I have a dream…

7 Apr

Ich habe einen Traum. Stell Dir mal vor:

Wie würde eine Welt aussehen – oder sich anfühlen – wenn…
… wenn sich die Menschen zuhören würden, anstatt einander zu beschimpfen?
… wenn es möglich wäre, einfach nur seine Sorgen und Gedanken zu teilen, ohne von anderen dafür verurteilt zu werden?
… Menschen voneinander lernen oder erfahren wollten, anstatt andere belehren zu wollen?
… sie einander ausreden ließen und zu verstehen versuchten, anstatt auf die Schnelle „ihren Senf dazugeben“ würden?
… wenn es möglich wäre, nebeneinander und gleichberechtigt mehrere Meinungen im Raum stehen lassen zu können, als nur „die eine einzige Wahrheit“ verteidigen zu müssen?

 

Ich sage nicht, Du sollst Deine Feinde lieben – das wäre weiß Gott ziemlich viel verlangt.
Aber wie wäre es, wenn Du, wenn jeder von uns, bis die Corona-Gefahr verbannt ist, jeden Tag nur einen einzigen meiner „Wunschverstellungen“ versuchten würden umzusetzen?
Wie würde es Dir dabei gehen? Was würde mit den Diskussionen und mit den Menschen um Dich herum passieren?

Wäre es nicht interessant, das herauszufinden?

Neues aus dem Heiligen Land

6 Apr

Hier und hier hatte ich bereits davon berichtet, wieso ich von einer nicht stattfindenden Reise schreibe und was ich unterwegs erfahren habe. Gestern wäre ich eigentlich wieder zurück von Israel nach Hause geflogen. Stattdessen fange ich langsam an, mich zu Beginn meiner vierten Woche zu Hause (die dritte der offiziellen Ausgangsbeschränkung in Bayern) in der gegenwärtigen Situation „einzurichten“.

Der Tag bekommt einen (neuen) Rhythmus

… der eigentlich gar nicht soo viel anders ist als sonst: An 1-2 Tagen fahre ich in mein Büro nach München rein (meist in Kombination mit einem Arzt- oder Physio-Termin, von denen gerade einige anstehen). Die S-Bahnen sind gespenstisch leer und ungewohnt (über-)pünktlich. Aha, damit ist das auch klar – die Verspätungen sonst liegen nicht an der S-Bahn, sondern an den Leuten 😉

An den anderen Tagen arbeite ich unter der Woche im Homeoffice, es gibt ein spätes Mittagessen (das auch nicht so viel anders ist als das, was es sonst eben mittags zu Hause gibt), nachmittags ein kleiner Spaziergang oder ein Spaziergang zum Einkaufen, damit man wenigstens ab und zu mal das Haus verlässt. OK, das hätte ich sonst sicherlich anders organisiert, denn normalerweise fahre ich nie nur „zum Einkaufen“, sondern erledige das meist auf dem Heimweg von irgendwas.
Aus Prinzip verbringe ich übrigens die Tage zu Hause nie im Jogginganzug oder im Pyjama, sondern kleide mich, wie ich auch ins Büro gehen würde. Das gibt mir zumindest das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben behalten zu haben…

Die Arbeit gestaltet sich nun anders: Tagsüber & abends habe ich quasi täglich etliche Telefon- oder Video-Konferenzen, beruflich aber genauso auch für den privaten Austausch mit Freunden. Meine Lernkurve diesbezüglich ist sehr hoch, wie aber auch insgesamt die Lernkurve all derer mit denen ich auf diese Art kommuniziere. Meine Technik hat sich allerdings sehr schnell als noch verbesserungsfähig erwiesen. So habe ich mittlerweile ein Greenscreen, und (m)ein neues Mikro ist auch bereits unterwegs. Gleichzeitig stelle ich fest, dass mich Online-Kommunikation fast noch mehr anstrengt als persönliche oder telefonische Meetings.
Vermutlich werden die persönlichen Begegnungen wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

Nacheinander stornieren immer mehr meiner Auftraggeber die Trainings und Seminar-Aufträge für April. War zwar fast zu erwarten, ist aber trotzdem bitter.
Immerhin kommt so langsam meine Kreativität zurück und es entwickeln sich so langsam ein paar Ideen, wie ich das eine oder andere meiner Angebote als Digitales Angebot umsetzen kann.

Etwas fehlt!

Nach einiger Zeit fällt mir aber auf, dass mir mein morgendliches S-Bahn-Ritual fehlt, denn wenn ich sonst ins Büro fahre, schreibe ich in der S-Bahn morgens immer Tagebuch: Was steht die Tage an, was hab ich geschafft oder auch nicht geschafft, was beschäftigt mich und wie geht es mir gerade. Das hilft mir, sortiert und klar zu bleiben.
Daher stelle ich nun fest, dass es gerade in Ausnahmezeiten wie diesen mindestens genau so wichtig ist, dieses Ritual weiter zu machen, denn oftmals fällt es mir beim Schreiben auch selbst auf, wenn ich in den Jammer-Modus falle oder zum dritten Mal in einer Woche das selbe Gedankenkarussell benutze. Alleine das Beobachten dessen bringt mich schneller wieder in meine Selbstwirksamkeit.

Zwischendurch bekomme ich immer mal wieder einen Rappel. Meine Steuererklärung 2019 macht Fortschritte, die Küche ist mittlerweile komplett geputzt, für den Mohnkuchen vom letzten Mal hab ich mittlerweile ein paar Rezepte von chefkoch.de ausgedruckt, um sie nacheinander auszuprobieren. Zwischendurch bepflanze ich immer mal wieder einen Balkonkasten oder entsorge den einen oder anderen Papierstapel.

