Die Kunst des Zuhörens

30 Nov

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 28.11.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Die Kunst des Zuhörens

Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören um zu verstehen, sondern wir hören zu um zu antworten.“ (Verfasser unbekannt)

Dieser Spruch begegnete mir vor einigen Tagen und sofort fühlte ich mich ertappt und an etliche Situationen erinnert, in denen ich im Gespräch, während mein Gegenüber noch redete, bereits im Kopf schon die Antwort formulierte. Oder man im schlimmsten Fall den Anderen vor lauter Ungeduld sogar unterbrach. Wer von Euch kennt solche Situationen noch?

Tragischerweise ist man in solchen Situationen vom Zuhören weit entfernt. Häufig antwortet man dann ohne irgendeinen Bezug auf das zu nehmen, was der andere zuvor gesagt hat. Seine Botschaft kommt so meistens gar nicht bei uns an – Konflikte sind vorprogrammiert.

Liebe Toastmaster, liebe Gäste,

schon Zenon der Ältere, ein griechischer Philosoph aus dem 5. Jh. v. Chr., beobachtete:
Die Natur hat uns nur einen Mund, aber zwei Ohren gegeben, was darauf hindeutet, daß wir weniger sprechen und mehr zuhören sollten.“

Ich weiss nicht, ob diese Schlussfolgerung von allen Toastmastern so geteilt wird, denn neben der Verbesserung der Rhetorikfähigkeiten spielt aberbei den Toastmastern auch das Zuhören eine große Rolle. Deshalb wird es auch in verschiedenen Ämtern und Führungsprojekten aus dem CL-Handbuch geübt.

 

Heute möchte ich euch auf eine Reise des Zuhörens mitnehmen und lehne mich dabei an ein Kommunikationsmodell des deutsch-amerikanischen Professor Otto Scharmer an. So möchte ich Euch heute einladen, in den 4 folgenden Ebenen Neues zu entdecken.

  1. Ebene: Denkgewohnheiten und Zuhören in der Qualität des Runterladens. Das ist, als ob ich in einem Raum stehe, dessen Wände aus Spiegeln bestehen: Ich sehe und höre nur das, was schon da ist, was ich hören will bzw. was ich eh schon weiss. Alles andere dringt gar nicht zu mir durch. „Ja, das ist schon bekannt.“
    Oder ich höre nur „nebenbei“ zu, und mache gleichzeitig noch etwas anderes, sei es dass ich nebenher am PC arbeite oder mit meinem Smartphone beschäftigt bin. Durch diese Haltung nimmt man sich die Möglichkeit, vom Gegenüber etwas Spannendes oder Neues zu erfahren oder ihn näher kennenzulernen. So verpasst man Chancen auf neue Erfahrungen.
  2. Ebene: faktisches Zuhören – das ist, als ob ich am Rande meines Raumes von eben stehe, ich nehme war, was dort passiert und wenn ich Glück habe, entdecke ich durch ein Fenster nach draussen etwas Neues.
    Ich tausche mich auf sehr faktenorientierte Weise aus, in der Wissenschaft beispielsweise. Bei den Toastmastern gehören zum Beispiel auch Ämter wie der Sprachstil-Bewerter oder Füllwortzähler dazu.
    Faktisches Zuhören erfordert ein Innehalten, und eine Überprüfung seiner Urteils- und Denkgewohnheiten. Offenes Denken – damit ich überhaupt zu der Erkenntnis kommen kann: „Aha, das war jetzt für mich ein neuer Aspekt, das hatte ich bisher anders gesehen – oder das habe ich bisher noch gar nicht gesehen!“ anstatt: „Das ist falsch, das kann gar nicht sein“.
    Dafür ist es hilfreich, Fragen zu stellen oder zu paraphrasieren, um zu überprüfen ob man das ganze richtig verstanden hat.Die Hauptsache beim Faktischen Zuhören ist allerdings, erst die Fakten und Aussagen zu analysieren und dann erst Schlüsse daraus zu ziehen. So sagt auch der Dalai Lama:
    Wenn du sprichst, wiederholst Du nur, was du eh schon weißt; wenn du zuhörst, kannst Du unter Umständen etwas Neues lernen.“ – ist das nicht großartig?
  3. Ebene – ist das empathische Zuhören. Dies erfordert ein Umwenden oder auch ein Hinwenden. Um bei obigem Raum zu bleiben: Durch das geöffnete Fenster nehme ich auch Stimmungen wahr, die von draussen zu mir hereindringen – es ist das Wahrnehmen dessen, was zwischen den Zeilen steht oder auch das non-verbale. Zum Beispiel: „In Ihren Wort schwingt Ärger mit – gibt es etwas, mit dem Sie nicht einverstanden sind?“
    Durch Einfühlsamkeit lerne ich, die Realität aus der Perspektive des anderen zu sehen und kann dessen Lebensumstände mit empfinden, so in etwa wie in dem indianischen Sprichwort: „Urteile nicht über einen Menschen, bevor du nicht 7 Meilen oder einen Monat in seinen Mokassins gelaufen bist!“ Für das empathische Zuhören hilft eine offene Körperhaltung und ein gelegentliches Zustimmen oder Nicken. Empathisches Zuhören bedeutet nicht, dass man die gleiche Meinung wie sein Gegenüber annehmen muss.
  4. Ebene – generatives Zuhören. Es bedeutet einen Raum intensiver Aufmerksamkeit und offener Präsenz zu schaffen, so dass der Redende die Möglichkeit bekommt, Dinge zu sagen, die ihm selbst noch nicht so bewusst waren.
    Anstatt Dinge aus der Vergangenheit zu reproduzieren, die schon da sind, erschaffe ich Neues, was aus dem Moment heraus entsteht.
    Ein Beispiel dafür ist die Improvisation eines Musikers in einem Orchester, der das größere Ganze hört und gleichzeitig sein Instrument so spielen kann, dass gemeinsam etwas Neues entsteht.

