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Von Konzepten und was das mit dem Urlaub zu tun hat

5 Apr

Gehören Sie auch zu den Leuten, die – wie ich auch – gerne Konzepte machen?
Auch in meinem Umfeld höre ich immer wieder – vor allem während meiner Zeit als Angestellte hörte ich es sehr oft: „Schick mir mal das Konzept für…“ oder „Ich muss noch ein Konzept für mein neues  Seminar/Vortrag etc. machen“.  Ist doch alles ganz normal, oder? Vor allem, wenn man kreativ oder künstlerisch tätig ist, gehört das ja zum guten Umgangston.

Nun, eine neue Perspektive auf das Thema ‚Konzepte machen‘ gewann ich neulich während meines letzten Urlaubs. Die Betonung in meiner Eingangsfrage liegt nämlich nicht auf den Konzepten, sondern auf dem Wort machen.

Ich war in Spanien unterwegs, genauer gesagt, es war am 8. Dezember, einem gesetzlichen, katholischen Feiertag in Österreich und weiteren Ländern, darunter eben auch in Spanien, nämlich Mariä Empfängnis. (Es mag auch meiner protestantischen Erziehung geschuldet sein, dass ich diesen Feiertag nie so recht verstanden habe. Dank Wikipedia weiss ich nun, dass die Schwangerschaft sich nicht auf die Zeit bis zur Geburt Jesu an Weihnachten bezieht, sondern auf die Zeit bis zum Feiertag Mariä Geburt am 8. September).
Aber das nur nebenbei.

An meinem Urlaubsort jedenfalls lief an diesem Tag alle Welt in die große Kirche im Ort. Wie wir nach einer Weile feststellten, war diese Kirche eben genau dem Feiertag geweiht, nämlich Santa Maria Concepción (da in Spanien gefühlt jede zweite Frau Maria heißt, der Muttergottes zu Ehren, haben die meisten noch einen zweiten Vornamen, um diese zu spezifizieren).

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Concepción, oder auf deutsch eben Empfängnis, auch die eines Kindes, ist nichts, was man aktiv machen, gestalten oder gar forcieren kann. Sondern ein Konzept ist etwas, das geschieht. Oder – wenn man so will – etwas, das vom Himmel fällt, oder noch anders ausgedrückt: Ein Akt der Gnade.

Das gilt natürlich entsprechend auch für Konzepte (oder was korrekter wäre: Konzeptionen*), denn die Begriffe leiten sich ja voneinander ab. Natürlich kann man sich hinsetzen, um gezielt über bestimmte Aufgaben- oder Fragestellungen nachzudenken.

Aber die richtig guten Geistesblitze hat man ja bekanntlich nicht am Schreibtisch, sondern erfahrungsgemäß eher unter der Dusche, auf dem Klo, beim Einkaufen oder beim Spazierengehen.

Also, wenn Sie das nächste Mal krampfhaft auf der Suche nach einem neuen Konzept sind: Lassen Sie los. Hören Sie auf zu Wollen. Machen Sie einen Schritt zurück. Gehen Sie aus dem (Schreibtisch-)Kontext. Gehen Sie Spazieren, am besten durch die Natur. Treffen Sie andere Menschen. Oder Meditieren Sie.

Dadurch schaffen Sie freien Raum in Ihrem Kopf, in dem etwas Neues entstehen und empfangen werden kann.

Bei der Problemlösung helfen kann auch eine Technik, die „Aus der Zukunft her führen“ heißt.
Im gleichnamigen Buch von C. Otto Scharmer erfahren Sie wie es geht.

Allerdings geht es erfahrungsgemäß leichter, sich anleiten zu lassen. Das nehme ich Ihnen gerne ab. Vereinbaren Sie gleich einen persönlichen Termin mit mir!

Zum Buch geht es hier:

Aus der Zukunft her führen“ von C. Otto Scharmer

 

 

* ein Konzept ist ja im eigentlichen Sinn ein eher abstrakter, philosophischer Begriff,
der nur im Umgangssprachlichen häufig für die konkretisierende Wortbedeutung Konzeption verwendet wird

Video

Metamorphose – Veränderung

17 Aug
Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling – wie sie sehr schön in diesem Video von Terra X zu sehen ist – erklärt wie ich finde wunderbar, warum uns Transformation so schwer fällt.
Was wir für uns daraus ableiten können, ist:
1. Es braucht Geduld und Vertrauen – um die Phase zu überbrücken, in der „das Alte“ (die Raupe) nicht mehr passt und „das Neue“ (der Schmetterling) noch nicht seine Form gefunden hat, ja diese teilweise sogar noch nicht mal erkennbar ist.
2. Rückzug und Kraftschöpfen (in jeglicher Hinsicht) sind dabei ein guter Weg.
Viel Spass bei Eurer persönlichen Veränderung – auf dass Euch bald die Flügelchen trocken sind und ihr mit Leichtigkeit Eure neue Lebensphase genießt.

