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Integration

2 Feb

In den letzten Wochen & Monaten war quer durch alle Medien das Thema der zahlreich nach Deutschland (und in andere westeuropäische Länder) kommenden Menschen (manche verwenden auch das Wort Flüchtling) sehr präsent. Auf die vielfältigen Attribute, die in den Medien diesen Menschen zugeschrieben werden, oder die Thesen, ob die hierher kommenden Menschen nun gute Gründe haben, ihre Heimat zu verlassen oder das ganze eine geschickt eingefädelte Aktion von wem auch immer ist, um Europa in Unfrieden zu bringen und damit wirtschaftlich zu schwächen, wie von verschiedenen Stimmen & Gerüchte zu hören ist, möchte ich gar nicht eingehen. Denn eine pauschale Antwort aus deutscher (Aussen-)Perspektive ist aufgrund der Vielzahl der individuellen Gründe der Menschen weder möglich noch etwas anderes als Spekulation.

Auch finde ich es müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob diese Situation nun eine „Gefahr“ oder eine „Chance“ für Deutschland respektive Europa darstellt, wie andere Stimmen verlauten lassen. Denn die Situation ist nun einfach mal da – und damit heißt es umzugehen, egal wie wir sie finden oder bewerten. Und deshalb finde ich es umso wichtiger, sich Gedanken zu machen, wie wir konstruktiv mit der gegenwärtigen Situation umgehen können, sowohl auf national-politischer Ebene als auch auf regional-konkret praktischer Ebene.

Schnell war und ist in den letzten Wochen immer häufiger der Ruf nach „Integration“ zu hören. Offen bleibt nach wie vor, wie diese genau gelingen kann und soll. Nun ist es allerdings so, dass man zwar Menschen dazu bringen kann, Deutschkurse zu besuchen, die sie mit mehr oder weniger Erfolg abschließen. Man kann Menschen auch dazu bringen, irgendeine Arbeit anzunehmen, für die sie qualifiziert sind oder auch nicht. Evtl. haben die Menschen daran ein Interesse oder sogar Freude. Das wäre wunderbar und würde vieles erleichtern. Aber wenn man eines nicht kann, dann ist es, jemanden die „Integration“ in eine andere oder fremde Kultur zu verordnen. Genauso wenig, wie man jemanden dazu zwingen kann, einen anderen Menschen zu lieben.

Dennoch können wir – und mit „Wir“ meine ich uns alle – dazu einen wichtigen Beitrag  leisten, dass die vielen Menschen, die zur Zeit nach Deutschland kommen, eine Kultur und eine Haltung erleben, in die sie sich auch integrieren möchten. Denn der Begriff Integration kommt ja lt. Wikipedia vom Lateinischen integrare, was „erneuern, ergänzen, geistig auffrischen“ bedeutet.

Für diese ‚geistige Auffrischung‘ ist es hilfreich, seinen Blick wie aus einer Hubschrauber-Perspektive mal auf sich selbst zu richten und auf sich selbst zu schauen, wie wir denn eigentlich leben. Damit meine ich nicht: „Wie groß ist das Haus oder die Wohnung, in der wir leben?“ oder „Wie groß das Auto, das jemand fährt?“ Sondern ich meine viel mehr: Wie gehen wir mit Kindern um? Oder mit alten Menschen? Oder mit Fremden? Wie gehen wir um mit Menschen, die andere Gewohnheiten haben als wir, z. B. andere Essgewohnheiten? Sind wir mit ihnen freundlich und offen und einladend oder begegnen wir ihnen mit Misstrauen? Sind wir (und dafür ist Deutschland ja auch ein Stück weit berühmt) strukturiert, organisiert und  „effizient“ oder haben wir vor lauter Effizienz das Gespür für das Wesentliche im Leben verloren – die Lebenskunst, die Mitmenschen, das Sein?

Und so möchte ich noch von einem kleinen Erlebnis aus unserem kleinen Ort bringen, das ich letzten Sommer hatte. Ich war eines Abends auf unseren Acker gefahren (von dem ich bereits hier und an anderer Stelle berichtet hatte), der nicht weit entfernt gelegen ist von einer Asylbewerber-Unterkunft, in der u. a. auch Afrikaner untergebracht sind. Ich war zum Acker hingefahren, um die Pflanzen zu gießen und Unkraut zu zupfen.
Als ich so mitten am Zupfen war, hörte ich auf einmal aus Richtung der Unterkunft Trommelmusik herüberschallen. Mit Trommelmusik (und auch darüber hatte ich ja bereits hier geschrieben) verbinde ich immer Sonne, Strand, Tanzen, Lachen, Lebensfreude & Leichtigkeit.

Und so setzte ich dann ganz beschwingt meine Ackertätigkeit fort – und dachte mir: Da gibt es etwas, was wir uns unsererseits für unser Leben von den Menschen aus anderen Kulturkreisen abschauen können. Ein Geschenk, das auch unser Leben bereichern kann – wenn wir es denn annehmen. Ich denke, es täte uns in vielerlei Hinsicht gut…

Vom Strassenkehren und biologischer Landwirtschaft

13 Apr

Seit wir im letzten Jahr von München „aufs Land“ (korrekter: ins Münchner Umland) gezogen sind, reiht sich – wie mir scheint – eine Spießigkeit an die andere. Neuerdings  probieren wir uns als Biobauern aus, denn wir haben uns für diese Saison eine Ackerfurche auf dem Sonnenacker gepachtet (woanders auch als „Krautgarten“ bekannt) um unser eigenes Gemüse anzubauen – und nebenbei auch noch viel Zeit an der frischen Luft verbringen und dabei mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen.

Nun hört sich ein halber Bifang (1 Bifang sind 100 Meter Ackerfurche) eigentlich relativ wenig an. Wenn man allerdings davor steht und sieht, wie viel da noch von Steinen und Unkraut befreit werden möchte, kommen einem die vor einem liegenden 50 Meter vor wie die lange Strasse von Momos Strassenkehrer Beppo: „Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. […] Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.“ (Zitat aus dem Buch von Michael Ende)

Gleichzeitig sind aber genau diese mühsamen, lästigen Tätigkeiten extrem wertvoll: Nicht nur sind Unkraut zupfen (per Hand versteht sich, denn Herbizide sind auf den Sonnenäckern nicht erlaubt) und Steine aussortieren extrem gut dazu geeignet, die eigenen destruktiven Energien auszutoben, die einen manchmal befallen.
Nein, es sind auch wunderbare Tätigkeiten, um nach einem anstrengenden Tag oder einer anstrengenden Woche am Schreibtisch den Kopf wieder frei zu bekommen. Die mechanischen, gleich-förmigen, Bewegungen veranlassen einen, sich nur auf das Stückchen Acker direkt vor einen zu konzentrieren und gleichen dabei einer Art Meditation.

Darüber hinaus war meine erste Lektion, die ich von „meiner“ Ackerfurche lernen durfte, wie wichtig diese nervigen Aufgaben, die so gar nicht in mein Bild von „ich bin dann mal Biobauer und zieh mein eigenes Gemüse“ passten. Auf Dauer ist es jedenfalls eine ziemlich mühsame Haltung und eine noch lästigere Tätigkeit, so gebückt dazustehen oder zu hocken, um das Unkraut oder die Produkte des Vorjahres-Pächters zu entfernen. Vor allem wenn man (noch) nicht erkennen kann, was es ist bzw. wird.

Aber immerhin will man ja wissen, was man erntet und sich nicht davon überraschen lassen, was kommt (zumindest geht es mir so). Ich fände es ziemlich blöd, am Ende etwas zu ernten, womit ich gar nichts anfangen kann, weil ich es womöglich nicht mag. Topinambur zum Beispiel wuchert ziemlich hartnäckig, schmeckt aber bei bestem Willen nicht jedem.