Wenn jemand diese Kunst des Zuhörens beherrscht, gewinnt der Ausdruck „jemandem Audienz gewähren“ so gesehen  eine neue Bedeutung: Denn Generatives Zuhören weckt im Gegenüber ein bisher noch nicht sichtbar gewesenes Potenzial. So kann eine im Entstehen begriffene Zukunfts­möglichkeit sich zumindest mal verbalisieren oder gar manifestieren.

Genau deshalb sind nicht Visionen die wichtigste Fähigkeit oder Eigenschaft einer Führungs- persönlichkeit. Sondern die Quelle von jeglichem großartigen Leadership ist das Zuhören, denn es bringt nicht nur Neues hervor, sondern kann auch das höchstmögliche Potenzial in anderen Menschen zum Vorschein bringen.

Ganz einfach ich sein!?

16 Nov

In ihrem Newsletter beschrieb Karin Wess ihren ganz normalen und vor allem unperfekten Tag – und lud gleichzeitig ihre (vorwiegend) Leserinnen dazu ein, sich ebenfalls der Welt zu zeigen wie man sei. Nun denn:

Schon als Kind durfte ich mir ziemlich häufig anhören, wie anders als andere Kinder ich sei: „Sei doch nicht so ein Stubenhocker, geh doch lieber zum Spielen zu den anderen Kindern nach draußen“. Doch anstatt dass ich draußen Gummi-Twist oder Fangen spielte, löste ich lieber Kreuzworträtsel, spielte Schach, Stadt-Land-Fluß oder puzzelte. Es machte mir einfach mehr Spass.

Neben diesen ganzen analytischen Dingen war ich aber auch noch unheimlich gerne kreativ. Im zarten Alter von 10 Jahren schrieb ich damals auf der Reiseschreibmaschine mit zweifarbigem Farbband, die ich von meiner Oma geschenkt bekam, meinen ersten Krimi. OK, ein Bestseller wurde es nie, denn über Auflage 1 kam das ganze nicht hinaus. Ich malte und bastelte gerne, phasenweise versuchte ich mich auch mit klassischen Handarbeiten wie Häkeln, Stricken oder Nähen. Das Malen war sicherlich meine erfolgreichste „Disziplin“, denn ich gewann sogar einige Malwettbewerbe.
Zumindest bis ich etwa 12 war, denn dann war die Bandbreite an Dingen, die man tun konnte und an denen ich auch (fast) allen Spaß hatte, so groß, dass ich im Durchschnitt versackte.

