Tag Archives: Leben

Vom Karma des Kartoffelackers

1 Jun

Bereits hier hatte ich ja schon von meinen ersten Erlebnissen und Gedanken auf unserm Sonnenacker berichtet. Nun möchte ich heute von einer weiteren Episode „berichten“.

Noch nicht berichtet hatte ich davon, dass auf der Ackerfläche, auf der sich unser Bifang befindet, auch in den Vorjahren schon immer nach dem gleichen Prinzip Furchen verpachtet wurden. Allerdings werden diese in jeder Saison neu verteilt, so dass man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit jedes Jahr an anderer Stelle untergebracht wird, selbst wenn man sich schon viele Jahre an dem Projekt beteiligt.

Zwar gibt es gewisse Spielregeln (wie z. B. keine synthetischen Dünge- oder Unkraut-vernichtungsmittel zu verwenden oder nur einjährige Pflanzen anzubauen), aber wer weiss schon, ob sich da jeder so dran hält. Immerhin ist auch Rhabarber, den unsere Nachbarn angebaut haben, auch mehrjährig… Und so kommt es mir ganz oft – vor allem beim Unkraut jäten – so vor, als wenn das Sonnenacker-Projekt ein bisschen was von Karma hat. Du weisst nie, was in einem früheren Leben (respektive von Deinem Vor-Mieter) angebaut wurde oder was dieser sonst so angestellt hat.
Somit ist es immer wieder überraschend, welche Pflanzen sich zeigen, unabhängig von dem was wir selbst angebaut haben. Das „Karma“ unseres Ackers scheint jedenfalls irgendwas zwischen Pfefferminz, Gänsefingerkraut und Topinambur zu sein – was an sich ja auch ganz gut und/oder sein könnte, wenn wir nicht an gleicher Stelle lieber Karotten, Kräuter und Erbsen angebaut hätten.

Und so kommt mir gerade der Gedanke, dass diese Situation mich ein wenig an die Passage aus Hirschhausens Pinguin-Prinzip erinnert, wo es am Ende heißt, dass auch sieben Jahre Psychotherapie aus einem Pinguin keine Giraffe machen. Eigentlich wollten wir weder Pinguine noch Giraffen, sondern nur ein bisschen Gemüse züchten. Aber vielleicht gelingt es uns ja, auf unserer Ackerfurche zumindest ansatzweise etwas von dem zu ernten was wir sähen, anstatt nur die (vielleicht nicht so geliebten) verspäteten Früchte unserer „Vorfahren“ zu ernten…

PS:
Lieber Buddhistischer Leser, es liegt mir fern, mich über irgendwessen religiöse Ansichten lustig zu machen.
Falls Sie der Meinung sind, mein Vergleich hinke, bitte ich um Nachsicht.

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Gedanken zu Ostern – Auferstehung feiern

20 Apr

In meinem Bekanntenkreis häufen sich in den letzten Wochen das, was landläufig als „Schicksals-schläge“ bezeichnet wird. In einer Familie erfährt der Vater plötzlich, dass er eine Krebserkrankung im Endstadium hat – und ist gute vier Wochen später bereits tot. Mit Anfang-Mitte Fünfzig.
In einer anderen Familie liegt die kleine Tochter (5) seit einer plötzlichen Hirnentzündung seit gut zwei Monaten im Koma. Zwar befindet sie sich mittlerweile bereits in der Aufwachphase, aber es besteht die Möglichkeit – wenn sie wieder aufwacht – dass eine Behinderung zurückbleibt.

Was zuvor ein ganz normaler (Familien-)Alltag war, ist nun nicht mehr da. Alles anders, und zunächst für alle Beteiligten wie auch Menschen im weiter entfernten Umfeld ein großer Schock.
Was soll man auch sagen, wenn jemand so aus seinem Leben bzw. wie die Angehörigen beider Familien aus ihrem Alltag  gerissen werden?

Für die beiden oben beschriebenen Familien ist der Alltag nun ein neuer. Es gibt noch viel zu regeln und es gilt, einen neuen Alltag einzu“üben“. Ich bewundere mit Hochachtung die Eltern der kleinen Erkrankten für ihre Sichtweise, ihren neuen Alltag primär als „anders und nicht zwingend schlechter“ zu bezeichnen. In einer solchen Situation, gerade eben den Schock überwunden, bedarf es sehr viel Bewußtsein und Kraft, solche Aussagen zu treffen.

Mich jedenfalls macht es betroffen – und lädt mich zum Nachdenken ein: Wir alle haben einen Alltag, den wir mehr oder weniger schätzen, mit dem wir manchmal oder auch öfter hadern, manchmal auch jammern – obwohl es uns, zumindest hier in Mitteleuropa, trotz dem einen oder anderen Wehweh- chen, das man so hat, doch vergleichsweise gut geht.

Besonders anläßlich dieser Ostertage (und der dahinter liegenden christlichen Tradition, die ich mir an dieser Stelle erspare, weiter auszuführen) stellt sich mir immer wieder die Frage, warum wir es immer wieder darauf ankommen lassen, den ganz normalen, schnöden Alltag so wenig zu schätzen, dass es immer erst solcher „Schicksalsschläge“ bedarf, um für unsere alltäglichen „Kleinigkeiten“, wie die gesund zu sein beispielsweise oder gesunde Kinder zu haben, dankbar zu sein. Sollten wir das Leben (das einzige, was wir im Übrigen haben!) nicht viel mehr bewußt zu geniessen?

Ich finde, das ist das mindeste, was wir tun können. Und fühle mich gleichzeitig eingeladen, meine ganz persönliche Auferstehung zu feiern. Gerade zu Ostern und noch viel mehr, wenn ich das Gefühl habe, das Leben präsentiert mir wieder mal tonnenweise Mist, oder erst recht, wenn ich mich dabei ertappe, mehr oder weniger grundlos über das eine oder andere zu jammern. Vor allem, wenn ich es eigentlich sogar in meiner Hand habe, etwas daran zu ändern.

So gesehen ist Ostern auch eine Handlungsaufforderung. Und es lohnt sich, die freien Tage dazu zu nutzen, mal kurz darüber nachzudenken: „Von oder aus was möchten Sie im kommenden Jahr ihre Auferstehung feiern?“ – und dann tun Sie’s! Wir haben es selbst in der Hand, unser Leben zu verändern, und Dankbarkeit ist schon ein erster guter Schritt dorthin.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ostertage!

Ihre

Christina Bolte

Vom Strassenkehren und biologischer Landwirtschaft

13 Apr

Seit wir im letzten Jahr von München „aufs Land“ (korrekter: ins Münchner Umland) gezogen sind, reiht sich – wie mir scheint – eine Spießigkeit an die andere. Neuerdings  probieren wir uns als Biobauern aus, denn wir haben uns für diese Saison eine Ackerfurche auf dem Sonnenacker gepachtet (woanders auch als „Krautgarten“ bekannt) um unser eigenes Gemüse anzubauen – und nebenbei auch noch viel Zeit an der frischen Luft verbringen und dabei mit den Menschen vor Ort in Kontakt kommen.

