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Vorsprung durch Technik?

3 Apr

Neulich war ich auf einer Veranstaltung, wo es darum ging, wie wir in Zukunft leben wollen. Natürlich lag der Schwerpunkt der Frage auf dem „WIE wollen wir in Zukunft leben?“ – und wie so ganz häufig wird man dann ganz schnell in Szenarios von hochtechnologisch ausgefeilten Visionen versetzt. Technischer Fortschritt par exellance. Virtual-Reality-Glasses oder Stichworte wie Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und ultimative Vernetzung werden genannt.

Ob diese Szenarien, sollten sie ganz oder nur in Teilen, irgendwann in ferner oder nicht mehr ganz so ferner Zukunft zur Realität werden, uns mit Freude, Begeisterung oder mit Angst erfüllen werden, ist sicherlich individuell unterschiedlich und hängt in hohem Maße davon ab, welches Menschenbild und welche Lebenseinstellung insgesamt jeder einzelne hat.

Was mich jedoch viel mehr beschäftigt – und es ist schade, dass dieser Aspekt auf Veranstaltungen wie die anfangs erwähnte meistens völlig ausser Acht bleibt – ist, dass man den Schwerpunkt der Frage genauso gut auf das WIR oder das LEBEN legen könnte, also: „Was bedeutet LEBEN in der Zukunft?“ oder: „Wer ist das WIR, das wir in Zukunft leben wollen?“

Denn wenn ich an die Zukunft denke, denke ich nicht darüber nach, ob mir sprechende und vernetzte Kühlschränke das Leben vereinfachen, wieviel komfortabler ….. Nein, mich interessiert viel mehr, wie wir Menschen miteinander umgehen, wenn sie in einem noch größeren Maße als heute schon eine Koexistenz mit Maschinen und technischen Geräten führen. Ist es ein empathischer, liebevoller Umgang oder einer eine Begegnung voll Misstrauen und gegenseitiger Kontrolle?
Mich interessiert, wer WIR sind. Besteht unsere Gesellschaft in der Zukunft nur aus Menschen, die ein gutes und uniformes Leben führen, in dem Menschen, die aus dem Rahmen fallen oder aus Gründen (Krankheit, Behinderung oder Armut beispielsweise), für die sie nichts können oder auch doch, durch das Raster fallen und ein Leben im Untergrund oder in Ungnade fristen müssen? George Orwell bezeichnete dies mit „gleicher als gleich“ sein. Oder ist unsere Zukunft groß genug für Menschen, in der sich jeder nach Gutdünken, Wissen und Gewissen entfalten und leben können wie sie möchten – und in der man sich dabei unterstützt und in der jeder dem anderen mit offenem Geist, offenem Herzen und Respekt begegnen kann?

Mich interessiert die Frage, wo ist mein Platz in dieser Welt, wenn bestimmte Tätigkeiten und Dienstleistungen von Maschinen übernommen wurden oder werden. Werde ich meine Träume realisieren und malen, schreiben, singen, tanzen und spazierengehen können? Oder werde ich ein Leben in Langeweile fristen, weil alle sinnvollen erscheinenden Berufstätigkeiten nur noch durch Maschinen mit künstlicher Intelligenz ausgeführt werden dürfen (u. a. weil menschliche Arbeit zu teuer geworden ist)? Oder werde ich womöglich nur noch ein Sklave dieser technischen, überlegenen Spezies sein?

Und schliesslich bewegt mich noch die Frage, ob es in ferner Zukunft überhaupt noch Menschen auf diesem Planeten geben wird – oder sind wir gerade auf dem besten Weg uns selbst überflüssig zu machen und abzuschaffen? Getreu dem Motto des Witzes:

„Treffen sich zwei Planeten. Fragt der eine: ‚Wie gehts dir?‘, antwortet der andere: ‚Schlecht, ich hab Menschen.‘ Darauf tröstet ihn wiederum der eine: ‚Ach, keine Sorge, das geht vorbei.‘ „

Was bewegt Sie, wenn die an die Zukunft denken – welche Szenarien wünschen Sie sich?
Ich freue mich auf Ihre Beiträge.

Ihre
Christina Bolte

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Gesunde Menschen – gesundes Unternehmen

18 Apr

Kürzlich wurde ich gefragt – weil mich meine Visitenkarte als Wirtschaftsingenieurin und Burnout-Lotsin ausweist – wie denn diese beiden scheinbar so verschiedenen Berufsbezeichnungen zusammenpassen würden. Oder ob ich „gescheitert“ wäre – nun Letzteres hängt sicherlich primär von Ihrem Verständnis von Erfolg und Scheitern ab, fokussieren möchte ich mich in diesem Beitrag aber eher auf die erste Fragestellung.

