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Ver-Wicklung, Ent-Wicklung, Wirken

28 Dez

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole (denn es ist mir bewusst, dass meine Beiträge schon öfters so angefangen haben) – ich komme gerade von einer Veranstaltung zurück…
Diesmal ging es zum kommunikativen Kennenlernen darum, dass jeder sein persönliches Jahres-Resümée in Form eines Wollfadens an den eines anderen Teilnehmers binden sollte. Die so aneinandergereihten „Einzelfäden“ und -geschichten wurden so zu einem – zwar recht inhomo- genen aber doch recht einzigartigen und bunten – „Gesamtfaden“ aufgereiht und noch während des Erzählens zu einem großen Knäuel aufgewickelt.

Ich fand dieses Bild sehr inspirierend, denn ähnelt nicht auch unser Leben einem „roten Faden“, der im Laufe unseres Lebens mit dem vieler anderen Menschen verstrickt, verspinnt oder verwebt? Manchmal entstehen so (im übertragenen Sinne) echte Kunstwerke aus der Verbindung dieser Lebensgeschichten: Ein bunter Teppich, ein tragfähiges Netz oder ein schönes wärmendes Kleidungsstück…

Ver-wicklungen
Häufig ist es jedoch in unserem Leben auch so, dass der eigene Lebens-Faden anstatt zu einem geordneten Gesamtbild eher wie „schief gewickelt“ anfühlt. Erlebnisse aus frühester Kindheit, Erziehung durch die Eltern oder die Prägung durch Schulsystem, Lehrern oder der Gesell-schaft (wer auch immer das ist) sowie der Kontakt mit Geschwistern, Freunden oder sonstigen uns nahestehenden Menschen tragen – bewusst oder unbewusst – dazu bei, dass die eigene, persönliche Lebensgeschichte geformt wird. Aber mitunter eben auch dazu, dass sich das eigene Lebens-Wollknäuel zu einem großen chaotischen Wollhaufen verknuddelt.

Häufig geht das sogar auch eine ganze Weile lang gut, weil man persönlich der Meinung ist, noch den Überblick zu haben, oder das Lebens-Geknuddel sogar als „Kunstwerk“ wahrnimmt. Tatsächlich führt das aber dazu, dass irgendwann von unserem eigentlichen Kern, unserer Mitte, gar nichts mehr zu erkennen ist. Schlimmstenfalls fühlen wir uns darin wie einge-schnürt, festgezurrt oder wie verknotet. Eine ziemlich ver-wickelte Situation also.

Wenn die fremden Verstrickungen und Verwicklungen zunehmen und das Leben mehr und mehr Zug auf uns und unser Lebens-Knäuel ausübt (was wir häufig als „unter Druck stehen“ wahrnehmen), kann es passieren, dass uns die eigene Gesundheit (bzw. deren plötzlicher Verlust), „die Umstände“ oder ein scheinbar plötzlicher Schicksalsschlag dazu zwingen, im Wortsinne zum „Entwickler“ zu werden. Dann geht es darum, sich in dem ganzen Kuddel-muddel auf die Suche nach dem eigenen „roten Lebensfaden“ zu machen, der unser wahres Ich ist, Ordnung ins Chaos zu bringen und so den blockierenden „Knoten“ zu lösen.

Ent-wicklungen
Die radikale Methode, um dies zu tun, ist sicherlich, wahllos mit einer Schere (wahlweise einem Messer o.ä.) wild um sich zu fuchteln und alles zu durchtrennen, was einem in die Quere kommt. Das funktioniert gut, ist sicherlich auch effizient, hinterlässt aber mitunter ein ziemliches Fussel-Gemetzel. Und birgt darüber hinaus auch die Gefahr, dass auch unser eigentlicher Faden dabei durchtrennt wird – und dann hängt man (wenn überhaupt noch) nur noch am seidenen Faden oder ziemlich in der Luft.

Eine sanftere aber definitiv mühsamere und zeitaufwendigere Methode ist es, sich sein verwickeltes Lebens-Geknäuel Knoten für Knoten, Faden für Faden zu ent-wickeln: Die verschiedenen Stränge müssen sortiert, die Knoten gelöst, die losen Enden sorgfältig auf- gewickelt und eventell auch manches unbrauchbare oder nicht mehr benötigte Stück ent-sorgt werden. So nähert man sich Schritt für Schritt dem Urzustand, dem individuellen Selbst – den Lebensfaden, den man persönlich nach seinem eigenen Gusto gestalten kann: Aufwickeln, damit Weben, Stricken, Basteln, was auch immer Ihnen gefällt.
Klingt lästig, dient aber – ausser der äußeren „Ordnung“ auch der inneren – und genau die innere Ordnung ist es, die Leib und Seele gesund werden lässt.