Ich merke aber auch, dass ich immer noch zu viel Zeit in den Sozialen Medien oder den Onlinezeitungen verbringen. Meist erfahre ich dort von den neuesten schlechten Nachrichten, neuen Gerüchten oder muss mitbekommen, wie unangenehm, ja fast schon beleidigend sich der öffentliche Diskurs gegenüber Menschen entwickelt, die das Geschehene und Geschehende oder dessen mögliche Folgen kritisch hinterfragen oder einfach nur andere Gedanken äußern als alle anderen.
Schlimm finde ich das. DAS ist das, was mich eigentlich beunruhigt. Leben wir mittlerweile wieder in Zeiten, in denen es nur eine einzige „richtige“ Meinung gibt und das Motto „wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ gilt? Gruselig.
Zum Glück gelingt es mir wieder, vor dem Schlafengehen meine Psychohygiene-Rituale durchzuführen. Alle Gedanken und Emotionen aussortieren, die nichts mit mir zu tun haben. Das hilft mir, wenigstens einigermaßen gut zu schlafen.

Was hat nun das Geschriebene mit dem Heiligen Land zu tun?

… frage ich mich (und Du Dich eventuell auch). Hmm. In einer Woche feiern wir in Deutschland Ostern – etwa zeitgleich feiern die Juden in Israel (und anderenorts) das Pessachfest. An Pessach wird der Auszug der Israelis aus der Gefangenschaft in Ägypten gefeiert, auf griechisch Exodos. Nachdem Gott die 10 Plagen über das Land schickte und nur die erstgeborenen Söhne des Volkes Israel verschonte (nachzulesen im 2. Buch Mose/Exodus, 1-15).

Nun, dass das Corona-Phänomen eine von Gott geschickte Plage ist, bezweifle ich persönlich sehr stark – aber dass der Tag, an dem wir wieder ganz normal das Haus verlassen und Freunde treffen dürfen, ein Grund zum Feiern ist, davon bin ich aufs Tiefste überzeugt.
Ich hoffe, dass dieser Tag bald kommen möge!

Mohnkuchen statt Israel

26 Mrz

 

In meinem letzten Beitrag schrieb ich davon, warum mein Israel-Urlaub überhaupt ausgefallen ist. Heute möchte ich beginnen darüber zu schreiben, wieso der „ausgefallene“ Urlaub dennoch Wert ist, darüber einen Blogbeitrag zu schreiben.

Was wollte ich also tun mit meinen „gewonnenen“ zwei Wochen Zeit? Ich beschloss, das Beste daraus zu machen. Oder zumindest das Nützliche. Oder alles, was ich schon immer mal tun wollte, „wenn ich mal Zeit habe“.

Also so nützliche Sachen wie: Meine komplette Bügelwäsche erledigen (ich hasse bügeln – aber mit einem Hörbuch war es recht erträglich…), sämtliche Küchenschränke reinigen, diverse Ecken und Eckchen mit Zeug aufräumen bzw. entsorgen (übrigens hat das Reinigen der Küchenschränke immerhin ansatzweise was mit Israel zu tun – oder viel mehr mit den Vorbereitungen der Juden auf das Pessachfest, bei dem eine ganze Woche zugunsten von ungesäuertem Brot auf die üblichen Backwaren verzichtet wird…)

Dazwischen immer schön jeden zweiten Tag einkaufen, damit man auch mal rauskommt aus den eigenen vier Wänden und natürlich spazieren gehen (zum Altglascontainer, zum Briefkasten, zu unserer „Buchhaltestelle“ (gelbe Telefonzelle als Buchtauschstation) zum Nachschub holen, für den Fall, dass mein ca. halbmeterhoher Stapel sich dem Ende nähern sollte. Von den eigentlich Pilgerwanderungen mit 20 km am Tag ist das bisschen Bewegung allerdings weit entfernt.

Das auch noch…

Bereits nach einer guten Woche fing die Stimmung bei uns zu Hause an, ein wenig gereizter zu werden – ist halt blöd, wenn zwei Leute im Homeoffice gleichzeitig telefonieren oder per Video konferieren wollen oder vielmehr müssen.
So war auch diesbezüglich das regelmäßige Einkaufen eine willkommene Abwechslung, so voll waren die Läden immerhin auch nicht, und der nötige bzw. geforderte Sicher-heitsabstand war weitestgehend gewährleistet.

Wenn ich vorgehabt hatte, in Israel neue Menschen oder Kulturen kennen zu lernen, so war auch das möglich. Nein, mir sind zum Glück keine neuen Mitbewohner zu Hause entgegen gekommen, aber zumindest konnte ich „alte Bekannte“ neu kennenlernen… Denn mein Partner und ich kamen lustigerweise zum ersten Mal in den sieben Jahren, die wir uns kennen, darauf zu sprechen, dass wir beide Mohnkuchen lieben.

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Wiener Mohnkuchen by Rischart

Erkenntnisse der ersten Woche:
1. Auch Kuchen ist als präventiver Beziehungskitt geeignet und
2. Wie gut, dass die Figur nachgibt…

Demnächst geht es weiter…

Auf ins Heilige Land – Tagebuch einer anders als geplanten Reise

23 Mrz

Eigentlich war geplant, dass ich vom 22.3.-5.4. für zwei Wochen nach Israel fliege. Schon lange hatte ich mich auf diesen Urlaub gefreut, denn ich hatte einen „Ruf“ dorthin verspürt. Klingt jetzt vielleicht etwas schräg oder abgehoben, aber wer schon mal vom Jakobsweg gerufen wurde, weiss wovon ich schreibe.
Ich hatte eine bunte Mischung aus Pilgern, Kultur, Sightseeing und Wandeln auf den Spuren des Christentums geplant und wollte dort ein bestimmtes persönliches Thema bearbeiten. Frischluft, Frühling, Sonne und eine für mich fremde Kultur sollten dafür den Rahmen bieten.