Der Universal-Dilettant

Aber so vielseitig wie damals bin ich auch noch heute, was sich auch an meinem nicht besonders geradlinigem Lebenslauf zeigt. Auf Anraten meiner Eltern (es sollte halt was Solides sein) habe ich ursprünglich Wirschaftsingenieurwesen studiert, oder wie mein früherer Arbeitskollege sagte, ich wäre „Universal-Dilettant“ – also einer der alles kann, aber nichts richtig. So war ich zunächst eine ganze Weile in der Zahlen-Daten-Fakten-Fraktion in der Industrie tätig, merkte aber bald, dass mir irgendetwas fehlte. So machte ich berufsbegleitend einige Ausbildungen im Bereich Massage und als Heilpraktikerin, um etwas Abwechslung in mein Leben zu bringen. Und später machte ich noch eine Ausbildung als Pilgerbegleiterin und studierte Spirituelle Theologie und schreibe Bücher – was zwar irgendwie den Eindruck vermittelt, dass es alles nicht zusammen passt, aber eben doch alles mit mir zu tun hat.

Schon seit Beginn meiner Selbständigkeit beschäftige ich mich nun also mit der Fragestellung: „Worin bin ich Expertin und welches ist meine Nische?“ Nachdem ich nicht nur ein „Volltischler“ bin (also einer, dessen Schreibtisch gerne mit Zetteln vollgeräumt ist), sondern auch ein Multitasker, der gerne Hundert Sachen und Projekte parallel macht, tat ich mich mit dieser Frage immer besonders schwer. Deshalb buchte ich immer wieder mal Coachings, um mich zu focussieren – nur um festzustellen, dass es mir nicht wirklich gelang, da ich immer wieder das Gefühl hatte, den einen oder anderen Teil von mir abzuschneiden.

Genauso ging es mir auch, nachdem ich aus dem Großkonzern, für den ich lange arbeitete, ausgeschieden war – auf einmal brauchte ich eine neue Herde. Als ich auf der Suche war nach Menschen, mit denen ich Räumlichkeiten teilen konnte. Wenn ich vor Gruppen von mir Unbekannten einen Elevator-Pitch halten soll.

Heute habe ich gelernt, dass man zu so vielseitig interessierten Menschen auch „Scanner-Persönlichkeit“ sagt. Das beruhigt mich sehr, weil es mir nach den ganzen „Etiketten“ wie man (ich) zu sein hätten nun endlich eine Art Legitimation zu geben scheint, dass es in Ordnung ist, ganz einfach so zu sein, wie ich bin. Das hab ich mittlerweile begriffen. Aber nicht gelungen ist es mir bisher, herauszufinden, wie man das alles in einen 40-Sekunden-Elevator Pich verpackt, wenn man die Menschen nicht kennt und nicht weiss, was am ehesten  ihre Anknüpfungspunkte sein könnten…

#ganzeinfachich

Wobei, so ganz einfach ist es halt doch nicht, vor allem nicht für meinen Liebsten. Denn meine Volltischler-Natur zeigt sich nicht nur auf dem Schreibtisch, da gehört schon manchmal viel Toleranz dazu. Vor allem, wenn ich sportlich-schimpfend im Auto unterwegs bin (klar, natürlich können immer nur die anderen nicht Autofahren🙂 ) oder wenn wir in der ganzen Wohnung die Kaffee- und Teetassen zusammen suchen müssen, weil ich in jedem Zimmer eine hab stehen lassen. Gelegentlich kommt es auch mal vor, dass ich vor lauter Paralleltätigkeiten die extra ausgedruckten Zettel auf dem Drucker liegenlasse oder den Mittagssnack, den ich aus dem Kühlschrank genommen hatte, um ihn ins Büro mitzunehmen.

Doch auf der Suche nach meiner Herde: Was für ein Vogel bin ich? Kein reiner Heilpraktiker, kein reiner Unternehmensberater, kein … Dafür eine einzig-nicht artige Christina…

#ganzeinfachich – großartig!

Unternehmens-Gesundheit

30 Okt

Im Rahmen meiner früheren langjährigen Tätigkeit im Controlling eines großen Industrieunternehmens erlebte ich regelmäßig, was in vielen Unternehmen in Krisenzeiten gerne mal gemacht wird und was eigentlich jedes Controller-Herz erfreuen sollte: Zur Optimierung (bzw. in Krisenzeiten: Rettung) des Betriebsergebnisses wurde ebenso regelmäßig der Focus eher auf pauschale Kostenreduzierungen gelegt, die à la Praktiker-Baumarkt („20 % auf alles, außer auf Tiernahrung“) mit dem Gießkannen-Prinzip auf alle Bereiche verteilt wurden, anstatt auf die Überlegung, wie man die Wirkung am Absatzmarkt verändern könnte.