Die „stade Zeit“ zwischen Weihnachten und Silvester sind aufgrund der langen und dunklen Nächte wie ich finde immer eine gute Gelegenheit, sich das eigene Lebens-Knäuel einmal anzusehen:
– Gefällt Ihnen das Kunstwerk, was Sie sehen?
– Haben Sie noch den Überblick, wessen Fäden darin noch ver-wickelt oder ver-woben sind?
– In welchem Zustand sind die einzigen Fäden – noch tragfähig oder eher verschlissen?
– Fühlen Sie sich in Ihrem Lebens-Knäuel eher eingeengt oder eher getragen?
– Erkennen Sie Fäden oder Enden, die Sie getrost (aber gezielt) durchtrennen können, weil sie ohnehin schon zerschlissen sind? Dann tun sie’s!  Tun Sie sie weg – ohne großes Drama und ohne schlechtes Gewissen.
– Finden Sie Fäden, die Ihnen eh noch nie gefallen haben oder mittlerweile einfach nicht mehr Ihrem Geschmack entsprechen? Sortieren Sie sie heraus, trennen Sie sie ab. Wenn Sie den Mut oder die Konsequenz haben, sie den „Ursprungs-Knäulen“ zurück zu geben, machen Sie’s, ansonsten legen Sie sie zur späteren Entscheidung irgendwo ab.
– Entdecken Sie Fäden, die zwar noch in guten Zustand sind, mit denen Sie aber nur gerade zum jetzigen Zeitpunkt nichts anfangen können? Wickeln Sie die Enden sorgfältig auf und legen Sie sie beiseite – wer weiss was sich später einmal Schönes daraus machen lässt!

Nun dürfte das Chaos-Knäuel schon deutlich kleiner geworden sein, und vermutlich können Sie Ihren eigenen roten Faden schon recht gut erkennen – meinen Glückwunsch! Sollten noch ein paar alte Fadenreste daran hängen, so ist das kein Problem, denn die machen das ganze bunter – und immerhin hatten die Fäden ja auch mal eine wichtige Bedeutung im Leben. Also, freuen Sie sich darüber und wickeln Sie den frisch sortierten Lebensfaden am besten gleich zu einem schönen ordentlichen Wollknäuel auf.

Wirken
Wozu Sie diesen verwenden möchten, ob Sie damit etwas stricken, häkeln, knüpfen, weben oder basteln möchten, oder ob Sie ihn einfach so weiterspinnen möchten, um die bestmögliche Wirk-ung zu erzielen – das bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen.
Aber bevor Sie das tun, spendieren Sie doch am besten noch gleich ein wenig mehr Zeit und Gedanken darauf, was Sie mit Ihrem weiteren Leben(sfaden) anfangen möchten. Auch dazu bieten die Tage und Abende bis zu den Heiligen Drei Königen genügend Gelegenheit. Denn so lassen sich für die Zukunft weitere Verstrickungen und Ver-wicklungen  vermeiden und somit bleibt viel mehr Zeit und Energie um Wirken zu können.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen für Ihre Ent-Wicklungen – und stehe Ihnen dabei natürlich auch mit Rat und Tat oder im Rahmen einer Kurs-Veränderung zur Verfügung.

Kommen Sie gut und vor allem gesund ins neue Jahr 2014 – möge es Ihnen Zufriedenheit, Glück und gute Ent-Wicklungsmöglichkeiten bieten!

     Herzlichst, Ihre Christina Bolte

Das Leben – ein Labyrinth?

23 Jan

Anlässlich eines Wochenend-Seminars hatte ich vor ein paar Monaten nach mindestens 20 Jahren mal wieder die Gelegenheit, mich in ein Labyrinth zu begeben. Wenn auch nur mit einem (roten) Stift auf einem Blatt Papier.

 Dafür war es aber nicht eines von diesen Irrgärten mit Sackgassen oder so, wie die aus den Rätsel-Seiten in irgendwelchen Zeitschriften, sondern ein richtiges: Ein Labyrinth mit einem klaren, kreuzungsfreien Weg, der in die Mitte führt.

