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Von Konzepten und was das mit dem Urlaub zu tun hat

5 Apr

Gehören Sie auch zu den Leuten, die (wie ich auch) gerne Konzepte machen?

Auch in meinem Umfeld höre ich immer wieder – vor allem während meiner Zeit als Angestellte hörte ich es sehr oft: „Schick mir mal das Konzept für…“ oder „Ich muss noch ein Konzept für mein neues  Seminar/Vortrag etc. machen“.  Ist doch alles ganz normal, oder? Vor allem, wenn man kreativ oder künstlerisch tätig ist, gehört das ja zum guten Umgangston.

Nun, eine neue Perspektive auf das Thema ‚Konzepte machen‘ gewann ich neulich während meines letzten Urlaubs. Die Betonung in meiner Eingangsfrage liegt nämlich nicht auf den Konzepten, sondern auf dem Wort machen.

Ich war in Spanien unterwegs, genauer gesagt, es war am 8. Dezember, einem gesetzlichen, katholischen Feiertag in Österreich und weiteren Ländern, darunter eben auch in Spanien, nämlich Mariä Empfängnis. (Es mag auch meiner protestantischen Erziehung geschuldet sein, dass ich diesen Feiertag nie so recht verstanden habe. Dank Wikipedia weiß ich nun, dass die Schwangerschaft sich nicht auf die Zeit bis zur Geburt Jesu an Weihnachten bezieht, sondern auf die Zeit bis zum Feiertag Mariä Geburt am 8. September).
Aber das nur nebenbei.

An meinem Urlaubsort jedenfalls lief an diesem Tag alle Welt in die große Kirche im Ort. Wie wir nach einer Weile feststellten, war diese Kirche eben genau dem Feiertag geweiht, nämlich Santa Maria Concepción (da in Spanien gefühlt jede zweite Frau Maria heißt, der Muttergottes zu Ehren, haben die meisten noch einen zweiten Vornamen, um diese zu spezifizieren).

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Concepción, oder auf Deutsch eben Empfängnis, auch die eines Kindes, ist nichts, was man aktiv machen, gestalten oder gar forcieren kann. Sondern ein Konzept ist etwas, das geschieht. Oder – wenn man so will – etwas, das vom Himmel fällt, oder noch anders ausgedrückt: Ein Akt der Gnade.

Das gilt natürlich entsprechend auch für Konzepte (oder was korrekter wäre: Konzeptionen*), denn die Begriffe leiten sich ja voneinander ab. Natürlich kann man sich hinsetzen, um gezielt über bestimmte Aufgaben- oder Fragestellungen nachzudenken.

Aber die richtig guten Geistesblitze hat man ja bekanntlich nicht am Schreibtisch, sondern erfahrungsgemäß eher unter der Dusche, auf dem Klo, beim Einkaufen oder beim Spazierengehen.

Loslassen. Aufhören zu wollen. Einen Schritt zurück machen.

Also, wenn Sie das nächste Mal krampfhaft auf der Suche nach einem neuen Konzept sind: Lassen Sie los. Hören Sie auf zu wollen. Machen Sie einen Schritt zurück. Gehen Sie aus dem (Schreibtisch-)Kontext. Gehen Sie Spazieren, am besten durch die Natur. Treffen Sie andere Menschen. Oder Meditieren Sie.

Dadurch schaffen Sie freien Raum in Ihrem Kopf, in dem etwas Neues entstehen und empfangen werden kann.

Bei der Problemlösung helfen kann auch eine Technik, die „Aus der Zukunft her führen“ heißt.
Im gleichnamigen Buch von C. Otto Scharmer erfahren Sie wie es geht.

Allerdings geht es erfahrungsgemäß leichter, sich anleiten zu lassen. Das nehme ich Ihnen gerne ab. Vereinbaren Sie gleich einen persönlichen Termin mit mir!

Zum Buch geht es hier:

Aus der Zukunft her führen“ von C. Otto Scharmer

 

 

* ein Konzept ist ja im eigentlichen Sinn ein eher abstrakter, philosophischer Begriff,
der nur im Umgangssprachlichen häufig für die konkretisierende Wortbedeutung Konzeption verwendet wird

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Ruhig schlafen – und andere Banalitäten

25 Mai

Neulich bin ich auf meiner letzten Wanderung auf dem (portugiesischen) Jakobsweg durch den spanischen Ort Tui gekommen, den ersten Ort nach Überschreiten der spanisch-portugiesischen Grenze.

Dies erinnerte mich an ein Erlebnis, das ich vor vier Jahren hatte, als ich das letzte Mal hier war. Damals übernachtete ich in einer kleinen privaten Herberge und freute mich, dass ich auch noch abends um 20 Uhr das einzige Bett in meinem 6-Bett-Zimmer belegte. Normalerweise sind „ordentliche“ Pilger (und deutsche Pilger sind seehhr ordentlich *Ironie aus*😉) um diese Zeit schon längst angekommen und spätestens um 22 Uhr auch im Bett, damit sie sich am nächsten Morgen pünktlich um 6.30 Uhr oder sogar noch früher wieder auf den Weg machen können.

So war auch ich an besagtem Tag um die Zeit schon im Bett und sanft am Schlummern, als plötzlich Horden von Menschen mit schweren Schuhen laut die Holztreppe hinauf polterten, sämtliche Türen aufrissen, Licht anmachten, sich lautstark in einer fremden Sprache (Portugiesisch) unterhielten, dann (nachdem sie netterweise das Licht wieder aus und die Türen wieder zugemacht hatten) lautstark die Treppe wieder hinunter polterten. Eine Stunde später wiederholte sich das ganze, zum Glück einige Dezibel leiser, aber immer noch laut genug, um viele der bereits Schlafenden nochmals aufzuwecken.

