Vom Schleudergang und der Wäscheleine

3 Dez

Wie in meinem letzten Beitrag geschrieben, ist mein Leben seit ein paar Wochen ziemlich turbulent, seit ich mich mit einem Knoten in der Brust auseinander setzen darf/durfte. Ich wähl(t)e diese Formulierung bewußt und mit Bedacht, denn eine andere mögliche Formulierung „Verdacht auf (Brust-)Krebs“ erzeugt bei vielen in unserer Gesellschaft – und ich habe gemerkt, dass ich mich davon selbst auch nicht ganz freimachen konnte – Bilder und Ängste, denen ich mich selbst nicht noch zusätzlich (über meine eigenen Gedanken hinaus) aussetzen will und wollte.

Was meinen Beschluss vom letzten Beitrag betraf, mich als gesund zu betrachten, so lange man nichts Genaueres wüsste, war das im übrigen einfacher dahergesagt als umgesetzt. Für mich – und das ist natürlich eine sehr subjektive Entscheidung – beinhaltet(e) dies, meine Arbeit so gut es mir möglich ist/war wahrzunehmen, anstatt die Möglichkeit einer Krankschreibung in Erwägung zu ziehen. Meine Motivation war natürlich einerseits, mich durch die Arbeit ein bisschen abzulenken von einem destruktiven Gedanken-Karussell, das mich in ruhigeren Momenten überfiel, und von den Schmerzen, die ich durch die Untersuchungen hatte. Andererseits besagt ja irgendein geistiges Gesetz, dass die Energie der Aufmerksamkeit folgt, deshalb wollte ich meinen geistigen Focus bewusst lieber auf Gesundheit, Heilung, Wohlbefinden und konstruktives Handeln legen sowie vor allem ein „gutes Resultat“ anstatt Krankheit und Panik vorzuprogrammieren (das kam auch schon von alleine in meinen Kopf, und es kostet(e) mich kontinuierliches Dranbleiben, um meinen Focus aktiv auf das Positive zu lenken, das ich gerade meinem Leben vorfinde).

Es gab für mich gute Entscheidungen…

Um mich nicht zusätzlich noch mit den Ängsten und Mustern anderer auseinander zu setzen, wählte ich auch mit Bedacht, wem ich was von meinen Untersuchungen erzählte. Letztendlich waren das nur eine Handvoll Personen, die mir entweder sehr nahe standen oder solche, von denen ich mir in irgendeiner Form sachdienliche Unterstützung versprach (die meisten davon Therapeuten). Das hat für mich übrigens gut funktioniert, denn fast alle dieser Menschen ermutigten mich, ein positives Untersuchungsergebnis in den Focus zu nehmen.

Wenn man das jetzt so liest, könnte man annehmen, ich hätte Verdrängung praktiziert. Bis zu einem gewissen Grad (nämlich dem, der mein Leben seine Struktur behalten liess) stimmt das sicherlich auch. Aber natürlich nahm ich mir (alleine wie auch mit ein paar Therapeuten meines Vertrauens) auch ganz viel Zeit für „innere Arbeit“, Friedens- und Vergebungsrituale. Dazu gehörte für mich auch, alle möglichen und zum Thema passenden Impulse aufzugreifen, die sich zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten zeigten, seien es durch Gespräche, durch Assoziationen zu verschiedenen Themen in Verbindung mit der Diagnose oder einfach so. Was für alter Schotter, Verkrustungen und alte Glaubenssätze da zu Tage kam… anstrengend.

… und Fehlentscheidungen

Genauso anstrengend war übrigens auch meine Entscheidung, die Folge-Untersuchung (Biopsie) noch um 1-1,5 Wochen hinauszuzögern, denn letztendlich würde eben nur diese Untersuchung Klarheit in die eine oder andere Richtung bringen. Mein Vorsatz mit dem positiven Denken war über die Zeit immer schwieriger aufrecht zuerhalten, und meine Gedanken schwankten irgendwo zwischen „Es ist alles gut, das Gerät muss einen Fehler gehabt haben, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ und „Oh nein, will ich doch gar nicht wissen was dabei herauskommt“.
Und blöderweise wartete ich auch ungefähr noch einmal den gleichen Zeitraum, bis ich mich in der Lage sah, ein wie auch immer geartetes Biopsie-Ergebnis hören zu wollen. Das war ein wenig, wie in der Luft zu hängen… Aber das hatte ich ja selbst so entschieden, das Ergebnis wäre viel eher verfügbar gewesen.
Währenddessen hab ich viel Kraft gebraucht, „Wenns-und-Abers“ zu jonglieren oder Schutzmauern gegen Angstgedanken aufrecht zu erhalten, die sich am Ende zum Glück als überflüssig herausstellten; der Tumor ist gutartig. Insofern bin ich nicht sicher, ob ich das in der Form noch einmal so entscheiden würde.

Unabhängig davon ist die Kuh noch nicht vom Eis, denn das „Teil“ ist ja immer noch da. Meine Meinung bzw. mein Bauchgefühl und die Empfehlung zweier Ärzte liegen bezüglich der weiteren Vorgehensweise ziemlich weit auseinander. Vermutlich weil wir grundsätzlich nicht das gleiche Weltbild teilen. Auf weitere Details verzichte ich an der Stelle, denn es könnte der Anschein von Ärzte-Bashing entstehen.
Zum Glück leben wir in einem Land, in dem die Meinungsfreiheit gilt. Gerne lasse ich vorerst meinen Ärzten ihr Weltbild – und genausowenig lass mir derzeit meines nehmen.

