeit der Ruhe und des Rückzuges
Im Frühjahr wieder neues Leben und Wachsen
Seine Zeit und seinen Platz hat in der Natur.

Zum Welt-Herz-Tag: Ein Loblied dem Herzen

28 Sep

„Das menschliche Herz schlägt in 70 Jahren drei Milliarden Mal und befördert dabei bis zu 250 Millionen Liter Blut.“

Wußten Sie das? Dieses Zitat unbekannten Verfassers fand ich auf den Punkt zusammengefasst im Internet, auch wenn ich – wie ich gestehen muss – diese Zahlen bereits irgendwann einmal im Rahmen meiner Heilpraktikerausbildung gelernt habe.  Dennoch ist es dann aber doch noch einmal eine ganz andere Geschichte, diese nüchternen Zahlen mit der eigentlichen Anstrengung,  Hochleistung  und der unermüdliche Arbeit zu assozieren, die mein Herz tagtäglich, Minute für Minute tatsächlich für mich erbringt.

Haben Sie Ihrem Herzen dafür bereits einmal gedankt? Wie häufig betrachten wir dieses kontinuierliche Funktionieren unseres Herzens, das uns am Leben erhält – und nicht nur das: Das es uns auch ermöglicht unserem Wirken und Schaffen im Leben nachzugehen – als selbstverständlich. Doch auch wenn ein Mensch mittlerweile das eine oder andere Organ entbehren kann – denn beispielsweise ohne eine Niere oder ohne eine Lunge kann man noch einige Jahre recht passabel überleben – ohne das Herz und dessen unermüdliches Schlagen wäre unser Leben ziemlich schnell beendet.

Doch leider ist das menschliche Herz nicht so unerschütterlich und un-kaputtbar wie wir häufig denken. Denn das Herz (und damit zusammenhängend der gesamte Blutkreislauf) ist beipielsweise eines der am häufigsten von stressbedingten Erkrankungen betroffenen Organe. Bluthochdruck ist da wohl eher noch eine leichte Diagnose (zwar nicht unbedingt für das betroffene Herz, aber zumindest wenn man sieht, wie die meisten betroffenen Herz-Besitzer mit dem Befund umgehen …)

Die wohl für die Betroffenen einschneidendste Diagnose „Herzinfarkt“ trifft viele Betroffene quasi aus heiterem Himmel (was aber nicht stimmt, denn häufig wurde viele andere Warnzeichen des Körpers, wie Bluthochdruck, Herzstolpern oder sogar Angina pectoris-Anfälle (Brustenge) nicht wahrgenommen oder gar ignoriert). Mitunter – in ca. einem Viertel aller Fälle (Quelle der Zahlen: Wikipedia) – verläuft der Herzinfarkt auch tödlich.

Auch wenn ein Herzinfarkt für den Betroffenen nicht tödlich ist – ein mehr oder weniger großen Teil der Herzmuskulatur stirbt unwiederbringlich ab. Was bei einer unveränderten Lebenführung die Belastung für den verbleibenden Herzteil ungleich erschwert. 

Und auch dem Betroffenen beschert der Infarkt häufig unerwünscht lange Ausfallzeiten – meist zu einem denkbar ungünstig gelegenen Zeitpunkt. Langwierige Operationen, die monate- oder gar jahrelange Einnahme zahlreicher und häufig nebenwirkungsreicher Medikamente sowie wochenlange Rehas sind die Folge. Dort erhält der Patient – wenn man den Berichten in diversen Klinikbewertungsportalen Glauben schenken mag – langweilige Kost (Zitat: „sogar die Wurst musste ich mir im Supermarkt selbst kaufen“) und nervige bis langweile Sport- und Entspannungskurse.

