FührungsKunst (1)

16 Aug

Im Mai nahm ich einen Tag an dem Kongress „Wirtschaft & Gesundheit“ der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen teil.

Während vormittags das Programm eher aus Vorträgen bestand, war nachmittags Mitmachen angesagt – Workshop nannte sich das Ganze. Und obwohl ich ursprünglich an einem ganz anderen Workshop geplant hatte teilzunehmen, entschied ich mich spontan für eine Veranstaltung mit dem Titel „Spirituelles Selbstmanagement – Ein Weg zur Versöhnung von Macht und Liebe“.

Was mich genau bewogen hat, genau in genau diese Veranstaltung zu gehen, weiß ich nicht mehr genau, aber im Nachhinein muss es wohl Fügung gewesen sein. Oder besser: Führung – innere Führung.

Und damit ging es für mich auch gleich ins Thema, obwohl der Workshop-Titel zunächst erstmal keinen Zusammenhang zum Thema Führung vermuten ließ. Denn – so hieß es später im Verlauf des Workshops – für die „innere Führung“ empfänglich zu sein, gleicht es der genauen Einstellung, die er bedarf, um einen Radiosender einzustellen. Dieser wird zwar immer gesendet, wenn wir selbst aber auf der falschen Frequenz eingestellt sind, bekommen wir davon nichts mit. Um also Kontakt mit dem inneren Radiosender aufzunehmen, bedarf es ein wenig Training – und Innehalten, damit man auch mal kurz wahrnehmen kann, wer denn da überhaupt gerade so sendet. Und vor allem, dass auch der Körper und das Herz mal die Gelegenheit haben, zu erkennen, wie es sich anfühlt, wenn man die richtige Frequenz gefunden hat!

Zurück zum Selbstmanagement: Klar war uns allen, dass wer andere führt, zunächst einmal sich selbst „im Griff“ haben sollte. Was im Wesentlichen heißt, im Einklang mit sich selbst zu sein: Angefangen bei den eigenen Gefühlen und der eigenen Kommunikation (inklusive der Kommunikation nach innen!) über eigene klare Standpunkte und Ziele bis hin zur Klarheit über die eigenen Ressourcen und Handlungsmotive.

Denn wenn die Motive – so erörterten wir bei der Begriffsklärung der beiden Tabuthemen „Macht“ und „Liebe“ im Untertitel der Veranstaltung – Angst, Scham, Überheblichkeit oder Ähnliches sind, passiert es leicht, dass Macht – vor allem wenn diese ohne Liebe und Bewußtsein ausgeübt wird – bei anderen Menschen zutiefst verletzend wirkt. Und dort häufig das Gegenteil auslöst, nämlich Ohnmacht.

Außerdem wies die Referentin auf ein interessantes Wortspiel im Englischen hin, als wir über die 7 Chakren zu sprechen kamen. Chakra wird ja meist mit „Energie-Zentrum“ übersetzt, und bei gesunden Menschen sind die Chakren gut ausgeglichen, so dass ein optimaler Energiefluss gewährleistet ist. Auf Englisch heißen die Chakren sinnigerweise Centers of Power, was genauso gut mit „Macht-Zentrum“ übersetzt werden kann – nur wenn die Chakren gut ausgeglichen sind und so unsere Lebensenergie und Liebe (im Sinne von Wertschätzung) gut fliessen können, können wir optimal in unserer Macht stehen.

Wobei Macht hier im positiven Sinne gemeint ist. Nämlich im Sinne von Führung,  Klarheit und Verbundenheit mit der Allgemeinheit, und nicht im Sinne von Selbstverliebtheit und (andere) in die Irre führen. Und somit schliesst sich der Kreis wieder – zum Thema eingangs erwähnten Kontakt mit dem inneren Sender. Um für diesen die richtige Einstellung zu finden, bedarf es etwas Übung. Aber das ist ja mit allem so. Vor allem die Dinge, die in Richtung von Virtuosität und Kunst gehen.

