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Winter-Ge(h)danken

22 Jan KristallBeeren

Heute sind wir im Rahmen des Pilgertages „LeerLauf für den Kopf“ wieder ein wenig auf dem Jakobsweg gepilgert. Gerne möchte ich ein paar Ge(h)danken und Eindrücke mit Euch teilen:

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WinterWald

 

Trotz dunstig-frischer Kälte
blauer Himmel und Sonnenschein.
Der weiße Winter-Wald
hebt sich farblich davon ab.

frostversponnen

frostversponnen

Gefrorene Spinnweben
benetzen den Christus am Wegkreuz.
Trotz allem –
es fließt der Fluss unbeirrt.

 

Eiskristallwelten

Schneeflockenkristalle

Neben uns auf dem Feld
die Spuren eines Hasen –
und von jemandem,
der am Wegrand lang-gelaufen ist.

Schneeflockenkristalle,
Frostbeeren an den Büschen,
Eiskristallblätter an Zweigen und Gräsern
Eis-Stalagmiten am Wasserfall.

Wasserfall

Eisstalagmiten

 

 

Rote Nasen, kalte Finger,
so kalt, dass Worte und Gedanken einfrieren.
Außer dem Knirschen der Schritte –
Um uns und in uns: Nur — STILLE.

(c) Bilder aus eigenem Bestand

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Video

Metamorphose – Veränderung

17 Aug
Die Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling – wie sie sehr schön in diesem Video von Terra X zu sehen ist – erklärt wie ich finde wunderbar, warum uns Transformation so schwer fällt.
Was wir für uns daraus ableiten können, ist:
1. Es braucht Geduld und Vertrauen – um die Phase zu überbrücken, in der „das Alte“ (die Raupe) nicht mehr passt und „das Neue“ (der Schmetterling) noch nicht seine Form gefunden hat, ja diese teilweise sogar noch nicht mal erkennbar ist.
2. Rückzug und Kraftschöpfen (in jeglicher Hinsicht) sind dabei ein guter Weg.
Viel Spass bei Eurer persönlichen Veränderung – auf dass Euch bald die Flügelchen trocken sind und ihr mit Leichtigkeit Eure neue Lebensphase genießt.

Ackern wir uns zu Tode?

9 Aug

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 08.08.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Karōshi.

Karōshi ist japanisch und bedeutet Tod durch Überarbeiten. Also einen plötzlichen berufsbezogenen Tod. Die Todesursache ist dabei meist ein durch Stress ausgelöster Herzinfarkt oder Schlaganfall. In Japan trat das Phänomen bereits in den 1970ern auf, wo Arbeitnehmer über Jahre hinweg sechs bis sieben Tage pro Woche mehr als zwölf Stunden täglich arbeiteten.

Aber auch in Deutschland machten vor einigen Jahren ähnliche Schlagzahlen in Deutschland die Runde: Arbeiten bis zum sprichwörtlichen Umfallen – immer mehr Menschen brechen heutzutage stressgeplagt bei der Arbeit schwer erkrankt zusammen – und scheiden nicht selten nach Burnout, Schlaganfall oder Herzinfarkt komplett aus dem Berufsleben aus.

Ackern wir uns zu Tode? Ich sage: Nein.

Denn seit 3 Jahren haben wir uns ein Stück Ackerfurche gepachtet, daher bin ich der Meinung wir ackern nicht viel genug!
Im Gegenteil, seitdem bin ich der Meinung, dass das Betreiben von Ackerbau oder zumindest einer kleinen Acker-Parzelle oder eines kleinen Gartens Stress reduziert und so vor dem Umfallen bei der Arbeit schützt:

Somit möchte ich Euch 3 Gründe nahelegen, warum m. E. jeder Ackerbau betreiben sollte:

  • Es ist gesund. Insbesondere Menschen, die sonst viel Zeit vor dem Computer sitzen und vor allem solche, die nicht ganz so sportlich sind, haben dadurch die Möglichkeit, Zeit an der frischen Luft zu verbringen und sich auf einfache Weise körperlich zu betätigen.
  • Egal, mit was für hochgeistigen Projekten und Ideen wir uns in unserer Arbeit beschäftigen, die Hände in der Erde zu haben, Unkraut zu jäten oder Saatgut bzw. Setzlinge zu Pflanzen verbindet uns mit dem Boden der Tatsachen. Es erdet ungemein.
    Wenn ich auf unserem Acker stehe und sehe, wie viele vor mir liegende Meter Acker noch umgegraben, Unkraut gezupft oder bepflanzt werden soll, geht es mir immer so wie dem Straßenkehrer Beppo in Michael Endes Buch „Momo“:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist schrecklich lang, das kann man niemals schaffen.
Aber man darf niemals die ganze Straße auf einmal denken.
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich.
Auf einmal merkt man, dass man die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie, und man ist gar nicht außer Puste.“

So gesehen, finde ich, hat Ackern etwas Meditatives!

  • Es erhöht die Wert-Schätzung gegenüber unserer Nahrung.
    Das selbst angebaute Gemüse zu essen, macht mich stolz. Außerdem schmeckt es viel besser als gekauftes. Wenn ich im Laufe von Wochen und Monaten sehe, wie viel Arbeit nötig ist, um 5 Karotten zu ernten, auch wenn die Arbeit noch so viel Freude macht, kommt mir immer wieder der Gedanke in den Sinn, unter welchen Bedingungen wohl die Karotten aufgewachsen sind, die man für 79 Cent das Kilo im Supermarkt kaufen kann.

Vermutlich denkt sich jetzt der eine oder andere von Euch: „Ich wohne hier in der Stadt, wie soll ich mir da ein Stück Acker leisten können bei den Bodenpreisen“ – oder: „Schrebergärten sind mir zu spießig.“

Auch in der Stadt gibt es verschiedene Möglichkeiten oder Initiativen, die dabei helfen, sich ein Stück Acker zu mieten und Gemüse anzubauen:

  1. Krautgärten – eine Initiative der Stadt München, gibt es in vielen verschiedenen Stadteilen
  2. ÖBZ (Ökologisches Bildungszentrum) in Daglfing
  3. O’Pflanzt is-Gemeinschaftsgärten – eine Privatinitiative in Schwabing/Neuhausen

So möchte ich abschließen mit einem Zitat des  indischen Dichters und Philosophen Rabindranath Tagore (1861 – 1941):

„Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen durch den Garten.“

Also, worauf wartet ihr noch?

Merk- und Denkwürdiges unterwegs

28 Apr

Am letzten Sonntag war wieder ein Pilgertag „LeerLauf für den Kopf“. So gingen wir von Schäftlarn nach Starnberg, wo uns – natürlich neben vielen schönen Dingen – auch einige Denk- und Merkwürdigkeiten begegeten. Wobei die Tatsache , dass es Ende April urplötzlich wieder angefangen hatte zu schneien, nachdem es quasi den ganzen Winter keinen Schnee gegeben hatte, an sich schon merkwürdig genug war.

Zum Beispiel fragten wir uns, wo derjenige, der sonst hier ist, wohl hingegangen war. Leider trafen wir niemanden an, um zu fragen …

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Außerdem bewunderten wir die „Fifty Shades of Green“…

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…und fragten uns, ob die Fledermäuse dies wohl lesen können…
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Und wir freuten uns mit den Schnecken, dass diese ihr Zuhause immer mit dabei haben!

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Möge es Ihnen gehen wie der Schnecke – und seien Sie bei sich zu Hause.
Oder anders: Seien Sie immer bei sich zu Hause!

 

Eine schöne Zeit wünscht Ihnen

Christina Bolte

Explosion!

12 Apr

In der letzten Woche hat es bei uns in der Nachbarschaft eine Explosion gegeben. Zuerst hatte ich es gar nicht so recht mitbekommen, weil ich ja tagsüber im Büro bin (das nicht bei mir im Haus ist).
Aber als ich dann am Samstag mittag aus dem Fenster schaute, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Irgendwas war anders. Tatsächlich musste ich einen Moment überlegen, bis es mir auffiel.