Nicht zu Unrecht, wie ich finde. Denn Ziel einer Reha ist ja, den Patienten wieder an eine solche Herz-freundliche Lebensführung, die er im Laufe des Lebens verlernt hat, wieder heranzuführen. Denn was dem Herzen (und dem Körper) gut tut, sowohl nach einem Herzinfarkt wie auch vorbeugend – sind Bewegung, Alkohol- und Nikotin-Abstinenz, gesunde Ernährung und Entspannung.

Was die Entspannung mit dem Herzen zu tun haben soll, werden Sie sich nun möglicherweise fragen. Ganz einfach – die Entspannung ist das was häufig zu kurz kommt, wenn man zu viel zu tun, zu viel Stress hat. Denn Stress (im medizinischen Sinne) ist ja nichts anderes als die Belastung, der unser Körper oder ein Organ ausgesetzt wird. Und wie im Sinne des Wortes lebens-wichtig der Wechsel von Belastung oder Stress, also Anspannung, und Entspannung ist, verdeutlicht uns der menschliche Herzschlag sehr anschaulich: Denn wenn der Herzmuskel nur angespannt wäre, würde das Herz sich verkrampfen anstatt zu schlagen. Das Blut würde in unseren Blutgefäßen zum Stocken kommen.
Wäre der Herzmusktel immer nur entspannt, hätte es nicht genügend Kraft um das sauerstoffreiche Blut zur Versorgung sämtlicher Körperzellen durch unseren Kreislauf zu pumpen. In diesem Fall würde das Blut wie ein stehender Tümpel in unserem Körper vor sich hin faulen.

Sie sehen also, bei hoher alltäglicher Anspannung ist regelmässige Entspannung – seien es Spaziergänge, Atemübungen, Malen oder auch mal Nichtstun – lebensverlängernd. Ihrem Herzen zu Liebe können Sie zustätzlich auch bereits weitere Präventionsmaßnahmen unternehmen: Mehr Bewegung, gesunde, fettärmere Nahrung und generelle Stress-Prävention. Wer sagt, er hätte dazu keine Zeit, dem sei dieser wunderbare Cartoon von Randy Glasbergen „ans Herz gelegt“
(auch Lachen ist übrigens gut fürs Herz, denn Lachen entspannt).

Oder wie der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900) sagt:
„Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.“

Warum also Warten mit der Umstellung der Lebensumstände bis ein Infarkt (oder Burnout) Sie dazu zwingt? 
Bei der Umsetzung unterstütze ich Sie gerne – Ihr Herz wird es Ihnen danken…
Sprechen Sie mich an.

Weitere Infos zum Herzen und zum Welt-Herz-Tag am 29.09.2012 wie auch Präventionsmaßnahmen finden Sie hier.

Herz-lichst
Ihre Christina Bolte

Eindrücke vom Camino (1)

18 Jun

Zu Fuß unterwegs auf dem Weg des Lebens,
die Langsamkeit des Gehens genießend.
Ich nehme mit all meinen Sinnen wahr:

Höre das Vogelgezwitscher und das Plätschern des Baches
trotz der Geräusche der Autos auf der Landstrasse neben mir.
Hin und wieder gackern die Hühner.

Spüre die Sonne und den Hauch des Windes auf meiner Haut,
oder gestern auch den Regen.
Auch spüre ich die Anspannung in meinen Muskeln von den
noch ungewohnten Bewegungen und den Schmerz in meiner Achilles-Ferse.

Ich sehe die bunten Blumen am Wegesrand und
die weissen Wolken am blauen Himmel über mir.
Auch die verfallenen oder zum Verkauf stehenden
Häuser in den Ortschaften am Wegesrand sind kaum zu übersehen.
Die gelben Pfeile weisen mir den Weg.

Ich nasche ein paar Walderdbeeren vom Wegesrand,
deren süßer Geschmack hallt noch lange auf meiner Zunge nach.
Die Klarheit des Wassers erfrische meine Kehle.
Ich genieße die teilweise mir fremden Gewürze,
die meine Mahlzeit zu einem Hochgenuß für den Gaumen werden lassen.

