Tag Archives: Präsenz

Bist Du richtig verbunden?

17 Jun

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 13.06.2016 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Was haben das Internet und Spiritualität gemeinsam?

Nun, auf den ersten Blick nicht so viel. Bei genauerem Hinsehen können beide dieser scheinbar sehr verschiedenen Bereiche mit dem Begriff „Verbundenheit“ zusammen-gefasst werden.

Nun wird Spiritualität sowohl aus der Sicht von sehr religiösen Menschen als auch aus der Sicht von eher a-religiösen Menschen häufig als etwas esoterisch betrachtet. Dabei wurde Spiritualität sogar wissenschaftlich erforscht. Es wurden viele Menschen befragt und als Ergebnis kristallisierte sich der Begriff „Verbundenheit“ heraus – Verbundenheit, mit dem was uns umgibt.

Anhand einiger Beispiele möchte ich Euch zeigen, dass Verbundenheit gar nicht so etwas Exklusives ist wie viele meinen, sondern es möglich ist für jeden, diese in der einen oder anderen Dimension zu erfahren – von diesen Dimensionen gibt es vier:

  1. Verbundenheit mit der Natur, dem Kosmos
    Wer von Euch beispielsweise schon mal in den Bergen war und auf dem Berggipfel das Gefühl von besonderer Erhabenheit oder Demut beim Ausblick über die Umgebung hatte, kann nachvollziehen, was ich meine.
    Genauso, wie ein Spaziergang im Wald oder das Rauschen des Meeres am Strand ein Gefühl von Einssein mit der Natur hervorrufen kann.
  2. Verbundenheit mit den Mitmenschen, der sozialen Umwelt
    Das kann sich beispielsweise darin zeigen, wenn man an einen lieben Menschen denkt – und dieser dann ein paar Minuten später anruft.
    Oder wenn im gemeinsamen Gespräch aus dem Moment heraus neue Ideen und Möglichkeiten entstehen, die einer alleine nie gehabt hätte – die höhere Intelligenz der Gruppe sozusagen.

Das ergibt quasi eine horizontale Achse, deshalb werden diese beiden Dimensionen auch horizontale Verbundenheit genannt.

  1. Verbundenheit mit sich selbst
    Das bedeutet, zu fühlen – nicht nur vom Kopf her zu wissen -, wie ich mich gerade fühle. Bin ich traurig, bin ich glücklich, müde oder erschöpft, und dies wirklich zu fühlen.
  2. Verbundenheit mit dem Universum, dem Göttlichen, dem Größeren Ganzen
    Für eine wissenschaftliche Arbeit habe ich mit vielen Menschen gesprochen, die dafür unterschiedliche Begriffe oder Namen haben. In den monotheistischen Religionen sagt man: Gott, JHWE oder Allah, bei den Indianern sagt man glaube ich „großer Geist“ und für wieder andere ist damit ein universelles Wirkprinzip gemeint, das allem zugrunde liegt.
    Egal wie sie es nennen, die Menschen empfinden eine Verbundenheit mit etwas, das sie übersteigt und das dann bei ihnen den einen oder anderen guten Ein-Fall hervorruft.

Was eine vertikale Achse ergibt, die sich mit der horizontalen Achse im Individuum kreuzt, genauer gesagt: In dessen Herz.

Verbundenheit

Das ist die Essenz der Verbundenheit. Man erzeugt sie am besten, indem man jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Also NICHT indem man während einer Unterhaltung oder bei einem Spaziergang durch den Wald nebenbei noch schnell Emails liest, sondern einfach nur da ist – mit all seinen Sinnen und aus dem Herzen heraus.

Präsent zu sein heißt, jemandem oder etwas seine volle Aufmerksamkeit zu schenken. So, wie es sich anfühlt, wenn man barfuß am Strand den Sand zwischen den Zehen fühlt, oder das Vogelgezwitscher oder beim Spaziergang den Duft des Waldes wahrnimmt. DAS ist echte Präsenz.

Nicht zuletzt bedeutet das englische Wort present für Präsenz auch Geschenk.

Verbundenheit IST ein Geschenk, zumindest mal für uns selbst. Denn wir verschaffen uns dadurch Momente, die uns in Erinnerung bleiben. Erinnerungen sind es schließlich, die das Leben ausmachen.

Deshalb möchte ich Euch einladen, verbunden zu bleiben – und zwar nicht dem Smartphone sondern so wie auf dem obigen Flipchart.

 

Advertisements

Präsent sein = ein Geschenk sein

1 Jan

Die Weihnachtstage sind nun gerade eben vorüber. Für die einen ist und war es ein Fest der Freude, für andere ein Fest des Stresses und für wieder andere ein Fest der Geschenke. Was scheinbar so widersprüchlich klingt, hat – genauer betrachtet – dennoch viel miteinander zu tun.