„Gute Sache“, dachte ich anfangs, denn somit wurde endlich jenen Leuten Einhalt geboten, die ich mindestens fünf Mal täglich und kaffeetrinkenderweise in der Kantine sehen konnte, während ich auf dem Weg von einem Termin zum nächsten dort rastlos vorbeihetzte, oder solchen, die ihren lieben, langen Arbeitstag mit Hirngespinsten und Spielereien verbrachten.
Und so trug im ersten Jahr das per Gießkannen-Prinzip pauschal verteilte Einsparpaket auch ohne signifikante Kollateralschäden zu einem erfolgreichen Jahresabschluss bei. Prima, dachte man sich auf oberster Ebene, was einmal geht, geht auch öfter so gut – und verordnete das vermeintlich erfolgreiche Patentrezept gleich noch ein paar Mal.
Allerdings lernte man dafür an manch anderer Stelle dazu, was dazu beitrug, dass nun Heerscharen an Menschen wochenlang damit beschäftigt waren zu argumentieren, warum das eigene Budget die -20% nun gerade ausgerechnet nicht hergab. Zeit, die eigentlich für etwas wirklich Sinnvolles (im Sinne des Kunden beispielsweise) hätte verwendet werden können.

Auch in mir reifte mit der Zeit eine neue Erkenntnis, nämlich dass das Ausquetschen von möglicherweise (möglicherweise jedoch auch nicht) vorhandenen Freiräumen einen ganz gewaltigen Nachteil hatte. Während nämlich den Maschinen und Anlagen in der Produktion immerhin gelegentlich mal eine Freischicht zur Instandhaltung gegönnt wurde, liefen die Mitarbeiter heiß. Auch wenn viele Controller und Krisenmanager häufig der Ansicht sind, die Belegschaft wäre primär ein mehr oder weniger beliebig reduzierbarer Kostenfaktor, sollte an dieser Stelle auch daran erinnert werden, dass die Mitarbeiter auch in einem ganz erheblichen Umfang als Leistungsträger zum Unternehmenserfolg beitragen. Mit der Konsequenz, dass auch diese „nur Menschen“ sind und daher nicht unbegrenzt belastet werden können.
Auch der Rationalisierung von Arbeitszeiten um scheinbar unproduktive Kaffeepausen – die, wie ich es heute sehr häufig erlebe, durchaus dem kreativen Austausch und Generierung bzw. Vermehrung von Informationen dienen, stehe ich mittlerweile recht kritisch gegenüber. Denn wenn die Unternehmensziele ihren Focus einseitig auf Gewinnmaximierung legen und andere Stake-Holder am Unternehmen, wie zum Beispiel die Mitarbeiter, vernachlässigt werden, hat das meist Effekte, die erst auf den zweiten Blick mit der Ursache in Verbindung gebracht werden, weil sie mitunter erst eine ganze Weile später sichtbar werden. So waren Kreativitäts- (= Innovations-)verlust, Demotivation und daraus resultierend Leistungseinbußen oder in einigen Fällen Burnout die Folge.

Mittlerweile ist mir klar, dass – wenn ich wie anfangs über die Menschen im Bistro dachte – aus meinen Gedanken eigentlich nur der Neid sprach, weil ich mir selbst viel zu selten auch einmal eine kurze Kaffeepause gönnte…

So möchte ich abschließen mit einem Zitat Stefan Zweig: „Auch die Pause gehört zum Rhythmus„.
Ich wünsche Ihnen – passend zu den bayrischen Herbstferien – eine erholsame Pause und gutes Durchatmen.

Ihre Christina Bolte

PS: Was den „Erfolg“ von Praktikers‘ Gießkannen-Prinzip angeht, sich dies ja mittlerweile auch schon gezeigt…

Video

Metamorphose – Veränderung

17 Aug
Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling – wie sie sehr schön in diesem Video von Terra X zu sehen ist – erklärt wie ich finde wunderbar, warum uns Transformation so schwer fällt.
Was wir für uns daraus ableiten können, ist:
1. Es braucht Geduld und Vertrauen – um die Phase zu überbrücken, in der „das Alte“ (die Raupe) nicht mehr passt und „das Neue“ (der Schmetterling) noch nicht seine Form gefunden hat, ja diese teilweise sogar noch nicht mal erkennbar ist.
2. Rückzug und Kraftschöpfen (in jeglicher Hinsicht) sind dabei ein guter Weg.
Viel Spass bei Eurer persönlichen Veränderung – auf dass Euch bald die Flügelchen trocken sind und ihr mit Leichtigkeit Eure neue Lebensphase genießt.