Trotzdem, dass der Bauer gerade sein Feld gedüngt hat,
duftet es aus der Bäckerein im Ort nach Frischgebackenem und Kaffee.
Zeit für eine Pause.

Jede meiner Zellen jubiliert:
Ich BIN! Ich LEBE! JETZT!

Das Universum in uns

27 Dez

Ein schönes Wort: Uni – ver –sum, lat. ich bin – alles – in einem.
Allerdings bin ich nach dem hermetischen Prinzip sowieso mit allem verbunden,
und alles ist in mir und mit mir verbunden.
Und doch ist alles für sich.  
Das Wort „Universum“ drückt es einfach, quasi universell, aus. 

Uni-versum drückt aber zugleich auch eine gewisse Einmaligkeit, Einzigartigkeit aus.
Ist das nicht großartig? 

Universum – drückt Weite, Ausdehnung aus, gleichzeitig Tiefe.
Universum drückt Bewegung aus und gleichzeitig Zentriertheit. Zentriertheit, Ruhe und Stille.
Aber Ruhe ist mehr als die Abwesenheit von Bewegung und/oder Geräuschen.
Ruhe ist ein innerer Zustand. Oder eine Kunst.
Denn Ruhe bedeutet, trotz all der Unruhe um uns herum nicht aus der Ruhe zu bringen zu sein,
nicht umzufallen oder aus der Mitte zu fallen.

 Universum bedeutet ruhig zu sein und doch gleichzeitig bewegt.
Licht im Dunkeln. Oder am Ende des Tunnels.
Der größte Teil des Universums liegt in uns.
Das bedeutet auch, dass wir – wenn wir das Universum ändern wollen – bei uns selbst anfangen  sollten.

Ist das nicht wunderbar? Denn wenn vor seiner eigenen Tür kehrt,
wird das Universum innerhalb kürzester Zeit zu einem noch liebenswerterem Ort!

Alles Gute dabei!

Vom Wert des inneren Gleichgewichts

15 Aug

Wir lesen heutzutage so viel vom „inneren Gleichgewicht“. Aber was ist das innere Gleichgewicht eigentlich? Mein erster Gedanken-Impuls ging in Richtung Work-Life- Balance, worüber ich schon mehrmals Vorträge gehalten habe.

Balance bedeutet sprachlich Waage, Ausgewogenheit oder Gleichgewicht. Unter „Work-Life-Balance“ ist in diesem Verständnis die Ausgeglichenheit zwischen Arbeit/Pflichten auf der einen Seite und Leben (Sport, Familie, Hobbies, Entspannung, und alles was Freude macht) auf der anderen Seite gemeint.

Nach einigem Nachdenken, hinspüren, brainstormen bin ich allerdings zu der Erkenntnis gekommen, dass dieses „Bild“ für das Leben gar nicht zutreffend sein kann. Denn, wenn ich gewichten oder abwägen muss zwischen Arbeit und Leben, impliziert dies ja, dass die Arbeit nicht zum Leben gehört. Nur was ist sie dann? Und ist dann nicht das Leben schon per se im Ungleichgewicht? Außerdem kann eine Waage oder ein Aufwiegen bzw. Ausbalancieren von zwei Seiten immer nur ein Status Quo, also eine Momentaufnahme sein. Darin ist uns die Natur das beste Vorbild – Status bedeutet Stillstand. Und Stillstand bedeutet Tod oder zumindest Lähmung. Beispiele dafür sind „stehenden Gewässer“ oder wenn uns sprichwörtlich der Atem stockt oder das Blut in den Adern stehen bleibt/gerinnt.

Deshalb handelt es sich bei dem inneren Gleichgewicht unseres Lebens vielmehr um
ein offenes System, und das Gleichgewicht ist ein Fließgleichgewicht.