Wer recht hat (sofern es so etwas bei Meinungen überhaupt gibt), wird sich im Januar  zeigen, wenn die nächste Untersuchung ansteht…

 

Warum schreibe ich all dies?

Ganz sicher nicht, weil ich der Meinung bin, dass der Weg den ich gewählt habe, der einzig richtige und glücklich machende ist. Vielmehr habe ich mittlerweile die Demut anzuerkennen, dass es sowieso völlig unerheblich ist, was man sich theoretisch vorher überlegt.
Sondern weil ich es für wichtig halte, und jeden gerne dazu ermutigen möchte, in einer bestimmten individuellen, konkreten Aufgabenstellung, mit der Du gerade konfrontiert sein magst (egal ob das jetzt gesundheitliche oder andere persönliche Fragestellungen sind), immer neu und in Abstimmung mit der eigenen inneren Stimme Deine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Denn egal, was andere Menschen Dir sagen, es entspringt deren Erfahrungen und Wahrheiten, die können mit Deinen eigenen übereinstimmen, müssen es aber nicht. Letztendlich ist die einzige Person, die mit den Konsequenzen (D)einer Entscheidung leben musst, DU SELBST. Also, sei ehrlich mit Dir selbst und vertrau Dir. Schaue und prüfe für Dich, welches DEINE Wahrheiten sind, welche Unterstützungs- und Lösungs-möglichkeiten bzw. Therapeuten FÜR DICH passend sind, welchen Menschen DU (Dich an)vertraust und welche Weisheit DEIN Körper und DEINE innere Stimme mit in den Prozess einbringen können. Wenn Du Deine eigene Intuition bislang noch nicht kennengelernt hast: Erlaube Dir, neugierig zu sein und noch Neues über Dich zu entdecken.

Ich wünsche Dir bei Deinen Entscheidungen viel Kraft, ein gutes Händchen und immer die richtigen Berater.
Das wichtigste aber ist m. E.: Schaue immer, welchem Weg Du folgst. Folgst Du der Angst (die Dir jemand macht oder versucht zu machen?) oder dem Gegenteil davon – was auch immer das für Dich sein mag (Freude, Zuversicht, Vertrauen, dem Lebendigen oder … vielleicht hast Du ein anderes Wort dafür).

Einen guten Weg wünscht Dir
Deine Christina Bolte

Meine Pläne, das Leben und ich

11 Sep

Diesen Beitrag hielt ich – so oder so ähnlich – am 09.09.2019 in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Vorfreude ist die schönste Freude, sagt man.
Deswegen bin ich auch kein Freund von Last-Minute-Urlaubsangeboten, denn da hat man ja vorher kaum Zeit, sich vor-zu-freuen.
Als alter Planungs-Junkie finde ich nämlich, je mehr Zeit ich meinen Urlaub planen kann, desto mehr freue ich mich, diese Planung dann auch tatsächlich umzusetzen.

Einer der Urlaube, die ich am ausführlichsten geplant hatte, war meine erste Alpenüberquerung mit dem Fahrrad, die ich zusammen mit meinem damaligen Freund machen wollte. Wir besorgten uns stapelweise Fachliteratur und Landkarten, um die perfekte Route auszuwählen. Landschaftlich schön sollte sie sein, in unseren Zeitplan von einer Woche hineinpassen, Start- und Zielorte sollten gut mit der Bahn zu erreichen sein – und natürlich sollte auch ordentlich Höhenmeter absolviert werden, damit der Urlaubsbericht in der Clique möglichst Eindruck hinterließ.

So recherchierten wir in einschlägigen Webseiten über Packlisten, Hüttenbewertungen und Routenvorschlägen. Aus Hunderten von Routen-vorschlägen stellten wir uns letztlich unsere eigene Route zusammen, Urlaub war eingereicht, die Fahrräder und Rucksäcke waren schon gepackt – und dann kam mein Freund einen Tag vor der Abreise spontan auf die Idee, mit mir Schluss zu machen.
Als Vegetarier sei ich ihm zu „Öko“, war seine Begründung. Na gut, dass der nicht weiss wie ich heute drauf bin, ich wüsste gar nicht, als was er mich jetzt bezeichnen würde…

Nun saß ich also vor den Scherben meiner Urlaubsplanung. Was also tun? Nachdem mir zu Hause alleine die Decke auf den Kopf fallen würde, tat ich also das, was ich schon immer gut konnte: Ich entwickelte einen neuen Plan.

Auf „unsere Route“ hatte ich keine Lust mehr, so kam ich nach einiger Recherche und Überlegungen auf die Idee, eine Alpenüberquerung mal anders herum als alle anderen zu machen, nämlich von Süden nach Norden. Also kaufte ich mir mal wieder alle möglichen Kompass-Karten um die neue Streckenführung auszuplanen, packte meinen kleinen Radtour-Rucksack und warf am nächsten Tag mein Rad in den Kofferraum meines Autos und fuhr los nach Meran.

Wie sich später dann herausstellte, war die Bezeichnung Alpenüberquerung nicht ganz zutreffend. Denn meine Tour ging zuerst nach Süden, nur um dann einen Tag später auf einer anderen Strecke wieder nach Norden und schließlich über das Zillertal nach Österreich zu gehen.

Unterwegs traf ich auf eine geführte Gruppe Italienischer Mountainbiker mit deutschem Guide und ebenfalls deutscher Begleitfahrzeugfahrerin, die in etwa die gleiche Tour geplant hatten wir ich. So schloss ich mich ihnen an – was für mich deutlich unterhaltsamer war, als alleine vor mich hin zu radeln.