Aber erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Nachdem am 28.2. ganz unerwartet mein Schwager mit 47 verstarb, dachte ich, es könnte nicht schlimmer kommen. Weit gefehlt – es kam schlimmer, oder ging zumindest so weiter. Am 4.3. dann die Nachricht: Einreiseverbot für Deutsche nach Israel, am 5.3. dann die Nachricht: Flug storniert, Urlaub geplatzt. Vorfreude dahin. Daran musste ich erstmal eine Weile kauen.
Doch die Hiobsbotschaften waren noch nicht zu Ende. Am 13.3. wurde ich von meinem Arbeitgeber ins Homeoffice geschickt, alle möglichen größeren Veranstaltungen wurden staatlicherseits untersagt, und ab dem 21.3. wurde in Bayern eine „Ausgangs-beschränkung“ verhängt.

Genau für den Zeitraum meines geplanten Urlaubs hatte ich nun also das Gegenteil von Frischluft, Sonne und fremder Kultur.
Statt Frühling gibt es noch mal Temperaturen um den Gefrierpunkt und statt Wandern und neuen Kulturen heißt es Dank Corona nun: Ausgangsbeschränkung.

Da ich ja bereits sämtliche Termine großzügig um den Zeitraum meines Urlaub herum geplant hatte, boten sich mir also nun zwei „neu gewonnenen Wochen Zeit“. Mein erster Gedanke war naheliegenderweise an ein anderes Ziel weg zu fahren oder zu fliegen, an ein anderes Ziel. Das allerdings ließ die politisch-gesundheitliche Lage nicht zu.

Statt schmollend in der Ecke zu liegen und mich zu ärgern (die Phase hatte ich zum Glück schon eine Woche hinter mir) mache ich nun also das Beste draus.
Was das war, lest ihr im nächsten Beitrag 🙂

Zu Ende gedacht

25 Feb

Diesen Beitrag hielt ich am 24.02.2020 – so oder so ähnlich – in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Hast Du schon mal daran gedacht, Dir das Leben zu nehmen?

Nein, ich meine natürlich keinen Suizid, sondern, ob Du Dir DAS Leben nimmst, das Du Dir schon immer gewünscht hast? Oder verschiebst Du lieber Träume, Wünsche und Hoffnungen auf später, auf „wenn’s mal etwas ruhiger wird“, auf „nächstes Jahr“, auf „wenn ich erstmal meinen Lieblings-Menschen gefunden habe“, auf „wenn die Kinder aus dem Haus sind“ oder gar „auf die Rente“?

Fakt ist: Das Leben ist endlich – und der Tod ist nicht nur sehr endgültig, er trifft auch jeden von uns – mich und Dich auch – früher oder später. Und Ja, das ist allzu menschlich, dass man unangenehme Dinge gerne verdrängt oder, wenn sie denn schon da sind, am liebsten gleich wieder beiseite schiebt.

So habe ich auch viele Jahre meines Lebens fröhlich vor mich hingedümpelt, mich von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub irgendwie durchgehangelt, vielleicht objektiv gar nicht mal so schlecht, aber subjektiv eben gar nicht mal glücklich.

Bis – ja bis vor ein paar Jahren meine beste Freundin Katja eines Tages völlig verzweifelt zu mir kam. Sie hatte das Gefühl, sie müsste dringend mit irgendjemandem reden, um nicht zu platzen. „Ich hab in meinem Urlaub in Frankreich einen total tollen Typen kennengelernt und mit diesem eine Affäre angefangen. Boah, war ich in ihn verliebt!“ Ja und dann hatte er ihr erzählt, dass er HIV-positiv wäre.
Blöderweise erst, nachdem sie intim gewesen waren, und eigentlich auch eher beiläufig. Puh, ja genau, das muss man erstmal sacken lassen. Nicht nur Katja war wie gelähmt. Ich glaube, ich wäre an ihrer Stelle vor Wahnsinn aus dem Fenster gesprungen!

Nun war sie also bei mir und wusste weder ein noch aus. Zwischen Schimpftiraden auf „diesen Idioten, der sie so hintergangen hatte“ fingen wir mal an ein paar Fakten zu sortieren. Was war genau gelaufen, wie lange ist das her, was sagt Google zum Thema HIV-Notfall. So fanden wir die  HIV-Notfall-Ambulanz. Am Sendlinger Tor, falls es mal jemand braucht.

Das Resultat war, dass Katja eine Art „Pille danach“ verordnet bekam und dann über mehrere Wochen einen fiesen Tabletten-Cocktail für etwa 1.500 Euro einnehmen musste, um zu verhindern, dass sich eventuelle Viren bei ihr ausbreiten würden. Die Wochen, bis ein Test ergeben hat, dass sie nicht HIV-positiv ist, waren natürlich für Katja ein Zittern und Bangen, mal von den Nebenwirkungen, die sie hatte, ganz abgesehen.

 

Selbst als Zweite-Hand-Erfahrung hatte mich die ganze Geschichte ziemlich erschüttert – und vor allem zum Nachdenken angeregt. Denn seitdem ist mir klar, dass das „normale“ Leben mitunter schneller beendet sein kann, als mir lieb ist. Warum sollte ich also meine begrenzte Lebensenergie für die falschen Dinge und Personen aufwenden?