Neue Einflüsse von außen kommen hinzu, und das System (z. B. unser Körper) reagiert so ähnlich wie ein Pendel darauf, so lange bis der Zustand wieder ausgewogen ist. Wir können – zumindest auf Dauer gesehen – nur soviel Energie ausgegeben, wie hineinkommt. Oder anders herum, wir müssen dafür sorgen, dass wir mindestens genau so viel Energie tanken, wie uns abverlangt wird oder wir von uns abverlangen.

Bei sich verändernden Umständen – wie es im Leben permanent der Fall ist – wird die individuelle Fähigkeit des Menschen, sich bei solchen Veränderungen auf die neue Situation einzustellen, ohne dass das ganze System „zusammenbricht“, auch Resilienz genannt. Resilienz ist dabei nicht etwa eine Fähigkeit die man hat oder nicht (wie zum Beispiel die Fähigkeit des menschlichen Körpers, den Blutdruck, den Blutzucker sowie die Herz- oder Atemfrequenz an verschiedenen Belastungs- oder auch Stresssituationen anzupassen). Sondern Resilienz ist – vergleichbar einem Muskel – trainierbar.

Aber Gleichgewicht hat schließlich auch etwas damit zu tun, verschiedenen Dingen einen gleichen Stellenwert einzuräumen, damit sie gleich-gewichtig sind.
Oder zumindest gleich-wertig, denn den Stellenwert oder das Gewicht erhalten sie ja letztendlich durch unserer
Be-Wert-ung. Mehr Informationen und Anregungen, was Sie tun können und welche Einflussfaktoren es gibt, um an Ihrer inneren Ausgeglichenheit zu arbeiten oder Ihren Resilienzmuskel trainieren zu können, erhalten Sie zum Beispiel auf meinem Workshop „Wege-aus-dem-Hamsterrad“
.

Eines sollte allerdings klar sein: Wer den Zugang zu Ausgewogenheit und Gleichgewicht im Außen sucht, sei es durch exzessives Sport treiben, das Konsumieren von Lifestyle-Artikeln oder Fernsehshows, dem wird sein „inneres Gleichgewicht“ bedauerlicherweise dort nicht begegnen.
Denn das innere Gleichgewicht wird nur zu finden sein – und das impliziert bereits der erste Teil der Bezeichnung – wenn wir bereit sind, in unserem Inneren danach zu suchen. Nicht umsonst enthält das Wort Gleichgewicht sogar gleich zweimal das Wort ICH.

Sind Sie neugierig geworden? Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Suche nach Ihrem GleICHgewICHt und bin Ihnen gern behilflich.

Lesenswertes zu diesem und anderen Themen finden Sie auch in hier.


Herzlichst, Ihre Christina Bolte

Das Leben – ein Labyrinth?

23 Jan

Anlässlich eines Wochenend-Seminars hatte ich vor ein paar Monaten nach mindestens 20 Jahren mal wieder die Gelegenheit, mich in ein Labyrinth zu begeben. Wenn auch nur mit einem (roten) Stift auf einem Blatt Papier.

 Dafür war es aber nicht eines von diesen Irrgärten mit Sackgassen oder so, wie die aus den Rätsel-Seiten in irgendwelchen Zeitschriften, sondern ein richtiges: Ein Labyrinth mit einem klaren, kreuzungsfreien Weg, der in die Mitte führt.

In die Mitte kommen – man sollte ja nicht denken, dass das so schwierig ist. Ist es auch nicht, aber auf jeden Fall philosophisch:

Am Anfang ist es am schwierigsten den Eingang zu „finden“. Später ist es dann einfacher dem Weg zu folgen, denn da gibt es links und rechts die Linien, die einem wie Leitplanken den Weg weisen, wenn man quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht…

Irgendwann wird es fast schon ein wenig langweilig: „Irgendwann muss doch der Weg mal zu Ende sein!“, und am Schluss, kurz vor dem Ziel bleibt ein klarer, kräftiger, fast schon geradliniger Weg.