In mir hat die ganze Aktion damals verschiedene Reaktionen ausgelöst. Zum einen war ich ziemlich sauer, in Anbetracht der Rücksichtlosigkeit dieser Horde Männer (es waren keine Frauen dabei). Mein nächster Gedanke war: „Oh Gott, so muss es sich anfühlen, wenn Krieg ist, wenn böswillige Menschen einfach in die Häuser stürmen und (im besten Fall nur) Angst und Schrecken verbreiten.“ Dann wurde mir klar, in wie vielen Ländern auf diesem Planeten es heutzutage nichts Ungewöhnliches ist, nachts durch solche oder ähnliche Erlebnisse aus dem Schlaf gerissen zu werden und sich nicht einmal im eigenen Zuhause sicher fühlen zu können. Das ließ mich gleich ein Stückchen dankbarer werden dafür, dass wir in Europa schon ziemlich lange in Frieden leben können und ein friedlicher Nachtschlaf daher für mich bis dahin etwas Selbstverständliches gewesen ist.

Und Sie? Was für Erfahrungen haben Sie schon mal mit den sogenannten Selbstverständlichkeiten im Leben gemacht?

Ich freue mich auf Ihre Geschichten!

Ihre Christina Bolte

PS: Am nächsten Morgen löste sich das Rätsel übrigens auf. Was passiert war, war folgendes: Eine Gruppe von ca 8-10 Portugiesen hatte sich mit ihren Mountainbikes von Porto aus, quasi als Wochenendausflug, auf den Jakobsweg begeben. An diesem Tag hatten sie etwa die Hälfte der etwa 240 km bis nach Santiago zurück gelegt und waren entsprechend adrenalin- und testosterongeladen. Leider hatten sie auf der portugiesischen Seite keine Unterkunft mehr bekommen und beim Betreten der Herberge in Tui vergessen,
a) daß in Spanien die Uhren schon eine Stunde vorgingen und deshalb
b) die anderen Gäste schon am Schlafen waren und
c) ihre Schuhe mit den Klickpedal-Einsätzen auf der Holztreppe einen Heidenlärm verursachten.

PS2: Mit dem Beitrag will ich nicht gesagt haben, dass Portugiesen rücksichtslose Menschen sind, im Gegenteil, die meisten von ihnen, die ich traf waren überaus freundlich. Ich denke vielmehr, dass es sich bei dieser Geschichte um eine für größere Gruppen typische Hirn-aus-Aktion handelt…

Vorsprung durch Technik?

3 Apr

Neulich war ich auf einer Veranstaltung, wo es darum ging, wie wir in Zukunft leben wollen. Natürlich lag der Schwerpunkt der Frage auf dem „WIE wollen wir in Zukunft leben?“ – und wie so ganz häufig wird man dann ganz schnell in Szenarios von hochtechnologisch ausgefeilten Visionen versetzt. Technischer Fortschritt par exellance. Virtual-Reality-Glasses oder Stichworte wie Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und ultimative Vernetzung werden genannt.

Ob diese Szenarien, sollten sie ganz oder nur in Teilen, irgendwann in ferner oder nicht mehr ganz so ferner Zukunft zur Realität werden, uns mit Freude, Begeisterung oder mit Angst erfüllen werden, ist sicherlich individuell unterschiedlich und hängt in hohem Maße davon ab, welches Menschenbild und welche Lebenseinstellung insgesamt jeder einzelne hat.

Was mich jedoch viel mehr beschäftigt – und es ist schade, dass dieser Aspekt auf Veranstaltungen wie die anfangs erwähnte meistens völlig ausser Acht bleibt – ist, dass man den Schwerpunkt der Frage genauso gut auf das WIR oder das LEBEN legen könnte, also: „Was bedeutet LEBEN in der Zukunft?“ oder: „Wer ist das WIR, das wir in Zukunft leben wollen?“

Denn wenn ich an die Zukunft denke, denke ich nicht darüber nach, ob mir sprechende und vernetzte Kühlschränke das Leben vereinfachen, wieviel komfortabler ….. Nein, mich interessiert viel mehr, wie wir Menschen miteinander umgehen, wenn sie in einem noch größeren Maße als heute schon eine Koexistenz mit Maschinen und technischen Geräten führen. Ist es ein empathischer, liebevoller Umgang oder einer eine Begegnung voll Misstrauen und gegenseitiger Kontrolle?
Mich interessiert, wer WIR sind. Besteht unsere Gesellschaft in der Zukunft nur aus Menschen, die ein gutes und uniformes Leben führen, in dem Menschen, die aus dem Rahmen fallen oder aus Gründen (Krankheit, Behinderung oder Armut beispielsweise), für die sie nichts können oder auch doch, durch das Raster fallen und ein Leben im Untergrund oder in Ungnade fristen müssen? George Orwell bezeichnete dies mit „gleicher als gleich“ sein. Oder ist unsere Zukunft groß genug für Menschen, in der sich jeder nach Gutdünken, Wissen und Gewissen entfalten und leben können wie sie möchten – und in der man sich dabei unterstützt und in der jeder dem anderen mit offenem Geist, offenem Herzen und Respekt begegnen kann?

Mich interessiert die Frage, wo ist mein Platz in dieser Welt, wenn bestimmte Tätigkeiten und Dienstleistungen von Maschinen übernommen wurden oder werden. Werde ich meine Träume realisieren und malen, schreiben, singen, tanzen und spazierengehen können? Oder werde ich ein Leben in Langeweile fristen, weil alle sinnvollen erscheinenden Berufstätigkeiten nur noch durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz ausgeführt werden dürfen (u. a. weil menschliche Arbeit zu teuer geworden ist)? Oder werde ich womöglich nur noch ein Sklave dieser technischen, überlegenen Spezies sein?