Nun hört sich ein halber Bifang (1 Bifang sind 100 Meter Ackerfurche) eigentlich relativ wenig an. Wenn man allerdings davor steht und sieht, wie viel da noch von Steinen und Unkraut befreit werden möchte, kommen einem die vor einem liegenden 50 Meter vor wie die lange Strasse von Momos Strassenkehrer Beppo: „Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. […] Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.“ (Zitat aus dem Buch von Michael Ende)

Gleichzeitig sind aber genau diese mühsamen, lästigen Tätigkeiten extrem wertvoll: Nicht nur sind Unkraut zupfen (per Hand versteht sich, denn Herbizide sind auf den Sonnenäckern nicht erlaubt) und Steine aussortieren extrem gut dazu geeignet, die eigenen destruktiven Energien auszutoben, die einen manchmal befallen.
Nein, es sind auch wunderbare Tätigkeiten, um nach einem anstrengenden Tag oder einer anstrengenden Woche am Schreibtisch den Kopf wieder frei zu bekommen. Die mechanischen, gleich-förmigen, Bewegungen veranlassen einen, sich nur auf das Stückchen Acker direkt vor einen zu konzentrieren und gleichen dabei einer Art Meditation.

Darüber hinaus war meine erste Lektion, die ich von „meiner“ Ackerfurche lernen durfte, wie wichtig diese nervigen Aufgaben, die so gar nicht in mein Bild von „ich bin dann mal Biobauer und zieh mein eigenes Gemüse“ passten. Auf Dauer ist es jedenfalls eine ziemlich mühsame Haltung und eine noch lästigere Tätigkeit, so gebückt dazustehen oder zu hocken, um das Unkraut oder die Produkte des Vorjahres-Pächters zu entfernen. Vor allem wenn man (noch) nicht erkennen kann, was es ist bzw. wird.

Aber immerhin will man ja wissen, was man erntet und sich nicht davon überraschen lassen, was kommt (zumindest geht es mir so). Ich fände es ziemlich blöd, am Ende etwas zu ernten, womit ich gar nichts anfangen kann, weil ich es womöglich nicht mag. Topinambur zum Beispiel wuchert ziemlich hartnäckig, schmeckt aber bei bestem Willen nicht jedem.

Und so passt das Biobauerntum irgendwie auch zu meinem Metier. Auch die gestressten Menschen, die zu mir kommen, erledigen häufig, was andere ihnen anschaffen, oder „schauen, was passiert“ – und wundern sich am Ende, dass ihnen das, was dabei heraus kommt, nicht gefällt.
Hier kann es helfen sich vorher zu überlegen, was man am Ende des Tages eigentlich ernten möchte, um dann seine Tätigkeiten entsprechend danach zu planen und auszurichten, auch wenn diese mitunter lästig sind und es somit einfacher erscheint, darauf zu verzichten.

Als kleines „Nebenprodukt“ kam mir, nach ein paar Stunden in gebückter Haltung, so ganz nebenbei auch noch der Gedanke, unter welchen Bedingungen eigentlich die Obst- oder Gemüsesorten produziert sein müssen, die man so für 1,29 Euro das Kilo im Supermarkt kaufen kann. Wieviele Stunden am Tag verbringen wohl die Leute, die berufsmäßig Gemüseanbau betreiben, in einer solchen Haltung oder wo kommen sie her? Oder brauchen die kein Unkraut zu zupfen, weil irgendwelche „ich will gar nicht weiter drüber nachdenken was für“-Mittel verwendet werden?

Na, wenn die Aussicht auf pestizidfreies, selbstgezüchtetes Gemüse mal nicht gleich noch mehr motiviert, das eigene Stück Acker von Unkraut zu befreien – Stück für Stück, Meter für Meter, Schritt für Schritt. Wie Beppo sagt: „Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.“*

Wenn Sie also Unterstützung brauchen, was Sie im wörtlichen und/oder übertragenen Sinne in Zukunft nähren soll, sprechen Sie mich gerne an – ich helfe gerne weiter.

* Die ganze Geschichte von Beppo können Sie hier nachlesen oder dort nachhören – oder Sie kaufen sich gleich das ganze Buch, das ist auch eine schöne Auszeit 🙂

Ver-Wicklung, Ent-Wicklung, Wirken

28 Dez

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole (denn es ist mir bewusst, dass meine Beiträge schon öfters so angefangen haben) – ich komme gerade von einer Veranstaltung zurück…
Diesmal ging es zum kommunikativen Kennenlernen darum, dass jeder sein persönliches Jahres-Resümée in Form eines Wollfadens an den eines anderen Teilnehmers binden sollte. Die so aneinandergereihten „Einzelfäden“ und -geschichten wurden so zu einem – zwar recht inhomo- genen aber doch recht einzigartigen und bunten – „Gesamtfaden“ aufgereiht und noch während des Erzählens zu einem großen Knäuel aufgewickelt.

Ich fand dieses Bild sehr inspirierend, denn ähnelt nicht auch unser Leben einem „roten Faden“, der im Laufe unseres Lebens mit dem vieler anderen Menschen verstrickt, verspinnt oder verwebt? Manchmal entstehen so (im übertragenen Sinne) echte Kunstwerke aus der Verbindung dieser Lebensgeschichten: Ein bunter Teppich, ein tragfähiges Netz oder ein schönes wärmendes Kleidungsstück…

Ver-wicklungen
Häufig ist es jedoch in unserem Leben auch so, dass der eigene Lebens-Faden anstatt zu einem geordneten Gesamtbild eher wie „schief gewickelt“ anfühlt. Erlebnisse aus frühester Kindheit, Erziehung durch die Eltern oder die Prägung durch Schulsystem, Lehrern oder der Gesell-schaft (wer auch immer das ist) sowie der Kontakt mit Geschwistern, Freunden oder sonstigen uns nahestehenden Menschen tragen – bewusst oder unbewusst – dazu bei, dass die eigene, persönliche Lebensgeschichte geformt wird. Aber mitunter eben auch dazu, dass sich das eigene Lebens-Wollknäuel zu einem großen chaotischen Wollhaufen verknuddelt.

Häufig geht das sogar auch eine ganze Weile lang gut, weil man persönlich der Meinung ist, noch den Überblick zu haben, oder das Lebens-Geknuddel sogar als „Kunstwerk“ wahrnimmt. Tatsächlich führt das aber dazu, dass irgendwann von unserem eigentlichen Kern, unserer Mitte, gar nichts mehr zu erkennen ist. Schlimmstenfalls fühlen wir uns darin wie einge-schnürt, festgezurrt oder wie verknotet. Eine ziemlich ver-wickelte Situation also.

