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Winter-Ge(h)danken

22 Jan

Heute sind wir im Rahmen des Pilgertages „LeerLauf für den Kopf“ wieder ein wenig auf dem Jakobsweg gepilgert. Gerne möchte ich ein paar Ge(h)danken und Eindrücke mit Euch teilen:

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WinterWald

 

Trotz dunstig-frischer Kälte
blauer Himmel und Sonnenschein.
Der weiße Winter-Wald
hebt sich farblich davon ab.

frostversponnen

frostversponnen

Gefrorene Spinnweben
benetzen den Christus am Wegkreuz.
Trotz allem –
es fließt der Fluss unbeirrt.

 

Eiskristallwelten

Schneeflockenkristalle

Neben uns auf dem Feld
die Spuren eines Hasen –
und von jemandem,
der am Wegrand lang-gelaufen ist.

Schneeflockenkristalle,
Frostbeeren an den Büschen,
Eiskristallblätter an Zweigen und Gräsern
Eis-Stalagmiten am Wasserfall.

Wasserfall

Eisstalagmiten

 

 

Rote Nasen, kalte Finger,
so kalt, dass Worte und Gedanken einfrieren.
Außer dem Knirschen der Schritte –
Um uns und in uns: Nur — STILLE.

(c) Bilder aus eigenem Bestand

Was mein Leben mit Höhlenforschung und Edelsteinen zu tun hat

8 Jun

Diese Gedanken hielt ich (so oder so ähnlich) als freie Rede am 12.05.2014 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Über Ostern war ich mit einer Freundin per Fahrrad im Inntal unterwegs. So hatten wir Gelegenheit, all die Städte und Sehenswürdigkeiten, an denen man sonst im Auto auf dem Weg zum Gardasee immer achtlos vorbei fährt, auch einmal „live“ anzusehen.

In Wattens machten wir deshalb einen kleinen Abstecher zu den Svarowski-Kristallwelten. Neben einer schönen Parkanlage konnte man auch diverse unterirdische Wunderkammern bestaunen, die eine Entdeckungsreise durch die Werke verschiedener Künstler ist. Unterstützt durch diverse audiovisuelle Effekte interpretierten diese Höhlen auch die verschiedenen Facetten der von Svarovski produzierten Kristalle.

Und als der Trubel und das kommerzielle Trara irgendwann anfingen mich zu langweilen, kam mir der Gedanke, dass mein Leben mir von außen betrachtet auch manchmal vorkommt wie eine dunkle Höhle, aber wenn ich mir dann die Zeit nehme, in die Tiefen hinabzusteigen, auch der eine oder andere Edelstein zum Vorschein kommt.

Deshalb möchte ich Sie bzw. Euch, liebe Toastmaster und liebe Gäste, nun mitnehmen auf eine kleine Höhlen-Reise durch Christinas Leben:

Die erste Höhle war – wie bei jedem anderen Menschen auch – die Bauchhöhle meiner Mutter. Von dort ging es in eine mittelgroße Vorortgemeinde im Hamburger Umland. Wenn ich diese mit einem Münchner Vorort vergleichen müsste, würde ich sagen, es ist irgendwas zwischen Ober- und Unterschleißheim. Zum Wohnen für junge Familien vielleicht noch ganz ok, aber als Teenager ziemlich öde.

Nachdem Abi studierte ich dann – als perfekte Synthese aus den Berufen meines Vaters, eines Ingenieurs, und meiner Mutter, einer kaufmännischen Angestellten – Wirtschaftsingenieurwesen an einer privaten Fachhochschule in Norddeutschland. Zu Hause war ich damals eigentlich mehr oder weniger nur noch zum Schlafen, denn das Motto dieser Zeit war: „Hart feiern & hart arbeiten“. Da wir hinsichtlich der Vorlesungen eine Anwesenheitspflicht hatten, ließ ich auch selten eine Party aus, weder auf dem Campus noch auf der Hamburger Piste.

