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Meine Pläne, das Leben und ich

11 Sep

Diesen Beitrag hielt ich – so oder so ähnlich – am 09.09.2019 in freier Rede im Speakers Corner München Toastmasters Club:

Vorfreude ist die schönste Freude, sagt man.
Deswegen bin ich auch kein Freund von Last-Minute-Urlaubsangeboten, denn da hat man ja vorher kaum Zeit, sich vor-zu-freuen.
Als alter Planungs-Junkie finde ich nämlich, je mehr Zeit ich meinen Urlaub planen kann, desto mehr freue ich mich, diese Planung dann auch tatsächlich umzusetzen.

Einer der Urlaube, die ich am ausführlichsten geplant hatte, war meine erste Alpenüberquerung mit dem Fahrrad, die ich zusammen mit meinem damaligen Freund machen wollte. Wir besorgten uns stapelweise Fachliteratur und Landkarten, um die perfekte Route auszuwählen. Landschaftlich schön sollte sie sein, in unseren Zeitplan von einer Woche hineinpassen, Start- und Zielorte sollten gut mit der Bahn zu erreichen sein – und natürlich sollte auch ordentlich Höhenmeter absolviert werden, damit der Urlaubsbericht in der Clique möglichst Eindruck hinterließ.

So recherchierten wir in einschlägigen Webseiten über Packlisten, Hüttenbewertungen und Routenvorschlägen. Aus Hunderten von Routen-vorschlägen stellten wir uns letztlich unsere eigene Route zusammen, Urlaub war eingereicht, die Fahrräder und Rucksäcke waren schon gepackt – und dann kam mein Freund einen Tag vor der Abreise spontan auf die Idee, mit mir Schluss zu machen.
Als Vegetarier sei ich ihm zu „Öko“, war seine Begründung. Na gut, dass der nicht weiss wie ich heute drauf bin, ich wüsste gar nicht, als was er mich jetzt bezeichnen würde…

Nun saß ich also vor den Scherben meiner Urlaubsplanung. Was also tun? Nachdem mir zu Hause alleine die Decke auf den Kopf fallen würde, tat ich also das, was ich schon immer gut konnte: Ich entwickelte einen neuen Plan.

Auf „unsere Route“ hatte ich keine Lust mehr, so kam ich nach einiger Recherche und Überlegungen auf die Idee, eine Alpenüberquerung mal anders herum als alle anderen zu machen, nämlich von Süden nach Norden. Also kaufte ich mir mal wieder alle möglichen Kompass-Karten um die neue Streckenführung auszuplanen, packte meinen kleinen Radtour-Rucksack und warf am nächsten Tag mein Rad in den Kofferraum meines Autos und fuhr los nach Meran.

Wie sich später dann herausstellte, war die Bezeichnung Alpenüberquerung nicht ganz zutreffend. Denn meine Tour ging zuerst nach Süden, nur um dann einen Tag später auf einer anderen Strecke wieder nach Norden und schließlich über das Zillertal nach Österreich zu gehen.

Unterwegs traf ich auf eine geführte Gruppe Italienischer Mountainbiker mit deutschem Guide und ebenfalls deutscher Begleitfahrzeugfahrerin, die in etwa die gleiche Tour geplant hatten wir ich. So schloss ich mich ihnen an – was für mich deutlich unterhaltsamer war, als alleine vor mich hin zu radeln.

Die Verständigung war zwar nicht so einfach, da die Italiener wenig deutsch oder englisch konnten, und ich zwar italienisch leidlich verstehe aber nicht spreche. So war eines meiner ersten Lernerfolge zu verstehen, dass es nichts mit einer Kaffeemaschine zu tun hat, wenn jemand von hinten „la macchina“ ruft, sondern dass es schlicht und einfach auf ein von hinten herannahendes „Auto“ hinweist.

An einem Tag fiel mein Blick dann zufällig auf das Outfit eines der Herren: farblich passend zum grünen Trikot eine grüne Radhose, am Tag zuvor rotes Trikot zu einer roten Radhose und während ich so darüber nachdachte, hatte er davor ein orangefarbenes Trikot zu einer orangefarbenen Radhose an. Ich war schwer beeindruckt – denn, obwohl man Frauen nachsagt, über riesige Kleiderschränke zu verfügen: So viele Radhosen besaß nicht nicht einmal, geschweige denn, dass sie farblich zu meinen Trikots passten oder ich sie in meinem Minimal-Mountainbike-Gepäck dabei hatte…
Das bestand nämlich nur aus einem 30-Liter-Tagesrucksack und zwei Trinkflaschen direkt am Rad dabei. Immerhin war eine der wichtigsten Lektionen meines Vaters gewesen: „Nimm immer nur so viel Gepäck mit, wie Du selbst tragen kannst“. Das habe ich auf Reisen immer beherzigt – so habe ich unterwegs auch noch nie einen Gepäcktransport benötigt.

Am dem Nachmittag, als wir Italien hinter uns ließen und auf der österreichischen Seite einen schönen Trail hinab ins Zillertal rollten, wetteiferten die Italiener in Sachen Coolness und Geschwindigkeit. Allerdings musste ich kurz darauf überrascht feststellen, dass keiner der italienischen Jungs in der Lage war, einen platten Reifen zu wechseln. So saß ich amüsiert an einem See und überlegte, ob ich mich einmischen sollte, während fünf italienische Männer ratlos um ein radloses Mountainbike standen…. bis endlich der Tourguide tatkräftig einschritt.