Und schliesslich bewegt mich noch die Frage, ob es in ferner Zukunft überhaupt noch Menschen auf diesem Planeten geben wird – oder sind wir gerade auf dem besten Weg uns selbst überflüssig zu machen und abzuschaffen? Getreu dem Motto des Witzes:

„Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: ‚Wie gehts dir?‘, antwortet der andere: ‚Schlecht, ich hab Menschen.‘ Darauf tröstet ihn wiederum der eine: ‚Ach, keine Sorge, das geht vorbei.‘ „

Was bewegt Sie, wenn die an die Zukunft denken – welche Szenarien wünschen Sie sich?
Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Ihre
Christina Bolte

Integration

2 Feb

In den letzten Wochen & Monaten war quer durch alle Medien das Thema der zahlreich nach Deutschland (und in andere westeuropäische Länder) kommenden Menschen (manche verwenden auch das Wort Flüchtling) sehr präsent. Auf die vielfältigen Attribute, die in den Medien diesen Menschen zugeschrieben werden, oder die Thesen, ob die hierher kommenden Menschen nun gute Gründe haben, ihre Heimat zu verlassen oder das ganze eine geschickt eingefädelte Aktion von wem auch immer ist, um Europa in Unfrieden zu bringen und damit wirtschaftlich zu schwächen, wie von verschiedenen Stimmen & Gerüchte zu hören ist, möchte ich gar nicht eingehen. Denn eine pauschale Antwort aus deutscher (Aussen-)Perspektive ist aufgrund der Vielzahl der individuellen Gründe der Menschen weder möglich noch etwas anderes als Spekulation.

Auch finde ich es müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob diese Situation nun eine „Gefahr“ oder eine „Chance“ für Deutschland respektive Europa darstellt, wie andere Stimmen verlauten lassen. Denn die Situation ist nun einfach mal da – und damit heißt es umzugehen, egal wie wir sie finden oder bewerten. Und deshalb finde ich es umso wichtiger, sich Gedanken zu machen, wie wir konstruktiv mit der gegenwärtigen Situation umgehen können, sowohl auf national-politischer Ebene als auch auf regional-konkret praktischer Ebene.

Schnell war und ist in den letzten Wochen immer häufiger der Ruf nach „Integration“ zu hören. Offen bleibt nach wie vor, wie diese genau gelingen kann und soll. Nun ist es allerdings so, dass man zwar Menschen dazu bringen kann, Deutschkurse zu besuchen, die sie mit mehr oder weniger Erfolg abschließen. Man kann Menschen auch dazu bringen, irgendeine Arbeit anzunehmen, für die sie qualifiziert sind oder auch nicht. Evtl. haben die Menschen daran ein Interesse oder sogar Freude. Das wäre wunderbar und würde vieles erleichtern. Aber wenn man eines nicht kann, dann ist es, jemanden die „Integration“ in eine andere oder fremde Kultur zu verordnen. Genauso wenig, wie man jemanden dazu zwingen kann, einen anderen Menschen zu lieben.

Dennoch können wir – und mit „Wir“ meine ich uns alle – dazu einen wichtigen Beitrag  leisten, dass die vielen Menschen, die zur Zeit nach Deutschland kommen, eine Kultur und eine Haltung erleben, in die sie sich auch integrieren möchten. Denn der Begriff Integration kommt ja lt. Wikipedia vom Lateinischen integrare, was „erneuern, ergänzen, geistig auffrischen“ bedeutet.

Für diese ‚geistige Auffrischung‘ ist es hilfreich, seinen Blick wie aus einer Hubschrauber-Perspektive mal auf sich selbst zu richten und auf sich selbst zu schauen, wie wir denn eigentlich leben. Damit meine ich nicht: „Wie groß ist das Haus oder die Wohnung, in der wir leben?“ oder „Wie groß das Auto, das jemand fährt?“ Sondern ich meine viel mehr: Wie gehen wir mit Kindern um? Oder mit alten Menschen? Oder mit Fremden? Wie gehen wir um mit Menschen, die andere Gewohnheiten haben als wir, z. B. andere Essgewohnheiten? Sind wir mit ihnen freundlich und offen und einladend oder begegnen wir ihnen mit Misstrauen? Sind wir (und dafür ist Deutschland ja auch ein Stück weit berühmt) strukturiert, organisiert und  „effizient“ oder haben wir vor lauter Effizienz das Gespür für das Wesentliche im Leben verloren – die Lebenskunst, die Mitmenschen, das Sein?

Und so möchte ich noch von einem kleinen Erlebnis aus unserem kleinen Ort bringen, das ich letzten Sommer hatte. Ich war eines Abends auf unseren Acker gefahren (von dem ich bereits hier und an anderer Stelle berichtet hatte), der nicht weit entfernt gelegen ist von einer Asylbewerber-Unterkunft, in der u. a. auch Afrikaner untergebracht sind. Ich war zum Acker hingefahren, um die Pflanzen zu gießen und Unkraut zu zupfen.
Als ich so mitten am Zupfen war, hörte ich auf einmal aus Richtung der Unterkunft Trommelmusik herüberschallen. Mit Trommelmusik (und auch darüber hatte ich ja bereits hier geschrieben) verbinde ich immer Sonne, Strand, Tanzen, Lachen, Lebensfreude & Leichtigkeit.

Und so setzte ich dann ganz beschwingt meine Ackertätigkeit fort – und dachte mir: Da gibt es etwas, was wir uns unsererseits für unser Leben von den Menschen aus anderen Kulturkreisen abschauen können. Ein Geschenk, das auch unser Leben bereichern kann – wenn wir es denn annehmen. Ich denke, es täte uns in vielerlei Hinsicht gut…

Pilger Dich reich!

10 Feb

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 09.02.2015 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Viele Menschen, denen ich vom Pilgern erzähle, fragen mich immer: Warum tust Du Dir das an, tage- und wochenlang durch die Hitze zu laufen, sich Wind und Wetter auszusetzen, permanent sein Zeug durch die Gegend zu schleppen, Blasen an den Füssen zu bekommen, um dann in Herbergen mit Hunderten von anderen Menschen zusammen eingepfercht in einen Schlafsaal zu verbringen, mit Sanitärbereichen in dubiosen Zuständen?

So unglaubwürdig es auch klingen mag, genau deswegen tue ich es mir an: um tage- und wochenlang durch die Gegend zu laufen und Blasen an den Füssen zu bekommen. Das ist zwar manchmal ziemlich ätzend und auch mitunter schmerzhaft, aber trotz allem Tag um Tag, Kilometer um Kilometer weiter zu laufen, laufen zu können! – macht mich ehrlich gesagt dankbar.

Dankbar für die Leistungsfähigkeit und Ausdauer meiner Beine und Füße, die mich Tag um Tag, Schritt für Schritt auch durch meinen Alltag tragen, und das, obwohl ich sie nicht immer gut behandele. Ist das etwa kein Wunder? Auf dem Jakobsweg wird mir bewusst, wieviel mein Körper und auch meine Organe für mich leisten – und wie dankbar ich ihnen dafür sein kann. Danke Körper!