Ich habe damals aufgrund dieser Geschichte meinen Job bei BMW im Controlling aufgegeben, weil mir klar geworden ist, dass es mir im Grunde keinerlei Befriedigung schafft, alle 3 Wochen neue Excel-Tapeten zu erstellen und Leute damit zu nerven, ihnen zu sagen, dass das was sie tun zu teuer ist.

Soll ich Euch was sagen? Der Schritt ist mir nicht leicht gefallen, aber es war rückblickend eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn seit ich angefangen habe, mir – im positiven Sinne – „das Leben zu nehmen“ und zu gestalten, das mich von Herzen erfüllt und nährt, und alles andere Schritt für Schritt weglasse, bin ich zufriedener als je zuvor.

Deshalb – anstatt Dich einfach so im Leben dahintreiben zu lassen, denk Dir mal Dein Leben bis zum Ende – und dann fang an, Schritt für Schritt das notwendige zu tun, um Dir genau DAS Leben zu nehmen, das Du haben willst.

Denn, so sagte schon Mark Aurel:
„Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern daß man nie beginnen wird, zu leben.“

In diesem Sinne – vielleicht auch doch ganz passend zum Rosenmontag – feiere das Leben!

Vom Schleudergang und der Wäscheleine

3 Dez

Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, ist mein Leben seit ein paar Wochen ziemlich turbulent, seit ich mich mit einem Knoten in der Brust auseinander setzen darf/durfte. Ich wähl(t)e diese Formulierung bewußt und mit Bedacht, denn eine andere mögliche Formulierung „Verdacht auf (Brust-)Krebs“ erzeugt bei vielen in unserer Gesellschaft – und ich habe gemerkt, dass ich mich davon selbst auch nicht ganz freimachen konnte – Bilder und Ängste, denen ich mich selbst nicht noch zusätzlich (über meine eigenen Gedanken hinaus) aussetzen will und wollte.

Was meinen Beschluss vom letzten Beitrag betraf, mich als gesund zu betrachten, so lange man nichts Genaueres wüsste, war das im übrigen einfacher dahergesagt als umgesetzt. Für mich – und das ist natürlich eine sehr subjektive Entscheidung – beinhaltet(e) dies, meine Arbeit so gut es mir möglich ist/war wahrzunehmen, anstatt die Möglichkeit einer Krankschreibung in Erwägung zu ziehen. Meine Motivation war natürlich einerseits, mich durch die Arbeit ein bisschen abzulenken von einem destruktiven Gedanken-Karussell, das mich in ruhigeren Momenten überfiel, und von den Schmerzen, die ich durch die Untersuchungen hatte. Andererseits besagt ja irgendein geistiges Gesetz, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt, deshalb wollte ich meinen geistigen Focus bewusst lieber auf Gesundheit, Heilung, Wohlbefinden und konstruktives Handeln legen sowie vor allem ein „gutes Resultat“ anstatt Krankheit und Panik vorzuprogrammieren (das kam auch schon von alleine in meinen Kopf, und es kostet(e) mich kontinuierliches Dranbleiben, um meinen Focus aktiv auf das Positive zu lenken, das ich gerade meinem Leben vorfinde).

Es gab für mich gute Entscheidungen…

Um mich nicht zusätzlich noch mit den Ängsten und Mustern anderer auseinander zu setzen, wählte ich auch mit Bedacht, wem ich was von meinen Untersuchungen erzählte. Letztendlich waren das nur eine Handvoll Personen, die mir entweder sehr nahe standen oder solche, von denen ich mir in irgendeiner Form sachdienliche Unterstützung versprach (die meisten davon Therapeuten). Das hat für mich übrigens gut funktioniert, denn fast alle dieser Menschen ermutigten mich, ein positives Untersuchungsergebnis in den Focus zu nehmen.

Wenn man das jetzt so liest, könnte man annehmen, ich hätte Verdrängung praktiziert. Bis zu einem gewissen Grad (nämlich dem, der mein Leben seine Struktur behalten liess) stimmt das sicherlich auch. Aber natürlich nahm ich mir (alleine wie auch mit ein paar Therapeuten meines Vertrauens) auch ganz viel Zeit für „innere Arbeit“, Friedens- und Vergebungsrituale. Dazu gehörte für mich auch, alle möglichen und zum Thema passenden Impulse aufzugreifen, die sich zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten zeigten, seien es durch Gespräche, durch Assoziationen zu verschiedenen Themen in Verbindung mit der Diagnose oder einfach so. Was für alter Schotter, Verkrustungen und alte Glaubenssätze da zu Tage kam… anstrengend.

… und Fehlentscheidungen

Genauso anstrengend war übrigens auch meine Entscheidung, die Folge-Untersuchung (Biopsie) noch um 1-1,5 Wochen hinauszuzögern, denn letztendlich würde eben nur diese Untersuchung Klarheit in die eine oder andere Richtung bringen. Mein Vorsatz mit dem positiven Denken war über die Zeit immer schwieriger aufrecht zuerhalten, und meine Gedanken schwankten irgendwo zwischen „Es ist alles gut, das Gerät muss einen Fehler gehabt haben, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Oh nein, will ich doch gar nicht wissen was dabei herauskommt“.
Und blöderweise wartete ich auch ungefähr noch einmal den gleichen Zeitraum, bis ich mich in der Lage sah, ein wie auch immer geartetes Biopsie-Ergebnis hören zu wollen. Das war ein wenig, wie in der Luft zu hängen… Aber das hatte ich ja selbst so entschieden, das Ergebnis wäre viel eher verfügbar gewesen.
Währenddessen hab ich viel Kraft gebraucht, „Wenns-und-Abers“ zu jonglieren oder Schutzmauern gegen Angstgedanken aufrecht zu erhalten, die sich am Ende zum Glück als überflüssig herausstellten; der Tumor ist gutartig. Insofern bin ich nicht sicher, ob ich das in der Form noch einmal so entscheiden würde.