Die Verständigung war zwar nicht so einfach, da die Italiener wenig deutsch oder englisch konnten, und ich zwar italienisch leidlich verstehe aber nicht spreche. So war eines meiner ersten Lernerfolge zu verstehen, dass es nichts mit einer Kaffeemaschine zu tun hat, wenn jemand von hinten „la macchina“ ruft, sondern dass es schlicht und einfach auf ein von hinten herannahendes „Auto“ hinweist.

An einem Tag fiel mein Blick dann zufällig auf das Outfit eines der Herren: farblich passend zum grünen Trikot eine grüne Radhose, am Tag zuvor rotes Trikot zu einer roten Radhose und während ich so darüber nachdachte, hatte er davor ein orangefarbenes Trikot zu einer orangefarbenen Radhose an. Ich war schwer beeindruckt – denn, obwohl man Frauen nachsagt, über riesige Kleiderschränke zu verfügen: So viele Radhosen besaß nicht nicht einmal, geschweige denn, dass sie farblich zu meinen Trikots passten oder ich sie in meinem Minimal-Mountainbike-Gepäck dabei hatte…
Das bestand nämlich nur aus einem 30-Liter-Tagesrucksack und zwei Trinkflaschen direkt am Rad dabei. Immerhin war eine der wichtigsten Lektionen meines Vaters gewesen: „Nimm immer nur so viel Gepäck mit, wie Du selbst tragen kannst“. Das habe ich auf Reisen immer beherzigt – so habe ich unterwegs auch noch nie einen Gepäcktransport benötigt.

Am dem Nachmittag, als wir Italien hinter uns ließen und auf der österreichischen Seite einen schönen Trail hinab ins Zillertal rollten, wetteiferten die Italiener in Sachen Coolness und Geschwindigkeit. Allerdings musste ich kurz darauf überrascht feststellen, dass keiner der italienischen Jungs in der Lage war, einen platten Reifen zu wechseln. So saß ich amüsiert an einem See und überlegte, ob ich mich einmischen sollte, während fünf italienische Männer ratlos um ein radloses Mountainbike standen…. bis endlich der Tourguide tatkräftig einschritt.

Während wir am nächsten Morgen beim Aufbruch im Zillertal unsere Mountainbikes aus dem Keller des Hotels holten, trugen wir zwei japanische Gäste ihre Snowboards nach draussen, um auf dem Hintertuxer Gletscher zu trainieren. Ich fragte mich nur, wer von uns wohl gerade die falsche Sportart hatte.
Wie sich dann herausstellte, waren wir das, denn auf dem Weg zur nächsten Hütte fing es tatsächlich zu schneien an.

Nach dem Aufwärmen auf der Hütte trennten sich allerdings unsere Wege, denn während die Jungs hinab ins Inntal und weiter nach Deutschland fuhren, fuhr ich nach Westen in Richtung Brenner weiter, denn ich musste ja noch mein Auto wieder in Meran einsammeln.
An dieser Stelle meiner Reise waren die Kuriositäten, die anders liefen als mein Plan, bei weitem noch nicht zu Ende.

Aber wenn ich ehrlich bin, wäre der Urlaub sterbenslangweilig gewesen, wenn alles immer nur nach Plan gelaufen wäre.
Seitdem weiss ich – wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm Deine Pläne.

Der Schmetterling

12 Mrz

Diesen Beitrag hielt ich am 11.03.2019- so oder so ähnlich – in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Manchmal, wenn ich ganz still und leise im Garten auf einer Bank in der Sonne sitze und die Leichtigkeit des Seins genieße, setzt sich mit sanftem Flügelschlag ein Schmetterling auf meinen Arm. Ich liebe es einfach, wenn die Leichtigkeit des Flügelschlags über meine Haut dahinhaucht.

Dann kommt es mir so vor als wollte er ein Geheimnis mit mir teilen und mich mit seinem sanften Geflatter davon überzeugen, wie einfach das Leben sein kann.

Leider sind diese Momente, in denen ich ganz still bin, extrem selten und mein Schmetterling ist auch nicht immer mein Freund. Im Gegenteil – denn auf der anderen Seite gibt es dann auch diese Momente, wenn der Schmetterling sich mit festem Griff einem Raubvogel gleich auf meinen Nacken stürzt, mein Lebensgefühl beschwert – und mir den Boden unter den Füßen wegzieht.

In so einer Situation ertappte ich mich neulich bei einem neuen Gedanken:
Während ich so spazieren ging, dachte ich: „Es wäre doch jetzt eigentlich ganz praktisch, wenn ich von einem Auto überfahren werde.“

PAUSE – SACKEN LASSEN

Während die Tragweite dieses Gedankens tropfenweise in mein Bewusstsein durchsickerte, begannen gleichzeitig meine Alarmglocken zu schrillen – und ich erkannte: Es ist höchste Zeit, mir Hilfe zu suchen. Denn dieser Gedanke war der Schrei meines Schmetterlings um Hilfe.

Wir alle haben so einen Schmetterling. Dieser Schmetterling, der unser aller Leben beeinflusst und mit Leichtigkeit oder Schwere versieht, sitzt in unserem Hals. Es ist die Schilddrüse.
Kaum jemand kennt dieses kleine unauffällige Organ, und doch übernimmt es so wichtige Funktionen mit so weitreichenden Konsequenzen für unser Wohlbefinden. Die Schilddrüse steuert unseren Stoffwechsel, das Gewicht, das Temperaturempfinden, unsere Stimmung und insgesamt unser Lebensgefühl.