Und genau deshalb, tue ich es mir auch an, mich dabei Wind und Wetter auszusetzen. Ich bin hautnah mit der Natur in Verbindung – und allen ihren Kräften: Mit der Sonne, und auch mit dem Regen. Klar ist das nervig, vor allem wenn das Wetter nun schon zum dritten Mal von Sonnenschein auf Regen wechselt, was jedes Mal damit verbunden ist, den Rucksack abzusetzen und seine Jacke aus und wieder anzuziehen. Für mich ist es der Wahnsinn, ein riesiges Feld voller Mohnblumen zu bestaunen oder den Morgentau, der dir Pflanzen oder auch Spinnennetze am Wegrand benetzt. Jedes Mal, wenn ich am Himmel einen Regenbogen entdecke, frage ich mich von Neuem, ob es wohl tatsächlich schon mal jemandem gelungen ist, den Topf mit Gold an dessen Ende zu finden.

Letztendlich sind es nämlich nicht die vielen Kilometer, Kirchen oder Herbergen, die das Pilgern so erinnernswert machen, sondern die Vielzahl an schönen Momenten, die Erinnerungen, die Emotionen, der Duft nach frisch gemähtem Gras, die herzzerreißenden galizischen Melodien und vor allem die Gespräche mit anderen Pilgern, die das Herz berühren.

Es sind die vielen kleinen, scheinbar normalen Dinge, die das Herz erblühen lassen und das Pilgern so besonders machen: Eine warme Dusche, saubere Kleidung, ein Getränk nach längerer Durststrecke – die Tatsache, dass man morgens nicht lange überlegen muss, welches seiner 3 Trikots man anzieht oder auch nur ein Nachlassen Deiner Schmerzen.

Dankbarkeit zu üben, nicht nur auf dem Camino, sondern auch im Alltag, verstärkt das Bewusstsein für all die kleinen und großen Geschenke, den Reichtum und die Freuden in Deinem Leben. Deshalb möchte ich Euch einladen: Pilgert euch reich, Ende April mit mir auf dem Tiroler Jakobsweg – weitere Details gibt es hier!

Willkommen zu Hause

2 Feb

Stellen Sie sich vor, Sie möchten abends mal ausgehen – und engagieren zur Betreuung Ihres Kindes einen Babysitter. Dieser hat eine glänzende Reputation, ist intelligent und macht einen gepflegten Eindruck. Guten Gewissens gehen Sie aus dem Haus und machen sich einen schönen Abend.

Als Sie nach Hause kommen, haben Sie eine komische Vorahnung. Schon von weitem bemerken Sie, dass in Ihrem Haus überall das Licht brennt und hören, dass laute Musik spielt. Als Sie auf Ihr Grundstück fahren, sehen Sie, dass Ihre Haustür sperrangelweit offen steht. Als Sie das Haus betreten, der nächste Schock: Im Wohnzimmer sind alle Fenster geöffnet, die Vorhänge wehen nach außen. Alle Stühle wie auch andere Möbel liegen umgekippt am Boden, auch die Blumentöpfe, deren Erde nun auf dem Teppich verteilt ist. Im Bad läuft non-stop der Wasserhahn, zum Glück funktioniert der Überlauf einwandfrei. In der Küche sind sämtliche Töpfe und Schubladen ausge- räumt und der Inhalt über den gesamten Boden verteilt, ebenso wie die Reste dessen, was vor Ihrem Aufbruch noch im Kühlschrank war. Was ist los, ein Einbruch?

Als Sie die Treppe hinaufgehen, hört der Alptraum nicht auf – im Gegenteil. In Ihrem Schlafzimmer sind die Schränke aufgerissen und die Kleider liegen am Boden verstreut. Überalle finden Sie leere Bierflaschen und volle Aschenbecher vor. Im Kinderzimmer ein ähnliches Bild – dazu sehen Sie Ihr Kind und den Babysitter, wie diese begleitet von lauter Hardrock-Musik auf dem Bett herumhüpfen, beide gekleidet in Ihren glitzernden Party- und Ausgehklamotten und mit einer Flasche Bier in der Hand.

„Oh je“, werden Sie vielleicht denken, „Was soll man dazu nur sagen, da fehlen mir echt die Worte.“ Und die Worte, die Ihnen möglicherweise als erstes in den Sinn kommen, gehen vermutlich in die Richtung: „Unverschämtheit“, „Wie kann der [Babysitter] sich nur so verhalten?“ oder „…
Die Rechtsanwälte unter Ihnen werden vielleicht noch ergänzen: „Den [Babysitter] werde ich verklagen!“

Ihr Ärger wäre verständlich – ich wäre auch ziemlich wütend, wenn jemand so mit dem ihm anvertrauten Hab & Gut und vor allem mit meinem Kind umginge! Denn immerhin kommt das Wort ‚anvertrauen‘ von Vertrauen, und das ist in diesem Gedankenspiel arg mißbraucht worden.

Doch wenn wir ehrlich sind, wir als Menschheit, gehen wir besser mit der uns anvertrauten Erde um, dem Erbe unserer Kinder? Wir Menschen halten uns für die Krone der Schöpfung, und vergessen dabei, dass die Krone wertlos ist, wenn es keinen Kopf gibt, der sie trägt. Oder der Kopf nur noch ein Totenschädel seiner selbst ist.

Und so bedienen wir uns der Schätze und Rohstoffe der Erde (Kühlschrank), fällen den Regenwald (das Mobiliar), vergeuden sinnlos das Trinkwasser und Energie und hinterlassen überall unseren Müll – und das alles nur um uns zu vergnügen (Partyklamotten).