Und so passt das Biobauerntum irgendwie auch zu meinem Metier. Auch die gestressten Menschen, die zu mir kommen, erledigen häufig, was andere ihnen anschaffen, oder „schauen, was passiert“ – und wundern sich am Ende, dass ihnen das, was dabei heraus kommt, nicht gefällt.
Hier kann es helfen sich vorher zu überlegen, was man am Ende des Tages eigentlich ernten möchte, um dann seine Tätigkeiten entsprechend danach zu planen und auszurichten, auch wenn diese mitunter lästig sind und es somit einfacher erscheint, darauf zu verzichten.

Als kleines „Nebenprodukt“ kam mir, nach ein paar Stunden in gebückter Haltung, so ganz nebenbei auch noch der Gedanke, unter welchen Bedingungen eigentlich die Obst- oder Gemüsesorten produziert sein müssen, die man so für 1,29 Euro das Kilo im Supermarkt kaufen kann. Wieviele Stunden am Tag verbringen wohl die Leute, die berufsmäßig Gemüseanbau betreiben, in einer solchen Haltung oder wo kommen sie her? Oder brauchen die kein Unkraut zu zupfen, weil irgendwelche „ich will gar nicht weiter drüber nachdenken was für“-Mittel verwendet werden?

Na, wenn die Aussicht auf pestizidfreies, selbstgezüchtetes Gemüse mal nicht gleich noch mehr motiviert, das eigene Stück Acker von Unkraut zu befreien – Stück für Stück, Meter für Meter, Schritt für Schritt. Wie Beppo sagt: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“*

Wenn Sie also Unterstützung brauchen, was Sie im wörtlichen und/oder übertragenen Sinne in Zukunft nähren soll, sprechen Sie mich gerne an – ich helfe gerne weiter.

* Die ganze Geschichte von Beppo können Sie hier nachlesen oder dort nachhören – oder Sie kaufen sich gleich das ganze Buch, das ist auch eine schöne Auszeit 🙂

Präsent sein = ein Geschenk sein

1 Jan

Die Weihnachtstage sind nun gerade eben vorüber. Für die einen ist und war es ein Fest der Freude, für andere ein Fest des Stresses und für wieder andere ein Fest der Geschenke. Was scheinbar so widersprüchlich klingt, hat – genauer betrachtet – dennoch viel miteinander zu tun.

Fest der Geschenke…
Geschenke sind Gaben ohne Gegenleistung, die dazu gedacht sind, dem Beschenkten – und manchmal auch dem Schenkenden selbst – eine Freude zu machen. Was eigentlich schön ist, nämlich eben dieses „Freude bereiten wollen“, artet aus verschiedenen Gründen leider ganz häufig in Stress aus. Das ist schade, und widerspricht auch völlig sowohl dem Ziel des Schenkens als auch der Freude. Aber warum ist das so?

Ein Faktor ist sicherlich, dass anders als an Geburtstagen, wo gerade immer nur ein Mensch „bedacht werden muss“, viele Menschen das Gefühl haben, nun gerade noch für alle möglichen Menschen im Umfeld noch Geschenke kaufen „zu müssen“, zu allem Überfluss meistens auch noch auf den letzten Drücker, weil sich ja in den Wochen zuvor noch so viele andere Dinge zeitlich gehäuft hatte, wie diverse Weihnachtsfeiern oder die Jahresabschlussarbeiten im Büro.
Wie sonst lässt sich erklären, dass am 22.12. im Radio zu hören war, dass der Einzelhandel bis zum Heiligenabend (also in 1 1/2 Arbeitstagen) noch mit 20 % des Weihnachtsumsatz rechnet? So jedenfalls verursacht die ganze Schenkerei – neben dem ganzen anderen organisatorischen Programm, wie die anstehende Verwandtenbesuche, die alle geplant und unter einen Hut gebracht werden müssen, das extra-perfekte Festtagsessen und überhaupt die ganze Völlerei – also ordentlich Stress und manchmal auch Widerwillen.

Dazu kommt noch, was soll man den anderen überhaupt schenken – die meisten von uns haben doch eh schon alles. Und weder braucht „Mann“ das fünfte Paar Socken, noch braucht „Frau“ das dritte Parfüm oder das zehnte Kuscheltier (liebe Herren der Schöpfung, bevor Sie „einfach so“ annehmen, dass Ihre Partnerin sich darüber freut, weil Sie es in der Ver- gangenheit mal von einer Frau so erlebt haben: Bitte, bitte, bitte fragen Sie nach, denn nicht jede Frau freut sich darüber wirklich…)
Sicherlich haben die meisten von uns schon erlebt, ein Geschenk erhalten zu haben, was uns nicht wirklich im Herzen Freude bereitet hat (für meine persönlichen Highlights siehe oben :-)), und vor lauter „sag ich’s jetzt dem/der anderen oder besser nicht, damit er/sie nicht beleidigt ist“ darf man sich dazu noch überlegen, wie man es hinbekommt, dass das Lächeln auf dem eigenen Gesicht mehr dankbar-erfreut wirkt als gequält. Puh wie anstrengend!

Und überhaupt, diese dämliche Verpflichtung, jemand anderem was schenken ZU MÜSSEN! Der/die Beschenkte könnte ja ein Geschenk erwarten. Nee, per definitionem ist das dann kein Geschenk mehr, sondern eher ein Tausch, denn ein Geschenk ist ja eine Gabe ohne Gegenleistung.

In einer Zeit, wo so viele Menschen darüber klagen, „dass sie keine Zeit haben“ oder „wie schnell das Jahr wieder vorbei gegangen ist“, wäre es da nicht viel einfacher, anstatt seine Zeit in Geschenkekaufen zu investieren, einfach nur Zeit zu verschenken und die Zeit direkt mit seinen Lieben zu verbringen? Qualitätszeit, versteht sich.
Zeit zu schenken ist in solchen Zeiten wirklich ein besonderes, wertvolles Geschenk und eines mit Mehrwert noch dazu, z. B. wenn der gestresste Papa, der eh so selten zu Hause ist, mit seinen Kindern (hoffentlich nicht nur an Weihnachten) einfach nur spielt, kann das ein ganz wunderbares Geschenk sein. Oder Qualitätszeit kann bedeuten, mit seinem Partner/seiner Partnerin zu kuscheln oder sich mit den Eltern/Großeltern einfach nur unterhalten oder ihnen einfach nur zu zuhören.

Ja, „einfach nur dasein“ klingt so einfach, ist aber für viele von uns, die wir gewohnt sind, permanent aktiv zu sein und Leistung zu erbringen, ganz schön schwierig.
Vielleicht gelingt es einfacher, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass das englische Wort present außer Geschenk auch noch Präsenz bedeutet, also Gegenwart. Wenn das mal kein Zufall ist!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihre Zeit im neuen, vor uns liegenden Jahr möglichst häufig als Geschenk verstehen können und es Ihnen häufiger gelingen möge, „einfach nur da zu sein“ – sei es für Sie selber oder für andere.

Möge dieses Jahr Ihnen Gesundheit, Liebe und Zufriedenheit bringen.

Herzlichst, Ihre Christina Bolte

Farewell & neue Ufer…

24 Sep

Auch schon über die längere Funkstille in letzter Zeit gewundert? Eigentlich hatte ich auch schon viel eher wieder etwas schreiben wollen, aber aufgrund einer größeren, anstehenden Veränderung in meinem Leben (Umzug) war mein Kopf irgendwie wie leer. Oder sollte ich doch besser sagen, dass mein Kopf vielmehr zu voll war? Voll mit Organisieren, voll mit aufräumen und entrümpeln, voll mit „wo bekomme ich noch dieses oder jenes her“ oder „um das und jenes muss ich mich auch noch kümmern“?