Was wenige wissen ist, das eine Schilddrüsen-Unterfunktion – also wenn die Schilddrüse zu wenige Hormone produziert – ähnliche Symptome verursacht wie eine Depression. Es ist dann alles im Leben so, ob jemand auf der Bremse stehen würde: Der Stoffwechsel arbeitet extrem langsam, Nahrung wird nicht gut verdaut und setzt sich stattdessen auf die Hüften. Man friert sehr leicht und auch sonst ist das Leben eher schwer, gebremst und trübe.

Manchmal verordnen Ärzte aufgrund der Depressions-ähnlichen Beschwerden Antidepressiva. Das nützt nur nichts, wenn die Ursache eine andere ist. Was kann man nun also tun, wenn man – egal aus welchem Grund – das Gefühl hat, in einer hohen dunklen Schlucht zu sitzen und den Ausweg nicht zu sehen?

  1. Such Dir Hilfe – und zwar schnell. Das kann, für eine gute und gründliche Untersuchung nach körperlichen Ursachen, ein Arzt sein, und genauso kann ein vertrauensvolles, ehrliches Gespräch mit einer Person Deines Vertrauens dazu beitragen, dass Deine gefühlte Last nur noch die Hälfte ist.
  2. Umgib Dich mit was Schönem, etwas Buntem – hör eine schöne Musik, eine die Leichtigkeit verströmt oder die Dich aufbaut und
  3. erinnere Dich – an einen Schmetterling.

Denn der Schmetterling erinnert MICH in diesen Momenten noch an etwas anderes: Nämlich, dass der Schmetterling eigentlich ein ganz phantastisches Tierchen ist. In seiner jugendlichen Form ist er nämlich eine Raupe, so ein kleines haariges, am Boden kriechendes Etwas. Und doch wird in der erwachsenen Form etwas so schönes, buntes daraus wie ein Schmetterling. In der Zeit dazwischen, auch Metamorphose genannt, durchläuft er das Stadium als Puppe. In dieser Zeit ist das Tierchen weder Raupe, noch Schmetterling, sondern sprichwörtliche braune, undefinierbare Masse. Und dennoch wird mit der Zeit daraus etwas so Wunderschönes wie ein Schmetterling!

Diesen Gedanken habe ich ganz ganz tief in mir abgespeichert – damit ich mich jedes Mal daran erinnern kann, wenn mich der Greifvogel im Griff hat oder ich mich in Veränderungssituationen fühle wie undefinierbare braune Masse, aus der ich gerade keinen Ausweg weiss und die mich nach unten zieht.

Denn der Schmetterling erinnert mich daran, dass nach der Zeit dieser Veränderung wenn der Schmetterling schlüpft und seine Flügelchen reckt und streckt – dass das Leben weitergeht und mit welcher Schönheit, Anmut und Leichtigkeit er anschließend mit sanftem Flügelschlag durch sein Leben flattert. So  lass Dir von ihm das Geheimnis der Leichtigkeit erzählen.

Als weiterführende Literatur zum Thema Schilddrüse empfehle ich das Buch „Die Schilddrüse: Funktionsstörungen ganzheitlich begegnen„* meiner geschätzten Kollegin Sabine Hauswald.

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In die Steinzeit und zurück

11 Mrz

Diesen Vortrag hielt ich am 12.11.2018 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München. Die Rede fällt unter die Rubrik „Humorvolle Rede“ und ist bitte auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen:

 

Es gibt Dinge im Leben, die sind dem Menschen schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt. Das Denken gehört nicht dazu, das entwickelte sich erst später, bei manchen Menschen sogar auch bis heute noch nicht.
Aber von Anfang an: Stellt Euch vor, wie es damals in der Steinzeit so war. Das primäre Ziel des Lebens war der tägliche Kampf ums Überleben – ok, das ist bei manchen Menschen auch heute noch so.

Um also das Überleben zu sichern – das eigene und das der ganzen Sippe – war das Hauptproblem: Nahrungsbeschaffung. Die hungrige Sippe – oder zumindest ein Teil davon – schlich hungrig durch die Steppe.
Da – ein Mammut!
Die große Frage war nur: War das Mammut auch hungrig – da gab’s dann nur zwei Möglichkeiten: Flucht – oder Kampf! Das war ja damals schon schwierig abzuwägen, vor allem, wenn sich die eine Hälfte der Sippe für das eine und die andere Hälfte für das andere entschied!

Als die Evolution dann später das Denken erfand und der Mensch zum Taktiker wurde, gab es sogar noch eine dritte Möglichkeit neben Flucht oder Kampf – nämlich das Tothetzen, übrigens eine spezifische Fähigkeit des Menschen.
Die hat sich sogar auch noch bis heute gehalten – und das weltweit! Sogar Turniere finden darin alle paar Jahre statt, wenn 22 erwachsene Menschen in Fussballstadien einem armen Ball hinterher hetzen.

Aber zurück in die Steinzeit: Von den Historikern werden ja die Fähigkeit der damaligen Menschen zu jagen so hervorgehoben, vor allem der männlichen Menschen. Wie sehr das Jagen doch zum Überleben der Menschheit beigetragen hat.

Aber so ganz stimmt das mit dem Bild von den Männern als Ernährern nicht. Da braucht man sich nur unser heutiges Hormonsystem anzuschauen, das nämlich auch heute immer noch so tickt wie damals in der Steinzeit. Auch heute noch werden bei Stress, also wenn wir eine Situation als lebensgefährlich einschätzen, diverse Stresshormone ausgeschüttet. Früher gehörte sowohl die Jagd als auch die Flucht vor dem Säbelzahntiger dazu. Ist diese Situation vorbei, stellt man Folgendes fest:
Das Cortisol – also DAS Stresshormon schlechthin, das beim Jagen, Fliehen oder Kämpfen ausgeschüttet wird – benötigt 10-14 Tage, um sich abzubauen. Das heißt im Umkehrschluss, dass der Mensch nur dafür ausgelegt ist, 2-3 Mal im Monat Stress zu haben. Stellt Euch das vor, das schaffen manche Menschen heutzutage schon an einem halben Tag!