Wenn die fremden Verstrickungen und Verwicklungen zunehmen und das Leben mehr und mehr Zug auf uns und unser Lebens-Knäuel ausübt (was wir häufig als „unter Druck stehen“ wahrnehmen), kann es passieren, dass uns die eigene Gesundheit (bzw. deren plötzlicher Verlust), „die Umstände“ oder ein scheinbar plötzlicher Schicksalsschlag dazu zwingen, im Wortsinne zum „Entwickler“ zu werden. Dann geht es darum, sich in dem ganzen Kuddel-muddel auf die Suche nach dem eigenen „roten Lebensfaden“ zu machen, der unser wahres Ich ist, Ordnung ins Chaos zu bringen und so den blockierenden „Knoten“ zu lösen.

Ent-wicklungen
Die radikale Methode, um dies zu tun, ist sicherlich, wahllos mit einer Schere (wahlweise einem Messer o.ä.) wild um sich zu fuchteln und alles zu durchtrennen, was einem in die Quere kommt. Das funktioniert gut, ist sicherlich auch effizient, hinterlässt aber mitunter ein ziemliches Fussel-Gemetzel. Und birgt darüber hinaus auch die Gefahr, dass auch unser eigentlicher Faden dabei durchtrennt wird – und dann hängt man (wenn überhaupt noch) nur noch am seidenen Faden oder ziemlich in der Luft.

Eine sanftere aber definitiv mühsamere und zeitaufwendigere Methode ist es, sich sein verwickeltes Lebens-Geknäuel Knoten für Knoten, Faden für Faden zu ent-wickeln: Die verschiedenen Stränge müssen sortiert, die Knoten gelöst, die losen Enden sorgfältig auf- gewickelt und eventell auch manches unbrauchbare oder nicht mehr benötigte Stück ent-sorgt werden. So nähert man sich Schritt für Schritt dem Urzustand, dem individuellen Selbst – den Lebensfaden, den man persönlich nach seinem eigenen Gusto gestalten kann: Aufwickeln, damit Weben, Stricken, Basteln, was auch immer Ihnen gefällt.
Klingt lästig, dient aber – ausser der äußeren „Ordnung“ auch der inneren – und genau die innere Ordnung ist es, die Leib und Seele gesund werden lässt.

Die „stade Zeit“ zwischen Weihnachten und Silvester sind aufgrund der langen und dunklen Nächte wie ich finde immer eine gute Gelegenheit, sich das eigene Lebens-Knäuel einmal anzusehen:
– Gefällt Ihnen das Kunstwerk, was Sie sehen?
– Haben Sie noch den Überblick, wessen Fäden darin noch ver-wickelt oder ver-woben sind?
– In welchem Zustand sind die einzigen Fäden – noch tragfähig oder eher verschlissen?
– Fühlen Sie sich in Ihrem Lebens-Knäuel eher eingeengt oder eher getragen?
– Erkennen Sie Fäden oder Enden, die Sie getrost (aber gezielt) durchtrennen können, weil sie ohnehin schon zerschlissen sind? Dann tun sie’s!  Tun Sie sie weg – ohne großes Drama und ohne schlechtes Gewissen.
– Finden Sie Fäden, die Ihnen eh noch nie gefallen haben oder mittlerweile einfach nicht mehr Ihrem Geschmack entsprechen? Sortieren Sie sie heraus, trennen Sie sie ab. Wenn Sie den Mut oder die Konsequenz haben, sie den „Ursprungs-Knäulen“ zurück zu geben, machen Sie’s, ansonsten legen Sie sie zur späteren Entscheidung irgendwo ab.
– Entdecken Sie Fäden, die zwar noch in guten Zustand sind, mit denen Sie aber nur gerade zum jetzigen Zeitpunkt nichts anfangen können? Wickeln Sie die Enden sorgfältig auf und legen Sie sie beiseite – wer weiss was sich später einmal Schönes daraus machen lässt!

Nun dürfte das Chaos-Knäuel schon deutlich kleiner geworden sein, und vermutlich können Sie Ihren eigenen roten Faden schon recht gut erkennen – meinen Glückwunsch! Sollten noch ein paar alte Fadenreste daran hängen, so ist das kein Problem, denn die machen das ganze bunter – und immerhin hatten die Fäden ja auch mal eine wichtige Bedeutung im Leben. Also, freuen Sie sich darüber und wickeln Sie den frisch sortierten Lebensfaden am besten gleich zu einem schönen ordentlichen Wollknäuel auf.

Wirken
Wozu Sie diesen verwenden möchten, ob Sie damit etwas stricken, häkeln, knüpfen, weben oder basteln möchten, oder ob Sie ihn einfach so weiterspinnen möchten, um die bestmögliche Wirk-ung zu erzielen – das bleibt Ihnen natürlich selbst überlassen.
Aber bevor Sie das tun, spendieren Sie doch am besten noch gleich ein wenig mehr Zeit und Gedanken darauf, was Sie mit Ihrem weiteren Leben(sfaden) anfangen möchten. Auch dazu bieten die Tage und Abende bis zu den Heiligen Drei Königen genügend Gelegenheit. Denn so lassen sich für die Zukunft weitere Verstrickungen und Ver-wicklungen  vermeiden und somit bleibt viel mehr Zeit und Energie um Wirken zu können.

Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen für Ihre Ent-Wicklungen – und stehe Ihnen dabei natürlich auch mit Rat und Tat oder im Rahmen einer Kurs-Veränderung zur Verfügung.

Kommen Sie gut und vor allem gesund ins neue Jahr 2014 – möge es Ihnen Zufriedenheit, Glück und gute Ent-Wicklungsmöglichkeiten bieten!

     Herzlichst, Ihre Christina Bolte

Zusammen-Wachsen

9 Dez

Vorletzte Woche war ich mal wieder auf einer Abendveranstaltung, bei der es darum ging, neue Verhaltensweisen und Gewohnheiten einzuüben. In einer Gruppe von etwa sechs Personen sollten wir uns dem Thema „Zusammen wachsen“ widmen.

Zunächst einmal sprachen wir über unsere ersten Assoziationen zu diesem Begriff, die so viel- fältig waren wie die Teilnehmer. Der eine fand sich spontan an das krankhafte Zusammen-kleben erinnert, das man besonders in Beziehungen zwischen Teenagern beobachten kann, wo beide sämtliche freien Minuten an- und ineinander verschlungen sind. Aber während man ein solches Verhalten bei erstmals verliebten Teenies noch als „normal“ bezeichnen kann, habe ich das Attribut „krankhaft“ deshalb gewählt, weil jede ausschliessliche Fixierung auf den Partnern bewi rkt, dass man gedanklich im eigenen Saft kocht und somit jegliches Wachstum verhindert – wie ein Zweig der nur im Kreis wächst… Eine andere Person aus unserer Gruppe assoziierte einen Vergleich aus der Natur, wo zwei verschiedene Pflanzen den gleichen Wachstumsraum einnehmen und durch Austausch oder ähnliches von der Gegenwart des jeweils anderen profitieren und sich so Schutz oder gemeinsames Wachstum ermöglichen. Bekanntes Beispiel hierfür ist der Clownfisch („Nemo“) und seine Seeanemone.