Um noch mal auf den Babysitter zurückzukommen: Wie würden Sie sich wünschen, dass er mit Ihrem Kind (und Ihrem Haus) umgeht – sicherlich pfleglich, sorgsam und liebevoll. Und vermutlich wären Sie auch nicht traurig, wenn er nebenbei auch noch staubsaugen oder das Badezimmer putzen würde, oder? (Zumindest ginge es mir so…)
Wie wäre es, wenn wir beginnen würden, so auf und mit der uns überlassenen Erde umzugehen? Sie in einem besseren Zustand hinterlassen als wir sie vorfinden? Und vor allem mit uns selbst und miteinander umzugehen? Ich finde, das käme dem Paradies auf Erden schon recht nahe.

Pflegen wir es also!

Paradiesische Grüsse sendet Ihnen

Ihre Christina Bolte

Gedanken zu Ostern – Auferstehung feiern

20 Apr

In meinem Bekanntenkreis häufen sich in den letzten Wochen das, was landläufig als „Schicksals-schläge“ bezeichnet wird. In einer Familie erfährt der Vater plötzlich, dass er eine Krebserkrankung im Endstadium hat – und ist gute vier Wochen später bereits tot. Mit Anfang-Mitte Fünfzig.
In einer anderen Familie liegt die kleine Tochter (5) seit einer plötzlichen Hirnentzündung seit gut zwei Monaten im Koma. Zwar befindet sie sich mittlerweile bereits in der Aufwachphase, aber es besteht die Möglichkeit – wenn sie wieder aufwacht – dass eine Behinderung zurückbleibt.

Was zuvor ein ganz normaler (Familien-)Alltag war, ist nun nicht mehr da. Alles anders, und zunächst für alle Beteiligten wie auch Menschen im weiter entfernten Umfeld ein großer Schock.
Was soll man auch sagen, wenn jemand so aus seinem Leben bzw. wie die Angehörigen beider Familien aus ihrem Alltag  gerissen werden?

Für die beiden oben beschriebenen Familien ist der Alltag nun ein neuer. Es gibt noch viel zu regeln und es gilt, einen neuen Alltag einzu“üben“. Ich bewundere mit Hochachtung die Eltern der kleinen Erkrankten für ihre Sichtweise, ihren neuen Alltag primär als „anders und nicht zwingend schlechter“ zu bezeichnen. In einer solchen Situation, gerade eben den Schock überwunden, bedarf es sehr viel Bewußtsein und Kraft, solche Aussagen zu treffen.

Mich jedenfalls macht es betroffen – und lädt mich zum Nachdenken ein: Wir alle haben einen Alltag, den wir mehr oder weniger schätzen, mit dem wir manchmal oder auch öfter hadern, manchmal auch jammern – obwohl es uns, zumindest hier in Mitteleuropa, trotz dem einen oder anderen Wehweh- chen, das man so hat, doch vergleichsweise gut geht.

Besonders anläßlich dieser Ostertage (und der dahinter liegenden christlichen Tradition, die ich mir an dieser Stelle erspare, weiter auszuführen) stellt sich mir immer wieder die Frage, warum wir es immer wieder darauf ankommen lassen, den ganz normalen, schnöden Alltag so wenig zu schätzen, dass es immer erst solcher „Schicksalsschläge“ bedarf, um für unsere alltäglichen „Kleinigkeiten“, wie die gesund zu sein beispielsweise oder gesunde Kinder zu haben, dankbar zu sein. Sollten wir das Leben (das einzige, was wir im Übrigen haben!) nicht viel mehr bewußt zu geniessen?

Ich finde, das ist das mindeste, was wir tun können. Und fühle mich gleichzeitig eingeladen, meine ganz persönliche Auferstehung zu feiern. Gerade zu Ostern und noch viel mehr, wenn ich das Gefühl habe, das Leben präsentiert mir wieder mal tonnenweise Mist, oder erst recht, wenn ich mich dabei ertappe, mehr oder weniger grundlos über das eine oder andere zu jammern. Vor allem, wenn ich es eigentlich sogar in meiner Hand habe, etwas daran zu ändern.

So gesehen ist Ostern auch eine Handlungsaufforderung. Und es lohnt sich, die freien Tage dazu zu nutzen, mal kurz darüber nachzudenken: „Von oder aus was möchten Sie im kommenden Jahr ihre Auferstehung feiern?“ – und dann tun Sie’s! Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben zu verändern, und Dankbarkeit ist schon ein erster guter Schritt dorthin.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ostertage!

Ihre

Christina Bolte

Was Nachhaltigkeit mit Burnout zu tun hat – Teil 3

31 Jan

In meinen letzten beiden Beiträgen zum Thema Nachhaltigkeit (die Sie hier und hier finden), hatte ich mich mehr auf die Auswirkungen und Handlungsspielräume in einem Unternehmen gewidmet. Aber auch jeder und jede Einzelne ist von diesem Thema betroffen.
Denn wie ich in meinem ersten Beitrag erwähnte, hat Nachhaltigkeit viel mit einen verantwortungsvollen und weitsichtigen Umgang mit Ressourcen zu tun.

Ich möchte an dieser Stelle weniger darauf eingehen, inwieweit jeder einzelne seinen Beitrag zu den übergeordneten umweltbezogenen Aspekten leisten kann. Die Ressourcen, die ich jedoch gerne ansprechen möchte, sind Geld und Lebensenergie (oder allgemeiner formuliert: Gesundheit).

Ganz offensichtlich wird dies am Beispiel des Geldes: Wer langfristig mehr Geld ausgibt als er auf dem Konto hat, oder zumindest als regelmäßig wieder eingenommen wird, dem droht die (Privat-)Insolvenz. Zwar wollen es Kreditinstitute oder bankähnliche Unternehmen es den Konsumenten weis machen, wie „günstig“ doch ein Ratenkauf oder eine Finanzierung ist, um damit den eigenen Umsatz zu fördern. Allerdings sind diese meist auch die letzten, die bereit sind auf ihre Forderungen zu verzichten, wenn der Gläubiger später – aus welchen schicksalhaften Umständen auch immer – zahlungsunfähig sein sollte.

Dennoch schränkt jede Kreditaufnahme, die zu mehr oder weniger kurzfristigen Konsumzwecken getätigt wird und der keine Einsparungen oder Einnahmen entgegen stehen (denn dann wäre es eine Investition) bis zu dessen Rückzahlung den zukünftigen (finanziellen) Handlungsspielraum ein.