Kaum denkt man, dass die mehrmals wöchentliche Fahrerei zu Wertstoffhöfen oder caritativen Einrichtungen endlich ein Ende hat, kommt man drauf, dass bei der einen oder anderen Sache – sei es Nachsendeantrag oder der neue Telefonanschluss – das eine oder andere nicht so geklappt hat, wie gewünscht. Und so dreht man dann noch mal eine Schleife…

Und dann der Umzug selbst – trotz oben erwähnter mehrfach wöchentlicher Fahrerei zu Wertstoffhöfen oder caritativen Einrichtungen und etlichen Ebay-Auktionen waren es immer noch so viele Umzugskisten, dass ich (von der Schlepperei mal ganz abgesehen) fast erschrocken bin. Und dabei hatte ich mich doch für einen Ausstattungsminimalisten gehalten…
Und nein, die wenigsten meiner Kartons waren voll mit Klamotten und Schuhen.

Dennoch ist mir mal wieder so richtig bewußt geworden, was für ein Stress so ein Umzug eigentlich bedeutet. Kisten einpacken, Möbel zerlegen, einladen in den Umzugswagen, mit selbigem von A nach B fahren, ausladen (Schritte 3-5 beliebig oft wiederholen), Möbel zusammenbauen (Schritt 6 beliebig oft wiederholen), Möbel hinstellen, Möbel umstellen, Kisten auspacken…

Jedenfalls musste ich inmitten von diesem Chaos wieder an das Sprichrt denken: „Für jede Tür, die sich schliesst, öffnet sich eine andere!“ Manchmal neigt man aber mehr dazu, auf die geschlossene als auf die offene Tür zu sehen. Das führt dann häufig zu Verbitterung oder angestauter Wut, oder mitunter – in langfristiger Konsequenz – zu einer Depression.

Aber da ich meine Umzugsentscheidung ja sehr bewußt getroffen und das Umfeld auch sehr genau ausgewählt habe, freue ich mich nach den ganzen „Abschieden“ – von der alten Wohnung, dem alten Umfeld, der alten Stammkneipe und natürlich auch von dem ganzen entrümpelten Zeug – umso mehr auf die vielen „Hallos“ und „Willkommens“: Vor allem die neue Wohnung natürlich, der potentielle Stamm-Italiener um die Ecke wurde schon mehrfach beehrt (alleine, um die Wartezeit auf die neue Küche zu überbrücken), die ganzen Mitfahrer, die an der gleichen Station in die S-Bahn steigen, die neuen Läden, und jeder Spaziergang ist ein kleines Abenteuer der persönlichen Neuentdeckungen…

In diesem Sinne möchte ich Sie gerne einladen: Tun Sie doch jeden Tag mal etwas, was Sie noch nie getan haben. Es müssen ja nicht gleich die ganz großen Dinge sein, sondern könnte auch einfach bedeuten, beispielsweise mal einen neuen Laden zu betreten, bewußt einen Umweg zu fahren und so eine neue Strasse zu entdecken, oder Sie könnten ein Gericht aus der Speisekarte auswählen, dass Sie noch nie gewählt haben oder in der Ubahn einfach mal jemand Wildfremdes anlächeln.

Und dann schauen Sie, was dann passiert und wie es Ihnen dabei ergeht. Ich freue mich, wenn Sie Ihre Erlebnisse mit mir teilen!

Herzlichst,

Ihre Christina Bolte

Zitat

Von der Freiheit

19 Aug

Vor einigen Jahren noch war ich ziemlich stolz, eine moderne unabhängige Frau zu sein: eigenes Einkommen, eigene Wohnung, eigenes Auto, Urlaub wann und wohin ich Lust hatte – Freiheit pur! Und auch keinen Mann von dem ich mir etwas verbieten oder sagen lassen musste (seit mein erster Freund mir damals eine Szene gemacht hatte, weil ich mich in 150 Kilometer Entfernung um einen Ausbildungsplatz beworben hatte, hatte ich mir geschworen, mir nie wieder etwas verbieten zu lassen). Allerdings hatte dies den Nachteil, dass ich auch sonst keinen hatte, mit dem ich eine erfüllte und sich gegenseitig unterstützende Liebesbeziehung führte.

Aber das machte nix, denn ich hatte ja genügend Freunde, mit denen ich Inlineskaten, auf Afterwork Parties oder Mountainbiken konnte. Außerdem lernte während meiner Urlaubsreisen beim Tauchen, die ich meist alleine antrat, weil von meinen Freunden nie jemand zur selben Zeit frei hatte wie ich, auch immer wieder neue Leute kennen. Somit (und natürlich mit meinem Job, mit dem ich mich mächtig wichtig fühlte) war mein Terminkalender eh immer gut ausgefüllt, als dass dort noch Platz für eine Beziehung gewesen wäre.

Nun gut, das war wie gesagt vor etlichen Jahren. Irgendwann merkte ich dann, dass mir inmitten dieses scheinbaren Wohlstand, Fülle und Freiheit in meinem Inneren eine zunehmende Leere immer mehr Platz einnahm. Ein voller Terminkalender bedeutet eben nicht automatisch ein erfülltes Leben, und Urlaubsreisen sind halt auch nur halb so schön, wenn man die Erinnerungen an die schönen Momente mit niemandem teilen kann…  Das ist eben der Nachteil von Freiheit ohne Beziehungen im Allgemeinen…

Aufgrund dieser wachsenden inneren Leere habe ich mittlerweile mein ganzes Leben umgekrempelt (wie es dazu kam, können Sie an anderer Stelle nachlesen). Nacheinander gab ich erst meinen gut bezahlten Job auf, in dem ich weder Sinn noch Freude empfand (häufig geäußerter oder auch nur gedachter Kommentar: „Wie kann man nur so bescheuert sein und sooo einen Job einfach hinschmeißen für so ein Hirngespinst?“), später auch mein Auto (der TÜV hat uns geschieden) und zu guter letzt auch noch die eigene Wohnung – und mit ihr ein Haufen Zeug, das ich früher für wichtig und/oder existenziell hielt.
Statt dessen habe ich nun eine spannende, herausfordernde Aufgabe, die mir das Gefühl gibt, etwas Sinnvolles zu tun, und darüber hinaus habe ich eine wundervoll tiefe Beziehung mit dem tollsten Mann der Welt, der mich moralisch wie praktisch unterstützt und mit dem ich mittlerweile auch zusammen wohne.  Freude ist eben das Einzige, was sich verdoppelt wenn man es teilt.

Und so finde ich mich heute – teils selbst gewählt, teils gezwungenermaßen – in einer Situation wieder, die mich während eingangs erwähnter Zeit schier wahnsinnig gemacht hätte. Wobei, das nur teilweise stimmt – ich glaube, ich wäre solchen Menschen wir mir heute damals mit ziemlichem Mitleid begegnet.
„Menschen wie mir heute“ heißt: Kein regelmäßiges Einkommen mehr, kein eigenes Auto und  somit – aus meiner damaligen Perspektive heraus – mehr oder weniger abhängig vom Wohlwollen des Partners.

Dabei ist es eine genauso spannende und herausfordernde Aufgabe wie die Berufliche, die Beziehung zu meinem Liebsten und sein „Wohlwollen“ lebendig zu halten. Was für jeden von uns beiden sowie für uns beide gemeinsam ein gewisses Maß an Anpassungs- bzw. Veränderungsbereitschaft und Wachstum bedeutet. „Zusammen-wachsen“ im Sinne des Wortes. Denn der Hauptunterschied zwischen Abhängigkeit und Freude ist wie müssen und dürfen – eine Frage der Perspektive. Vor allem kann man weder Seelenheil, noch wahre Freundschaft und noch Herzens-Freude auch für noch so viel Geld käuflich erwerben.