Ackern wir uns zu Tode?

9 Aug

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 08.08.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Karōshi.

Karōshi ist japanisch und bedeutet Tod durch Überarbeiten. Also einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Die Todesursache ist dabei meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Japan trat das Phänomen bereits in den 1970ern auf, wo Arbeitnehmer über Jahre hinweg sechs bis sieben Tage pro Woche mehr als zwölf Stunden täglich arbeiteten.

Aber auch in Deutschland machten vor einigen Jahren ähnliche Schlagzahlen in Deutschland die Runde: Arbeiten bis zum sprichwörtlichen Umfallen – immer mehr Menschen brechen heutzutage stressgeplagt bei der Arbeit schwer erkrankt zusammen – und scheiden nicht selten nach Burnout, Schlaganfall oder Herzinfarkt komplett aus dem Berufsleben aus.

Ackern wir uns zu Tode? Ich sage: Nein.

Denn seit 3 Jahren haben wir uns ein Stück Ackerfurche gepachtet, daher bin ich der Meinung wir ackern nicht viel genug!
Im Gegenteil, seitdem bin ich der Meinung, dass das Betreiben von Ackerbau oder zumindest einer kleinen Acker-Parzelle oder eines kleinen Gartens Stress reduziert und so vor dem Umfallen bei der Arbeit schützt:

Somit möchte ich Euch 3 Gründe nahelegen, warum m. E. jeder Ackerbau betreiben sollte:

  • Es ist gesund. Insbesondere Menschen, die sonst viel Zeit vor dem Computer sitzen und vor allem solche, die nicht ganz so sportlich sind, haben dadurch die Möglichkeit, Zeit an der frischen Luft zu verbringen und sich auf einfache Weise körperlich zu betätigen.
  • Egal, mit was für hochgeistigen Projekten und Ideen wir uns in unserer Arbeit beschäftigen, die Hände in der Erde zu haben, Unkraut zu jäten oder Saatgut bzw. Setzlinge zu Pflanzen verbindet uns mit dem Boden der Tatsachen. Es erdet ungemein.
    Wenn ich auf unserem Acker stehe und sehe, wie viele vor mir liegende Meter Acker noch umgegraben, Unkraut gezupft oder bepflanzt werden soll, geht es mir immer so wie dem Straßenkehrer Beppo in Michael Endes Buch „Momo“:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist schrecklich lang, das kann man niemals schaffen.
Aber man darf niemals die ganze Straße auf einmal denken.
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich.
Auf einmal merkt man, dass man die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist gar nicht außer Puste.“

So gesehen, finde ich, hat Ackern etwas Meditatives!

  • Es erhöht die Wert-Schätzung gegenüber unserer Nahrung.
    Das selbst angebaute Gemüse zu essen, macht mich stolz. Außerdem schmeckt es viel besser als gekauftes. Wenn ich im Laufe von Wochen und Monaten sehe, wie viel Arbeit nötig ist, um 5 Karotten zu ernten, auch wenn die Arbeit noch so viel Freude macht, kommt mir immer wieder der Gedanke in den Sinn, unter welchen Bedingungen wohl die Karotten aufgewachsen sind, die man für 79 Cent das Kilo im Supermarkt kaufen kann.

Vermutlich denkt sich jetzt der eine oder andere von Euch: „Ich wohne hier in der Stadt, wie soll ich mir da ein Stück Acker leisten können bei den Bodenpreisen“ – oder: „Schrebergärten sind mir zu spießig.“

Auch in der Stadt gibt es verschiedene Möglichkeiten oder Initiativen, die dabei helfen, sich ein Stück Acker zu mieten und Gemüse anzubauen:

  1. Krautgärten – eine Initiative der Stadt München, gibt es in vielen verschiedenen Stadteilen
  2. ÖBZ (Ökologisches Bildungszentrum) in Daglfing
  3. O’Pflanzt is-Gemeinschaftsgärten – eine Privatinitiative in Schwabing/Neuhausen

So möchte ich abschließen mit einem Zitat des  indischen Dichters und Philosophen Rabindranath Tagore (1861 – 1941):

„Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen durch den Garten.“

Also, worauf wartet ihr noch?

Neue Beiträge zum Anhören

5 Jul

Ich freue mich, dass meine Beiträge teilweise zukünftig im Audio-Format zu hören sind.

