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Vom Zusammenhang zwischen einem Garten und Burnout

6 Aug

Gestern ging ich in den Garten und zupfte Unkraut – viel zu hoch wuchernde Pflanzen, die längst schon verblüht waren und die den noch blühenden Pflanzen den Platz zum Wachsen nahmen. Anschließend wurden darunter haufenweise Nadeln von der Kiefer aus Nachbars Garten sichtbar. Zu dicht steht der große Baum am Zaun und nimmt meinen darunter wachsenden Pflanzen Licht und Nährstoffe. Und hinterläßt dazu hier auch noch seine Überreste…

Jedenfalls entfernte ich die Nadeln auch noch, genau wie die Brennnesseln, die dort auch noch wuchsen. Autsch – das brannte! Aber nun war genügend Platz, und ich lockerte den Boden, damit ich etwas Neues, Nutzbares anpflanzen konnte – Gartenkräuter sollten es werden.

So ist es auch mit dem Garten meiner Seele. Auch hier lohnt es sich, von Zeit zu Zeit mal „Unkraut“ zu zupfen. Aber was ist überhaupt seelisches Unkraut? Unkraut sind alle überholten, vereinsamten oder verblühten Gedanken oder Verhaltensmuster, ich zwar irgendwann mal angebaut hatte, die mir aber nun nicht (mehr) gut tun. Oder die Gedanken oder Angelegenheiten von anderen, die – wie die Kiefernnadeln – von Menschen die mir nahestehen – oder auch nicht – in meinen Seelengarten gefallen sind. Oder diese Menschen haben – bewußt oder unbewußt – ihren „seelischen Müll“ bei mir abgeladen. Vielleicht haben manche auch genauso bewußt oder unbewußt meine Grenzen überschritten.
Jedenfalls tun mir all diese Unkräuter nun nicht mehr gut – manche haben mir eigentlich sogar noch nie gut getan. Andere Pflanzen fand ich zumindest eine Zeit lang mal schön. Das ist ja zumindest etwas.

Aber nun brauche ich den Platz, die Energie, um etwas Sinnvollem einen Raum geben zu können: meinem eigenen, heilsamen und/oder schmackhaften Kräutergarten!

Die brennnesselartigen Gedanken aus meinem Seelengarten zu entfernen tut manchmal weh, schmerzhaft ist die Erinnerung an ihre Existenz. Um mich davor zu schützen, kann ich vielleicht Handschuhe anziehen, oder muss achtsam sein, damit ich mich nicht daran verbrenne. Aber entfernen muss ich sie trotzdem. Und weil die Brennnessel sehr eisenhaltig ist, gibt sie zumindest einen guten Dünger und meine neuen Pflänzchen können daran wachsen!

Nun habe ich meinen Seelengarten gut vorbereitet für meine neuen Projekte, es ist genügend Platz und Licht vorhanden, und den Boden habe ich noch einmal gelockert. Nun kann ich die Samen aussäen. Wenn ich die Aussaat nun gieße – und ihnen auch regelmäßig Pflege und damit meine Aufmerksamkeit schenke – und der Saat von Zeit zu Zeit ein wenig Dünger zukommen lasse, kann ich bestimmt schon bald von meinem Kräutergarten profitieren. Und nicht nur ich, denn auch andere Menschen – Freunde, Familie, Nachbarn oder Klienten – können sich daran gesund essen, -trinken, -riechen oder -hören.

Was hat das Ganze nun mit Burnout zu tun, werden Sie sich zu Recht fragen, wenn Sie an den Titel denken.
In einer Burnout-Situation ist es ähnlich wie mit dem überwucherten Garten – vor lauter Wald (Unkraut) sieht man die Bäume (den Sinn) nicht mehr, und der Sinn und die Freude, die man früher einmal an seinen Projekten, Aufgaben und der Gartenpflege hatte, ist längst einer großen Unlust und Lethargie gewichen.

Aber die Parallele ist auch, dass Sie mit ein bisschen Disziplin und Aufräumen – meist ist es eine Hauruck-Aktion – beides wieder gut in Schuss bekommen, so dass Sie wieder Freude an Ihrem Leben und an Ihrem (Seelen-)Garten haben werden.