Freude im Leben zu empfinden, ist und bleibt eben ein elementarer Aspekt von Gesundheit. Außerdem kann mir –  wenn ich alles, was mir wichtig ist und Freude bereitet und mich lebendig hält, in mir und in meinem Herzen „dabei“ habe – niemand mehr etwas nehmen.  Und auch wenn es Janice Joplin und Kris Kristofferson in ihrem Lied Me & Bobby McGee vermutlich anders gemeint haben, als sie sang Freedom’s just another word for nothing left to lose (Freiheit ist nur ein anderes Wort für nichts zu verlieren zu haben) – vor dem Hintergrund ihres frühen (Frei-)Todes ist der obige Aspekt sicherlich nicht ganz zu vernachlässigen.

Work-Life-Balance – oder: Das Prinzip Freude…

26 Dez

Dieser Beitrag ist Bestandteil eines Vortrages zum Thema Work-Life-Balance, den ich im April 2010 anläßlich des „Aktionstages Gesundheitsbewegung – Wir bringen Bewegung in Ihre Gesundheit“ hielt.
Der Aktionstag fand damals – passend zur Bewegung – in einem (BMW-) Autohaus in München statt.

Als ich ein paar Wochen zuvor anfing, in meinem Bekanntenkreis von dieser Gesundheitsausstellung im Autohaus zu erzählen, fragten mich viele, worin denn überhaupt der Zusammenhang bestünde und was denn Gesundheit überhaupt mit Auto zu tun hätte. Passenderweise war mir etwa drei Wochen die folgende kleine Anekdote passiert, die ich an dieser Stelle erzählte:

Ich war eine längere Strecke mit meinem Auto unterwegs, als auf einmal das kleine Warnlämpchen mit dem Motorsymbol anfing zu leuchten. Nachdem gerade das Aufleuchten dieses Lämpchen so viele verschiedene Ursachen haben kann, bin ich also in die Werkstatt gefahren, um den Fehlerspeicher auslesen zu lassen.
Und wissen Sie, was die Fehlermeldung war? Sie lautete „Falsches Gemisch“.

Nun, beim Auto bezieht sich das natürlich auf das Kraftstoff-Luft-Gemisch, das bei der Verbrennung im Motor optimal eingestellt sein muss, damit das Auto eine optimale Leistung in Verbindung mit einem ressourcen-schonenden Verbrauch erbringen kann. Außerdem kann es bei einem falschen Gemisch zu Rückständen im Motor kommen, mit dem Risiko dass dieser vorzeitig ausfällt.

Was hat das nun mit dem Titel meines Vortrags, mit Work-Life-Balance zu tun? Nun: Auch bei uns Menschen kommt es darauf an, dass die „Zutaten“ unseres Lebens eine für uns persönlich optimale Mischung haben, damit wir eine möglichst lange Lebensdauer bei bestmöglicher Gesundheit haben können.

Denn Balance ist englisch und bedeutet sowohl Balance, Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, als auch Waage. In diesem Zusammenhang sprechen wir von der Ausgewogenheit zwischen Work, also Arbeit, in ihrer vielfältigsten Form, auf der einen Seite – und Life, also Leben, auf der anderen Seite.

Das ganze verdeutlichte ich mit dem folgenden Beispiel:

Auf der einen Seite ist die Waagschale mit WORK, also Arbeit. Das ist neben der beruflichen Arbeit auch die Fahrtzeit dorthin (und wieder nach Hause). Außerdem gibt es noch weitere Verpflichtungen,  Hausarbeit, Besorgungen, Gartenarbeit, Schularbeiten­aufsicht beispielsweise.
Was das in Stunden ausmacht, können die meisten von uns sicherlich gut beziffern.

Die Frage, die daraus resultiert ist: Ist der zeitliche Umfang Ihrer Arbeit in Ordnung für Sie?
Oder ist es Ihnen zu viel?

Die zweite Waagschale ist das, was einen Ausgleich darstellen könnte. Was gehört für Sie zum LIFE – zum Leben dazu? Hier ein paar Beispiele:

  • Familie bzw. Partnerschaft / Beziehung: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Familie?
    Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin / Ihrem Lebensgefährten oder Ihrer Lebensgefährtin? Reicht Ihnen das? Verbringen Sie die Zeit dann mit gemeinsamen Interessen oder streiten Sie eher nur?
    Wie oft sehen Sie Ihre Kinder oder beispielsweise Ihre Eltern, die gehören ja auch zur Familie?Und was machen Sie zusammen mit Ihren Kindern, wenn Sie sie sehen? Spielen Sie mit ihnen und haben Sie Spaß dabei? Erziehen Sie Ihre Kinder nur, statt ihnen zu spielen, lesen, ihnen zuzuhören usw.  oder würden Sie sie am liebsten genervt weg schicken, weil Sie so k.o. von der Arbeit sind?
  • Soziales Umfeld: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Freunden, oder mit anderen Menschen, die Sie zum Beispiel aus Vereinen, Parteien oder sonstigen Freizeit­organisationen kennen? Reicht Ihnen das oder würden Sie gerne mehr, oder häufigere Kontakte pflegen? Sind es Ihre Kontakte oder die Ihres Partner / Ihrer Partnerin?
    Oder sind Sie evtl. nur genervt von all den Menschen, die immer irgendetwas von Ihnen wollen, sich aber doch gar nicht in Sie hineinversetzen können und sowieso keine Ahnung haben, was Sie eigentlich bewegt?
  • Sport: Wie oft machen Sie Sport? Ob das nun Radfahren, Fußball, Wandern, der Besuch im Fitnessstudio oder der tägliche Fußweg (die Betonung liegt hier auf Fuß-Weg) zur Arbeit ist, ist da ja zweitrangig?
    Und wie intensiv? Reicht Ihnen das? Können Sie Ihren Sport genießen oder machen Sie ihn aus einem Pflichtgefühl heraus?
  • Gesundheit: Wie steht es um Ihre Gesundheit? Leiden Sie unter Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rücken- oder anderen Gelenkschmerzen oder Depressionen?Dies alles sind leider sehr häufige Folgen eines unausgewogenen Lebensstils.
    Auch häufige Erkältungen, Hautausschläge oder andere Zeichen eines schwächelnden Immunsystems sind leider in unserer Gesellschaft ganz verbreitet.
  • Was sehr eng mit dem letzten Punkt zusammenhängt, ist das Schlafen. Wie viele Stunden schlafen Sie täglich? Reicht Ihnen das? Wie ist die Schlaf-Qualität? Schlafen Sie tief und fest durch und wachen erst am nächsten Morgen ausgeruht mit dem Wecker auf – oder  evtl. sogar ganz ohne Wecker? Oder kommen Sie abends nur schwer ins Bett und morgens nur wieder schwer heraus? Oder wachen Sie mitten in der Nacht mit starkem Herzklopfen und wilden Gedankengängen auf und wälzen dann wach von einer Seite auf die andere?
  • Was außerdem sehr eng mit dem Thema Gesundheit zusammenhängt, ist die Ernährung:
    Wie oft nehmen Sie regelmäßig am Tag eine Mahlzeit ein, und wie oft ist diese auch warm? Wie ist die Qualität des Essens, d. h. setzen Sie sich dabei hin?
    Sorgen Sie beim Essen für eine ruhige, angenehme Atmosphäre? Oder essen Sie morgens auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn und arbeiten mittags nebenher noch am Computer, weil Sie so viel zu tun haben?
    Und natürlich sollte auch die Kalorienzufuhr in einem angemessenen Verhältnis zur Bewegung, d. h. zum Verbrauch stehen.
    Kochen Sie eigentlich selbst (oder haben einen Partner/-in, der selbst kocht)? Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse oder essen Sie meistens lieber eine Fertig-Pizza, ein belegtes Brot oder ein Sandwich und Schokolade, weil das so schön schnell geht?
    Ernähren Sie sich also mehr von Nahrungs-Mitteln oder von Lebens-Mitteln? Und was denken Sie, ist der Unterschied von Nahrungs- und Lebensmitteln?
  • Und wie viel Zeit verbringen Sie eigentlich regelmäßig mit dem wertvollsten Menschen in Ihrem Leben? Mit wem? Na – mit sich selbst!? Wie viel Zeit nehmen Sie sich wirklich nur für sich selbst?
    Sie könnten sich zum Beispiel in Ruhe in die Badewanne legen, ein schönes Buch lesen, ganz entspannt eine schöne CD hören, eine Runde in der Natur spazieren gehen, sich kurz mal in die Sonne setzen oder einfach nur mal eine Runde herzerfrischend lachen.
    Haben Sie schon einmal bewusst ausprobiert, wie gut das tut? Wäre das nicht eine schöne Erfahrung, sich bewusst und gewollt selbst ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, anstatt darauf zu hoffen, dass es jemand anders tut – was auch oft genug überhaupt nicht geschieht.
  • Damit zusammen hängt außerdem auch noch ein anderer wichtiger Punkt: Stille bzw. geistige Einkehr und Zentrierung.
    Sie können sich darunter nichts vorstellen? Damit ist die bewusste Auseinandersetzung mit dem inneren „Ich“ gemeint, das sind Tätigkeiten – na ja, das ist vielleicht das falsche Wort – nennen wir es eher „Übungen“, gemeint, wie z. B. Yoga, Entspannungsübungen, Meditation, Gebete, Schweigen, oder wie auch immer Sie es nennen möchten. In jedem Falle ist es ein „zur Ruhe kommen“, „in seine Mitte“ kommen, „aus dem Alltag heraustreten“.