In Bezug auf die Steinzeit heißt das, dass damals nur 2-3 Mal im Monat gejagt wurde, denn wenn es anders gewesen wäre, wäre ja unser Hormonsystem heute ganz anders aufgebaut. Also stellt Euch das mal vor – nur 2-3 Mal im Monat ein Festmahl! Da fragt man sich doch glatt: Wie haben das die Menschen nur überlebt? Da hätte doch die Menschheit bis heute längst ausgestorben sein müssen!

Wie gut, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass das Leben für die Menschen trotzdem weiterging. Deshalb wurde noch eine weitere Strategie zur Nahrungssuche erfunden – denn weil das Sammeln oder Ausgraben von Nahrung viel stressfreier war als das Jagen, war es daher nicht nur kontinuierlich möglich, sondern auch viel überlebenssichernder!

Diese neue Aufgabe wurde – wenn man Forschern Glauben schenken möchte – überwiegend von Frauen übernommen, und ein zweckmäßiges Utensil wurde dafür auch bald erfunden: Der Sammelbeutel!
Er wurde nicht nur dafür genutzt, die gefundenen Früchte, Nüsse und Samen zum Lager zu transportieren, sondern auch selten verfügbare Leckerbissen wie Honigwaben oder Heuschrecken oder tote Eidechsen, die in jagdfreien Zeiten die Eiweissversorgung sicherten.
Wusstet ihr übrigens, dass Sammelbeutel auch heute noch eine starke Verbreitung haben?
Hier [Handtasche vorzeigen] ist alles was man braucht um das Überleben zu sichern: Nahrung, was zum Feuer machen, Kommunikationsmittel, Werkzeuge und eventuell noch das eine oder andere kleine Schmuckstück. [zeigen: Müsliriegel, Streichhölzer, Stifte, Telefon, Kamm, Haarspange]

Liebe Männer,
wenn ihr Euch also immer gewundert habt, warum Frauen so riesige Handtaschen haben, jetzt wisst ihr es – um in allen Lebenslagen für das Überleben, das eigene und das der Sippe, sorgen zu können.
Es ist den Frauen schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt.

Liebe Frauen,
wenn ihr Euch also immer gewundert habt, warum Männer sich so gerne in Sportstadien aufhalten, jetzt wisst ihr es – das Gefühl, durch Jagen, Treiben oder Anspornen zur Ernährung und zum Überleben der Menschheit beizutragen,
ist den Männern schon seit Millionen von Jahren in die Wiege gelegt.

Und anstatt sich über die Eigenheiten des oder der anderen lustig zu machen oder sie ihnen gar austreiben zu wollen – wie wäre es, wenn wir das Anderssein anderer einfach wertschätzen um damit auch unser eigenes Leben zu bereichern – wer weiss, in welchen Situationen diese Eigenheiten uns einmal nützlich sein können!

Weihnachten

16 Dez

Dieses Gedicht schrieb ich meiner Großmutter – auf meiner alten Reiseschreibmaschine! – mit 13 zu Weihnachten.
Neulich fand ich es beim Aufräumen wieder, und weil es gerade schon so gut zur Saison passt, möchte ich es gerne mit Euch teilen.

Wenn es Winter werden will,
schneit es leise, langsam, still.
Und die zarten Schneheflocken
fallen wie auf weißen Socken.

Und im Winter, im Advent,
brennen Kerzen – zart, dezent –
verbreiten einen süßen Duft.
Weihnachten liegt in der Luft!

Wenn der Heiligabend naht,
froher, festlicher es ward.
Alle singen Weihnachtslieder;
zum Glück kehrt Weihnacht immer wieder.

In dem hell erleuchtet‘ Raume
an dem großen Weihnachtsbaume
hängten wird den Weihnachtsschmuck,
um zu sagen: „Prima, guck!“

Der Weihnachtsmann verkleidet sich,
bringt viele Gaben, hoffentlich,
Zu unserem großen Gabentische.
Als Festmahl gibt es leckre Fische.

In dem großen Weihnachtstrubel
gibt es ziemlich großen Jubel,
denn der Weihnachtsmann war fleissig,
brachte Gaben an die dreissig!

Ein schöner Tag geht bald zu Ende!
‚S nicht mehr weit zur Tageswende.
Ruhiger wird’s in unsrem Haus,
doch Weihnacht ist noch lang nicht aus.

In diesem Sinne wünsche ich Euch:
Besinnliche Feiertage und nehmt Euch Zeit
für ein kleines Wei(h)n-Achterl.

Alles Liebe
Christina Bolte

 

Photocredits: Shutterstock/523951195 (Lucky Business/Shutterstock.com)

Eine Einladung im Advent

9 Dez

Der heutige Pilgertag LeerLauf für den Kopf stand ganz im Zeichen des Advents.
Der Begriff Advent kommt vom lateinischen advenire und heißt Ankunft. Im christlichen Kontext ist damit natürlich die bevorstehende Geburt Jesu gemeint, auf die wir uns freuen dürfen.
Unabhängig von (m)einer christlichen Einstellung finde ich, dass die Adventszeit eine Einladung an uns alle ist. Eine Einladung an Dich, mich und uns alle, sich zu überlegen, worauf wir – jeder einzelne von uns – sich freut. Das kann etwas vermeintlich Kleines sein, angefangen bei einem warmen Getränk nach einem Stück Spaziergang im Regen oder das kann das Licht einer Kerze am späten Nachmittag sein, wenn es um diese Jahreszeit draussen schon dunkel ist.