Wenn Sie also ein paar Projekte „angebaut“ haben, die Ihnen wichtig sind, die aber bisher in Ihrem Seelengarten noch keine Frucht getragen haben, sind nicht etwa die Projekte falsch oder womöglich gar der Garten. Vermutlich ist die Saat nur deshalb nicht aufgegangen oder angewachsen, weil sie nicht genügend Platz oder Licht oder Nährstoffe zur Verfügung hatte, weil Sie das Saatgut ganz einfach auf das vorhandene Unkraut draufgeworfen haben. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Triebe überhaupt Platz haben, vermutlich eher gering. Oder haben Sie sie vor lauter Unkraut nur nicht gesehen?

Also, wenn Sie nun ratlos sind, wie Sie Ihren (Seelen-)Garten in Orndung bringen können, sprechen Sie mich bitte an.
Als Burnout-Lotsin®, Heilpflanzen-Therapeutin sowie Enkelin und Nichte einer Gärtnerfamilie kann ich Sie sowohl bei einer Bestandsaufnahme unterstützen als auch mit Ihnen gemeinsam schauen, ob das, was bei Ihnen wächst, für Sie ein Unkraut oder ein Nutzkraut ist. Und vor allem, was Sie außerdem gerne anbauen möchten.

Ab Mitte September biete ich dazu ein Burnout-Helpcamp an – sozusagen Hobby-Gärtnern in der Gruppe 🙂
Damit Sie bald wieder mit viel Freude Ihren Garten genießen können! Denn durch gemeinsame Aktivitäten, Projekte, Ideen oder den Austausch darüber entsteht nicht nur in den Seelengärten der einzelnen „Gärtner“ neues Leben, sondern es wird darüber hinaus auch etwas Größeres gesät und kultiviert, sozusagen ein Gemeinschaftsgarten, an dem sich dann vielleicht auch noch viele andere Menschen erfreuen können.

Herzlichst,
Ihre Christina Bolte

PS: Gärtnern ist übrigens wirklich eine ganz wunder-volle Therapie zur Vorbeugung und Behandlung von Stress und Burnout-Erkrankungen:
1. Bewegung ist die beste Methode, um die Stresshormone aus dem Körper abzubauen. Vor allem „destruktiv“ wirkende und kraftaufwendige Tätigkeiten, wie ohnehin schon desolate Dinge „herausreißen“, Umgraben etc.
2. Die frische Luft macht den Kopf frei.
3. Der Kontakt zur Natur und zum Boden „erdet“ den Körper, den Kopf und die Gedanken.
4. Am Ende des Tages können Sie sehen, was Sie geschafft haben, vor allem bei „Schreibtischtätern“ ganz im Gegensatz zu dem alltäglichen Geschäft, bei dem zumeist nur virtuell, also auf dem Computer, Dinge bewegt werden.
5. Das gibt das Gefühl von Sinn und schafft Erfolgserlebnisse – beides kommt im Alltag eines Burnout-Erkrankten oder -bedrohten häufig zu kurz.
6. Die Aufmerksamkeit und das Unterscheidungsvermögen, mit dem wir trennen in „darf bleiben“ und „muß raus“ können wir auch super auf unser eigenes Leben übertragen.

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Heute schon ans Alter denken?

31 Jul

Kürzlich war ich Zuhörer auf einer Podiumsdiskussion zum Thema Gesundheit & Pflege im Jahr 2030.

Nach dem Ergebnis einer entsprechenden Studie wird im Jahr 2030 ein Großteil der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein (das sind die sogenannten Baby-Boom-Jahrgänge). Gleichzeitig nimmt der Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter aufgrund der abnehmenden Geburtenzahlen kontinuierlich ab.

Dass dies ein Problem vorzugsweise für unser momentanes Rentenversicherungssystem ist, wurde bereits hinlänglich an vielen anderen Stellen diskutiert. Da aber gerade die oben genannten älteren Jahrgänge erfahrungsgemäß bereits jetzt und später erst recht auch die Hauptnutzer der Kranken- und Pflegesysteme sind, resultiert sich daraus ein um etwa ein Drittel steigender Bedarf an medizinischer und pflegerischer Versorgung und damit an Ärzten und Personal in Pflegeberufen im Vergleich zu heute.