Mein Podcast „Der Weg zurück ins Leben“ kann unter diesem Link angehört, herunter geladen oder abonniert werden: http://www.wegzurueckinsleben.libsyn.com/rss

Ich freue mich, wenn ihr nach wie vor dabei seid!

Bist Du richtig verbunden?

17 Jun

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 13.06.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Was haben das Internet und Spiritualität gemeinsam?

Nun, auf den ersten Blick nicht so viel. Bei genauerem Hinsehen können beide dieser scheinbar sehr verschiedenen Bereiche mit dem Begriff „Verbundenheit“ zusammen-gefasst werden.

Nun wird Spiritualität sowohl aus der Sicht von sehr religiösen Menschen als auch aus der Sicht von eher a-religiösen Menschen häufig als etwas esoterisch betrachtet. Dabei wurde Spiritualität sogar wissenschaftlich erforscht. Es wurden viele Menschen befragt und als Ergebnis kristallisierte sich der Begriff „Verbundenheit“ heraus – Verbundenheit, mit dem was uns umgibt.

Anhand einiger Beispiele möchte ich Euch zeigen, dass Verbundenheit gar nicht so etwas Exklusives ist wie viele meinen, sondern es möglich ist für jeden, diese in der einen oder anderen Dimension zu erfahren – von diesen Dimensionen gibt es vier:

  1. Verbundenheit mit der Natur, dem Kosmos
    Wer von Euch beispielsweise schon mal in den Bergen war und auf dem Berggipfel das Gefühl von besonderer Erhabenheit oder Demut beim Ausblick über die Umgebung hatte, kann nachvollziehen, was ich meine.
    Genauso, wie ein Spaziergang im Wald oder das Rauschen des Meeres am Strand ein Gefühl von Einssein mit der Natur hervorrufen kann.
  2. Verbundenheit mit den Mitmenschen, der sozialen Umwelt
    Das kann sich beispielsweise darin zeigen, wenn man an einen lieben Menschen denkt – und dieser dann ein paar Minuten später anruft.
    Oder wenn im gemeinsamen Gespräch aus dem Moment heraus neue Ideen und Möglichkeiten entstehen, die einer alleine nie gehabt hätte – die höhere Intelligenz der Gruppe sozusagen.

Das ergibt quasi eine horizontale Achse, deshalb werden diese beiden Dimensionen auch horizontale Verbundenheit genannt.

  1. Verbundenheit mit sich selbst
    Das bedeutet, zu fühlen – nicht nur vom Kopf her zu wissen -, wie ich mich gerade fühle. Bin ich traurig, bin ich glücklich, müde oder erschöpft, und dies wirklich zu fühlen.
  2. Verbundenheit mit dem Universum, dem Göttlichen, dem Größeren Ganzen
    Für eine wissenschaftliche Arbeit habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die dafür unterschiedliche Begriffe oder Namen haben. In den monotheistischen Religionen sagt man: Gott, JHWE oder Allah, bei den Indianern sagt man glaube ich „großer Geist“ und für wieder andere ist damit ein universelles Wirkprinzip gemeint, das allem zugrunde liegt.
    Egal wie sie es nennen, die Menschen empfinden eine Verbundenheit mit etwas, das sie übersteigt und das dann bei ihnen den einen oder anderen guten Ein-Fall hervorruft.

Was eine vertikale Achse ergibt, die sich mit der horizontalen Achse im Individuum kreuzt, genauer gesagt: In dessen Herz.

Verbundenheit

Das ist die Essenz der Verbundenheit. Man erzeugt sie am besten, indem man jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Also NICHT indem man während einer Unterhaltung oder bei einem Spaziergang durch den Wald nebenbei noch schnell Emails liest, sondern einfach nur da ist – mit all seinen Sinnen und aus dem Herzen heraus.

Präsent zu sein heißt, jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. So, wie es sich anfühlt, wenn man barfuß am Strand den Sand zwischen den Zehen fühlt, oder das Vogelgezwitscher oder beim Spaziergang den Duft des Waldes wahrnimmt. DAS ist echte Präsenz.

Nicht zuletzt bedeutet das englische Wort present für Präsenz auch Geschenk.

Verbundenheit IST ein Geschenk, zumindest mal für uns selbst. Denn wir verschaffen uns dadurch Momente, die uns in Erinnerung bleiben. Erinnerungen sind es schließlich, die das Leben ausmachen.

Deshalb möchte ich Euch einladen, verbunden zu bleiben – und zwar nicht dem Smartphone sondern so wie auf dem obigen Flipchart.