Ganz einfach: In meiner ersten Berufslaufbahn (als Wirtschaftsingenieurin angestellt im Einkauf, aber hauptsächlich im Controlling eines produzierenden Großkonzerns) durfte ich mich primär dafür engagieren, dafür zu sorgen, dass „die Zahlen“ passten. Durch die Verbesserung der Kostenstruktur sollte ich meinen Beitrag dafür leisten, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens den Erwartungen von Aktionären und Geschäftsführung entsprach. Ob diese immer realistisch waren oder nicht, ist eine andere Frage, aber Fakt ist: Ohne eine gesunde Zahlenbasis, ohne ein betriebswirtschaftlich gesundes Geschäftsergebnis –  kein gesundes Unternehmen. Und langfristig auch keine gesunden Mitarbeiter (wenn überhaupt welche).

Denn diese müssen ja entsprechend gezahlt werden. Das gilt für große Konzerne wie für Ein-Mann-(oder Frau-) Unternehmen. Wenn im Unternehmen langfristig finanzielle Ressourcen mißachtet werden, hat auf Dauer niemand seine Freude an der Arbeit. Insolvenz droht. Das kann sich auf mehrere Arten äußern: Entweder gehen die Mitarbeiter (meist nicht freiwillig) aufgrund von Entlassungen, oder sie gehen von alleine – weil sie sich woanders bessere Chancen / mehr Geld / mehr Freude erhoffen. Was auch ungünstig ist, denn erfahrungsgemäß gehen die engagiertesten und leistungs-fähigsten Mitarbeiter als erstes – und mit ihnen wertvolles Know-How.

In einem Kleinunternehmen ist es ähnlich: Wenn der Unternehmer und ggf. auch seine treuen Gefährten rund um die Uhr, rund ums Jahr ohne Urlaub am Rad drehen – in der Hoffnung so das finanzielle Ruder herumzureißen – begeben sie sich damit häufig an den Rand ihrer körperlichen Belastbarkeitsgrenze. Oder darüber hinaus, bis zum Zusammenbruch. Leider bricht dann nicht nur der Unternehmer zusammen, sondern meist das Schiff seines Unternehmens gleich mit. Andersherum kann jedoch auch das Unternehmen nicht dauerhaft betriebswirtschaftlich gesund sein, wenn nicht auf die Ressource der physischen oder psychischen Gesundheit geachtet wird:

Ohne gesunde Mitarbeiter und ohne einen gesunden Unternehmer kein gesundes Unternehmen.

Logisch, denn wie kann ein Mensch, der angeschlagen ist, Schmerzen oder Sorgen anderer Art hat, ein gutes, innovatives und professionelles Ergebnis abliefern? Apropos Ergebnis: Schon im Physik-Unterricht war Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das heißt, wenn  „Arbeit“ geringer wird und/oder die dafür benötigte Arbeitszeit ins Unendliche gesteigert wird, reduziert sich das Gesamt-ergebnis von „Leistung“.Länger Arbeiten hilft also auch nicht immer viel.

Und genau aus dem Grund, dass mir die Gesundheit des Leistungs- (nicht Kosten-!)Faktor Mensch mir in meiner bisherigen Laufbahn zu kurz kam, dass ich den Eindruck gewann, dass häufig die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens zu Lasten der physischen oder psychischen Gesundheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt wurde, widme ich mich heute dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Es ist also kein Widerspruch, sondern vielmehr ein Perspektivenwechsel.

Wie nun offensichtlich geworden ist, ist das Gebilde aus Gesundheit des Unternehmens und Gesundheit der Mitarbeiter ein unschöner Teufelskreis. Was können Sie als Unternehmer also tun? Achten Sie auf und investieren Sie in ein wichtiges Gut – die eigene und die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter. Das geht am besten wenn Sie sich dazu temporär jemanden mit an Bord holen – zum Beipiel einen Lotsen. Idealerweise jemanden, der sich sowohl mit Gesundheit als auch mit Finanzen auskennt.

Und damit wären wir wieder bei der Eingangsfrage, was ein Wirtschaftsingenieur/Controller mit einem Burnout-Lotsen gemeinsam hat…

Bitte bleiben Sie gesund!

Herzlich Ihre Christina Bolte