Unabhängig davon ist die Kuh noch nicht vom Eis, denn das „Teil“ ist ja immer noch da. Meine Meinung bzw. mein Bauchgefühl und die Empfehlung zweier Ärzte liegen bezüglich der weiteren Vorgehensweise ziemlich weit auseinander. Vermutlich weil wir grundsätzlich nicht das gleiche Weltbild teilen. Auf weitere Details verzichte ich an der Stelle, denn es könnte der Anschein von Ärzte-Bashing entstehen.
Zum Glück leben wir in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gilt. Gerne lasse ich vorerst meinen Ärzten ihr Weltbild – und genausowenig lass mir derzeit meines nehmen.

Wer recht hat (sofern es so etwas bei Meinungen überhaupt gibt), wird sich im Januar  zeigen, wenn die nächste Untersuchung ansteht…

 

Warum schreibe ich all dies?

Ganz sicher nicht, weil ich der Meinung bin, dass der Weg den ich gewählt habe, der einzig richtige und glücklich machende ist. Vielmehr habe ich mittlerweile die Demut anzuerkennen, dass es sowieso völlig unerheblich ist, was man sich theoretisch vorher überlegt.
Sondern weil ich es für wichtig halte, und jeden gerne dazu ermutigen möchte, in einer bestimmten individuellen, konkreten Aufgabenstellung, mit der Du gerade konfrontiert sein magst (egal ob das jetzt gesundheitliche oder andere persönliche Fragestellungen sind), immer neu und in Abstimmung mit der eigenen inneren Stimme Deine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Denn egal, was andere Menschen Dir sagen, es entspringt deren Erfahrungen und Wahrheiten, die können mit Deinen eigenen übereinstimmen, müssen es aber nicht. Letztendlich ist die einzige Person, die mit den Konsequenzen (D)einer Entscheidung leben musst, DU SELBST. Also, sei ehrlich mit Dir selbst und vertrau Dir. Schaue und prüfe für Dich, welches DEINE Wahrheiten sind, welche Unterstützungs- und Lösungs-möglichkeiten bzw. Therapeuten FÜR DICH passend sind, welchen Menschen DU (Dich an)vertraust und welche Weisheit DEIN Körper und DEINE innere Stimme mit in den Prozess einbringen können. Wenn Du Deine eigene Intuition bislang noch nicht kennengelernt hast: Erlaube Dir, neugierig zu sein und noch Neues über Dich zu entdecken.

Ich wünsche Dir bei Deinen Entscheidungen viel Kraft, ein gutes Händchen und immer die richtigen Berater.
Das wichtigste aber ist m. E.: Schaue immer, welchem Weg Du folgst. Folgst Du der Angst (die Dir jemand macht oder versucht zu machen?) oder dem Gegenteil davon – was auch immer das für Dich sein mag (Freude, Zuversicht, Vertrauen, dem Lebendigen oder … vielleicht hast Du ein anderes Wort dafür).

Einen guten Weg wünscht Dir
Deine Christina Bolte

Meine Pläne, das Leben und ich

11 Sep

Diesen Beitrag hielt ich – so oder so ähnlich – am 09.09.2019 in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Vorfreude ist die schönste Freude, sagt man.
Deswegen bin ich auch kein Freund von Last-Minute-Urlaubsangeboten, denn da hat man ja vorher kaum Zeit, sich vor-zu-freuen.
Als alter Planungs-Junkie finde ich nämlich, je mehr Zeit ich meinen Urlaub planen kann, desto mehr freue ich mich, diese Planung dann auch tatsächlich umzusetzen.

Einer der Urlaube, die ich am ausführlichsten geplant hatte, war meine erste Alpenüberquerung mit dem Fahrrad, die ich zusammen mit meinem damaligen Freund machen wollte. Wir besorgten uns stapelweise Fachliteratur und Landkarten, um die perfekte Route auszuwählen. Landschaftlich schön sollte sie sein, in unseren Zeitplan von einer Woche hineinpassen, Start- und Zielorte sollten gut mit der Bahn zu erreichen sein – und natürlich sollte auch ordentlich Höhenmeter absolviert werden, damit der Urlaubsbericht in der Clique möglichst Eindruck hinterließ.

So recherchierten wir in einschlägigen Webseiten über Packlisten, Hüttenbewertungen und Routenvorschlägen. Aus Hunderten von Routen-vorschlägen stellten wir uns letztlich unsere eigene Route zusammen, Urlaub war eingereicht, die Fahrräder und Rucksäcke waren schon gepackt – und dann kam mein Freund einen Tag vor der Abreise spontan auf die Idee, mit mir Schluss zu machen.
Als Vegetarier sei ich ihm zu „Öko“, war seine Begründung. Na gut, dass der nicht weiss wie ich heute drauf bin, ich wüsste gar nicht, als was er mich jetzt bezeichnen würde…

Nun saß ich also vor den Scherben meiner Urlaubsplanung. Was also tun? Nachdem mir zu Hause alleine die Decke auf den Kopf fallen würde, tat ich also das, was ich schon immer gut konnte: Ich entwickelte einen neuen Plan.

Auf „unsere Route“ hatte ich keine Lust mehr, so kam ich nach einiger Recherche und Überlegungen auf die Idee, eine Alpenüberquerung mal anders herum als alle anderen zu machen, nämlich von Süden nach Norden. Also kaufte ich mir mal wieder alle möglichen Kompass-Karten um die neue Streckenführung auszuplanen, packte meinen kleinen Radtour-Rucksack und warf am nächsten Tag mein Rad in den Kofferraum meines Autos und fuhr los nach Meran.