Natürlich gibt es da auch Schnittmengen, z. B. wenn Sie sich mit Ihren Freunden zum Joggen verabreden oder im Verein Fußball spielen, kann das Sport sein oder auch soziales Umfeld, genauso wie Angeln ebenfalls Sport, soziales Umfeld oder Meditation sein kann. Nun ja, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, nun zurück zum Thema.

Wer mag, kann an dieser Stelle dem Beispiel folgen, dass Sie hier finden.

Was können Sie also zum Ausgleich tun, wenn Sie feststellen, dass sich Ihre Lebensbalance im Ungleichgewicht befindet? Am besten nehmen Sie sich nicht gleich alles auf einmal vor, denn wenn Sie sich vornehmen, von heute auf morgen alles umzukrempeln, und es nicht sofort klappt, ist das natürlich demotivierend und frustrierend.
Insofern ist es sinnvoll, langsam vorzugehen und eines nach dem anderen anzuschauen. Schritt für Schritt – und mit der nötigen Toleranz und Geduld mit sich selbst.

Zunächst einmal können Sie die WORK-Waagschale, also die Seite mit der Arbeit verändern.
Verändern heißt in dem Fall: Reduzieren.

  • Das können Sie entweder tun, in dem Sie die Quantität reduzieren, also die Stundenanzahl.
    Dazu ein paar Gedankenanstöße und Ideen:
    – Wer sagt Ihnen, wie viel Sie arbeiten müssen? Ihr Chef? Sie sich selbst?
    – Haben Sie mal ausprobiert, einfach weniger zu arbeiten und mal zu schauen, wie vielen Leuten es überhaupt
    auffällt und wie viele Leute sich dann eigentlich tatsächlich beschweren?
    (Falls Sie sagen, das ginge nicht: Das dachte ich vor ein paar Jahren auch, und dann hab ich es einfach mal ausprobiert. Und glauben Sie mir, wenn es nicht funktionieren würde, würde ich es Ihnen nicht empfehlen.
    Also, bei mir waren es übrigens nur zwei Personen, denen es überhaupt aufgefallen ist, und von beiden hing zumindest bei mir keine Gehaltserhöhung ab…)
    Und selbst wenn bei Ihnen persönlich die Arbeit Spaß macht, ist bei Ihnen ein Mehr an Arbeit auch automatisch ein Mehr an Spaß? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch.
  • Die Alternative zum Reduzieren der Stundenanzahl ist, den Inhalt der Waagschale also Ihre persönliche Belastung – leichter zu machen, indem Sie die Qualität erhöhen. Denn wenn Ihnen eine Sache Spaß und Freude macht, wirkt sie viiieel leichter, wie ein mit Gas gefüllter Luftballon, der Sie und Ihre Waagschale schweben lässt.
    Hier hilft Ihnen vielleicht die Fragestellung weiter: „Wobei fühlen Sie sich wohl?“Das können Sie zum Beispiel dadurch erreichen, dass Sie Ihre Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen oder erweitern. Schaffen Sie sich Spielraum, übernehmen Sie Verantwortung, zeigen Sie Initiative.
    Suchen Sie sich die Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, anstatt welche zugeteilt zu bekommen, die keinen Spaß machen. Die können Sie ja nicht mehr erledigen, denn Sie sind ja schon mit den anderen Aufgaben ausgelastet. Und wenn Sie sich schon nicht die Aufgaben und Ziele selbst aussuchen können, versuchen Sie wenigstens den Weg dorthin selbst zu suchen. Auch Delegieren ist unter Umständen eine Möglichkeit.Ganz wichtig ist übrigens dabei authentisch zu bleiben. Sich verbiegen schafft keine Lebens­qualität. Also verbiegen Sie sich nicht um ins Unternehmen zu passen, sondern suchen Sie sich langfristig eines das zu Ihnen passt. Stehen Sie ruhig zu sich und Ihrer Meinung, auch wenn sie anders ist. Die einzige Regel ist hier: Der Ton macht die Musik.Ganz entscheidend ist aber: Ärger können Sie nicht vermeiden. Denn Ärger oder sich ärgern ist eine Bewertung von Anlässen die von außen kommen, also wie Sie damit umgehen. Und andere kann man bekanntlich nicht ändern.
    Was Sie allerdings ändern können, ist die Art und Weise, wie Sie diese Anlässe bewerten. Eine Frage, die sich für mich in solchen Fällen zur Leitfrage entwickelt hat, ist die folgende:
    “Ist dieser Anlass, diese Sache so wichtig, dass ich mich auch in einer Stunde oder auch morgen noch darüber aufregen werde? Und vor allem: Ändert es etwas, wenn ich mich darüber aufrege, außer dass ich meine eigene Lebensqualität und –erwartung reduziere?!“

Zum anderen können Sie die zweite Waagschale verändern, also der Seite mit dem Leben „mehr Gewicht“ zu verleihen. Auch hier haben Sie wieder zwei Möglichkeiten:

  • Entweder Sie erhöhen die Quantität, die Menge an Zeit. Das Stichwort ist dann: Sich Zeit nehmen, für Ihre Familie und Freunde und für sich selbst. (Mir ist schon klar, dass das nur in begrenztem Umfang geht, weil für jeden der Tag nur 24 Stunden hat, wie wir hier gesehen haben.)
    Beispielsweise könnten Sie abends eher aus dem Büro nach Hause gehen um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und dann evtl. anschließend zu Hause weiter arbeiten, wenn die Kinder bereits im Bett sind.
    Oder Sie lassen einfach mal Radio oder Fernseher aus und erfahren so anstatt der Neuigkeiten aus der Welt – die ohnehin oft negativ und/oder oberflächlich sind – die Neuigkeiten aus dem Leben Ihrer Lieben.
  • Alternativ erhöhen Sie die Qualität dieser Waagschale: Indem Sie Ihre Gedanken und Einstellung dazu zu verändern. Das ist kein leichter, aber auf jeden Fall ein lohnender Weg.

Generell kann man also sagen, dass bei einer ausgewogenen Work-Life-Balance sowohl jede Seite einzeln aus auch das Gesamtkonstrukt mit dem Begriff „Lebensqualität“ zusammen gefasst werden kann. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebenskünstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv. Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Das hat natürlich auch wieder was mit authentisch sein zu tun. Und mit Verantwortung, Selbst-Verantwortung, denn sie kommt aus Ihnen selbst.

Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Pflegen Sie es, und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Das Gute dabei ist, in puncto Gesundheit, Ernährung, Entspannung, Sport und geistige Einkehr kann ich Sie sogar unterstützen.

Aber ausprobieren müssen Sie es natürlich selbst . Glauben Sie mir – es macht unheimlich Freude!
Und im Jargon des Gastgebers des Gesundheitstages gesprochen:  Freude … ist Energie… ist Power!
Sowohl mit Freude als auch mit Energie oder Power können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Zum Abschluss meiner Gedankenreise noch eine Bitte :
Nehmen Sie die Warnlampen in Ihrem Leben bzw. die Ihres Körpers ernst. Denn wenn Sie die Fehlerursachen beheben, können Sie schwerwiegende Ausfälle verhindern, und was viel wichtiger ist, Sie verlängern Ihre Lebensdauer und verbessern außerdem Ihre Lebensqualität!

Herzlichst,

Ihre Christina Bolte

Über die Vereinbarkeit von Gesundheit und Life-Style

26 Okt

Wie ich bereits hier erwähnte, war ich vor einiger Zeit als Zuhörerin bei einer Podiumsdiskussion, bei der es darum ging, dass sich gemäß einer von den Veranstaltern in Auftrag gegebenen Demografie-Studie die Menschheit (in diesem Falle die Oberbayerns) einer immer höhere Lebenserwartung erfreuen darf. Wobei gemäß dieser Studie von „freuen“ wohl eher nicht die Rede sein wird, weil anscheinend das höhere Lebensalter nicht unbedingt mit einer höheren Lebensqualität einher gehen wird.

Leider wurde in dieser Podiumsdiskussion mehr über das Problem des (zukünftig) noch größer werdenden Bedarf an Ärzten und Pflegeeinrichtungen diskutiert (den ich an dieser Stelle auch gar nicht wegdiskutieren möchte), als darüber wie es erreicht werden kann, dass die Menschen zukünftig zwar älter aber nicht unbedingt kränker werden müssen.
Dabei wurde das für diese Situation extrem hilfreiche (Zauber-)Wort „Prävention“ von den Teilnehmern der Diskussion eher mit einem abfälligen „Ach ja, das schon wieder“ gewürdigt.

Diese Denkweise scheint nun allerdings völlig dem Usus der heutigen Zeit zu entsprechen, denn sowohl in der Politik wie auch in der Wirtschaft scheint es an der Tagesordnung zu stehen, kurzfristige Ergebnisoptimierung zu betreiben, die sich auf die Zeitdauer der amtierenden Landes- und Unternehmens-Fürsten begrenzt. Was aus meiner Sicht aber weder für wirklichen Weitblick und noch für Nachhaltigkeitsbewusstsein spricht.

Prävention und Lifestyle

Denn wenn jeder frühzeitig investierte Euro (der beispielsweise für eine Schulung von Gesundheits-bewusstsein und Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen investiert wird) am Ende des Tages Millionen oder Milliarden von Euro spart, die für die Diabetesmedikamente und Blutdrucksenker der zukünftigen Diabetiker ausgegeben werden müssten, wäre das zwar ein nachhaltiges und langfristiges Ergebnis, mit dem Nachteil, dass es sich aber leider nicht unsere heutigen Damen und Herren Politiker auf die Fahnen schreiben können, sondern primär die zukünftigen Generationen profitieren. Schwieriges Dilemma, nicht nur für „die da oben“, sondern auch für jeden einzelnen von uns…

Denn ein paar Wochen später bekam ich eine Studie in die Hand, in der es um Life-Style ging. Unter Life-Style fielen für mich bis zu dem Zeitpunkt (und auch nach dem Verständnis von Wikipedia) eher Lebensstile, die stark auf Luxus und Konsum ausgerichtet sind und mit Adjektiven wie „modern“ und „stylish“ assoziiert werden können. Vor allem in den sogenannten „Lifestyle-Medien“ sind hauptsächlich Hinweise auf Partys, Unterhaltungs- und Vergnügungsveranstaltungen, Diskotheken, Restaurants, Mode usw. zu finden.

Insofern klingt das Wort „Prävention“ (im Sinne von gesundes Essen oder ausreichend Bewegung) natürlich im ersten Ansatz auch auf der persönlichen Ebene eher nach Verzicht oder einer scheinbaren Einschränkung an Genuss oder Lebensqualität an, als nach Life-Style.

Dennoch sehe ich die Chance, sich auch im Alter noch einer hohen Lebensqualität und einem hohen Maß an Gesundheit zu erfreuen, durchaus als langfristigen Mehrwert für jeden einzelnen von uns wie auch für die Gesellschaft. Denn Gesundheit und ein gesunder Körper sind nicht – wie weitläufig verbreitet –  ein Luxusgut, das man hat oder nicht, sondern etwas zu dem man durch sein eigenes Verhalten etwas beitragen kann, und zwar je früher desto besser. Ich unterstelle Ihnen an dieser Stelle einfach mal, dass Sie Ihr Auto ja vermutlich auch regelmäßig zum Service bringen und es nicht gerade mit den billigsten Ölen und Kraftstoffen befüllen, den Sie finden…

Die Herausforderung dabei in Bezug auf das gesunde Altern ist, dass dies ein komplettes Umdenken erfordert. Neben einer kompletten Neustrukturierung unseres Gesundheitssystems (auf das ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte) verlangt dies nämlich von jedem einzelnen von uns einen proaktiven Lebensstil, mit dem so früh wie möglich begonnen werden kann. Wichtig dabei ist das Verständnis, dass nicht nur mit Cremes oder notfalls auch Schönheits-OPs zum Erhalt der äußeren Schönheit beigetragen wird. Sondern auch zur Erhaltung der „inneren Schönheit“ und vor allem Gesundheit kann eben auch schon in der Jugend beigetragen werden, vorzugsweise mit gesundem Essen, ausreichend Bewegung, sowie Alkohol- und Nikotin-Abstinenz. Auch Schlaf anstatt vieler durchfeierter Nächte leistet langfristig einen positiven Beitrag zu unserer Gesundheit. Insofern finde ich es einen interessanten Gedankengang, den ich besagter Studie entnommen habe und den ich hier deshalb aufgreifen möchte, die weiterentwickelte Form von Lifestyle als „Life-Design“ zu betrachten.

Die wichtige Botschaft dabei ist, dass ein gesunder Lebenstil (Life-Style)  nicht Verzicht und Zwang bedeuten, sondern Genuß und Freude!
Denn wer weiß, vielleicht wird auch dem gemeinsamen Kochen einer gesunden Mahlzeit im Freundeskreis ein vergleichbarer „stylischer“ Status eingeräumt wie das gemeinsame Konsumieren überteuerter alkoholischer Getränke und lauter Musik beim nächtlichen Disko-Besuch. Ebenfalls interessant ist, dass das Wort „Sport“ hergeleitet ist vom lateinischen dispertare: sich zerstreuen, sich vergnügen. Ziehen Sie also bitte auch in Erwägung, dass Sport Spass bereiten darf!

Die neue, zukünftige Definition von Lifestyle wäre also, dass Lifestyle die Kunst  ist, für die Gestaltung seiner eigenen Gesundheitszufriedenheit selbst die Verantwortung zu übernehmen. Jeder von uns hat für sich selbst die Aufgabe und kann die entsprechenden Fähigkeiten erlernen, sich seine Gesundheit selbst zu entwickeln!
Was meiner Meinung nach gar nicht so schwer ist. Denn genauso wie für die deutliche Mehrheit unserer Gesellschaft ein gewisses Maß an Körperhygiene (also beispielsweise Händewaschen oder Zähneputzen) mittlerweile eine Selbstverständlichkeit geworden ist, kann zukünftig auch eine neue Form der Hygiene selbstverständlich werden – die Psycho-Hygiene. Was das ist? Den Körper/Kopf sowie den Geist und die Seele rein halten von psychischem „Müll“. Wie das geht? Ganz einfach: mit  Bewegung, Entspannung, Mentaltraining. Denn nachdem dies dem ganzheitliches Konzept der Burnout-Lotsen entspricht, haben Sie auch gleich ein ganzes Netzwerk an Ansprechpartnern zur Verfügung, die Sie hier finden.

