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Winter-Ge(h)danken

22 Jan KristallBeeren

Heute sind wir im Rahmen des Pilgertages „LeerLauf für den Kopf“ wieder ein wenig auf dem Jakobsweg gepilgert. Gerne möchte ich ein paar Ge(h)danken und Eindrücke mit Euch teilen:

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WinterWald

 

Trotz dunstig-frischer Kälte
blauer Himmel und Sonnenschein.
Der weiße Winter-Wald
hebt sich farblich davon ab.

frostversponnen

frostversponnen

Gefrorene Spinnweben
benetzen den Christus am Wegkreuz.
Trotz allem –
es fließt der Fluss unbeirrt.

 

Eiskristallwelten

Schneeflockenkristalle

Neben uns auf dem Feld
die Spuren eines Hasen –
und von jemandem,
der am Wegrand lang-gelaufen ist.

Schneeflockenkristalle,
Frostbeeren an den Büschen,
Eiskristallblätter an Zweigen und Gräsern
Eis-Stalagmiten am Wasserfall.

Wasserfall

Eisstalagmiten

 

 

Rote Nasen, kalte Finger,
so kalt, dass Worte und Gedanken einfrieren.
Außer dem Knirschen der Schritte –
Um uns und in uns: Nur — STILLE.

(c) Bilder aus eigenem Bestand

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Neujahrsgedanken 2016

1 Jan

Das Jahr begann –
wie immer um diese Zeit –
mit großem Hallo und Geräusch.

Doch nun um halb 10
ist der Rausch vorbei,
und es herrscht neblige Stille.

Wie schön diese Ruhe –
fast schon ein Idyll.
Der Nebel hängt noch in der Luft.

Wie ein Schleier bedeckt er
das noch junge Jahr.
Und so bin ich freudig-gespannt,
was wohl darunter liegen mag.

Ich wünsche mir – und Dir! –
dass es im Gepäck haben möge
Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit –
und tolle Begleiter für all Deine Wege.

Und doch liegt es einem jeden von uns in der Hand
das Jahr nach Geschmack zu gestalten.
Die Ziele zu planen, die Wege zu gehn
damit nicht das Jahr verrinnt wie Sand.

Hab Neugier und Begeist’rung
im Gepäck immer dabei.
Mach das Beste, sei Gestalter –
das Wünsche ich Dir.

 

Gerne begleite ich Sie/Dich ein Stück Ihres/Deines Weges!

Herzlich, Christina Bolte

Schweigen

23 Mai

Ein Gedicht in vier Kapiteln

I

Du läßt mich allein in diesem eiskalten Schweigen.
Mein Herz schreit vor Schmerz und es drängt mich zu wissen warum.
Was ich falsch gemacht hab, trau ich mich nicht zu fragen –
viel zu groß ist meine Angst vor dem Lärm Deines Wutausbruchs.
Das Schweigen macht mich hilflos. Und sprachlos.
Ich fühle mich getrennt. Und klein. Und nichtssagend.
Dabei bist Du es, der tatsächlich nichts-sagend ist.

II

Ein Vierteljahrhundert später hab ich gelernt mich auszudrücken.
Die Welt dreht sich schneller, als als Kind es mir schien.
Jedoch nicht nur schneller, auch lauter,
vergeht doch fast keine Stunde, wo kein Radio oder Lärm ertönt.
Wie sehr genieß ich die Auszeit in der Ruhe der Berge,
oder die wortlose Aufmerksamkeit beim Tauchgang.
Ich genieße das Schweigen als Ausgleich in dieser beschleunigten Welt.

III

Wie wohl tun mir heute die Orte der Ruhe –
in Kirchen und Klöstern scheint die Zeit still zu stehn.
Und auch die Welt scheint langsamer zu drehn.
Ich fühle mich wattiert wie in der Stille des Nebels.
Und dennoch: Meine Sinne sind geschärft,
denn das Schweigen hilft, mich zu zentrieren:
Die Stille gibt mir wohltuenden Halt.

IV

Welch kraftvolle Ruhe! Ein Schweigen so heilsam.
Es braucht kein leeres Füllwort, um die Stille zu füllen.
Denn das Schweigen sagt alles.
Dein liebevoll-aufmerksamer Blick
vermag so viel mehr als ein Wort auszudrücken.
Ich fühl mich vertraut und verbunden zugleich.
Ich bin so dankbar und von Schweigen erfüllt.