Und so möchte ich diesen Beitrag mit einem Zitat von der Referentin, Frau Dr. Barbara von Meibom vom Berliner Institut für Führungskunst, beenden. Denn es fasst – wie ich finde – präzise und eloquent alle wesentlichen Aspekte des Workshops und gleichzeitig auch des Themas „Führung“ zusammen:

Wo Führung zur Kunst wird
Geschieht sie im Einklang mit
übergeordneten Gesetzmäßigkeiten
des Lebens, des Zusammenlebens und
des persönlichen Wohlbefindens.

Führungskunst gründet sich
in Selbstführung. Sie ist getragen von
einer Haltung der Wertschätzung
von sich, anderen und gegenüber
der natürlichen Mitwelt.

Führungskunst ist ein Weg
Verantwortung für sich und andere
zu übernehmen, in dem sich die
scheinbaren Gegensätze versöhnen,
wie zwischen:
Macht und Liebe
Wertschöpfung und Wertschätzung
Wissen und Weisheit
Führen und geführt werden
Effizienz und Nachhaltigkeit
Männern und Frauen
Wissenschaft und Spiritualität
Verändern und Bewahren 

Führungskunst bringt Schönheit hervor:
In uns
In unserem Zusammenleben
In unserem Zusammenwirken
Im gestalteten Raum
In unseren Organisationen
In unseren Produkten und Dienstleistungen
In unseren Städten
In unserer Umwelt.

Zur Inspiration:
„Spirituelles Selbstmanagement“ von Barbara v. Meibom,
erschienen 2009 im Kamphausen-Verlag, Bielefeld 

weitere Infos zum Thema unter http://www.communio-fuehrungskunst.de

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4 Antworten to “FührungsKunst (1)”

  1. Michael Ludwig Höfer 16. August 2012 um 12:45 #

    Interessante Sichtweise. Ich glaube, die tiefere Auseinandersetzung mit dem Begriff „Macht“ könnte für dich interessant sein. Z.B. auf der Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Macht#Begriffsgeschichte Max Weber meinte dazu, sinngemäß, Macht sei die Möglichkeit, innerhalb einer sozialen Beziehungen den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen, unabhängig von den dazu notwendigen Mitteln“. Das ist auch Macht. Klingt böse, ermöglicht aber Entscheidungen und den langfristigen Einsatz von Ressourcen.

    Interessant könnte für dich auch der Begriff „Leadership“ sein, im Deutschen oft mit „Führung“ übersetzt – was aber nicht das gleiche ist … VG!

    • Wortakupressur by CB 16. August 2012 um 22:03 #

      „Macht“ ist ein schwieriger – weil meistens negativ besetzter – Begriff. Neben der oben genannten Definition „eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen“ bietet es lt. Wikipedia aber andererseits auch „die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen“, was ich – den Kant’schen Imperativ unterstellend – grundsätzlich mal eher positiv sehen würde, denn letztendlich ist dies doch genau das, was die meisten Menschen sich wünschen.
      Genau an dieser Stelle schliesst sich auch der Kreis zum Thema Führung, bzw. um bei Wikipedia zu bleiben dessen psychologischer Aspekt der Selbstführung. Dies setzt allerdings voraus, dass man sich seiner Ziele, Motive sowie Motivation bewusst (also klar!) ist, und natürlich einerseits die für deren Umsetzung erforderlichen Fähigkeiten besitzt wie auch andererseits sich den „äußeren Ansprüchen gegenüber“ auch entsprechend artikulieren kann.
      Genau diese Klarheit und die Fähigkeiten zur Verantwortungsübernahme und zur Kommunikation sind bei Führung im Sinne von „direkter und indirekter Verhaltensbeeinflussung zur Realisierung von vorgegebenen Zielen“ sind meines Erachtens unerlässlich – wie im Beitrag geschrieben. Genauso wichtig finde ich aber auch, dass sich diese vorgegebenen Ziele in Wertschätzung der Ressourcen und an einem langfristigen roten Faden orientieren. Gerade deshalb finde ich den Beitrag von Fr. Dr. von Meibom so ausdrucks- und kraftvoll.

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