Willkommen zu Hause

2 Feb

Stellen Sie sich vor, Sie möchten abends mal ausgehen – und engagieren zur Betreuung Ihres Kindes einen Babysitter. Dieser hat eine glänzende Reputation, ist intelligent und macht einen gepflegten Eindruck. Guten Gewissens gehen Sie aus dem Haus und machen sich einen schönen Abend.

Als Sie nach Hause kommen, haben Sie eine komische Vorahnung. Schon von weitem bemerken Sie, dass in Ihrem Haus überall das Licht brennt und hören, dass laute Musik spielt. Als Sie auf Ihr Grundstück fahren, sehen Sie, dass Ihre Haustür sperrangelweit offen steht. Als Sie das Haus betreten, der nächste Schock: Im Wohnzimmer sind alle Fenster geöffnet, die Vorhänge wehen nach außen. Alle Stühle wie auch andere Möbel liegen umgekippt am Boden, auch die Blumentöpfe, deren Erde nun auf dem Teppich verteilt ist. Im Bad läuft non-stop der Wasserhahn, zum Glück funktioniert der Überlauf einwandfrei. In der Küche sind sämtliche Töpfe und Schubladen ausge- räumt und der Inhalt über den gesamten Boden verteilt, ebenso wie die Reste dessen, was vor Ihrem Aufbruch noch im Kühlschrank war. Was ist los, ein Einbruch?

Als Sie die Treppe hinaufgehen, hört der Alptraum nicht auf – im Gegenteil. In Ihrem Schlafzimmer sind die Schränke aufgerissen und die Kleider liegen am Boden verstreut. Überalle finden Sie leere Bierflaschen und volle Aschenbecher vor. Im Kinderzimmer ein ähnliches Bild – dazu sehen Sie Ihr Kind und den Babysitter, wie diese begleitet von lauter Hardrock-Musik auf dem Bett herumhüpfen, beide gekleidet in Ihren glitzernden Party- und Ausgehklamotten und mit einer Flasche Bier in der Hand.

„Oh je“, werden Sie vielleicht denken, „Was soll man dazu nur sagen, da fehlen mir echt die Worte.“ Und die Worte, die Ihnen möglicherweise als erstes in den Sinn kommen, gehen vermutlich in die Richtung: „Unverschämtheit“, „Wie kann der [Babysitter] sich nur so verhalten?“ oder „…
Die Rechtsanwälte unter Ihnen werden vielleicht noch ergänzen: „Den [Babysitter] werde ich verklagen!“

Ihr Ärger wäre verständlich – ich wäre auch ziemlich wütend, wenn jemand so mit dem ihm anvertrauten Hab & Gut und vor allem mit meinem Kind umginge! Denn immerhin kommt das Wort ‚anvertrauen‘ von Vertrauen, und das ist in diesem Gedankenspiel arg mißbraucht worden.

Doch wenn wir ehrlich sind, wir als Menschheit, gehen wir besser mit der uns anvertrauten Erde um, dem Erbe unserer Kinder? Wir Menschen halten uns für die Krone der Schöpfung, und vergessen dabei, dass die Krone wertlos ist, wenn es keinen Kopf gibt, der sie trägt. Oder der Kopf nur noch ein Totenschädel seiner selbst ist.

Und so bedienen wir uns der Schätze und Rohstoffe der Erde (Kühlschrank), fällen den Regenwald (das Mobiliar), vergeuden sinnlos das Trinkwasser und Energie und hinterlassen überall unseren Müll – und das alles nur um uns zu vergnügen (Partyklamotten).

Um noch mal auf den Babysitter zurückzukommen: Wie würden Sie sich wünschen, dass er mit Ihrem Kind (und Ihrem Haus) umgeht – sicherlich pfleglich, sorgsam und liebevoll. Und vermutlich wären Sie auch nicht traurig, wenn er nebenbei auch noch staubsaugen oder das Badezimmer putzen würde, oder? (Zumindest ginge es mir so…)
Wie wäre es, wenn wir beginnen würden, so auf und mit der uns überlassenen Erde umzugehen? Sie in einem besseren Zustand hinterlassen als wir sie vorfinden? Und vor allem mit uns selbst und miteinander umzugehen? Ich finde, das käme dem Paradies auf Erden schon recht nahe.

Pflegen wir es also!

Paradiesische Grüsse sendet Ihnen

Ihre Christina Bolte

Reisebegleiter

7 Apr

Heute bin ich eingestiegen – in den Zug, der mich ins Leben bringt.
Mit mir im „Abteil“ ein paar alte Hasen und ähnlich neu hinzu Gestiegene.
Wir kommen ins Gespräch, tauschen uns aus über die vorbeiziehende Landschaft,
das Leben „da draußen“ und die Leute in den anderen Abteilen.

Nächster Halt: Der eine oder andere verabschiedet sich.
Schade, trotz der kurzen Zeit waren es teilweise lieb gewonnen Fremde.
Gleichzeitig steigen wieder neue Menschen ein,
die sich freuen über ein nettes Wort oder ein offenes Ohr.