Dennoch wurde es mir bald zu eng in meinem Leben, sowohl in dem Unternehmen, in dem ich das studienbegleitende Praktikum machte, als auch zu Hause, wo mir dauernd jemand „einen Tisch über meine Füße“ stellte. So war ich letztendlich froh, dass mich mein ersten „richtiger“ Job nach meinem Studium nach München verschlug.

Nicht nur, weil die Position im Produktkosten-Controlling eines Automobilunternehmens mit drei Buchstaben exakt der Job war, den ich mir gewünscht hatte. Es war und ist nicht nur eine ideale Aufgabe, um sowohl technische wie auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse optimal zum Einsatz zu bringen. Sondern war auch deshalb ideal, weil ich in München sogar gleich zwei Personen gekannt hatte, was mir den Sprung in eine neue Arbeitsumgebung und auch den Aufbau eines neuen Freundeskreises deutlich erleichterte.

Während ich anfangs voll Elan und Freude in der Arbeit dabei war, Zahlen in den Mittelpunkt zu stellen und für Kostensenkungen zu kämpfen, kämpfte ich auch in meiner Freizeit mit Freunden oder in semi-professionellen Wettkämpfen mit dem Fahrrad um Leistung, Höhenmeter und gegen innere und äußere Schweinehunde.

So war es nicht erstaunlich, dass ich mich immer öfter in Situationen wiederfand, in denen ich mich nicht mehr richtig freuen konnte. Ich merkte, dass irgendwann etwas ganz Essentielles auf der Strecke geblieben war: Der Faktor Mensch – und zwar nicht nur in Bezug auf meine Arbeit, sondern vor allem in Bezug auf mich selbst. Anscheinend hatte ich vor lauter Kämpfen und Rennen unterwegs mich selbst irgendwo verloren.

Und in dieser Situation fand ich mich 2007 mit dem Fahrrad auf den Jakobsweg wieder. Eigentlich hatte ich nur zwei Wochen und alleine vor mich hin radeln wollen – und bekam im Laufe der Zeit nicht nur haufenweise Erkenntnisse über mich selbst sondern wie sich später herausstellen sollte, war diese Reise auch der Wendepunkt meines bisherigen Lebens.

Erst später wurde mir klar, dass sich mein Zustand, in dem ich mich auf den Jakobsweg begab, guten Gewissens als Burnout bezeichnen ließ. Ich glich einem Stück Kohle, dass kurz davor war, verheizt zu werden. Bis es aber so weit war und ich für mein Leben die notwendigen Konsequenzen daraus zog, sollten noch einige Jahre vergehen. Einige Jahre der Selbstfindung, mit vielen dunklen Momenten und schmerzhaften Auseinandersetzungen mit mir selbst – „Höhlenforschung“ quasi. Wenn ich in dieser Zeit nicht aber auch gleichzeitig einige Lichtblicke gehabt hätte, oder Momente in denen mir verschiedene und mir völlig neue Facetten meiner selbst entgegen gestrahlt hätten, hätte ich vermutlich zwischendrin aufgegeben.

Mittlerweile ist mir klar geworden, dass der Druck, dem ich selbst mich und mein Leben ausgesetzt habe, mich gerade – wie jeden anderen Menschen auch – zu einem kleinen aber feinen Diamanten formt. Heute bin ich wieder ein kreativer und selbstbestimmter Mensch, der gelernt hat, die eigenen Grenzen zu beachten und seiner Inneren Stimme zu folgen. Heute tue ich Dinge, die ich vor zehn Jahren nie für möglich gehalten hätte.

Die Zeit wird ihr übriges dazu beitragen, die vielen verschiedenen weiteren Facetten, die noch in mir schlummern, zu schleifen und zum Leuchten zu bringen. Und wer weiss, ob nicht auch die Toastmasters ihren Beitrag dazu leisten werden, der einen oder anderen Facette von mir einen Feinschliff zu geben.

Ich bin mir sicher, dass kein Svarowski Stein der Welt mit dem Kristall mithalten kann, der im Inneren eines jeden Einzelnen von uns zum Leuchten und Strahlen gebracht werden möchte.

Herzlichen Dank!