Kreditaufnahme in puncto Lebensenergie

Ähnlich verhält es sich auch mit der Lebensenergie: Gemäß den chinesischen QiGong-Meistern wird jeder Mensch mit einem bestimmten Potenzial an Lebensenergie geboren – die allgemeine Lebensführung wie auch erworbene Krankheiten erschöpfen dieses Lebensenergiekapital eines Menschen unterschiedlich stark.

Das bedeutet, dass dauerhafter Stress im Alltag, mangelnde oder übertriebene Ausübung von Sport wie auch schlechte Ernährungsgewohnheiten genauso „Substanz-zehrend“ für den Menschen sind, wie ein zu großer Konsum für ein Bankkonto. Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Burnout oder Depressionen können die Folge sein. Ob es in den chinesischen Lehren so etwas wie einen Lottogewinn für die Lebensenergie gibt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies beispielsweise einer Phase der frischen Verliebtheit vergleichbar ist, wenn man wochenlang beflügelt durch die Welt geht. Aber – wie beim Lotto auch – dauert die Euphorie meist nicht allzu lange an.

In meinem Umfeld oder in meiner Praxis höre ich immer wieder, viele der eben erwähnte Erkrankungen oder Depressionen seien angeboren – oder zumindest erblich bedingt. Das stimmt leider nur teilweise: Denn genetisch bedingt ist immer nur eine bestimmte Anlage oder Wahrscheinlichkeit, vergleichbar einer angeborenen Schwachstelle (in der Medizin spricht man von einer Disposition).
Durch übernommene oder neu erworbene Fähigkeiten und gesunde bzw. ungesunde Verhaltensweisen kann aber jeder Mensch darauf Einfluss nehmen, ob diese Art Soll-Bruchstelle tatsächlich anknackst oder stabil bleibt.

Wie ich bereits hier schrieb, muss dabei ein auf Abenteuer und Erlebnis ausgelegter Lebensstil nicht einmal im Widerspruch stehen zu einem gesundheitsbewußten Lebensstil und Lebensfreude.
Tut ein Mensch alles ihm Mögliche, um seine Lebensenergie – wie viel oder wenig ihm davon auch immer mit auf die Welt gegeben wurde – so gut wie möglich zu erhalten, ist dies aus meiner Sicht ein nachhaltiger Umgang mit den persönlichen Energieressourcen.

Wie das konkret gehen kann, können Sie demnächst im vierten Teil lesen…

Über die Vereinbarkeit von Gesundheit und Life-Style

26 Okt

Wie ich bereits hier erwähnte, war ich vor einiger Zeit als Zuhörerin bei einer Podiumsdiskussion, bei der es darum ging, dass sich gemäß einer von den Veranstaltern in Auftrag gegebenen Demografie-Studie die Menschheit (in diesem Falle die Oberbayerns) einer immer höhere Lebenserwartung erfreuen darf. Wobei gemäß dieser Studie von „freuen“ wohl eher nicht die Rede sein wird, weil anscheinend das höhere Lebensalter nicht unbedingt mit einer höheren Lebensqualität einher gehen wird.

Leider wurde in dieser Podiumsdiskussion mehr über das Problem des (zukünftig) noch größer werdenden Bedarf an Ärzten und Pflegeeinrichtungen diskutiert (den ich an dieser Stelle auch gar nicht wegdiskutieren möchte), als darüber wie es erreicht werden kann, dass die Menschen zukünftig zwar älter aber nicht unbedingt kränker werden müssen.
Dabei wurde das für diese Situation extrem hilfreiche (Zauber-)Wort „Prävention“ von den Teilnehmern der Diskussion eher mit einem abfälligen „Ach ja, das schon wieder“ gewürdigt.

Diese Denkweise scheint nun allerdings völlig dem Usus der heutigen Zeit zu entsprechen, denn sowohl in der Politik wie auch in der Wirtschaft scheint es an der Tagesordnung zu stehen, kurzfristige Ergebnisoptimierung zu betreiben, die sich auf die Zeitdauer der amtierenden Landes- und Unternehmens-Fürsten begrenzt. Was aus meiner Sicht aber weder für wirklichen Weitblick und noch für Nachhaltigkeitsbewusstsein spricht.

Prävention und Lifestyle

Denn wenn jeder frühzeitig investierte Euro (der beispielsweise für eine Schulung von Gesundheits-bewusstsein und Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen investiert wird) am Ende des Tages Millionen oder Milliarden von Euro spart, die für die Diabetesmedikamente und Blutdrucksenker der zukünftigen Diabetiker ausgegeben werden müssten, wäre das zwar ein nachhaltiges und langfristiges Ergebnis, mit dem Nachteil, dass es sich aber leider nicht unsere heutigen Damen und Herren Politiker auf die Fahnen schreiben können, sondern primär die zukünftigen Generationen profitieren. Schwieriges Dilemma, nicht nur für „die da oben“, sondern auch für jeden einzelnen von uns…

Denn ein paar Wochen später bekam ich eine Studie in die Hand, in der es um Life-Style ging. Unter Life-Style fielen für mich bis zu dem Zeitpunkt (und auch nach dem Verständnis von Wikipedia) eher Lebensstile, die stark auf Luxus und Konsum ausgerichtet sind und mit Adjektiven wie „modern“ und „stylish“ assoziiert werden können. Vor allem in den sogenannten „Lifestyle-Medien“ sind hauptsächlich Hinweise auf Partys, Unterhaltungs- und Vergnügungsveranstaltungen, Diskotheken, Restaurants, Mode usw. zu finden.

Insofern klingt das Wort „Prävention“ (im Sinne von gesundes Essen oder ausreichend Bewegung) natürlich im ersten Ansatz auch auf der persönlichen Ebene eher nach Verzicht oder einer scheinbaren Einschränkung an Genuss oder Lebensqualität an, als nach Life-Style.