So verschieden die ersten Assoziationen auch waren, je weiter unsere Gruppe in der Übung voranschritt, desto mehr herrschte Einigkeit darin, dass man (also Personen, wie auch Paarbeziehungen wie auch die Gesellschaft) sich nur weiterentwickeln – also wachsen – kann, wenn ‚man‘ dies nicht alleine tut, sondern gemeinsam mit anderen. Wobei die Betonung in der Diskussion eben auf „gemeinsam mit“ und nicht auf „auf Kosten von“ lag. Im weiteren Verlauf der Übung sprachen wir zunächst darüber, dass es wohl eine ziemliche Herausforderung sei, so manch einen Zeitgenossen dazu zu bringen, von sich aus wachsen zu wollen, bis wir später darauf kamen, dass ja bereits jeder von uns selbst mit kleinen (oder auch großen) Schritten vorangehen könne – und das sogar im ganz normalen Alltag.

Mit der für absolut jeden geeigneten Übung, die uns dazu einfiel, würde nicht nur das tägliche Miteinander in der sonst so anonymen Großstadt deutlich freundlicher werden (Stichwort: zusammen), sondern würde auch der Tag des einen oder anderen einen derart schönen Aufschwung bekommen (Stichwort: wachsen), dass der Mikrokosmos um ihn oder sie herum gleich ein paar Grad freundlicher wäre. Dabei hatte aber niemand aus unserer Gruppe den (Hinter-)Gedanken, irgendjemanden veräppeln zu wollen. Nein, wir alle fanden einfach nur, dass ein bisschen mehr Offenheit und Herzlichkeit unserem Alltagsleben ganz gut täte.

Denn ein Lächeln ist laut dem dänischen Musiker Victor Borge (wobei der möglicherweise auch von Bhudda plagiiert hat) nicht nur der kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen, sondern ist auch noch ansteckend, wirkt attraktiv, es erwärmt somit das Herz von Sender und Empfänger. Und gerade das ist doch im Dezember etwas wirklich Angenehmes, oder?

Aber sehen Sie selbst, welche Übung für wir uns überlegt hatten…

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren und eine herzliche (Vor-)Weihnachtszeit.

Ihre Christina Bolte

Zwischen den Welten

29 Sep

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“,  heißt ein Sprichwort. So auch neulich, als ich ein paar Tage nach Rotterdam fuhr, um eine Freundin zu besuchen. Wie sich das so für einen „ordentlichen“ Touristen gehört, unternahmen wir natürlich eine Rundfahrt durch Rotterdams Hafen, der im übrigen der drittgrößte der Welt ist.

Während wir so Kaffee und Kuchen mampfend auf dem Boot so dahin schipperten, manche Leute laut plappernd, war es teilweise ziemlich schwierig, den informativen Ausführungen vom Tonband zu folgen. Daher verlegte ich mich aufs Beobachten des Geschehens da draussen im Hafen: Kräne, die riesige Container wie Spielzeug-Schächtelchen von und auf Containerschiffe luden, Werftmitarbeiter, die im Trockendock ein Schiff neu anstrichen, andere Schiffe an anderen Kais, auf denen weitere Handelsgüter oder -flüssigkeiten wie Erdöl und Orangensaft umgeschlagen wurde (was ich zugegebener-maßen weniger beobachten konnte als den audiovisuellen Ausführungen entnahm). Inmitten dieses ganzen Treibens für den Welthandel und das Bruttoinlandsprodukt, das vielen Menschen Arbeitsplätze gibt und damit zu ihrem Lebensunterhalt beiträgt und gleichzeitig uns allen mit Kleidung aus Asien oder anderen uns selbstverständlich gewordenen Annehmlich-keiten versorgt, kam mir der Gedanke, dass in diesem – wie vermutlich auch in jedem weiteren Moment – sich sprichwörtliche Welten begegnen: meine gemütliche Kaffee-und-Kuchen-Welt mit „der anderen“ da draussen.

Aber welches ist nun die „reale“ Welt? Das hängt sicherlich davon ab, mit welchen Augen ich die Welt betrachte (wobei neben den Augen natürlich auch noch die anderen Sinne zur Wahrnehmung beitragen können) und aus welcher Perspektive… Also vom eigenen Standpunkt – denn Menschen neigen dazu, nur das, was sie (er)kennen oder erleben, als normal – real – existent, oder wie auch immer Sie es nennen mögen, einzustufen[i].

Den meisten von uns werden diese parallelen Welten – wenn überhaupt – eher im Urlaub bewußt, wenn man mit während eines Telefongesprächs mit „Daheim“ erfährt, wie blöd dort gerade das Wetter ist und man es somit in seinem Urlaubsziel gut getroffen hat. Oder wenn man nach einer längeren Auszeit, sei es im Backpacking-Urlaub, auf dem Jakobsweg oder (eher unfreiwillig) nach einem Krankenhaus-Aufenthalt wieder zurückkommt in sein alltägliches Umfeld, seinen alltäglichen Job und sich fragt, was man dort eigentlich tut – bestenfalls, manchmal möchte man sicherlich auch sofort gleich wieder abhauen.

Doch Abhauen würde bedeuten, zu fliehen, sich der (seiner eigenen!) Realität nicht zu stellen. Deshalb ist so ein aufrüttelnder Moment, in dem zwei Welten aufeinander prallen, so eine Konfrontation mit dem anderen, doch eigentlich ein guter Anlass, um mal in sich zu gehen und sich zu überlegen. was es eigentlich genau ist, das einem in der einen – oder der anderen – Welt so gut gefällt oder auch nicht. Für die logisch-rationalen Menschen unter Ihnen gerne auch mit einer
Pro-und-Contra-Gegenüberstellung.

Und dann entscheiden Sie sich – aber nicht für oder gegen die eine oder die andere „Welt“ sondern dafür, die Punkte, die Ihnen in Ihrer Alltagsrealität nicht (so gut) gefallen, nach Ihren Wünschen und Möglichkeiten zu verändern.
So wie es auch schon die Heldin aus Kindertagen, Pippi Langstrumpf, sagte: „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt…“

Vom Sehnen und Suchen: Sehn – Sucht

28 Mai

Früher, während meiner Zeit als Angestellte, bin ich in meinem Urlaub immer gerne durch die ganze Welt gereist. Klar, einerseits wollte ich natürlich dem mitteleuropäischen matschig-nass-kalten Winter entkommen und mir die lichtarme Zeit im sonnigen Süden verkürzen.