Während wir am nächsten Morgen beim Aufbruch im Zillertal unsere Mountainbikes aus dem Keller des Hotels holten, trugen wir zwei japanische Gäste ihre Snowboards nach draussen, um auf dem Hintertuxer Gletscher zu trainieren. Ich fragte mich nur, wer von uns wohl gerade die falsche Sportart hatte.
Wie sich dann herausstellte, waren wir das, denn auf dem Weg zur nächsten Hütte fing es tatsächlich zu schneien an.

Nach dem Aufwärmen auf der Hütte trennten sich allerdings unsere Wege, denn während die Jungs hinab ins Inntal und weiter nach Deutschland fuhren, fuhr ich nach Westen in Richtung Brenner weiter, denn ich musste ja noch mein Auto wieder in Meran einsammeln.
An dieser Stelle meiner Reise waren die Kuriositäten, die anders liefen als mein Plan, bei weitem noch nicht zu Ende.

Aber wenn ich ehrlich bin, wäre der Urlaub sterbenslangweilig gewesen, wenn alles immer nur nach Plan gelaufen wäre.
Seitdem weiss ich – wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm Deine Pläne.

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Fifty shades of …

17 Dez 50 shades of fall – Schönbrunn im Herbst

…Fall

50 shades of fall – Schönbrunn im Herbst

Abb. 1: 50 Shades of Fall – Schönbrunn im Herbst

Vor gut einem Monat – es war noch Laub auf den Bäumen und noch nicht so kalt wie jetzt – war ich auf einem Kurztrip in Wien und ging im Park von Schloss Schönbrunn spazieren. Was soll ich sagen? Als Natur-Freak konnte ich mich regelrecht begeistern an der herbstlichen Farbpracht, die sich mir bot: Die vielen ver-schiedenfarbigen Blätter, die an den ordentlich zurecht­gestutzten Bäumen hingen, leuchteten um die Wette.

So erschienen mir die Alleen wie ein Regenbogen, dessen Farbspektrum sich freilich auf die gelb-orange-roten Farbtöne beschränkte, in Abhängigkeit von Baumsorte und Sonnenstrahlung. Mir ging das Herz auf.

… Spring

Frühling auf dem Jakobsweg

Abb. 2: 50 Shades of Green – Frühling auf dem Jakobsweg

Genauso erfreuen konnte ich mich auch an der Farbpracht, die mir auf einem meiner monat-lichen Pilgertage LeerLauf für den Kopf auf einem der Münchner Jakobswege entgegen-strahlte.

Das war im Frühjahr, und das frühlingsfrische Grün der Bäume leuchtete um die Wette mit der Sonne – und weil die sich gerade hinter den Wolken versteckte, hat das leuchtende Grün in all seinen Schattierungen sogar auch gewonnen.

… Sky

50 shades of Sky

Abb. 3: 50 Shades of Sky – Wetter-Wolken-Meer

Faszinierend auch dieser Himmel über dem Atlantik auf Teneriffa. Mit den minütlich abwechselnden Grau-Blau-Tönen von Himmel und Meer bot sich dem Betrachter ein beeindruckendes Schauspiel. Warten auf den Regenschauer?

Der ließ jedoch auf sich warten – zumindest am Ort der Betrachtung jedenfalls. Eine gute Stunde nach dieser Auf-nahme waren die Wolken sogar bereits wieder verschwunden, und die Sonne strahlte für die nächsten paar Stunden was das Zeug hielt. Das nenne ich Wandlungsfähigkeit und Lebendigkeit.

Ein starkes Bild jedenfalls – auch wenn man für seinen Urlaub sicherlich ein strahlendes Blau vorziehen würde.

… Mind

Ich weiss nicht, wie es Dir, liebe Leserin, lieber Leser, beim Anblick dieser Auswahl an Bildern geht – ich finde die Vielfalt und die zahlreichen Farb-Schattierungen, die uns die Natur mit ihren unterschiedlichen Facetten zeigt, jedenfalls faszinierend. Ich werde auch nicht müde, mich immer wieder daran zu erfreuen.

Zwar bedarf es immer auch ein wenig Achtsamkeit, sich inmitten der Geschehnisse unseres Alltags an solch scheinbar kleinen Momenten erfreuen zu können. Für mich bedeuten diese Augenblicke jedes Mal einen Mini-Urlaub. Auszeit. Hier. Jetzt.

Gleichermaßen spannend finde ich es aber auch, wenn ich mir unsere Kommunikation anschaue. Obwohl es in letzter Zeit ja etwas en vogue geworden zu sein scheint, die Ereignisse dieser Welt oder deren Protagonisten etwas polarisierend darzustellen, finde ich: So einfach ist es nicht.
Auch wenn uns eine Einteilung von Sachverhalten in: Die Guten — die Bösen, richtig oder falsch, Ich/Wir — die anderen, meine Wahrheit vs. Dein Irrtum, Entweder — Oder, Zustimmung oder Widersprechen gewissermaßen eine Orientierung im Leben geben kann, wird es meiner Meinung nach der heutigen Lebensrealität nicht gerecht. Vielfalt & Lebendigkeit lassen sich halt viel besser in bunt oder in Sowohl-als-auch darstellen als in Schwarz-Weiss.

 

Meinungsverschiedenheiten

50 shades of Mind

Denn genauso kann es auch mein Leben bereichern, wenn ich in der Diskussion mit einem Menschen, der eine andere Einstellung hat als ich, versuche hinter das Schwarz & Weiss unserer Überzeugungen zu schauen, z.B. indem ich seine Grundannahmen erforsche. Oftmals lässt sich dabei auch eine gemeinsame Basis finden und es stellt sich heraus, dass der eine oder andere nur in seinen Schlussfolgerungen anders abgebogen ist.
Um wievieles leichter kann so ein Konsens werden, wenn nur noch die halbe Wegstrecke an Meinungsverschiedenheit überwunden werden kann!

 

 

 

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