Wie sich später dann herausstellte, war die Bezeichnung Alpenüberquerung nicht ganz zutreffend. Denn meine Tour ging zuerst nach Süden, nur um dann einen Tag später auf einer anderen Strecke wieder nach Norden und schließlich über das Zillertal nach Österreich zu gehen.

Unterwegs traf ich auf eine geführte Gruppe Italienischer Mountainbiker mit deutschem Guide und ebenfalls deutscher Begleitfahrzeugfahrerin, die in etwa die gleiche Tour geplant hatten wir ich. So schloss ich mich ihnen an – was für mich deutlich unterhaltsamer war, als alleine vor mich hin zu radeln.

Die Verständigung war zwar nicht so einfach, da die Italiener wenig deutsch oder englisch konnten, und ich zwar italienisch leidlich verstehe aber nicht spreche. So war eines meiner ersten Lernerfolge zu verstehen, dass es nichts mit einer Kaffeemaschine zu tun hat, wenn jemand von hinten „la macchina“ ruft, sondern dass es schlicht und einfach auf ein von hinten herannahendes „Auto“ hinweist.

An einem Tag fiel mein Blick dann zufällig auf das Outfit eines der Herren: farblich passend zum grünen Trikot eine grüne Radhose, am Tag zuvor rotes Trikot zu einer roten Radhose und während ich so darüber nachdachte, hatte er davor ein orangefarbenes Trikot zu einer orangefarbenen Radhose an. Ich war schwer beeindruckt – denn, obwohl man Frauen nachsagt, über riesige Kleiderschränke zu verfügen: So viele Radhosen besaß nicht nicht einmal, geschweige denn, dass sie farblich zu meinen Trikots passten oder ich sie in meinem Minimal-Mountainbike-Gepäck dabei hatte…
Das bestand nämlich nur aus einem 30-Liter-Tagesrucksack und zwei Trinkflaschen direkt am Rad dabei. Immerhin war eine der wichtigsten Lektionen meines Vaters gewesen: „Nimm immer nur so viel Gepäck mit, wie Du selbst tragen kannst“. Das habe ich auf Reisen immer beherzigt – so habe ich unterwegs auch noch nie einen Gepäcktransport benötigt.

Am dem Nachmittag, als wir Italien hinter uns ließen und auf der österreichischen Seite einen schönen Trail hinab ins Zillertal rollten, wetteiferten die Italiener in Sachen Coolness und Geschwindigkeit. Allerdings musste ich kurz darauf überrascht feststellen, dass keiner der italienischen Jungs in der Lage war, einen platten Reifen zu wechseln. So saß ich amüsiert an einem See und überlegte, ob ich mich einmischen sollte, während fünf italienische Männer ratlos um ein radloses Mountainbike standen…. bis endlich der Tourguide tatkräftig einschritt.

Während wir am nächsten Morgen beim Aufbruch im Zillertal unsere Mountainbikes aus dem Keller des Hotels holten, trugen wir zwei japanische Gäste ihre Snowboards nach draussen, um auf dem Hintertuxer Gletscher zu trainieren. Ich fragte mich nur, wer von uns wohl gerade die falsche Sportart hatte.
Wie sich dann herausstellte, waren wir das, denn auf dem Weg zur nächsten Hütte fing es tatsächlich zu schneien an.

Nach dem Aufwärmen auf der Hütte trennten sich allerdings unsere Wege, denn während die Jungs hinab ins Inntal und weiter nach Deutschland fuhren, fuhr ich nach Westen in Richtung Brenner weiter, denn ich musste ja noch mein Auto wieder in Meran einsammeln.
An dieser Stelle meiner Reise waren die Kuriositäten, die anders liefen als mein Plan, bei weitem noch nicht zu Ende.

Aber wenn ich ehrlich bin, wäre der Urlaub sterbenslangweilig gewesen, wenn alles immer nur nach Plan gelaufen wäre.
Seitdem weiss ich – wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm Deine Pläne.

Der Schmetterling

12 Mrz

Diesen Beitrag hielt ich am 11.03.2019- so oder so ähnlich – in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Manchmal, wenn ich ganz still und leise im Garten auf einer Bank in der Sonne sitze und die Leichtigkeit des Seins genieße, setzt sich mit sanftem Flügelschlag ein Schmetterling auf meinen Arm. Ich liebe es einfach, wenn die Leichtigkeit des Flügelschlags über meine Haut dahinhaucht.

Dann kommt es mir so vor als wollte er ein Geheimnis mit mir teilen und mich mit seinem sanften Geflatter davon überzeugen, wie einfach das Leben sein kann.

Leider sind diese Momente, in denen ich ganz still bin, extrem selten und mein Schmetterling ist auch nicht immer mein Freund. Im Gegenteil – denn auf der anderen Seite gibt es dann auch diese Momente, wenn der Schmetterling sich mit festem Griff einem Raubvogel gleich auf meinen Nacken stürzt, mein Lebensgefühl beschwert – und mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

In so einer Situation ertappte ich mich neulich bei einem neuen Gedanken:
Während ich so spazieren ging, dachte ich: „Es wäre doch jetzt eigentlich ganz praktisch, wenn ich von einem Auto überfahren werde.“

PAUSE – SACKEN LASSEN

Während die Tragweite dieses Gedankens tropfenweise in mein Bewusstsein durchsickerte, begannen gleichzeitig meine Alarmglocken zu schrillen – und ich erkannte: Es ist höchste Zeit, mir Hilfe zu suchen. Denn dieser Gedanke war der Schrei meines Schmetterlings um Hilfe.