Was mich an der Diskussion auf dem Podium ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass sämtliche Vertreter aus Krankenhaus und ambulanter Pflege eigentlich fast ausschliesslich darüber klagten, dass die gegenwärtig getroffenen Entscheidungen die Situation nicht lösen würden, ja, das die Situation bereits heute fast schon unerträglich sei. Soweit, so gut. Nur dass dies kein wirklich lösungsorientierter Denkansatz ist.

Denn nur wenn wir (als Gesellschaft) es schaffen, das wir zwar älter, aber nicht unbedingt kränker werden, können wir die Situation in den Griff bekommen. Neben der Prävention und einem entsprechend gesunden Lebensstil, der hinreichend Bewegung und eine gesunde, naturbelassene Ernährung mit einschließt, gehört auch dazu, dass sich jeder von uns mit der Frage auseinandersetzt: „Wie will ich mein Leben im Alter verbringen?“

Auch im Alter möchte jeder von uns körperlich und geistig fit sowie finanziell abgesichert sein.

Die Vermutung liegt nahe, dass wir auch im Alter körperlich und geistig fit sowie finanziell abgesichert sein möchten. Nur, wenn wir uns darüber keine Gedanken machen, sondern „einfach nur so vor uns hinleben“, in der Hoffnung, die Politik, das Sozialversicherungssystem oder sonst wer wird schon dafür sorgen, wird das ganze nicht funktionieren. Deswegen auch die provokative Überschrift zu meinem Beitrag.

Mit „Heute schon ans Alter denken“ meine ich nicht, dass wir wie irre einen Riester-, Rürup- oder sonstigen Rentenversicherungsvertrag nach dem nächsten abschließen, denn ich bin kein Versicherungsvertreter. Sondern damit meine ich vor allem, dass wir uns bewußt machen, dass unser heutiger Lebenswandel maßgeblich dazu beiträgt, wie unser körperlicher und psychischer Zustand in zwanzig Jahren aussehen wird.

Denn eines ist klar, keine Krankheit, ob Herzinfarkt, Diabetes, Demenz, Depression oder Burnout, fällt „einfach so“ vom Himmel, wie ich häufig in meinem Umfeld zu hören bekomme. Sondern ist das Resultat von den vielen großen oder kleinen Sünden oder Wohltaten die wir unserem Körper und auch unserer Psyche über die Jahrzehnte unseres Lebens angedeien lassen.

Deshalb ist Schritt 1, sich auf einem weissen Blatt Papier eine Liste mit zwei Spalten zu machen.
Schreiben Sie über die erste Spalte die bereits genannte Frage „Wie will ich mein Leben im Alter verbringen?“  und beschreiben Sie stichpunktartig Ihre Vorstellungen. Das kann sein „komfortabel im eigenen Zuhause wohnen“, „viel Reisen“, „körperlich und geistig gut in Form“ oder auch „umgeben von vielen lieben Menschen“, „ich musiziere viel oder über ein anderes meiner Hobbies aus“.

Nun schreiben Sie im nächsten Schritt über die zweite Spate  die Frage: „Trägt das, was ich heute esse, einnehme oder tue (Arbeit, Rauchen, Sport, Alkohol, Medikamente o. ä )  eher dazu bei, dass ich dieses Szenario erreichen werde oder nicht. So könnte beispielsweise heraus kommen, dass Sie später gerne sehr viel Zeit für Ihr Lieblingshobby Golfen haben möchten, Sie aber im Moment vor lauter Arbeit noch nicht einmal Zeit für einen Golfkurs haben.

Kommen wir zum letzten Schritt: Drehen Sie das Blatt um und schreiben Sie auf die Rückseite zu dem Thema „Was kann ich heute bzw. ab heute schon zu tun, damit ich diese(s) Ziel(e) erreiche?“ alles auf, was Ihnen einfällt. Alles ist erlaubt, außer Verhinderungs-Sätze wie „das geht nicht, weil…“ Und dann tun Sie’s – setzen Sie bereits heute mindestens einen Punkt davon in die Tat um.

Denn wie sagte Mahatma Gandhi: Be the change you want to see in the world – Seien Sie die Veränderung, die Sie in der Welt sehen wollen. Denn wenn dies jeder tut, ist die Welt bald schon ein wunderbares Fleckchen Erde, dass wie zudem auch noch lange im Alter genießen können.