Tja, so schnell kann es gehen – dass man selbst zum alten Hasen wird…

Abschied – oder: Gedicht an das Leben

29 Feb

Das Ende einer langjährigen Beziehung – die ein Drittel meines bisherigen Lebens gedauert hat.
13 Jahre bekanntes Umfeld,  13 Jahre Sicherheit und gesellschaftlicher WohlStand.
Aber zunehmend auch mehr Enge und Sinnentleerung.

Mit einem Mutanfall und einer Unterschrift am Tag X
(der, den es nur einmal alle vier Jahre gibt) ist alles getan. Und dann startet ein „Workflow“* –
13 Jahre gemeinsame Zeit werden reduziert auf einen Workflow.
ICH werde reduziert auf einen Workflow.

Nein, ICH bin mehr als ein Workflow,
denn wo bleibt dort Platz für meine Individualität oder für Lebendigkeit?
Nein, wo ein Workflow ist, können diese nicht fliessen.

Und deswegen bin ich froh, dass ich springe –
trotz allen Unsicherheiten und Veränderungen, die mich erwarten.
Trotz allen Stolperst einen, die auf meinem Weg liegen mögen.
Vielleicht kann ich sie als Trittsteine verwenden, im Fluss meines Lebens.

Leben, ich springe! Und tauche ein in den ungezähmten Fluss,
in dessen Verlauf ich schwimmen lerne und
schwimme durch Windungen, Stromschnellen und Seen.

Mal sehen, was für sehenswerte Landschaften und Wasserfälle
hinter der nächsten Kurve versteckt sind – ich freu mich drauf.
Und vielleicht  mündet der Fluss am Ende ins weite Meer
als Ziel meiner erfüllten Wünsche & Träume…

Denn eines passiert sicher nicht: Dass das Wasser zurück den Berg hinauf fliesst!

 

* Ein Workflow ist ein Arbeitsablauf oder Arbeitsfluss, eine vordefinierte Abfolge von Aktivitäten in einer Organisation und deren Funktionsübergänge von einem Informationssystem gesteuert werden.

Guten Morgen, liebe Sorgen…

1 Mai

„Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da? Habt ihr auch so gut geschlafen, na dann ist ja alles klar.“ So begrüßte vor Jahren bzw. Jahrzehnten ein deutscher Sänger (ich glaube Jürgen von der Lippe war’s) seine ihn ständig begleitenden Sorgen.

 Behandeln und begrüßen Sie Ihre sorgenvollen Begleiter oder alles was Sie sonst bekümmert oder beschäftigt auch so liebevoll? Vermutlich eher nicht, wer tut das schon? Vermutlich sind sie den meisten von uns eher lästig, denn wer lässt sich schon gerne in seinem Alltag „stören“? Wer kann schon Sorgen gebrauchen, insbesondere in einer Zeit wie der jetzigen, mit seinen schnelllebigen Veränderungen und Anforderungen?

Sorgen stören mich nur in meiner Kreativität und meinem Schaffen, deshalb will ich Sorgen im Moment am besten loslassen, damit ich Platz habe für Neues und Lebendiges. Diesbezüglich spricht ja sogar unsere deutsche Sprache Bände: Be-sorgt sein, sich um etwas sorgen, für etwas Sorge tragen…

 Ja, manchmal trägt man schwer an seinen Sorgen, nicht umsonst fühlt man sich dann be-Last-et… Ja, täte es nicht gut, seine Sorgen, seine Lasten einfach nur mal für einen Moment loslassen zu können?
Ja, das tut es, und letztendlich ist es gar nicht so schwer.

Eigentlich ist es sogar so einfach wie das Atmen:

  • Ausatmen ist Loslassen – nicht nur verbrauchte Luft lässt man mit dem Ausatmen los (denn sonst vergiftet das angesammelte CO2 den Körper und den Geist), sondern auch alles andere Verbrauchte, Störende oder Belastende.
  • Dann ist erstmal Stille, Pause. Der Atem sammelt sich.
  • Mit dem Einatmen (das übrigens von ganz alleine passiert, ohne unser Zutun) schöpfen wir neben dem Sauerstoff für unsere Zellen auch Kraft für neue Impulse – nicht umsonst heißt Einatmen auf lateinisch auch Inspiratio(n).

Darum: Achte auf Deinen Atem, denn er verbindet Dich mit dem Hier & Jetzt. Achte auch auf Deine Gedanken, denn – so sagt ein asiatisches Sprichwort – sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, sie werden Taten. Achte auf Deine Taten, sie werden Gewohnheit…

Der Atem bringt uns Lösung, Loslassen und Leichtigkeit. Trotz aller Sorgen, Traurigkeit, Ent-Täuschung, Ärger, Ängste (kommt das eigentlich von Enge?), atme ich immer weiter. Ich atme und nehme wahr. Ich bleibe aufrecht, dann klappt das auch mit dem Atmen besser. Aufrecht – und aufrichtig. 

Also, passend zum Motto „Alles neu macht der Mai“: Seien Sie unbe-sorgt – und atmen Sie erstmal tief ein und wieder aus!