Fest der Geschenke…
Geschenke sind Gaben ohne Gegenleistung, die dazu gedacht sind, dem Beschenkten – und manchmal auch dem Schenkenden selbst – eine Freude zu machen. Was eigentlich schön ist, nämlich eben dieses „Freude bereiten wollen“, artet aus verschiedenen Gründen leider ganz häufig in Stress aus. Das ist schade, und widerspricht auch völlig sowohl dem Ziel des Schenkens als auch der Freude. Aber warum ist das so?

Ein Faktor ist sicherlich, dass anders als an Geburtstagen, wo gerade immer nur ein Mensch „bedacht werden muss“, viele Menschen das Gefühl haben, nun gerade noch für alle möglichen Menschen im Umfeld noch Geschenke kaufen „zu müssen“, zu allem Überfluss meistens auch noch auf den letzten Drücker, weil sich ja in den Wochen zuvor noch so viele andere Dinge zeitlich gehäuft hatte, wie diverse Weihnachtsfeiern oder die Jahresabschlussarbeiten im Büro.
Wie sonst lässt sich erklären, dass am 22.12. im Radio zu hören war, dass der Einzelhandel bis zum Heiligenabend (also in 1 1/2 Arbeitstagen) noch mit 20 % des Weihnachtsumsatz rechnet? So jedenfalls verursacht die ganze Schenkerei – neben dem ganzen anderen organisatorischen Programm, wie die anstehende Verwandtenbesuche, die alle geplant und unter einen Hut gebracht werden müssen, das extra-perfekte Festtagsessen und überhaupt die ganze Völlerei – also ordentlich Stress und manchmal auch Widerwillen.

Dazu kommt noch, was soll man den anderen überhaupt schenken – die meisten von uns haben doch eh schon alles. Und weder braucht „Mann“ das fünfte Paar Socken, noch braucht „Frau“ das dritte Parfüm oder das zehnte Kuscheltier (liebe Herren der Schöpfung, bevor Sie „einfach so“ annehmen, dass Ihre Partnerin sich darüber freut, weil Sie es in der Ver- gangenheit mal von einer Frau so erlebt haben: Bitte, bitte, bitte fragen Sie nach, denn nicht jede Frau freut sich darüber wirklich…)
Sicherlich haben die meisten von uns schon erlebt, ein Geschenk erhalten zu haben, was uns nicht wirklich im Herzen Freude bereitet hat (für meine persönlichen Highlights siehe oben :-)), und vor lauter „sag ich’s jetzt dem/der anderen oder besser nicht, damit er/sie nicht beleidigt ist“ darf man sich dazu noch überlegen, wie man es hinbekommt, dass das Lächeln auf dem eigenen Gesicht mehr dankbar-erfreut wirkt als gequält. Puh wie anstrengend!

Und überhaupt, diese dämliche Verpflichtung, jemand anderem was schenken ZU MÜSSEN! Der/die Beschenkte könnte ja ein Geschenk erwarten. Nee, per definitionem ist das dann kein Geschenk mehr, sondern eher ein Tausch, denn ein Geschenk ist ja eine Gabe ohne Gegenleistung.

In einer Zeit, wo so viele Menschen darüber klagen, „dass sie keine Zeit haben“ oder „wie schnell das Jahr wieder vorbei gegangen ist“, wäre es da nicht viel einfacher, anstatt seine Zeit in Geschenkekaufen zu investieren, einfach nur Zeit zu verschenken und die Zeit direkt mit seinen Lieben zu verbringen? Qualitätszeit, versteht sich.
Zeit zu schenken ist in solchen Zeiten wirklich ein besonderes, wertvolles Geschenk und eines mit Mehrwert noch dazu, z. B. wenn der gestresste Papa, der eh so selten zu Hause ist, mit seinen Kindern (hoffentlich nicht nur an Weihnachten) einfach nur spielt, kann das ein ganz wunderbares Geschenk sein. Oder Qualitätszeit kann bedeuten, mit seinem Partner/seiner Partnerin zu kuscheln oder sich mit den Eltern/Großeltern einfach nur unterhalten oder ihnen einfach nur zu zuhören.

Ja, „einfach nur dasein“ klingt so einfach, ist aber für viele von uns, die wir gewohnt sind, permanent aktiv zu sein und Leistung zu erbringen, ganz schön schwierig.
Vielleicht gelingt es einfacher, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass das englische Wort present außer Geschenk auch noch Präsenz bedeutet, also Gegenwart. Wenn das mal kein Zufall ist!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihre Zeit im neuen, vor uns liegenden Jahr möglichst häufig als Geschenk verstehen können und es Ihnen häufiger gelingen möge, „einfach nur da zu sein“ – sei es für Sie selber oder für andere.

Möge dieses Jahr Ihnen Gesundheit, Liebe und Zufriedenheit bringen.

Herzlichst, Ihre Christina Bolte