Anderseits hatte die Abwechslung zu meinem sonst sehr stressigen und durchgetakteten Arbeitsalltag ohne viel Freiraum zum Luft holen und für neue Eindrücke natürlich auch immer einen Touch von Freiheit und Abenteuer.
Und so fand ich es auch immer sehr bereichernd aus erster Hand zu erleben, wie Menschen in anderen Ländern leben. Wobei er-leben meistens im Wortsinn als sinnhaftes Er-Lebnis zu verstehen war, denn meistens waren alle Sinne zu dessen Wahrnehmung gefordert:
Die Ohren vernahmen fremd anmutende Töne und Klänge, was manchmal Musik war, manchmal auch nie zuvor gehörte Insekten, häufig aber auch Unmengen an Verkehrslärm.

Die Augen erfreuten sich an blauem Himmel, weißem Strand und azur-farbenen Wasser, alternativ an den bunten Farben der Kleidung der Einheimischen.

Etwas ambivalent waren häufig die Eindrücke für die Nase – einerseits der großstädtische Gestank viel genutzter zweigetakteter Volks-Fahrzeuge, andererseits der intensive Geruch beim Besuch der einheimischen Märkte – mancherorts waren Kühlschränke Luxus, und so durchzog ein deutlich wahrnehmbarer Geruch von getrocknetem Fisch, frischen Obst oder frischen Gewürzen die Luft…
Gleichzeitig kitzelten die frischen Früchten und Gewürzen aus der Küche des Reiselandes auch den Gaumen – was diesen erfreute, manchmal aber auch den Montezuma reizte.

Nicht zu vergessen natürlich die urlaubsmässige Laisser-faire-Mentalität mit der ich heute hier und morgen dort die Tage spontan nach Lust und Laune verbringen konnte, sofern ich nicht der Meinung war, irgendwo ein toughes Programm von soundso-vielen Tauchgängen absolvieren zu müssen.

Urlaub – ist mehr als Abenteuer

Genug der Erinnerungen – denn wie ich bereits hier erwähnte, hat alles seine Zeit.
Die Reisen ermöglichten mir – neben der Möglichkeit Sonne zu tanken und den trüben Winter besser zu überstehen – natürlich auch vielfältige Einblicke und Eindrücke in das Leben der Bewohner meines Reiselandes.
Vor allem aber ermöglichten sie mir auch immer mal wieder die Erkenntnis, wie gut es uns hier in Deutschland eigentlich geht, was mich dann immer sehr mit Dankbarkeit erfüllte.

Allerdings immer nur so lange, bis ich wieder in meinem Arbeitsalltag angekommen war und in diesem wieder versank. Denn dann waren all die Sinneswahrnehmungen wieder in weiter Ferne und die Erinnerungen nur noch auf Fotopapier (bzw. nach dem Einsetzen der Digitalfotografie sogar nur noch im Datenarchiv). Es dauerte allerdings noch ein paar Jahre (die mich natürlich nicht davon abhielten, im Winter weiter zu verreisen), bis ich herausfand, warum das so war.

Denn wie mir mittlerweile bewußt ist – so schön, erlebnis- und erfahrungsreich diese Urlaubsreisen auch immer gewesen waren: Als eine wichtige, wenn mir damals auch unbewußte Motivation für die Reisen war damals immer eine gewisse Sehnsucht mit im Spiel (und im Gepäck) gewesen. Vordergründig sicherlich eine Sehnsucht nach Neuem, nach Abenteuer, nach Erholung genauso wie nach Ausgleich oder Belohnung zu meinem stressigen Job.

In den wenigen wirklich ruhigen Momenten auf diesen Reisen, in denen mein Bewußtsein nicht durch reisebedingte „äußere Einflüsse“ abgelenkt war, gelang es gelegentlich meiner inneren Stimme, sich Gehör zu verschaffen. Das waren dann die Momente, in denen mir Gedanken kamen wie „in was für einem Film lebe ich eigentlich gerade?“ (wobei mit ‚gerade‘ mein für mich normaler Alltag gemeint war) und „kann denn das (der Alltag) schon alles sein“.

Tief in mir drin wurde also eine zunehmend stärkere Sehnsucht in mir offenbar, die für mich lange nicht greifbar war. Was sehnte ich mir herbei? War es etwas (oder jemand?), um eine innere Leere tief in mir drin zu füllen? War es der Wunsch meiner inneren Stimme, gehört oder gar die Sucht, ge-seh(e)n zu werden?

Heute weiss ich, dass ich auf all diesen Reisen tief in mir drin den Wunsch hatte, etwas in meinem Leben zu verändern – ohne dass ich jedoch im Alltag dafür etwas getan oder anders gemacht hatte als zuvor. Gleichzeitig war es die Suche nach etwas, was mir und meinem Leben einen ‚echten‘ Sinn gab und mich erfüllte – ohne aber mich in meinem Alltag für so etwas (Neues) zu öffnen.

Ich weiss heute außerdem, dass meine Innere Stimme in den verschiedenen ruhigen Momenten am Meer mich genau auf diese Notwendigkeit für eine solche Öffnung und Veränderung  hinweisen wollte. Leider musste ich ein- oder zwei Mal in einen Burnout geraten, um die Bereitschaft dafür (und fürs Hinhören) auch tatsächlich zu entwickeln und eine Veränderung in meinem Leben vorzunehmen.

Heute brauche ich keine Fernreisen mehr (auch wenn ich mich zugegebenermaßen immer noch schwer tue, mich mit dem mitteleuropäischen Winter anzufreunden). Denn heute kann ich auch die kleinen Wunder des Alltags als Abenteuer betrachten und den ‚Sinn‘ meines Lebens in mir selbst finden. In Kontakt mit meiner inneren Stimme kann ich ohnehin auch auf meiner Couch kommen…

Interessanterweise ist das Wort Sehnsucht oder Sehnen verwandt mit der anatomischen Sehne, also jenem bindegewebigen Teil des Muskels, durch den dieser mit einem angrenzenden Knochen verbunden ist.
Rein anatomisch betrachtet wird also durch die Sehne, also dem Muskelansatz selbiger aktiviert, quasi als ein Bewegung ausführendes Organ oder Körperteil.

Ich finde, dies ist eine spannende  Analogie, wenn die Sehne am Anfang einer Bewegung  steht und als deren Auslöser steht. Denn ist es nicht gerade, die Sehnsucht nach etwas, die uns veranlasst, in Aktion zu treten, und eine Veränderung zu bewirken?