Wir alle haben so einen Schmetterling. Dieser Schmetterling, der unser aller Leben beeinflusst und mit Leichtigkeit oder Schwere versieht, sitzt in unserem Hals. Es ist die Schilddrüse.
Kaum jemand kennt dieses kleine unauffällige Organ, und doch übernimmt es so wichtige Funktionen mit so weitreichenden Konsequenzen für unser Wohlbefinden. Die Schilddrüse steuert unseren Stoffwechsel, das Gewicht, das Temperaturempfinden, unsere Stimmung und insgesamt unser Lebensgefühl.

Was wenige wissen ist, das eine Schilddrüsen-Unterfunktion – also wenn die Schilddrüse zu wenige Hormone produziert – ähnliche Symptome verursacht wie eine Depression. Es ist dann alles im Leben so, ob jemand auf der Bremse stehen würde: Der Stoffwechsel arbeitet extrem langsam, Nahrung wird nicht gut verdaut und setzt sich stattdessen auf die Hüften. Man friert sehr leicht und auch sonst ist das Leben eher schwer, gebremst und trübe.

Manchmal verordnen Ärzte aufgrund der Depressions-ähnlichen Beschwerden Antidepressiva. Das nützt nur nichts, wenn die Ursache eine andere ist. Was kann man nun also tun, wenn man – egal aus welchem Grund – das Gefühl hat, in einer hohen dunklen Schlucht zu sitzen und den Ausweg nicht zu sehen?

  1. Such Dir Hilfe – und zwar schnell. Das kann, für eine gute und gründliche Untersuchung nach körperlichen Ursachen, ein Arzt sein, und genauso kann ein vertrauensvolles, ehrliches Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens dazu beitragen, dass Deine gefühlte Last nur noch die Hälfte ist.
  2. Umgib Dich mit was Schönem, etwas Buntem – hör eine schöne Musik, eine die Leichtigkeit verströmt oder die Dich aufbaut und
  3. erinnere Dich – an einen Schmetterling.

Denn der Schmetterling erinnert MICH in diesen Momenten noch an etwas anderes: Nämlich, dass der Schmetterling eigentlich ein ganz phantastisches Tierchen ist. In seiner jugendlichen Form ist er nämlich eine Raupe, so ein kleines haariges, am Boden kriechendes Etwas. Und doch wird in der erwachsenen Form etwas so schönes, buntes daraus wie ein Schmetterling. In der Zeit dazwischen, auch Metamorphose genannt, durchläuft er das Stadium als Puppe. In dieser Zeit ist das Tierchen weder Raupe, noch Schmetterling, sondern sprichwörtliche braune, undefinierbare Masse. Und dennoch wird mit der Zeit daraus etwas so Wunderschönes wie ein Schmetterling!

Diesen Gedanken habe ich ganz ganz tief in mir abgespeichert – damit ich mich jedes Mal daran erinnern kann, wenn mich der Greifvogel im Griff hat oder ich mich in Veränderungssituationen fühle wie undefinierbare braune Masse, aus der ich gerade keinen Ausweg weiss und die mich nach unten zieht.

Denn der Schmetterling erinnert mich daran, dass nach der Zeit dieser Veränderung wenn der Schmetterling schlüpft und seine Flügelchen reckt und streckt – dass das Leben weitergeht und mit welcher Schönheit, Anmut und Leichtigkeit er anschließend mit sanftem Flügelschlag durch sein Leben flattert. So  lass Dir von ihm das Geheimnis der Leichtigkeit erzählen.

Als weiterführende Literatur zum Thema Schilddrüse empfehle ich das Buch „Die Schilddrüse: Funktionsstörungen ganzheitlich begegnen„* meiner geschätzten Kollegin Sabine Hauswald.

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Photocredits: CC BY-SA 3.0, by Beentree https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=737211

In die Steinzeit und zurück

11 Mrz

Diesen Vortrag hielt ich am 12.11.2018 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München. Die Rede fällt unter die Rubrik „Humorvolle Rede“ und ist bitte auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen:

 

Es gibt Dinge im Leben, die sind dem Menschen schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt. Das Denken gehört nicht dazu, das entwickelte sich erst später, bei manchen Menschen sogar auch bis heute noch nicht.
Aber von Anfang an: Stellt Euch vor, wie es damals in der Steinzeit so war. Das primäre Ziel des Lebens war der tägliche Kampf ums Überleben – ok, das ist bei manchen Menschen auch heute noch so.

Um also das Überleben zu sichern – das eigene und das der ganzen Sippe – war das Hauptproblem: Nahrungsbeschaffung. Die hungrige Sippe – oder zumindest ein Teil davon – schlich hungrig durch die Steppe.
Da – ein Mammut!
Die große Frage war nur: War das Mammut auch hungrig – da gab’s dann nur zwei Möglichkeiten: Flucht – oder Kampf! Das war ja damals schon schwierig abzuwägen, vor allem, wenn sich die eine Hälfte der Sippe für das eine und die andere Hälfte für das andere entschied!

Als die Evolution dann später das Denken erfand und der Mensch zum Taktiker wurde, gab es sogar noch eine dritte Möglichkeit neben Flucht oder Kampf – nämlich das Tothetzen, übrigens eine spezifische Fähigkeit des Menschen.
Die hat sich sogar auch noch bis heute gehalten – und das weltweit! Sogar Turniere finden darin alle paar Jahre statt, wenn 22 erwachsene Menschen in Fussballstadien einem armen Ball hinterher hetzen.