Für den Raum München stehe ich Ihnen zur Verfügung, für Diskussionen wie auch für Unterstützung.
Bitte sprechen Sie mich an!

Literatur-Tipp:
Healthness: Die nächste Stufe des Megatrends Gesundheit„,
erschienen im Verlag Zukunftsinstitut, 136 Seiten,
ISBN-10: 3938284668 bzw. ISBN-13: 978-3938284667

Herzschlag des Lebens (1)

15 Sep

Vor kurzem war ich – wie auch schon mal vor zwei Jahren – auf einem Sommerfest im Zeichen des Herztrommelns.
Nach einer kurzen Einstimmung auf die Instrumente wurde in einer großen Gruppe die ganze Nacht durch bis zum Morgengrauen getanzt und getrommelt. 
Hier ein kurzer Eindruck vom Trommeln im Rhythmus unseres Herzschlages…

Der Abend beginnt. Im Rhythmus des Herzens. Da – dum.
Das Rasseln, der Tanz, der Bass. Da – dum.
Die ganze Zeit, stundenlang. Da – dum.
Beim Essen, beim Trinken. Da – dum.
Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Da – dum.
Beim Dösen, beim Schlafen. Da – dum.
Beim Spielen, beim Kuscheln. Da – dum.
Während ich lausche und fühle. Da – dum.
Ich bin geborgen. Überall. Da – dum.
Verbunden, mit dem Rhythmus des Herzens. Da – dum.
Mit mir und den anderen. Da – dum.
Herzliche Begegnungen mit netten Menschen. Da – dum.
Wärme und Heilung. Da – dum.

Doch dann: Das Morgengrauen!
Der Herzschlag hört auf. – Stille –
Ich höre und spüre – Stille –
Nur Kälte und – Stille –
Ich fühle mich einsam und verlassen.

So muss es sein, wenn man das Licht der Welt erblickt.
Aus dem Mutterleib in die Welt kommt.
Statt Geborgenheit und Da – dum
Nur Kälte und Einsamkeit.
Wie herz – los, diese Stille…

Führung, Kunst und Burnout

30 Aug

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über Führungskunst und Selbstführung. Heute möchte ich dies anhand eines kleines Beispiels bzw. einer Übung ein wenig konkretisieren, auch um den Zusammenhang zu meinem fast schon Lieblingsthema „Burnout“ zu verdeutlichen.

Stellen Sie sich bitte die folgende Situation vor: Auf Ihrem Schreibtisch stapeln sich die Unter- lagen für etliche unerledigte Aufgaben, und permanent klingelt das Telefon und jeder will „noch ganz dringend“ etwas erledigt haben.
Zu Hause müssen Sie noch ein Geburtstagstagsgeschenk für die (Schwieger-)Mutter oder wahlweise die Partnerin oder den Partner kaufen, die Wohnung will geputzt werden und das Finanzamt mahnt auch schon zur Abgabe der Steuererklärung. Das sind dann die Momente, in denen man sich wünscht der Tag hätte 36 Stunden, damit man endlich mal genügend Zeit hätte, alles zu erledigen und sich anschliessend auch mal um sich selbst kümmern kann.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hat nur leider einen Fehler – das Modell funktioniert nämlich nicht. Denn auch wenn Ihr Tag 36 Stunden hätte, ist das in etwa so wie mit dem Auto, mit dem Sie in den Urlaub fahren. Denn egal wie lang oder kurz der Urlaub, ob mit Kindern oder ob ohne und vor allem egal wie groß oder klein das Auto ist – der Kofferraum bzw. das ganze Auto sind immer voll. Und genau so ist das mit dem 36-Stunden-Tag: Am Ende des Tages hätten Sie vermutlich genauso viele unerledigte Dinge wie mit dem herkömmlichen 24-Stunden-Tag. Denn es ist nur allzu menschlich, in den dann längeren Tag auch nur noch mehr Aufgaben zu packen.

Und was die Länge des Tages betrifft, da ist ja das Leben äußerst gerecht: Egal wie arm oder reich jeder von uns ist, oder wie alt oder wie jung – der Tag hat nun einmal für jeden 24 Stunden, eine Woche hat demnach 7 x 24 Stunden = 168 Stunden. Die Frage ist, wie wir sie gestalten.

Gerne können wir das mal anhand eines kleinen Beispiels durchgehen. Praktisch wäre, wenn Sie parallel zu meinen Ausführungen Ihre eigene Woche auf einem weissen Blatt Papier darstellen, in dem Sie sich darauf zwei gleich große Kreise malen (Anmerkung: auf den Kopf gedrehte Teller oder Untertassen sind hierfür geeignete Vorlagen).
Stellen wir uns nun also vor, dass wir uns eine typische Woche des Lebens als Kuchen ansehen.
Die 168 Stunden der ganzen Woche sind demnach der ganze Kuchen. Wenn Sie mögen, klicken Sie sich dazu durch diese Datei, die ich hier als Beispiel heranziehen möchte:

Wenn wir nun von einer durchschnittlichen Schlafdauer von je sieben Stunden pro Nacht ausgehen, sind davon schon 7 x 7 Stunden = 49 Stunden weg. Bitte schneiden Sie sich Ihren „eigenen Schlaf-Sektor“ aus Ihrem persönlichen Kuchen.

Gehen wir nun weiter davon aus, dass Sie eine auf die üblichen Werktage (Mo-Fr) verteilte 40 Stunden Woche haben.
Zuzüglich täglich etwa einer Stunde Mittagspause und etwa 2 Stunden Fahrtzeit von zu Hause ins Büro und zurück (denn die verbringen wir ja auch nicht unbedingt so, wie wir es täten wenn wir könnten wie wir wollten). Das ergibt bis hierher 5 x 11 Stunden = 55 Stunden. Aber Überstunden machen Sie vermutlich auch gelegentlich, oder? Also geben wir noch mal fünf Stunden extra die Woche dazu. Ergibt 5 x 12 Stunden = 60 Stunden.

Außerdem essen Sie ja noch was – was allerdings vorher noch zubereitet werden muss. Und anschliessend muss noch abgespült werden. Grob überschlagen rechnen wir hier für das Thema Essen einmal mit im Schnitt 4 Stunden täglich, macht 7 x 4 Stunden = 28 Stunden.

Darüber hinaus investieren Sie als gesundheitsbewußter Mensch auch noch einige Zeit in Sport oder für Ihre Gesundheit, Arztbesuche gehören beispielsweise dazu. Unterstellen wir mal viermal pro Woche 1,5 Stunden bzw. dreimal pro Woche 2 Stunden = 6 Stunden.

Für’s Fernsehen, Playstation oder Videos schauen unterstellen wir nun noch täglich eine Stunde. Ergibt sieben weitere Stunden unserer Woche. Ach übrigens: Das ist weniger als ein Spielfilm oder ein Fussballspiel am Tag!

Damit sind wir nun schon bei 150 Stunden unserer Standard-Woche, obwohl wir noch nicht einmal etwas „Besonderes“ gemacht haben. Und dafür bleiben uns dann nur noch magere 18 Wochenstunden übrig, die ich hier auf dieser Grafik nun mit „übrige Zeit“ gekennzeichnet habe:

LebensKunstWerk by Wortakupressur

Von denen dürfen Sie sich überlegen, ob Sie sie mit dem Partner/der Partnerin oder mit der Familie, mit Freunden, mit Ihren Hobbies und/oder mit sich selbst verbringen können (oder Ihr Fußballspiel zu Ende gucken möchten, das oben nicht „im Budget“ war).
Jedenfalls sind das nur etwa 2,5 Stunden pro Tag, das finde ich nicht besonders viel. Vor allem weil da Hausarbeit und Körperpflege noch gar nicht berücksichtigt sind.