In die Mitte kommen – man sollte ja nicht denken, dass das so schwierig ist. Ist es auch nicht, aber auf jeden Fall philosophisch:

Am Anfang ist es am schwierigsten den Eingang zu „finden“. Später ist es dann einfacher dem Weg zu folgen, denn da gibt es links und rechts die Linien, die einem wie Leitplanken den Weg weisen, wenn man quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht…

Irgendwann wird es fast schon ein wenig langweilig: „Irgendwann muss doch der Weg mal zu Ende sein!“, und am Schluss, kurz vor dem Ziel bleibt ein klarer, kräftiger, fast schon geradliniger Weg.

Aber es ist eines, ein Labyrinth auf dem Papier zu beschreiben. Es ist aber etwas völlig anderes, und etwas viel Bewegenderes, das Labyrinth tatsächlich auch „zu begehen“. Dazu hatte ich gerade kürzlich die Gelegenheit.
Denn nur durch das Begehen kann man seinen eigentlichen Sinn auch wirklich er-Leben.

Denn ähnelt ein Labyrinth mit seinen Irrungen und Wirrungen nicht auch  irgendwie dem Leben?

Mal gibt es sehr enge Kurven und die Wendepunkte kommen schnell hintereinander, wo ich sehr achtsam sein muss um nicht aus meinem Takt zu kommen. Und mal gehe ich in großen langen Bögen, wo ich auch mal Zeit habe, ein wenig meine Gedanken treiben zu lassen.

Überhaupt, die Wendepunkte: Manchmal laufe ich gegen eine „Wand“, stoße an sie an, und muss zwangsläufig meine Richtung verändern, d. h. umdrehen, umdenken oder um-kehren.

Später dann die Erkenntnis, dass es anders als es mir scheint, dass mich die Wände nicht von meinem Ziel trennen, sondern mich hinführen – hin zum Ziel. Und doch komme ich weiter voran. Schritt für Schritt. Das macht es spannend – und überhaupt nicht langweilig.

Das Leben und die Mitte finden – meine eigene und die des Lebens – ist gar nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Zuerst hinein in die Mitte, und später wieder hinaus. Auch da ähneln sich das Labyrinth und das Leben.

Langsam und bedächtig gehe ich weiter. Und immer wenn ich denke, dass ich das Ziel schon direkt vor mir habe, ist es doch noch nicht so weit. Interessant ist, dass sich auch mein Blickwinkel auf das Ziel bei jedem Schritt verändert, und doch bleibt es (das Ziel) unverändert bestehen.

 Ist es denn eigentlich besser, mit meinem Blick lieber auf dem Weg zu bleiben – mit dem Risiko, mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen und die schönen Augen-Blicke am Weg zu verpassen ? Oder bleibe ich mit meinem Blick auf dem Ziel – mit dem Risiko, vom Weg abzukommen und eine Extrarunde zu drehen? Wobei jeder Umweg natürlich auch neue Einblicke gewährleistet… 

Klar ist: Es gibt keine Abkürzungen, jedenfalls nicht ohne über irgendwelche Linien oder Mauern zu steigen oder Gefahr zu laufen, am Ende wieder in die falsche Richtung zu gehen. Und vor allem nicht ohne die Gefahr, ein paar wunder-volle Augen-Blicke zu verpassen.

In der Mitte angekommen, darf ich sie dann auch ruhig mal ein Weilchen genießen. Und gern auch mal im Mittelpunkt stehen. Das Ziel umarmen, es festhalten, mich daran anlehnen oder mich auch darin hinein entspannen. Und aushalten – wie die Stille und die leeren Stellen zwischen den Worten. Vielleicht stelle ich dann auch manchmal fest, dass das Ziel doch auch gar nicht sooo perfekt ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, oder wie es mir aus der Entfernung schien.

 Wie dem auch sei: Dann heißt es Abschied nehmen von der Mitte, sie wieder verlassen. Es ist ein tolles Gefühl, gestärkt und motiviert durch die Begegnung in und mit der eigenen Mitte den Weg zurück zu finden. Der Weg zurück ist der Weg zu neuem Leben, heißt es. Fast schon wie auf dem Jakobsweg…

 (PS: Wenn Sie sich auch einmal die Gelegenheit für einen meditativen Spaziergang durch ein Labyrinth gönnen möchten, schauen Sie doch mal unter: http://www.begehbare-labyrinthe.de/index.html?begehbar.htm)