Draussen herrschte eine wahre Farb-Explosion! Ganz besonders beeindruckend finde ich derzeit das strahlende Gelb der Forsythien, welches im starken Kontrast zum leuchtenden Weiß der Apfelbäume und dem zarten Rosa der Kirsch- oder auch Pflaumenbäume, aber auch dem der Magnolien steht. Vor allem, weil von dieser ja auch noch dieser wunderbare, betörende Duft ausgeht.

Und so machten wir am Wochenende eine kleine Radtour an der Amper entlang. Wie bin ich froh, dass nun das triste Matsch-Grau des Winters weichen musste – auch die ersten Bäume kleiden sich in ein zartes Grün. Wenn wir Glück hatten, wurde das ganze von einem strahlend blauen Himmel gekrönt.

Zwar war die Idylle an der einen oder anderen Stelle stark unterbrochen vom strengen Duft des Bärlauchs – aber hey: Bärlauch ist ein tolles Heilkraut, dazu essbar und mega-gesund. Was kann mich der also stören?

Und so möchte ich Sie, liebe Leserin und lieber Leser, einladen auch in Ihrer Umgebung zu schauen, ob es bei Ihnen eine ähnlich Explosion gegeben hat. Nehmen Sie sie mit allen Sinnen war: die Farbpracht mit den Augen, den Duft mit der Nase und nicht zu vergessen die Wärme der Sonnenstrahlen mit der Haut und das Zwitschern der Vögel mit den Ohren.

Prägen Sie sich die Eindrücke aller Sinne ein, damit Sie am nächsten Regentag (der April macht ja was er will…) davon zehren können.

Und vielleicht haben Sie ja auch ein ganz persönliches Projekt oder eine schöne Idee, die nun, im Frühling, das Licht der Welt erblicken und erstrahlen darf.

Ich freue mich über Ihre persönlichen Frühjahrs-Knospen!

Herzlich, Ihre Christina Bolte

Neujahrsgedanken 2016

1 Jan

Das Jahr begann –
wie immer um diese Zeit –
mit großem Hallo und Geräusch.

Doch nun um halb 10
ist der Rausch vorbei,
und es herrscht neblige Stille.

Wie schön diese Ruhe –
fast schon ein Idyll.
Der Nebel hängt noch in der Luft.

Wie ein Schleier bedeckt er
das noch junge Jahr.
Und so bin ich freudig-gespannt,
was wohl darunter liegen mag.

Ich wünsche mir – und Dir! –
dass es im Gepäck haben möge
Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit –
und tolle Begleiter für all Deine Wege.

Und doch liegt es einem jeden von uns in der Hand
das Jahr nach Geschmack zu gestalten.
Die Ziele zu planen, die Wege zu gehn
damit nicht das Jahr verrinnt wie Sand.

Hab Neugier und Begeist’rung
im Gepäck immer dabei.
Mach das Beste, sei Gestalter –
das Wünsche ich Dir.

 

Gerne begleite ich Sie/Dich ein Stück Ihres/Deines Weges!

Herzlich, Christina Bolte

Herbst-Gedanken

25 Okt

Wenn ich dieser Tage so aus meinem Fenster sehe, freue ich mich über eine wahre Farbenpracht: Rotes Weinlaub, leuchtend orangefarbene Ahornblätter – und heute auch noch strahlend blauen Himmel und Sonnenschein. An jeder Ecke (zumindest wenn man etwas auf dem Land wohnt) stehen Verkaufsstände mit ebenfalls leuchtenden Kürbissen. Erntezeit.

Auch auf unserem Ackerstück (siehe auch hier) – denn Ende Oktober ist immer Saisonabschluss. So machte ich mich heute auf den Weg, um noch die letzte Ernte einzufahren (wobei wir dieses Jahr wirklich reichlich belohnt worden waren, Hauptsächlich allerdings mit Zucchini…).
Und wo fuhr ich mit zwei großen Kisten an Ernte heim: große Mengen an grünem und rotem Mangold, Petersilie, Kapuzinerkresse und zwei kleine Kürbisschen (die wohl der zwischenzeitliche Fast-Frost vom Wachsen abgehalten hatte).