Es kann aber auch etwas Größeres sein, wie endlich ein paar freie Ferien- oder Feier-Tage oder ein schöner Urlaub nach einer anstrengenden Phase des Jahres-Endspurt in der Arbeit oder die Aussicht darauf, endlich wieder mit lieben Menschen zusammen einen schönen gemeinsamen Tag zu verbringen, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben.
Genauso kann es aber auch etwas ganz Großes sein, wie die Aussicht darauf, endlich „Heimat zu finden“, sei es die lang ersehnte Arbeitsstelle, die genau zu mir passt,  die Heilung oder Linderung von schwerer Krankheit oder das finden einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten, bei denen ich mich geborgen und angenommen fühlen kann.

 

So magst auch Du Dich an diesem heutigen zweiten Advent eingeladen fühlen, Dir zu überlegen, auf was Bevorstehendes – sei es in Deinem Inneren oder im Außen – Du Dich heute freust.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine schöne verbleibende Adventszeit.
Deine Christina Bolte

Null oder Eins?

12 Aug

Diesen Beitrag hielt ich am 23.07.2018 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

Wer von Ihnen kennt das: Beim Frühstück oder im Urlaub am Firmen-Smartphone noch schnell Emails checken? Am Wochenende mit dem Büro-Laptop von zu Hause aus schon mal die Präsentation für den Montag vorbereiten?

Dank moderner Technologien und flexibler Arbeits(zeit)-Modelle verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend, und das nicht nur für Selbständige, Geschäftsführer oder Führungskräfte, sondern immer mehr auch für „normale“ Angestellte. WLAN ist allgegenwärtig, Menschen sind zunehmend über Soziale Netzwerke miteinander und überhaupt mit der ganzen Welt verbunden.

Dank neuer Technologien ist es möglich, gemeinsam und ortsunabhängig an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Voraussetzung für diese Art von Vernetzung ist die Digitalisierung. Was zahlreiche Vorteile mit sich bringt, hat auch ein paar Facetten, über die es sich lohnt nachzudenken.

In diesem Beitrag möchte ich beleuchten:

  1. Was Digitalisierung überhaupt ist und
  2. welche Auswirkungen sie auf die Arbeitsbedingungen hat.
  3. habe ich 3 Tipps für Sie, wie Sie sich dafür rüsten können.

Weiterlesen

My path of life

15 Jul

Diesen Beitrag hielt ich am 07.07.2018 – so oder so ähnlich – in freier Rede und in Englischer Sprache im Munich English Advanced Toastmasters Club in München:

When I was 16, I spent a year as an exchange student at a US High school, where I encountered the well-known poem by Robert Frost which in parts I still remember today:

The Road less Taken

“Two roads diverged in a yellow wood, …
and I –
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.”

Dear Toastmasters,
I do not know why, but paths and ways have always run through my life like a common thread.

After I finished my high school in Germany, my Curriculum Vitae – the path of my life – seemed very straight forward. I studied industrial engineering at a private dual university of applied sciences, actually the first one of its kind. After my diploma in 1998, I moved to Munich to start my first job in the controlling department of a local car manufacturer.

At that time, I worked hard during the day, and often I partied hard during the night. The rhythm of my life seemed to be “Life is a high way, I wanna ride it all night long” – except that my favorite vehicle was not a car but a mountainbike.

As years passed by, I unconsciously felt something was missing in my life – but I could not say what it was. I travelled a lot in search of that something to fill the void inside me.  I hiked through woods and jungles, I scuba dived the nicest seas, and climbed the mountains … and still had not found what I was looking for.

Accidently – or should I say: by chance – in 2007, I found the Way of St. James. Today I know the way actually found me. At some point on my pilgrimage, I came to that point, when I almost drowned. I almost drowned in a river of tears – my own tears. It was like a broken dam of emotions, setting free the tears I had been holding back for the last ten or more years. I realized that as a woman living and working in a man’s world (engineering and the automotive industry actually IS a man’s world), I had not allowed myself to show or even feel any kinds of emotions.
Of course, it took me some years to find words for all those emotions I had not been able to express in years – like anger, fear, frustration or emptiness. And it also took me years to learn actually to feel these feelings instead of covering them up inside me. But by doing so, I not only reconnected with myself, but I also discovered empathy enabling me to connect with other people around me as well.

Eventually, I subscribed in several educations and trainings as a naturopath and as a stress pilot next to my regular job. This enabled me to accompany people to a healthier, stress-free life.

At that time, I realized staying any longer in my deadhearted, senseless but well-paid job at the car manufacturer would cause me getting severely ill sooner or later. Therefore, I quit.

That was six years ago. Since then, my life has been full of ups and downs and twists and turns. Two of the funniest probably being me studying theology about 20 years after resigning from church as a paying member – and me as a vegetarian since almost 25 years joining MEAT.

But there are even more paths and ways joining the common thread of my life: I recently learned to be a guide for other pilgrims, and I served as a Pathway guide in Toastmasters. Maybe the reason for all of this was the biblical saying I chose as a thirteen-year-old for my confirmation. I had forgotten about it for quite a long time – but recently, it suddenly came to my mind again, because it seemed to fit my life quite well.

I chose Matthew 7, verses 13-14:

13 For wide is the gate and broad is the road that leads to destruction, and many enter through it.
14 But small is the gate and narrow the road that leads to life, and only a few find it.