Die Fenster der inneren Stimme

Wonach sehnen Sie sich? Fragen Sie Ihre innere Stimme – und fürchten Sie sich nicht vor den „stillen Momenten“ in Ihrem Leben, sondern schätzen Sie sie. Denn genau diese sind die „Fenster“, in denen Ihre innere Stimme mit Ihnen kommunizieren möchte.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen erfolgreiches und erfülltes Finden…

Reisebegleiter

7 Apr

Heute bin ich eingestiegen – in den Zug, der mich ins Leben bringt.
Mit mir im „Abteil“ ein paar alte Hasen und ähnlich neu hinzu Gestiegene.
Wir kommen ins Gespräch, tauschen uns aus über die vorbeiziehende Landschaft,
das Leben „da draußen“ und die Leute in den anderen Abteilen.

Nächster Halt: Der eine oder andere verabschiedet sich.
Schade, trotz der kurzen Zeit waren es teilweise lieb gewonnen Fremde.
Gleichzeitig steigen wieder neue Menschen ein,
die sich freuen über ein nettes Wort oder ein offenes Ohr.

Tja, so schnell kann es gehen – dass man selbst zum alten Hasen wird…

Work-Life-Balance – oder: Das Prinzip Freude…

26 Dez

Dieser Beitrag ist Bestandteil eines Vortrages zum Thema Work-Life-Balance, den ich im April 2010 anläßlich des „Aktionstages Gesundheitsbewegung – Wir bringen Bewegung in Ihre Gesundheit“ hielt.
Der Aktionstag fand damals – passend zur Bewegung – in einem (BMW-) Autohaus in München statt.

Als ich ein paar Wochen zuvor anfing, in meinem Bekanntenkreis von dieser Gesundheitsausstellung im Autohaus zu erzählen, fragten mich viele, worin denn überhaupt der Zusammenhang bestünde und was denn Gesundheit überhaupt mit Auto zu tun hätte. Passenderweise war mir etwa drei Wochen die folgende kleine Anekdote passiert, die ich an dieser Stelle erzählte:

Ich war eine längere Strecke mit meinem Auto unterwegs, als auf einmal das kleine Warnlämpchen mit dem Motorsymbol anfing zu leuchten. Nachdem gerade das Aufleuchten dieses Lämpchen so viele verschiedene Ursachen haben kann, bin ich also in die Werkstatt gefahren, um den Fehlerspeicher auslesen zu lassen.
Und wissen Sie, was die Fehlermeldung war? Sie lautete „Falsches Gemisch“.

Nun, beim Auto bezieht sich das natürlich auf das Kraftstoff-Luft-Gemisch, das bei der Verbrennung im Motor optimal eingestellt sein muss, damit das Auto eine optimale Leistung in Verbindung mit einem ressourcen-schonenden Verbrauch erbringen kann. Außerdem kann es bei einem falschen Gemisch zu Rückständen im Motor kommen, mit dem Risiko dass dieser vorzeitig ausfällt.

Was hat das nun mit dem Titel meines Vortrags, mit Work-Life-Balance zu tun? Nun: Auch bei uns Menschen kommt es darauf an, dass die „Zutaten“ unseres Lebens eine für uns persönlich optimale Mischung haben, damit wir eine möglichst lange Lebensdauer bei bestmöglicher Gesundheit haben können.

Denn Balance ist englisch und bedeutet sowohl Balance, Ausgeglichenheit, Ausgewogenheit, als auch Waage. In diesem Zusammenhang sprechen wir von der Ausgewogenheit zwischen Work, also Arbeit, in ihrer vielfältigsten Form, auf der einen Seite – und Life, also Leben, auf der anderen Seite.

Das ganze verdeutlichte ich mit dem folgenden Beispiel:

Auf der einen Seite ist die Waagschale mit WORK, also Arbeit. Das ist neben der beruflichen Arbeit auch die Fahrtzeit dorthin (und wieder nach Hause). Außerdem gibt es noch weitere Verpflichtungen,  Hausarbeit, Besorgungen, Gartenarbeit, Schularbeiten­aufsicht beispielsweise.
Was das in Stunden ausmacht, können die meisten von uns sicherlich gut beziffern.

Die Frage, die daraus resultiert ist: Ist der zeitliche Umfang Ihrer Arbeit in Ordnung für Sie?
Oder ist es Ihnen zu viel?

Die zweite Waagschale ist das, was einen Ausgleich darstellen könnte. Was gehört für Sie zum LIFE – zum Leben dazu? Hier ein paar Beispiele:

  • Familie bzw. Partnerschaft / Beziehung: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrer Familie?
    Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin / Ihrem Lebensgefährten oder Ihrer Lebensgefährtin? Reicht Ihnen das? Verbringen Sie die Zeit dann mit gemeinsamen Interessen oder streiten Sie eher nur?
    Wie oft sehen Sie Ihre Kinder oder beispielsweise Ihre Eltern, die gehören ja auch zur Familie?Und was machen Sie zusammen mit Ihren Kindern, wenn Sie sie sehen? Spielen Sie mit ihnen und haben Sie Spaß dabei? Erziehen Sie Ihre Kinder nur, statt ihnen zu spielen, lesen, ihnen zuzuhören usw.  oder würden Sie sie am liebsten genervt weg schicken, weil Sie so k.o. von der Arbeit sind?
  • Soziales Umfeld: Wie viel Zeit verbringen Sie mit Freunden, oder mit anderen Menschen, die Sie zum Beispiel aus Vereinen, Parteien oder sonstigen Freizeit­organisationen kennen? Reicht Ihnen das oder würden Sie gerne mehr, oder häufigere Kontakte pflegen? Sind es Ihre Kontakte oder die Ihres Partner / Ihrer Partnerin?
    Oder sind Sie evtl. nur genervt von all den Menschen, die immer irgendetwas von Ihnen wollen, sich aber doch gar nicht in Sie hineinversetzen können und sowieso keine Ahnung haben, was Sie eigentlich bewegt?
  • Sport: Wie oft machen Sie Sport? Ob das nun Radfahren, Fußball, Wandern, der Besuch im Fitnessstudio oder der tägliche Fußweg (die Betonung liegt hier auf Fuß-Weg) zur Arbeit ist, ist da ja zweitrangig?
    Und wie intensiv? Reicht Ihnen das? Können Sie Ihren Sport genießen oder machen Sie ihn aus einem Pflichtgefühl heraus?
  • Gesundheit: Wie steht es um Ihre Gesundheit? Leiden Sie unter Stress, Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rücken- oder anderen Gelenkschmerzen oder Depressionen?Dies alles sind leider sehr häufige Folgen eines unausgewogenen Lebensstils.
    Auch häufige Erkältungen, Hautausschläge oder andere Zeichen eines schwächelnden Immunsystems sind leider in unserer Gesellschaft ganz verbreitet.
  • Was sehr eng mit dem letzten Punkt zusammenhängt, ist das Schlafen. Wie viele Stunden schlafen Sie täglich? Reicht Ihnen das? Wie ist die Schlaf-Qualität? Schlafen Sie tief und fest durch und wachen erst am nächsten Morgen ausgeruht mit dem Wecker auf – oder  evtl. sogar ganz ohne Wecker? Oder kommen Sie abends nur schwer ins Bett und morgens nur wieder schwer heraus? Oder wachen Sie mitten in der Nacht mit starkem Herzklopfen und wilden Gedankengängen auf und wälzen dann wach von einer Seite auf die andere?
  • Was außerdem sehr eng mit dem Thema Gesundheit zusammenhängt, ist die Ernährung:
    Wie oft nehmen Sie regelmäßig am Tag eine Mahlzeit ein, und wie oft ist diese auch warm? Wie ist die Qualität des Essens, d. h. setzen Sie sich dabei hin?
    Sorgen Sie beim Essen für eine ruhige, angenehme Atmosphäre? Oder essen Sie morgens auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn und arbeiten mittags nebenher noch am Computer, weil Sie so viel zu tun haben?
    Und natürlich sollte auch die Kalorienzufuhr in einem angemessenen Verhältnis zur Bewegung, d. h. zum Verbrauch stehen.
    Kochen Sie eigentlich selbst (oder haben einen Partner/-in, der selbst kocht)? Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse oder essen Sie meistens lieber eine Fertig-Pizza, ein belegtes Brot oder ein Sandwich und Schokolade, weil das so schön schnell geht?
    Ernähren Sie sich also mehr von Nahrungs-Mitteln oder von Lebens-Mitteln? Und was denken Sie, ist der Unterschied von Nahrungs- und Lebensmitteln?
  • Und wie viel Zeit verbringen Sie eigentlich regelmäßig mit dem wertvollsten Menschen in Ihrem Leben? Mit wem? Na – mit sich selbst!? Wie viel Zeit nehmen Sie sich wirklich nur für sich selbst?
    Sie könnten sich zum Beispiel in Ruhe in die Badewanne legen, ein schönes Buch lesen, ganz entspannt eine schöne CD hören, eine Runde in der Natur spazieren gehen, sich kurz mal in die Sonne setzen oder einfach nur mal eine Runde herzerfrischend lachen.
    Haben Sie schon einmal bewusst ausprobiert, wie gut das tut? Wäre das nicht eine schöne Erfahrung, sich bewusst und gewollt selbst ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, anstatt darauf zu hoffen, dass es jemand anders tut – was auch oft genug überhaupt nicht geschieht.
  • Damit zusammen hängt außerdem auch noch ein anderer wichtiger Punkt: Stille bzw. geistige Einkehr und Zentrierung.
    Sie können sich darunter nichts vorstellen? Damit ist die bewusste Auseinandersetzung mit dem inneren „Ich“ gemeint, das sind Tätigkeiten – na ja, das ist vielleicht das falsche Wort – nennen wir es eher „Übungen“, gemeint, wie z. B. Yoga, Entspannungsübungen, Meditation, Gebete, Schweigen, oder wie auch immer Sie es nennen möchten. In jedem Falle ist es ein „zur Ruhe kommen“, „in seine Mitte“ kommen, „aus dem Alltag heraustreten“.

Natürlich gibt es da auch Schnittmengen, z. B. wenn Sie sich mit Ihren Freunden zum Joggen verabreden oder im Verein Fußball spielen, kann das Sport sein oder auch soziales Umfeld, genauso wie Angeln ebenfalls Sport, soziales Umfeld oder Meditation sein kann. Nun ja, jetzt bin ich ein wenig abgeschweift, nun zurück zum Thema.

Wer mag, kann an dieser Stelle dem Beispiel folgen, dass Sie hier finden.

Was können Sie also zum Ausgleich tun, wenn Sie feststellen, dass sich Ihre Lebensbalance im Ungleichgewicht befindet? Am besten nehmen Sie sich nicht gleich alles auf einmal vor, denn wenn Sie sich vornehmen, von heute auf morgen alles umzukrempeln, und es nicht sofort klappt, ist das natürlich demotivierend und frustrierend.
Insofern ist es sinnvoll, langsam vorzugehen und eines nach dem anderen anzuschauen. Schritt für Schritt – und mit der nötigen Toleranz und Geduld mit sich selbst.

Zunächst einmal können Sie die WORK-Waagschale, also die Seite mit der Arbeit verändern.
Verändern heißt in dem Fall: Reduzieren.

  • Das können Sie entweder tun, in dem Sie die Quantität reduzieren, also die Stundenanzahl.
    Dazu ein paar Gedankenanstöße und Ideen:
    – Wer sagt Ihnen, wie viel Sie arbeiten müssen? Ihr Chef? Sie sich selbst?
    – Haben Sie mal ausprobiert, einfach weniger zu arbeiten und mal zu schauen, wie vielen Leuten es überhaupt
    auffällt und wie viele Leute sich dann eigentlich tatsächlich beschweren?
    (Falls Sie sagen, das ginge nicht: Das dachte ich vor ein paar Jahren auch, und dann hab ich es einfach mal ausprobiert. Und glauben Sie mir, wenn es nicht funktionieren würde, würde ich es Ihnen nicht empfehlen.
    Also, bei mir waren es übrigens nur zwei Personen, denen es überhaupt aufgefallen ist, und von beiden hing zumindest bei mir keine Gehaltserhöhung ab…)
    Und selbst wenn bei Ihnen persönlich die Arbeit Spaß macht, ist bei Ihnen ein Mehr an Arbeit auch automatisch ein Mehr an Spaß? Wenn ja, herzlichen Glückwunsch.
  • Die Alternative zum Reduzieren der Stundenanzahl ist, den Inhalt der Waagschale also Ihre persönliche Belastung – leichter zu machen, indem Sie die Qualität erhöhen. Denn wenn Ihnen eine Sache Spaß und Freude macht, wirkt sie viiieel leichter, wie ein mit Gas gefüllter Luftballon, der Sie und Ihre Waagschale schweben lässt.
    Hier hilft Ihnen vielleicht die Fragestellung weiter: „Wobei fühlen Sie sich wohl?“Das können Sie zum Beispiel dadurch erreichen, dass Sie Ihre Gestaltungsmöglichkeiten ausnutzen oder erweitern. Schaffen Sie sich Spielraum, übernehmen Sie Verantwortung, zeigen Sie Initiative.
    Suchen Sie sich die Aufgaben, die Ihnen Spaß machen, anstatt welche zugeteilt zu bekommen, die keinen Spaß machen. Die können Sie ja nicht mehr erledigen, denn Sie sind ja schon mit den anderen Aufgaben ausgelastet. Und wenn Sie sich schon nicht die Aufgaben und Ziele selbst aussuchen können, versuchen Sie wenigstens den Weg dorthin selbst zu suchen. Auch Delegieren ist unter Umständen eine Möglichkeit.Ganz wichtig ist übrigens dabei authentisch zu bleiben. Sich verbiegen schafft keine Lebens­qualität. Also verbiegen Sie sich nicht um ins Unternehmen zu passen, sondern suchen Sie sich langfristig eines das zu Ihnen passt. Stehen Sie ruhig zu sich und Ihrer Meinung, auch wenn sie anders ist. Die einzige Regel ist hier: Der Ton macht die Musik.Ganz entscheidend ist aber: Ärger können Sie nicht vermeiden. Denn Ärger oder sich ärgern ist eine Bewertung von Anlässen die von außen kommen, also wie Sie damit umgehen. Und andere kann man bekanntlich nicht ändern.
    Was Sie allerdings ändern können, ist die Art und Weise, wie Sie diese Anlässe bewerten. Eine Frage, die sich für mich in solchen Fällen zur Leitfrage entwickelt hat, ist die folgende:
    “Ist dieser Anlass, diese Sache so wichtig, dass ich mich auch in einer Stunde oder auch morgen noch darüber aufregen werde? Und vor allem: Ändert es etwas, wenn ich mich darüber aufrege, außer dass ich meine eigene Lebensqualität und –erwartung reduziere?!“