Dennoch sehe ich die Chance, sich auch im Alter noch einer hohen Lebensqualität und einem hohen Maß an Gesundheit zu erfreuen, durchaus als langfristigen Mehrwert für jeden einzelnen von uns wie auch für die Gesellschaft. Denn Gesundheit und ein gesunder Körper sind nicht – wie weitläufig verbreitet –  ein Luxusgut, das man hat oder nicht, sondern etwas zu dem man durch sein eigenes Verhalten etwas beitragen kann, und zwar je früher desto besser. Ich unterstelle Ihnen an dieser Stelle einfach mal, dass Sie Ihr Auto ja vermutlich auch regelmäßig zum Service bringen und es nicht gerade mit den billigsten Ölen und Kraftstoffen befüllen, den Sie finden…

Die Herausforderung dabei in Bezug auf das gesunde Altern ist, dass dies ein komplettes Umdenken erfordert. Neben einer kompletten Neustrukturierung unseres Gesundheitssystems (auf das ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte) verlangt dies nämlich von jedem einzelnen von uns einen proaktiven Lebensstil, mit dem so früh wie möglich begonnen werden kann. Wichtig dabei ist das Verständnis, dass nicht nur mit Cremes oder notfalls auch Schönheits-OPs zum Erhalt der äußeren Schönheit beigetragen wird. Sondern auch zur Erhaltung der „inneren Schönheit“ und vor allem Gesundheit kann eben auch schon in der Jugend beigetragen werden, vorzugsweise mit gesundem Essen, ausreichend Bewegung, sowie Alkohol- und Nikotin-Abstinenz. Auch Schlaf anstatt vieler durchfeierter Nächte leistet langfristig einen positiven Beitrag zu unserer Gesundheit. Insofern finde ich es einen interessanten Gedankengang, den ich besagter Studie entnommen habe und den ich hier deshalb aufgreifen möchte, die weiterentwickelte Form von Lifestyle als „Life-Design“ zu betrachten.

Die wichtige Botschaft dabei ist, dass ein gesunder Lebenstil (Life-Style)  nicht Verzicht und Zwang bedeuten, sondern Genuß und Freude!
Denn wer weiß, vielleicht wird auch dem gemeinsamen Kochen einer gesunden Mahlzeit im Freundeskreis ein vergleichbarer „stylischer“ Status eingeräumt wie das gemeinsame Konsumieren überteuerter alkoholischer Getränke und lauter Musik beim nächtlichen Disko-Besuch. Ebenfalls interessant ist, dass das Wort „Sport“ hergeleitet ist vom lateinischen dispertare: sich zerstreuen, sich vergnügen. Ziehen Sie also bitte auch in Erwägung, dass Sport Spass bereiten darf!

Die neue, zukünftige Definition von Lifestyle wäre also, dass Lifestyle die Kunst  ist, für die Gestaltung seiner eigenen Gesundheitszufriedenheit selbst die Verantwortung zu übernehmen. Jeder von uns hat für sich selbst die Aufgabe und kann die entsprechenden Fähigkeiten erlernen, sich seine Gesundheit selbst zu entwickeln!
Was meiner Meinung nach gar nicht so schwer ist. Denn genauso wie für die deutliche Mehrheit unserer Gesellschaft ein gewisses Maß an Körperhygiene (also beispielsweise Händewaschen oder Zähneputzen) mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden ist, kann zukünftig auch eine neue Form der Hygiene selbstverständlich werden – die Psycho-Hygiene. Was das ist? Den Körper/Kopf sowie den Geist und die Seele rein halten von psychischem „Müll“. Wie das geht? Ganz einfach: mit  Bewegung, Entspannung, Mentaltraining. Denn nachdem dies dem ganzheitliches Konzept der Burnout-Lotsen entspricht, haben Sie auch gleich ein ganzes Netzwerk an Ansprechpartnern zur Verfügung, die Sie hier finden.

Für den Raum München stehe ich Ihnen zur Verfügung, für Diskussionen wie auch für Unterstützung.
Bitte sprechen Sie mich an!

Literatur-Tipp:
Healthness: Die nächste Stufe des Megatrends Gesundheit„,
erschienen im Verlag Zukunftsinstitut, 136 Seiten,
ISBN-10: 3938284668 bzw. ISBN-13: 978-3938284667

Führung, Kunst und Burnout

30 Aug

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über Führungskunst und Selbstführung. Heute möchte ich dies anhand eines kleines Beispiels bzw. einer Übung ein wenig konkretisieren, auch um den Zusammenhang zu meinem fast schon Lieblingsthema „Burnout“ zu verdeutlichen.

Stellen Sie sich bitte die folgende Situation vor: Auf Ihrem Schreibtisch stapeln sich die Unter- lagen für etliche unerledigte Aufgaben, und permanent klingelt das Telefon und jeder will „noch ganz dringend“ etwas erledigt haben.
Zu Hause müssen Sie noch ein Geburtstagstagsgeschenk für die (Schwieger-)Mutter oder wahlweise die Partnerin oder den Partner kaufen, die Wohnung will geputzt werden und das Finanzamt mahnt auch schon zur Abgabe der Steuererklärung. Das sind dann die Momente, in denen man sich wünscht der Tag hätte 36 Stunden, damit man endlich mal genügend Zeit hätte, alles zu erledigen und sich anschliessend auch mal um sich selbst kümmern kann.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hat nur leider einen Fehler – das Modell funktioniert nämlich nicht. Denn auch wenn Ihr Tag 36 Stunden hätte, ist das in etwa so wie mit dem Auto, mit dem Sie in den Urlaub fahren. Denn egal wie lang oder kurz der Urlaub, ob mit Kindern oder ob ohne und vor allem egal wie groß oder klein das Auto ist – der Kofferraum bzw. das ganze Auto sind immer voll. Und genau so ist das mit dem 36-Stunden-Tag: Am Ende des Tages hätten Sie vermutlich genauso viele unerledigte Dinge wie mit dem herkömmlichen 24-Stunden-Tag. Denn es ist nur allzu menschlich, in den dann längeren Tag auch nur noch mehr Aufgaben zu packen.

Und was die Länge des Tages betrifft, da ist ja das Leben äußerst gerecht: Egal wie arm oder reich jeder von uns ist, oder wie alt oder wie jung – der Tag hat nun einmal für jeden 24 Stunden, eine Woche hat demnach 7 x 24 Stunden = 168 Stunden. Die Frage ist, wie wir sie gestalten.