Trotzdem, dass ich mich eigentlich über die Ernte hätte freuen sollen, wurde ich auf dem Heimweg ein wenig wehmütig. Denn trotz der Farbenpracht ist der Herbst ja eigentlich die Jahreszeit des „Loslassens“: Von den langen, hellen Tagen haben wir uns schon vor Monaten verabschieden müssen, von den sommerlichen Temperaturen auch schon vor einer ganzen Weile, die Bäume müssen ihr Laub loslassen und stehen dann schon bald wieder ganz kahl da, was ich immer irgendwie etwas trostlos finde. Nicht zuletzt ist bald (nächste Woche) auch noch Allerheiligen, was nun auch mit Loslassen, Tod, Abschied nehmen zu tun hat.

Und so musste ich daran denken, dass auch in meinem Leben gerade zwei Episoden zu Ende gehen: Auf der einen Seite mein Büroraum, der mich durch die letzten zwei Jahre begleitet hat. Aus verschiedenen Gründen hat es sich so ergeben, dass unsere gemeinsame Zeit abgelaufen scheint. Was natürlich immer mit aufräumen, aussortieren und loslassen verbunden ist (zumindest nutze ich die Gelegenheit dazu…). Meistens wird unterschätzt, wie kraftraubend solche Loslass-Prozesse sind, da bin ich gefragt, gut für mich zu sorgen und zu schauen, was mir gut tut.
Und auf der anderen Seite ist da mein Studium, das mich die letzten fast drei Jahre sehr bereichert hat, welches demnächst seinen Abschluss findet – mit all den netten, tiefsinnigen Menschen, mit denen ich diese Zeit geteilt habe. Abschied nehmen ist da gleich doppelt anstrengend…

„Auf jedes Ende folgt wieder ein Anfang, auf jedes Äußerste folgt eine Wiederkehr“,
wusste schon Lü Bu We vor etlichen Hundert Jahren.[i]

In solchen Situationen des (vermeintlichen) Endes und des Abschiednehmens muss ich immer an meine letzten Tage auf dem Jakobsweg denken: Was mich damals mit Schmerz und Wehmut erfasste, erwies sich im Nachhinein als ein Wendepunkt in meinem Leben.

Was das betrifft, ist die Natur uns ein wundervolles Vorbild: Auf dem Humus dessen, was die Natur im Herbst verwirft und loslässt oder was (ab)stirbt und im Sinne des Wortes zu-grunde-geht, entsteht in der Stille des Winter und danach ein fruchtbarer Grund und Nährboden für Neues – neues Wachstum, neues Leben, neue Projekte. Transformation bedeutet Stirb und Werde: Altes loslassen, damit Neues entstehen. Dazwischen braucht es Rückzug, die Kraft der Stille und des Augenblicks. Präsent sein – und sich der eigenen Essenz gewahr werden.

Nutzen wir die herannahende Zeit des Winters – für uns um Ruhe zu finden, loszulassen, Kraft zu schöpfen – damit neue Projekte und Ideen auf der Grundlage unserer Essenz entstehen können.

Aber erstmal wünsche ich Ihnen: Fröhliches Ernten!

Ihre Christina Bolte

[i] Frühling und Herbst des Lü Bu We, S. 56

Erntedank

4 Okt

Neulich war ich bei meiner „Schwiegerfamilie“ im Pongau (Österreich), wo an dem Tag bereits Erntedank gefeiert wurde. Obwohl ich das Erntedankfest bereits aus meiner Kindheit kenne, hatte ich bisher immer die Assoziation, dass es sich eher um ein Fest für die Landbevölkerung handelt – oder für die Kirchgänger. Wobei ich mich eigentlich keiner der beiden Gruppen wirklich zugehörig fühl(t)e.

Aber nachdem wir ja nun in diesem Jahr ebenfalls unter die „Ackerbauern“ gegangen sind, habe ich erstmals ganz andere Gedanken dazu – vor allem, weil wir auf unserer Ackerfurche ja eigentlich schon seit Wochen regelmäßig Gemüse (vor allem Zucchini) ernten. Und so machte ich mir eben ein paar Gedanken darüber, was ich bereits alles in diesem Jahr ernten konnte.

Zunächst einmal war da auch so manche „Ernte“, die mir mit relativ wenig Aufwand zugefallen ist. Der Kürbis und die Petersilienwurzel von unseren Feldnachbarn beispielsweise, wo ich einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Praktisch, oder? Aber auch so das eine oder andere, was unerwartet mein Geschäft belebte. Für solche „Zu-Fälle“ im Sinne des Wortes bin ich natürlich besonders dankbar.