Wie sieht nun Ihr Idealzustand aus?

Aber wie sieht nun Ihre tatsächliche Alltagssituation, die Sie gerade beschrieben haben, im Vergleich zu dem, was wünschenswert wäre – Ihrem Idealzustand aus? Den Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte malen Sie bitte alleine in den zweiten Kreis auf Ihr Blatt. Denn ich kann Ihnen ja nicht sagen, wie Ihr Ideal-Zustand aussieht. Sie sollen sich ja damit wohl fühlen. Außerdem ist der Idealzustand für Sie ja vermutlich auch etwas ganz anders als zum Beispiel für Ihren Nachbarn.

Egal, wie der Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte aussieht, wichtig ist, dass sie Ihre persönliche Lebensqualität darstellt. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebens-künstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv, wie Ihre persönliche Lieblings-Lebensführungs-Torte. Sowohl in Bezug auf die Form, als auch in Bezug auf die Zutaten. Denn was dem einen gefällt, gefällt dem nächsten vielleicht nicht – oder anders herum. Und wissen Sie was gut ist? Es gibt dabei kein richtig und fast kein falsch – wie eben bei Kunstwerken auch. Nur Nichtstun funktioniert nicht.

Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Selbstführung ist das: Pflegen Sie es (das Kunstwerk), und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Sei es durch eine ausgewogene Ernährung, durch Entspannung, durch regelmäßigen Sport, durch eine entspannte mentale Einstellung oder durch geistige Einkehr sein. Oder durch jede beliebige Kombination davon.

Ganz besonders „leckere“ Zutaten für Ihre Lieblings-Lebens-Torten-KunstWerk sind übrigens Neugier und Freude.
Zum Ausprobieren zum Thema Neugier habe ich eine ganz einfache Übung: Sehen Sie sich doch mal für eine Stunde die Welt durch die Augen eines Kindes an – für Kinder ist nämlich alles im Leben voller Wunder, also ganz wunder-voll.

Und das wiederum – wenn sie es ausprobieren –  macht unheimlich Freude!
Und mit Freude können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Weiterhin viel Freude mit dem Kunstwerk Ihres Lebens
wünscht Ihnen herzlichst

Ihre Christina Bolte

PS:
Passend dazu – und als ob er meinen Beitrag gelesen hätte – zu was sich die 168 Stunden der Woche so im Laufe des Lebens aufsummieren können:
Die lesenswerte Kolumne von dm-Gründer Prof. Götz W. Werner aus dem alverde-Kundenmagazin, Ausgabe 09/2012

Von grauen Mäusen und bunten Vögeln

9 Apr

Ich bin froh, dass es wieder Frühling wird und die Café-Saison wieder losgeht. Denn eine Sache, die ich daran persönlich besonders schätze ist, dass man gemütlich in einem Café in der Sonne sitzen kann und Menschen beobachten kann, vorzugsweise an gut besuchten Plätzen. Einfach nur dasitzen, beobachten – und staunen. Ich nenne das immer: In den Sozialzoo gehen.

Ich kann Ihnen wirklich empfehlen, das auch einmal zu probieren, denn es laufen teilweise wirklich ganz besondere Exemplare auf Deutschlands Strassen umher!

Und nachdem ich ja vor kurzem erst über das Thema Öffentlichkeit geschrieben habe, ist mir dabei aufgefallen, dass sich die Menschen neben den herkömmlichen Merkmalen (wie Geschlecht, Alter, Herkunft) auch in Bezug auf ihr Öffentlichkeitsverhalten klassifizieren lassen.

Zum Beispiel gibt es Menschen, die haben eine ausgeprägte Öffentlichkeits-Aversion. Ich möchte sie hier als „graue Mäuschen“ bezeichnen. Graue Mäuse lieben es – wie Mäuse es nun mal so tun – sich in der breiten Masse der anonymen „Gesellschaft“ zu verstecken und haben ein schon fast panische Abscheu davor, in der Öffentlichkeit zu stehen oder aus einer Menge hervorzustechen und tun daher alles, um dies zu vermeiden.
In einem Lokal eine Tasse auf dem Boden fallen zu lassen und dann die Blicke aller Umstehenden auf sich gerichtet zu wissen, gehört für sie zu den größten Alpträumen.

Andererseits gibt es Menschen, die ich gerne als „bunte Vögel“ bezeichne. Sie haben eine sehr ausgeprägte Öffentlichkeits-Affinität und – so wie ein Pfau aus seinem farbenfrohen Federkleid ein Rad schlägt – suchen bunte Vögel immer wieder gerne Situationen um aufzufallen und wahrgenommen zu werden. Ihnen keine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen ist so ähnlich wie Blumen nicht zu gießen – sie gehen dann früher oder später ein. 

Von diesem Typus gibt es nach meinen Beobachtungen zwei Ausprägungen:
Die einen möchten gerne im Rahmen der gesellschaftlichen Konventionen auffallen, sei es (wie überwiegend bei Frauen zu beobachten ist) durch extravagante Kleidung, auffälligen Schmuck oder Frisuren. Oder (was gerne bei Männern vorkommt) sie betonen ihr Auftreten durch Statussymbole, wie ein großes, besonderes und/oder PS-starkes Auto, ein Segelboot oder die Präsenz im Golfclub.

Andere wiederum fallen bewusst gerne „aus dem Rahmen“ des Gewöhnlichen. Sie betonen beispielsweise ihren unkonventionellen Lebensstil, den sie meistens recht medienwirksam vermarkten, sei es dass sie Auswandern oder nach einer steilen Karriere ins Kloster gehen. Oder treten im Extremfall auch schon mal  nackt in Fernseh-Shows auf.

Aber ich finde: Gesund ist das beides nicht. Denn wer – wie ein bunter Vogel – die Aufmerksamkeit der anderen zum Leben benötigt wie Luft zum Atmen, oder wer – wie eine graue Maus – bei der geringsten „Überdosis“ an Aufmerksamkeit von außen im Boden versinken möchte, hat ein Problem. Und zwar mit sich selbst. Oder seinem Selbstwertgefühl.

Gesund dagegen ist, dann aufzustehen und aus der Menge aufzutauchen, wenn es etwas zu sagen oder zu tun gibt – wie ein gut erzogener Wachhund vielleicht. Und dann auch wieder problemlos anerkennen zu können, wenn andere Menschen in der ersten Reihe stehen oder das Sagen haben. Dazu gehört auch, ehrlich gemeinten Lob und Dank annehmen zu können, ohne großes Trara. Je nachdem, wie es die Situation gerade erfordert.

Genauso gesund finde ich Menschen – und es macht mir auch wirkliche Freude, diese zu beobachten – die aus reinem Spass am Leben an einem frösteligen Ostermontag zu den feurigen Salsa-Klängen einer Latino-Band mittanzen. Natürlich sticht so etwas ins Auge und erregt auch irgendwie Aufmerksamkeit, aber dazu war es ja nicht primär gedacht. Sicherlich mag der eine oder andere einwenden, dass solch ein Verhalten doch kindisch sein mag. Kann schon sein – denn was sie letztendlich mit Kindern gemeinsam haben, ist, dass man ihnen die pure Lust am Leben so richtig ansehen kann – aber in keinem Fall kann man sie ihnen nehmen. Und das finde ich wunder-voll.

Also, wann nutzen Sie das frühlingshafte Wetter um in den Sozialzoo zu gehen? Ich bin gespannt, was für Exemplare Sie entdecken!