Aber es ist eines, ein Labyrinth auf dem Papier zu beschreiben. Es ist aber etwas völlig anderes, und etwas viel Bewegenderes, das Labyrinth tatsächlich auch „zu begehen“. Dazu hatte ich gerade kürzlich die Gelegenheit.
Denn nur durch das Begehen kann man seinen eigentlichen Sinn auch wirklich er-Leben.

Denn ähnelt ein Labyrinth mit seinen Irrungen und Wirrungen nicht auch  irgendwie dem Leben?

Mal gibt es sehr enge Kurven und die Wendepunkte kommen schnell hintereinander, wo ich sehr achtsam sein muss um nicht aus meinem Takt zu kommen. Und mal gehe ich in großen langen Bögen, wo ich auch mal Zeit habe, ein wenig meine Gedanken treiben zu lassen.

Überhaupt, die Wendepunkte: Manchmal laufe ich gegen eine „Wand“, stoße an sie an, und muss zwangsläufig meine Richtung verändern, d. h. umdrehen, umdenken oder um-kehren.

Später dann die Erkenntnis, dass es anders als es mir scheint, dass mich die Wände nicht von meinem Ziel trennen, sondern mich hinführen – hin zum Ziel. Und doch komme ich weiter voran. Schritt für Schritt. Das macht es spannend – und überhaupt nicht langweilig.

Das Leben und die Mitte finden – meine eigene und die des Lebens – ist gar nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Zuerst hinein in die Mitte, und später wieder hinaus. Auch da ähneln sich das Labyrinth und das Leben.

Langsam und bedächtig gehe ich weiter. Und immer wenn ich denke, dass ich das Ziel schon direkt vor mir habe, ist es doch noch nicht so weit. Interessant ist, dass sich auch mein Blickwinkel auf das Ziel bei jedem Schritt verändert, und doch bleibt es (das Ziel) unverändert bestehen.

 Ist es denn eigentlich besser, mit meinem Blick lieber auf dem Weg zu bleiben – mit dem Risiko, mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen und die schönen Augen-Blicke am Weg zu verpassen ? Oder bleibe ich mit meinem Blick auf dem Ziel – mit dem Risiko, vom Weg abzukommen und eine Extrarunde zu drehen? Wobei jeder Umweg natürlich auch neue Einblicke gewährleistet… 

Klar ist: Es gibt keine Abkürzungen, jedenfalls nicht ohne über irgendwelche Linien oder Mauern zu steigen oder Gefahr zu laufen, am Ende wieder in die falsche Richtung zu gehen. Und vor allem nicht ohne die Gefahr, ein paar wunder-volle Augen-Blicke zu verpassen.

In der Mitte angekommen, darf ich sie dann auch ruhig mal ein Weilchen genießen. Und gern auch mal im Mittelpunkt stehen. Das Ziel umarmen, es festhalten, mich daran anlehnen oder mich auch darin hinein entspannen. Und aushalten – wie die Stille und die leeren Stellen zwischen den Worten. Vielleicht stelle ich dann auch manchmal fest, dass das Ziel doch auch gar nicht sooo perfekt ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, oder wie es mir aus der Entfernung schien.

 Wie dem auch sei: Dann heißt es Abschied nehmen von der Mitte, sie wieder verlassen. Es ist ein tolles Gefühl, gestärkt und motiviert durch die Begegnung in und mit der eigenen Mitte den Weg zurück zu finden. Der Weg zurück ist der Weg zu neuem Leben, heißt es. Fast schon wie auf dem Jakobsweg…

 (PS: Wenn Sie sich auch einmal die Gelegenheit für einen meditativen Spaziergang durch ein Labyrinth gönnen möchten, schauen Sie doch mal unter: http://www.begehbare-labyrinthe.de/index.html?begehbar.htm)