Außerdem gibt es dann natürlich noch all die sicht- und essbaren Ergebnisse, an denen ich sehe, dass sich mein Engagement letztlich gelohnt hat: die Zucchini, die Karotten, Bohnen und auch der Mangold. Aber auch im beruflichen Bereich freue ich mich nun über das eine oder andere Projekt, in dessen Vorbereitung und Akquise ich viel Zeit, Geld & Herzblut investiert habe.
Als Unternehmer denkt da man natürlich eher: „Das ist doch kein Wunder, so viel Arbeit wie ich in dieses Projekt hineingesteckt habe, das musste ja erfolgreich werden!“

Dennoch ist meiner Meinung nach eine üppige Ernte aber eben nur zum Teil Resultat & Erfolg des eigenen Handelns, sondern zum Teil auch eine Verkettung günstiger Umstände, das heißt eigenes Handeln PLUS (göttlicher) Fügung.

So zum Beispiel sind weder meine Küchenkräuter noch meine Radieschen etwas geworden – und das, obwohl ich regelmäßig gegossen und Unkraut gejätet habe. Ob es dem späten Bodenfrost im Mai oder der Hitzeperiode im Juni geschuldet war, ist letztendlich im Endergebnis auch egal. Tja, und so ähnlich ist es mir auch mit einem meiner beruflichen Projekte gegangen: Trotz all der Arbeit und der Werbung, die ich hineingesteckt habe, war die Resonanz nicht so wie ich sie mir erhofft hatte.

Tja, und so bleibt jeder Erfolg eben doch auch ein kleines Bisschen Geschenk, das uns zuteil wird. Und dafür kann man ruhig auch mal Danke sagen. Egal, ob bei sich selbst, bei denjenigen Menschen, die einen unterstützt haben oder beim Universum. Der Gedanke zählt, und ich bin mir sicher, er wird den richtigen Adressaten erreichen.

In diesem Sinne danke ich auch Ihnen fürs Lesen!

Einen schönen Herbst mit viel Fülle wünscht

Christina Bolte

Die Welt und der Fussball

12 Sep

Neulich war ich auf einer Geschäftsreise in Spanien und musste dabei am Flughafen in Madrid umsteigen. In dem Bus, der uns zu unserer Maschine auf dem Außenfeld bringen sollte, hatte ich eine sehr denkwürdige Konversation mit einem in Kanada lebenden Spanier, von der ich heute berichten möchte.
Von seiner harmlosen Einstiegsfrage, woher ich denn käme, man könnte es dem Akzent mit dem ich Spanisch spreche nicht entnehmen, kamen wir ziemlich bald auf die Tatsache, dass die Welt zunehmend mehr zusammen wächst, bzw. in den letzten Jahrzehnten dank moderner, schneller Verkehrs- und Kommunikations-mittel zusammen gewachsen ist – zumindest was das Geografische betrifft.
Dadurch, dass diese länderüberschreitenden Grenzen heutzutage so leicht zu überwinden sind wie nie zuvor in unserer Geschichte, kommt es an allen Ecken und Enden der Welt zu verschiedenen Migrationsbewegungen. Gründe mögen sein Auslandssemester, der Liebe oder der Karriere wegen, auf der Suche nach besseren Arbeitsbedingungen oder um der Armut oder Lebensgefahr im Heimat-land zu entkommen. Was sicher nur eine Hand voll Gründe sind, jeder hat ja seine eigenen.

Logische Konsequenz davon ist, dass unsere Gesellschaften immer mehr Multi-Kulti werden, was nicht immer einfach ist – vor allem nicht, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen oder Religionen und vor allem daraus resultierenden Mind-Sets & Erwartungshaltungen aufeinander treffen und miteinander leben müssen. Die Trinkgeld-Frage (wieviel?), die wir uns als Touristen im Ausland stellen, ist da, glaube ich eher noch ein harmloses Beispiel. Die verschiedenen Kleidungsgewohnheiten und daraus resultierend Ansichten, was Menschen für ‚freizügig‘ halten (oder auch nicht) oder als ‚Zeichen von Unterdrückung‘ ansehen, ein weniger harmloses (weil weiter verbreitetes).