Gerne können wir das mal anhand eines kleinen Beispiels durchgehen. Praktisch wäre, wenn Sie parallel zu meinen Ausführungen Ihre eigene Woche auf einem weissen Blatt Papier darstellen, in dem Sie sich darauf zwei gleich große Kreise malen (Anmerkung: auf den Kopf gedrehte Teller oder Untertassen sind hierfür geeignete Vorlagen).
Stellen wir uns nun also vor, dass wir uns eine typische Woche des Lebens als Kuchen ansehen.
Die 168 Stunden der ganzen Woche sind demnach der ganze Kuchen. Wenn Sie mögen, klicken Sie sich dazu durch diese Datei, die ich hier als Beispiel heranziehen möchte:

Wenn wir nun von einer durchschnittlichen Schlafdauer von je sieben Stunden pro Nacht ausgehen, sind davon schon 7 x 7 Stunden = 49 Stunden weg. Bitte schneiden Sie sich Ihren „eigenen Schlaf-Sektor“ aus Ihrem persönlichen Kuchen.

Gehen wir nun weiter davon aus, dass Sie eine auf die üblichen Werktage (Mo-Fr) verteilte 40 Stunden Woche haben.
Zuzüglich täglich etwa einer Stunde Mittagspause und etwa 2 Stunden Fahrtzeit von zu Hause ins Büro und zurück (denn die verbringen wir ja auch nicht unbedingt so, wie wir es täten wenn wir könnten wie wir wollten). Das ergibt bis hierher 5 x 11 Stunden = 55 Stunden. Aber Überstunden machen Sie vermutlich auch gelegentlich, oder? Also geben wir noch mal fünf Stunden extra die Woche dazu. Ergibt 5 x 12 Stunden = 60 Stunden.

Außerdem essen Sie ja noch was – was allerdings vorher noch zubereitet werden muss. Und anschliessend muss noch abgespült werden. Grob überschlagen rechnen wir hier für das Thema Essen einmal mit im Schnitt 4 Stunden täglich, macht 7 x 4 Stunden = 28 Stunden.

Darüber hinaus investieren Sie als gesundheitsbewußter Mensch auch noch einige Zeit in Sport oder für Ihre Gesundheit, Arztbesuche gehören beispielsweise dazu. Unterstellen wir mal viermal pro Woche 1,5 Stunden bzw. dreimal pro Woche 2 Stunden = 6 Stunden.

Für’s Fernsehen, Playstation oder Videos schauen unterstellen wir nun noch täglich eine Stunde. Ergibt sieben weitere Stunden unserer Woche. Ach übrigens: Das ist weniger als ein Spielfilm oder ein Fussballspiel am Tag!

Damit sind wir nun schon bei 150 Stunden unserer Standard-Woche, obwohl wir noch nicht einmal etwas „Besonderes“ gemacht haben. Und dafür bleiben uns dann nur noch magere 18 Wochenstunden übrig, die ich hier auf dieser Grafik nun mit „übrige Zeit“ gekennzeichnet habe:

LebensKunstWerk by Wortakupressur

Von denen dürfen Sie sich überlegen, ob Sie sie mit dem Partner/der Partnerin oder mit der Familie, mit Freunden, mit Ihren Hobbies und/oder mit sich selbst verbringen können (oder Ihr Fußballspiel zu Ende gucken möchten, das oben nicht „im Budget“ war).
Jedenfalls sind das nur etwa 2,5 Stunden pro Tag, das finde ich nicht besonders viel. Vor allem weil da Hausarbeit und Körperpflege noch gar nicht berücksichtigt sind.

Wie sieht nun Ihr Idealzustand aus?

Aber wie sieht nun Ihre tatsächliche Alltagssituation, die Sie gerade beschrieben haben, im Vergleich zu dem, was wünschenswert wäre – Ihrem Idealzustand aus? Den Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte malen Sie bitte alleine in den zweiten Kreis auf Ihr Blatt. Denn ich kann Ihnen ja nicht sagen, wie Ihr Ideal-Zustand aussieht. Sie sollen sich ja damit wohl fühlen. Außerdem ist der Idealzustand für Sie ja vermutlich auch etwas ganz anders als zum Beispiel für Ihren Nachbarn.

Egal, wie der Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte aussieht, wichtig ist, dass sie Ihre persönliche Lebensqualität darstellt. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebens-künstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv, wie Ihre persönliche Lieblings-Lebensführungs-Torte. Sowohl in Bezug auf die Form, als auch in Bezug auf die Zutaten. Denn was dem einen gefällt, gefällt dem nächsten vielleicht nicht – oder anders herum. Und wissen Sie was gut ist? Es gibt dabei kein richtig und fast kein falsch – wie eben bei Kunstwerken auch. Nur Nichtstun funktioniert nicht.

Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Selbstführung ist das: Pflegen Sie es (das Kunstwerk), und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Sei es durch eine ausgewogene Ernährung, durch Entspannung, durch regelmäßigen Sport, durch eine entspannte mentale Einstellung oder durch geistige Einkehr sein. Oder durch jede beliebige Kombination davon.

Ganz besonders „leckere“ Zutaten für Ihre Lieblings-Lebens-Torten-KunstWerk sind übrigens Neugier und Freude.
Zum Ausprobieren zum Thema Neugier habe ich eine ganz einfache Übung: Sehen Sie sich doch mal für eine Stunde die Welt durch die Augen eines Kindes an – für Kinder ist nämlich alles im Leben voller Wunder, also ganz wunder-voll.

Und das wiederum – wenn sie es ausprobieren –  macht unheimlich Freude!
Und mit Freude können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Weiterhin viel Freude mit dem Kunstwerk Ihres Lebens
wünscht Ihnen herzlichst

Ihre Christina Bolte

PS:
Passend dazu – und als ob er meinen Beitrag gelesen hätte – zu was sich die 168 Stunden der Woche so im Laufe des Lebens aufsummieren können:
Die lesenswerte Kolumne von dm-Gründer Prof. Götz W. Werner aus dem alverde-Kundenmagazin, Ausgabe 09/2012