Whether my life will lead to destruction or to life, remains to be seen. Nevertheless, I do not regret any of the twists or turns. Because every single of them has made me the person I am today.

A small detail I discovered while researching for this speech, is that I remembered Robert Frost’s poem mentioned in the beginning the wrong way. First of all, the title actually quotes “The road NOT Taken” and the tenor is you’ll never find out what happened walking the other path.

For me, this doesn’t matter so much: I prefer to sum up Roberts Frosts poem with the quote of Franz Kafka: Paths are made by walking them. So let’s discover together, where my current paths – MEAT & Developing Leadership – will lead me.

As the pilgrims say: Buen Camino!

Sprachlos

1 Mai

Diesen Beitrag hielt ich am 26.04.2018 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

Als ich klein war, war mein Leben sehr digital. Natürlich war das vor 30 Jahren mit Computern & Smartphones noch nicht so verbreitet wie heute. Aber zumindest was Sprache und Kommunikation betraf, gab es bei uns zu Hause nur 0 oder 1. Was Diskussionen und verschiedene Meinungen anging, gab es nur schwarz oder weiß, richtig und falsch, Friede-Freude-Eierkuchen oder totale Eskalation.

Mein Vater wurde häufig sehr laut, wenn er sich unter Druck gesetzt fühlte. Als Kind machte mir das Angst, so dass ich mich nie traute, meine Meinung zu äußern, vor allem nicht, wenn sie anders war als seine.

In der Schule hasste ich es Aufsätze zu schreiben. Denn für vieles hatte ich einfach keine Worte, und ich war es ja nicht gewohnt, eine eigene Meinung zu haben. Selten hatte ich das Gefühl, genau das ausdrücken zu können was ich fühlte oder dachte. So fühlte ich mich oft unverstanden.

Nicht nur in Bezug auf Arbeit oder Sport fiel es mir schwer, das richtige Maß zwischen „zu viel“ oder „zu wenig“ zu finden, sondern auch im Hinblick auf meine Kommunikation. Entweder wurde ich nicht verstanden, weil ich mich überhaupt nicht traute, meine Meinung zu sagen, oder wenn ich es dann tat, formulierte ich Kritik so weichgespült, dass meine Position nicht klar war – oder ich wartete so lange damit, meine Befindlichkeiten zu äußern, bis diese quasi wie ein Vulkanausbruch aus mir herausquollen, und mein Gegenüber in Schutt und Asche zurück ließen. Was mir also fehlte, waren die Zwischentöne, denn die hatte ich Zeit meines Lebens nie gehört.

Erst im Laufe der Zeit, als ich anfing auch mich selbst besser zu verstehen, lernte ich es, die Zwischentöne wahrzunehmen – meine und die der anderen. Kurze Zeit später begann ich, einen Blog zu schreiben (diesen hier :-)). Ich fand Freude daran, meine Gedanken in Worte, kurze Texte und Gedichte zu verpacken. Ein paar Jahre später habe ich sogar mein erstes Buch veröffentlicht. Ich, die Zeit ihres Lebens Aufsätze schreiben gehasst hatte!

Seit ich vor vier Jahren bei den Toastmastern angefangen habe, fällt es mir zunehmend leichter, Worte für meine Gedanken und Gefühle zu finden und kann diese nun auch immer besser mündlich zum Ausdruck bringen – auch für die Zwischentöne. Nach wie vor arbeite ich daran, diesen zunehmend mehr Klarheit und Präzision zu geben.

Die zahlreichen Gelegenheiten auf der Bühne, v. a. in meinen Ämtern als VP-E und aktuell als Präsidentin, und natürlich v. a. das Feedback, das ich von Euch erhalten habe, haben meine Selbstsicherheit und meinen Mut gesteigert, auch persönliche Dinge von mir preiszugeben.

Ich bin euch sehr dankbar für die Begleitung und eure Unterstützung auf meinem Weg, heraus aus der Sprachlosigkeit in den authentischen Selbstausdruck. Natürlich gibt es auch immer mal wieder noch Situationen, die mich fassungs- und sprachlos machen. Dann heißt es: Zurück auf Los – passend zum neuen Eisbrecher.

Dass ich auf dem Area Wettbewerb vor 4 Wochen den dritten Preis gewonnen habe, hätte ich mir vor vier Jahren nicht träumen lassen. Leider hat es einen Nachteil: es macht süchtig nach mehr. Und so freue ich mich darauf, wenn ihr mich auch weiterhin mit Eurem Feedback unterstützt.

Mein Ziel ist die ganz große Bühne.

Das Kreuz mit dem Kreuz

27 Apr

Seit mittlerweile fast 20 Jahren lebe ich in Bayern – und ich füge hinzu: Lebe ich gerne in Bayern!
Nun sind ja die Bayern bekanntermaßen in vielerlei Hinsicht ein etwas spezielles Völkchen (sofern man vor dem Hintergrund der inner-bayrischen Vielfalt überhaupt von einem Völkchen sprechen kann…).

Dass sich die Freistaatler im Vergleich zu den anderen Bundesländern viel herausnehmen, ist für mich als Zugezogene lange Zeit mehr als gewöhnungsbedürftig gewesen. Nun ja, mit der Zeit gewöhnte ich mich daran und finde es mittlerweile auch manchmal recht sympathisch…

Aber das uns unser neu auserkorener Ministerpräsident Söder nun in staatlich-bayrischen Behörden und Institutionen das Kreuz aufhängen will, geht nun, finde ich, wirklich zu weit!