So kamen wir darauf zu sprechen, dass sich heutzutage zwar die geografischen Grenzen ziemlich leicht überwinden lassen, aber dass es viel schwieriger sei, die geistigen  Grenzen in unserem Kopf zu überwinden. Dass das, was ich für normal halte (z. B. dass in München die U- und S-Bahnen im 5-20-Minuten-Takt fahren und wir alle ziemlich sauer sind, wenn sie mal 3 Minuten Verspätung haben), für jemand anderen aus einem sogenannten Schwellenland auf echtes Unverständnis stößt, weil dort die Busse nur 3x am Tag vorbeikommen und es noch nicht einmal Fahrpläne gibt.

Im Verlauf unseres Gesprächs kamen wir zu dem Ergebnis, dass es Diskussionen wie über die Ukraine eigentlich gar nicht braucht. Ob die EU nun seine Grenze zur russischen Sphäre da oder dort hat, wer „Recht“ oder „Unrecht“ hat (sofern es so etwas überhaupt gibt) – sind doch alles machtpolitische Spitzfindigkeiten. Dabei scheinen die beteiligten Protagonisten zu vergessen, dass wir letztendlich alles Menschen sind – und uns der Wunsch eint, unser Leben nach unseren Maßstäben gestalten zu wollen. Darüber hinaus sind wir auf einer höheren Ebene sowieso alle miteinander verbunden – aber das ist eine andere Diskussion.

Und nachdem wir die Welt und die Menschen, die sie bevölkern, so nehmen müssen wie sie sind (denn es gibt keine andere), macht es doch auch Sinn, eine gemeinsame (Welt-)Vision zu entwickeln um die Welt gemeinsam (be-)leben zu können. Eine Vision, in der jeder das gleiche Recht hat, sein Leben nach seiner Façon zu gestalten wie ich auch (der Kant’sche Imperativ sei an dieser Stelle unterstellt).

Klar, mag nun jemand von Ihnen sagen, was für eine Träumerei, das wird doch nie klappen. Mag sein, aber zumindest habe ich hiermit ein wenig geistiges Saatgut in die Welt gestreut, das mit der Zeit wachsen kann. Wer mag, kann gerne helfen, es zum Wachsen zu bringen.

Darüber hinaus möchte mit einer kleinen Analogie verdeutlichen, was passieren kann, wenn viele Menschen eine gemeinsame Vision haben – und dann gemeinsam alles dafür Notwendige tun:

Erinnern wir uns an die dem 13. Juli 2014 vorangegangenen Wochen und Monate – „Jogis Jungs“ hatten ein klares Ziel vor Augen – sie wollten den Pokal. Unbedingt. Und machten dafür alles richtig.
Haben wir als Menschheit auch einen gemeinsamen Pokal, eine gemeinsame Vision vor Augen? Wie wäre es damit, sich sicher & in Frieden ein ordentliches, gesundes Leben aufzubauen, ohne sich dafür in irgendeiner Form versklaven zu müssen? Und zwar für alle, und nicht nur für einige wenige, die sich für gleicher als gleich* halten?

Natürlich mussten die ‚Jungs‘ während der Spiele eine ganze Menge harte Attacken oder Fouls einstecken, auch Kritik & Häme seitens der Medien – und sind trotzdem jedes Mal wieder aufgestanden.
Wie oft steht jeder einzelne von uns nach (vermeintlichen) Rückschlägen wieder auf, wenn er seinen Teil zu der Vision beitragen möchte? Meist braucht es mehr als einen Anlauf, um in der Welt etwas zu bewegen. Und viele, viele kleine Schritte, es fängt immer mit dem ersten an. Sind wir gewillt, Rückschläge und Nichtakzeptanz oder gelegentlich auch Spott & Kritik zu ertragen?