Aber zurück in die Steinzeit: Von den Historikern werden ja die Fähigkeit der damaligen Menschen zu jagen so hervorgehoben, vor allem der männlichen Menschen. Wie sehr das Jagen doch zum Überleben der Menschheit beigetragen hat.

Aber so ganz stimmt das mit dem Bild von den Männern als Ernährern nicht. Da braucht man sich nur unser heutiges Hormonsystem anzuschauen, das nämlich auch heute immer noch so tickt wie damals in der Steinzeit. Auch heute noch werden bei Stress, also wenn wir eine Situation als lebensgefährlich einschätzen, diverse Stresshormone ausgeschüttet. Früher gehörte sowohl die Jagd als auch die Flucht vor dem Mammut dazu. Ist diese Situation vorbei, stellt man Folgendes fest:
Das Cortisol – also DAS Stresshormon schlechthin, das beim Jagen, Fliehen oder Kämpfen ausgeschüttet wird – benötigt 10-14 Tage, um sich abzubauen. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Mensch nur dafür ausgelegt ist, 2-3 Mal im Monat Stress zu haben. Stellt Euch das vor, das schaffen manche Menschen heutzutage schon an einem halben Tag!

In Bezug auf die Steinzeit heißt das, dass damals nur 2-3 Mal im Monat gejagt wurde, denn wenn es anders gewesen wäre, wäre ja unser Hormonsystem heute ganz anders aufgebaut. Also stellt Euch das mal vor – nur 2-3 Mal im Monat ein Festmahl! Da fragt man sich doch glatt: Wie haben das die Menschen nur überlebt? Da hätte doch die Menschheit bis heute längst ausgestorben sein müssen!

Wie gut, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass das Leben für die Menschen trotzdem weiterging. Deshalb wurde noch eine weitere Strategie zur Nahrungssuche erfunden – denn weil das Sammeln oder Ausgraben von Nahrung viel stressfreier war als das Jagen, war es daher nicht nur kontinuierlich möglich, sondern auch viel überlebenssichernder!

Diese neue Aufgabe wurde – wenn man Forschern Glauben schenken möchte – überwiegend von Frauen übernommen, und ein zweckmäßiges Utensil wurde dafür auch bald erfunden: Der Sammelbeutel!
Er wurde nicht nur dafür genutzt, die gefundenen Früchte, Nüsse und Samen zum Lager zu transportieren, sondern auch selten verfügbare Leckerbissen wie Honigwaben oder Heuschrecken oder tote Eidechsen, die in jagdfreien Zeiten die Eiweissversorgung sicherten.
Wusstet ihr übrigens, dass Sammelbeutel auch heute noch eine starke Verbreitung haben?
Hier [Handtasche vorzeigen] ist alles was man braucht um das Überleben zu sichern: Nahrung, was zum Feuer machen, Kommunikationsmittel, Werkzeuge und eventuell noch das eine oder andere kleine Schmuckstück. [zeigen: Müsliriegel, Streichhölzer, Stifte, Telefon, Kamm, Haarspange]

Liebe Männer,
falls ihr Euch wundert, warum Frauen so riesige Handtaschen haben, jetzt wisst ihr es – um in allen Lebenslagen für das Überleben, das eigene und das der Sippe, sorgen zu können. Es ist den Frauen schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt.

Liebe Frauen,
falls ihr Euch wundert, warum Männer sich so gerne in Sportstadien aufhalten, jetzt wisst ihr es – das Gefühl, durch Jagen, Treiben oder Anspornen zur Ernährung und zum Überleben der Menschheit beizutragen, ist den Männern schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt.

Und anstatt sich über die Eigenheiten des oder der anderen lustig zu machen oder sie ihnen gar austreiben zu wollen – wie wäre es, wenn wir das Anderssein anderer einfach wertschätzen um damit auch unser eigenes Leben zu bereichern – wer weiss, in welchen Situationen diese Eigenheiten uns einmal nützlich sein können!

Weihnachten

16 Dez

Dieses Gedicht schrieb ich meiner Großmutter – auf meiner alten Reiseschreibmaschine! – mit 13 zu Weihnachten.
Neulich fand ich es beim Aufräumen wieder, und weil es gerade schon so gut zur Saison passt, möchte ich es gerne mit Euch teilen.

Wenn es Winter werden will,
schneit es leise, langsam, still.
Und die zarten Schneheflocken
fallen wie auf weißen Socken.

Und im Winter, im Advent,
brennen Kerzen – zart, dezent –
verbreiten einen süßen Duft.
Weihnachten liegt in der Luft!

Wenn der Heiligabend naht,
froher, festlicher es ward.
Alle singen Weihnachtslieder;
zum Glück kehrt Weihnacht immer wieder.

In dem hell erleuchtet‘ Raume
an dem großen Weihnachtsbaume
hängten wird den Weihnachtsschmuck,
um zu sagen: „Prima, guck!“

Der Weihnachtsmann verkleidet sich,
bringt viele Gaben, hoffentlich,
Zu unserem großen Gabentische.
Als Festmahl gibt es leckre Fische.

In dem großen Weihnachtstrubel
gibt es ziemlich großen Jubel,
denn der Weihnachtsmann war fleissig,
brachte Gaben an die dreissig!

Ein schöner Tag geht bald zu Ende!
‚S nicht mehr weit zur Tageswende.
Ruhiger wird’s in unsrem Haus,
doch Weihnacht ist noch lang nicht aus.

In diesem Sinne wünsche ich Euch:
Besinnliche Feiertage und nehmt Euch Zeit
für ein kleines Wei(h)n-Achterl.

Alles Liebe
Christina Bolte

 

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