Zum anderen können Sie die zweite Waagschale verändern, also der Seite mit dem Leben „mehr Gewicht“ zu verleihen. Auch hier haben Sie wieder zwei Möglichkeiten:

  • Entweder Sie erhöhen die Quantität, die Menge an Zeit. Das Stichwort ist dann: Sich Zeit nehmen, für Ihre Familie und Freunde und für sich selbst. (Mir ist schon klar, dass das nur in begrenztem Umfang geht, weil für jeden der Tag nur 24 Stunden hat, wie wir hier gesehen haben.)
    Beispielsweise könnten Sie abends eher aus dem Büro nach Hause gehen um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und dann evtl. anschließend zu Hause weiter arbeiten, wenn die Kinder bereits im Bett sind.
    Oder Sie lassen einfach mal Radio oder Fernseher aus und erfahren so anstatt der Neuigkeiten aus der Welt – die ohnehin oft negativ und/oder oberflächlich sind – die Neuigkeiten aus dem Leben Ihrer Lieben.
  • Alternativ erhöhen Sie die Qualität dieser Waagschale: Indem Sie Ihre Gedanken und Einstellung dazu zu verändern. Das ist kein leichter, aber auf jeden Fall ein lohnender Weg.

Generell kann man also sagen, dass bei einer ausgewogenen Work-Life-Balance sowohl jede Seite einzeln aus auch das Gesamtkonstrukt mit dem Begriff „Lebensqualität“ zusammen gefasst werden kann. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebenskünstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv. Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Das hat natürlich auch wieder was mit authentisch sein zu tun. Und mit Verantwortung, Selbst-Verantwortung, denn sie kommt aus Ihnen selbst.

Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Pflegen Sie es, und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Das Gute dabei ist, in puncto Gesundheit, Ernährung, Entspannung, Sport und geistige Einkehr kann ich Sie sogar unterstützen.

Aber ausprobieren müssen Sie es natürlich selbst . Glauben Sie mir – es macht unheimlich Freude!
Und im Jargon des Gastgebers des Gesundheitstages gesprochen:  Freude … ist Energie… ist Power!
Sowohl mit Freude als auch mit Energie oder Power können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Zum Abschluss meiner Gedankenreise noch eine Bitte :
Nehmen Sie die Warnlampen in Ihrem Leben bzw. die Ihres Körpers ernst. Denn wenn Sie die Fehlerursachen beheben, können Sie schwerwiegende Ausfälle verhindern, und was viel wichtiger ist, Sie verlängern Ihre Lebensdauer und verbessern außerdem Ihre Lebensqualität!

Herzlichst,

Ihre Christina Bolte

Ge-Danke-n über den Herbst

11 Nov

Herbstlaub

Die bunten Blätter wiegen langsam an den Ästen,
der Herbstwind begleitet sie zu Boden
Die herbstsonnigen Strahlen
tauchen den Wald in ein farbiges Kleid.

Unter meinen Schritten rascheln Haufen
Von feuer-leuchtenden Blättern am Boden.
Fröhlich spielen darin die Kinder
Und lachen mit dem Knistern um die Wette.

Mitten im Laub entdecke ich eine glänzende Kastanie.
Mit kalten Händen schäle ich sie aus ihrem Stachelkleid.
Dazwischen an einzelnen Büschen noch gelbes Laub  oder grüngraue Flechten.
Im Kontrast dazu strotzt die grüne Wiese vor Leben.

Ernte

Am Wegrand finde ich die Früchte der Bäume:
Haselnüsse, Maroni und Walnüsse sind herabgefallen und nähren nicht nur die Tiere
Sondern auch mich durch die kommenden Wintermonate.
Wie dankbar bin ich heute für dies Geschenk der Natur!

Wenn ich die Nüsse knacke und esse,
erinnert mich das Knistern an das der herbstlichen Blätter
und der Gedanke an das Herbstsonnenlicht
erleuchtet einen nebligen Tag.

Beeren, Schlehen und Bucheckern – wie farbige Perlen an den Ästen –
ein wenig aus der Mode gekommen,
und dennoch stärken sie uns mit Saft und Kraft.
Sie zu sammeln ist für mich eine Meditation.

Wandel

Ein neuer Tag bringt mit sich den Regen
Und hinterlässt statt knisterndem Laub
eine matschig braune Blätterschicht am Boden.
Achtsam gehe ich darüber um nicht darauf auszurutschen.

Nur Schwach noch erinnern die feuchten Blätter
An die Wärme und das Licht des Sommers.
Vorbei – nun ist’s kälter und dunkler ist’s auch.
Stattdessen erwärmen mich Mütze und Handschuhe.

Aus dem Tal steigt hinauf eine dicke Schicht Nebel.
Wie Watte schützt er die Landschaft vor dem Lärm
und verpackt sie in eine Schicht aus friedlicher Stille.
Sie lädt mich ein, ebenfalls zur Ruhe zu kommen.

Vergänglichkeit – nichts ist oder bleibt wie es mal war.
Doch weiß ich auch, dass hinab gefallene Äste oder das Laub am Boden
Den Bäumen und Sträuchern als Schutz und Nahrung dient
Um zu ruhen im Winter und zu wachsen im Frühling.

Es stimmt mich froh, zu wissen,
dass nach einer Zeit der Ruhe und des Rückzuges
Im Frühjahr wieder neues Leben und Wachsen
Seine Zeit und seinen Platz hat in der Natur.