Neben hartem Training, großartigem Ballgeschick und sportlichen Fähigkeiten bewies die deutsche Fussball-Nationalelf auch, dass nicht einzelne „Stars“ der Schlüssel zum Erfolg sind sondern Teamgeist.
Wir als Menschheit bestehen aus unsagbar vielen Individuen mit unendlich vielen Qualitäten. Während sich in der (jüngeren) Vergangenheit  insbesondere der Individualismus stärker ausgeprägt hat, durften wir lernen, dass Solo-Vorstöße auf’s Tor gelegentlich im Abseits enden. So dürfen wir nun wieder verstärkt lernen, unsere individuellen Qualitäten zu einem übergeordneten Ziel, einer großen umfassenden Vision zusammen zu bringen.

Last but not least braucht es außerdem auch noch eine gute Führung, einen guten Trainer & Coach, der das Beste aus jedem einzelnen herauszukitzeln weiss.
Wem könnten wir gemeinsam unser Vertrauen schenken, wem können wir zutrauen, ein guter Trainer, ein guter Coach, eine gute Führungspersönlichkeit in Sachen gemeinsamer Weltvision zu werden?

Vorschläge werden gerne entgegen genommen!

 

* Formulierung entliehen aus „Die Farm der Tiere“ von George Orwell, 1945

Nachbars Garten

30 Jun

Wie bereits in den letzten Wochen häufiger erwähnt, ist mein neuestes Hobby unsere 2x 25 Meter lange Ackerfurche. Natürlich nutzten wir das schöne Wetter der letzten Tage und Wochen etwas häufiger, um dort ein wenig Zeit zu verbringen – denn ohne Gießen und Pflege verkommt das ganze sonst zur Unkraut-Wiese. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell dort etwas wächst, was dort nicht hin soll…

Während ich also so vor mich hinzupfe, ertappe ich mich immer wieder dabei, auch die zwischen den Beeten zu unseren Nachbarn liegenden Wege von Unkraut zu befreien. Warum werfen manche Nachbar ihr eigenes gezupftes Unkraut immer nur so lieblos aus die Wege, anstatt es auf die dafür vorgesehenen Plätze zu entsorgen? Immer wieder überlege ich dann, ob es meine Ausgabe ist, es zu entsorgen oder ob ich es lieber auf deren Beet zurück legen soll.

Oder ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich mich daran störe, was für ein ‚Unkraut‘ in den Wegen wächst – so als ob ich Angst hätte, dass es unser Beet „anstecken“ würde. Warum stört mich nur so, was dort wächst? Bei diesem Gedanken fällt mir auf, dass ich dieses Verhaltens- (oder vielmehr Gedanken-)Muster auch aus meinem sonstigen Leben kenne: Das erste Mal ist es mir aufgefallen, als ich einen eigentlich trockenen Alkoholiker als Freund hatte: Je mehr er soff – desto vernünftiger, quasi ’nüchterner‘, wurde ich. Ebenfalls aus Angst, ich hätte der gleichen Sucht verfallen können oder die Lage geriete völlig ausser Kontrolle.

Und so oder so ähnlich verhält es vermutlich auch bei unserem Nachbarbeet. Manche Verhaltensweisen (wie z. B. herumliegende Sachen) stören mich bei meinem Partner, meinen Familienangehörigen oder auch bei komplett Fremden mehr als bei mir selbst – obwohl ich in Bezug darauf sicherlich auch noch Handlungsbedarf  hätte. Aber gut, es ist eine alte Erkenntnis und anscheinend menschlich, den Splitter in seines Bruders Auge zu sehen und den Balken vor dem eigenen nicht… Aber da kann mitunter ein Blick in den Spiegel Abhilfe schaffen.

Abschließend bin ich eigentlich selbst ziemlich überrascht, welche ungewöhnlichen und unerwarteten Orten man als Spiegel zur Selbst-erkenntnis heranziehen kann – sogar der eigentlich als Spielerei gedachte Garten kann dabei helfen. Zumindest wenn man sich die Zeit nimmt um von ganz profanen Tätigkeiten Rückschlüsse auf seinen Alltag zu schliessen.

Und so kann ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nur einladen, nach den „Spiegeln“ in ihrem eigenen Leben Ausschau zu halten – es ist immer wieder interessant, wem oder was – Nachbarn oder selbst – Sie dort begegnen werden.

Alles Gute wünscht Ihnen
Ihre Christina Bolte