Nicht nur, dass ich der Meinung bin, dass wir aktuell weitaus wichtigere und dringendere Themen haben, die es zu diskutieren gilt. Auch möchte ich hinterfragen, in wieweit dass öffentliche durch Behörden institutionalisierte Zurschaustellen eines religiösen Symbols überhaupt mit der Religionsfreiheit im Deutschen Grundgesetz vereinbar ist.
Religionsfreiheit bedeutet ja auch, dass ich die Wahl habe, gar keiner Religion anzugehören.

Und so finde ich es doch sehr zweifelhaft, wenn sich jeder Bürger, Einwohner oder Steuerzahler egal welcher Nationalität und Religion bei jedem Behördengang (die sich ja auch im Zeitalter der Digitalisierung leider nicht komplett vermeiden lassen) mit einem religiösen Symbol konfrontiert sieht, dass für ihn oder sie möglicherweise gar keine Bedeutung hat? Von den Mitarbeitenden, die dem täglich ausgesetzt sind, mal ganz abgesehen…

Selbst ich als christlich sozialisiert aufgewachsener Mensch verbinde mit dem Kreuz – vor allem wenn es mir „aufgezwungen“ wird – eher Last & Schmerz auf dem Gang nach Golgatha als ein positiv konnotiertes Gefühl von Heimat und Verwurzelung.
Wie mag es da erst Anders- oder gar nicht Gläubigen gehen, von denen ein nicht unerheblicher Teil ja auch in Bayern geboren und/oder aufgewachsen ist und/oder zur Leistungsfähigkeit Bayerns beiträgt?

Wenn Herr Söder mit dieser Aktion die Wurzeln „unserer“ kulturellen Herkunft stärken will (wer auch immer an dieser Stelle „unser“ ist), sollte er lieber für einen guten Boden sorgen. Einen guten Boden, der voll ist von Nährstoffen, Saft und Kraft für Innovation und Fortschritt – und frei von Parasiten, Schimmel und anderem Ungeziefer (da kann jetzt jeder hineininterpretieren, was er will…). Das Betonen von Unterschieden oder Provozieren Andersgläubiger führt erfahrungsgemäß eher zu Hass und negativer Stimmung als zu einem positiven „Dünger“ für Bayern.
Zugehörigkeit unter einer Bedingung (z. B. einer bestimmten Glaubensgemeinschaft anzugehören) oder Gleichmachen aller Differenzen hat für mich weder etwas mit Heimat noch mit Wurzeln zu tun. Mit Heimat verbinde ich persönlich eher das Gefühl von Freiheit und Angenommen sein in meiner individuellen Einzigartigkeit (und da gehört für mich meine spirituell-religiöse Identität dazu).

Dazu von mir eine persönliche Geschichte:

Neulich war ich am Stand der Erzdiözesen München/Freising und Salzburg auf der Reisemesse f.re.e. „Wie?“, denkst Du jetzt vielleicht, „was hat denn die Kirche mit Tourismus zu tun?“ Dachte ich zunächst auch, als ich das zum ersten Mal gehört hatte, aber diesmal war ich dort wohlgemerkt als Ausstellerin in meiner Funktion als Pilgerbegleiterin, nicht als Besucherin. Wie ich dazu gekommen bin, obwohl ich ironischerweise noch nicht mal zahlendes Mitglied einer Kirche bin, geschweige denn, dass ich katholisch wäre, ist sicherlich eine längere Geschichte, die irgendwann 2007 auf meinem ersten Jakobsweg begann.
Was mir an dem Stand jedenfalls gut gefiel, waren diese kleinen Holzkreuze, die man sich mitnehmen konnte und an einem Lederband um den Hals tragen kann.

Plus statt Kreuz

Lieber „Plus“ statt „Kreuz“…

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ja, wie wäre es denn, wenn den Menschen (nicht nur in Bayern) das Christentum oder der Glauben nicht als „Pflicht“, „schwer“, „Zwang“ oder „Last“ auferlegt würde – und als solches kommt es mir vor, wenn ich mit Kreuzen in öffentlichen Gebäuden nicht beglückt, sondern erdrückt werde?
Wäre nicht ein Weg viel sinnvoller, der uns die Wahlfreiheit lässt? Ein Weg, der die Leichtigkeit betont oder ein Weg, der für alle, die es wollen, den Mehrwert eines (christlichen) Glaubensbekenntnisses hervorhebt?

Ich für meinen Teil bin froh, in einem Land (Deutschland) und in einer Zeit (21. Jahrhundert) zu leben, der mir die Freiheit gewährleistet, das zu glauben, wovon ich überzeugt bin und nicht den Überzeugungen meiner Landesfürsten folgen zu müssen. Ob die von der Presse betitelten „Kreuzzüge“ des Herrn Söder ein Schritt in die richtige Richtung sind, wird sich zeigen – immerhin hat bereits das 2. Vatikanische Konzil vor über 50 Jahren erkannt, dass auch in anderen Religionen Wahres und Heiliges ist…

Was ist für Sie, lieber Leser, Wahr und Heilig? Was ist Ihr persönlicher Mehrwert, den Sie mit Heimat, Tradition oder Religion verbinden?
Ich freue mich auf Ihre Kommentare.

Ihre Christina Bolte

PS: Ob Herr Söder sich der Doppelsinnigkeit dieser Entscheidung – „seiner“ Bevölkerung ein Kreuz aufzuerlegen – überhaupt bewußt ist? Immerhin möchte er ja im Herbst ein paar Kreuze zurück haben. Nun denn – falls die Wählerinnen und Wähler ihm keine geben sollten, hängen dann ja noch genügend in den Behörden herum…