Damit das ICH in mir einen Raum findet, um zu schwingen.
Denn ohne Schwingung bin ICH wie erstickt.

Übergänge

26 Feb

Seit Wochen zwitschern draussen die Vögel.
Frühling scheint es zu werden.
Gestern der Sonnenschein – eine Wohltat.
Das macht Lust, draussen einen Café zu trinken.

Dennoch –  seit Wochen liegt draussen nur Schnee.
Kaum dass es einen Tag taut, ist er am nächsten Tag wieder da.
Kalt ist’s und trüb – und dabei trostlos die Stimmung.
Ich kann’s nicht mehr sehen.

Übergang. Chaos. Undefinierbare Zeit.
So richtig Winter ist’s nicht mehr,
aber Frühling ist dennoch auch noch nicht da.
Schwierig auszuhalten.

Das Zeit des (k)alten ist vorüber.
Geduld ist gefordert, bis die Zeit „reif“ ist
für ein neues Leben.

Winterspaziergang

12 Dez

Der gestrige Blick aus dem Fenster inspirierte mich zu folgendem Gedicht:

Morgens schau ich aus dem Fenster,
die Welt sieht heute anders aus:
Dort wo gestern Wald und Felder,
liegt heute weißer Pulverschnee.
Trotz der Kälte lockt mich heiter
ein Spaziergang vor das Haus.

Vor der Tür empfängt mich Stille,
ganz ruhig vom Nebel einwattiert.
Doch genieße ich die Fülle,
die am Waldrand sichtbar wird.

Schlehenfrüchte, Sanddornbeeren,
an blätterlosen Büschen sind.
Diese pflück ich mir zum Wohle –
Die Natur hat noch nicht aus-geschenkt.

Durch den Laubwald geh ich gerne
auch des Winters und bei Schnee.
Karge Bäume, matsch’ge Wege
bieten heute ein besonderes Bild.

Unbelaubt sind Busch und Bäume,
selbst die Lärchen leuchten mickrig gelb.
Das Feuerrot der letzten Wochen ist gewichen,
auch die Tannen zeichnen nur ein wenig grün.

Dennoch scheint der Wald zu leben,
lebendig tobt in meiner Phantasie ein fröhlich‘ Spiel:
Hier ein Tanz von Eich‘ und Buche,
die kuscheln und stehen leicht verdrillt.

Wie als ob sie es nicht wollte,
steht daneben eine weitere Eiche voller Eifersucht.
„Wie menschlich“, denk ich, „ist der Wald doch.“
wenn Buche eicht und Eiche bucht.

Weiter geh ich durch die Kälte,
die der Freude wegen ich kaum spür.
Außerdem erwärmt mich leise
das Wintersonnen-Nebel-Spiel.

Zurück im Hause mollig warm ist’s,
ein Tee wärmt mich nun wieder auf.
Der Duft nach Plätzchen und Gewürzen
erhellt die Stimmung: Weihnachtszeit!

Ge-Danke-n über den Herbst

11 Nov

Herbstlaub

Die bunten Blätter wiegen langsam an den Ästen,
der Herbstwind begleitet sie zu Boden
Die herbstsonnigen Strahlen
tauchen den Wald in ein farbiges Kleid.

Unter meinen Schritten rascheln Haufen
Von feuer-leuchtenden Blättern am Boden.
Fröhlich spielen darin die Kinder
Und lachen mit dem Knistern um die Wette.

Mitten im Laub entdecke ich eine glänzende Kastanie.
Mit kalten Händen schäle ich sie aus ihrem Stachelkleid.
Dazwischen an einzelnen Büschen noch gelbes Laub  oder grüngraue Flechten.
Im Kontrast dazu strotzt die grüne Wiese vor Leben.

Ernte

Am Wegrand finde ich die Früchte der Bäume:
Haselnüsse, Maroni und Walnüsse sind herabgefallen und nähren nicht nur die Tiere
Sondern auch mich durch die kommenden Wintermonate.
Wie dankbar bin ich heute für dies Geschenk der Natur!

Wenn ich die Nüsse knacke und esse,
erinnert mich das Knistern an das der herbstlichen Blätter
und der Gedanke an das Herbstsonnenlicht
erleuchtet einen nebligen Tag.

Beeren, Schlehen und Bucheckern – wie farbige Perlen an den Ästen –
ein wenig aus der Mode gekommen,
und dennoch stärken sie uns mit Saft und Kraft.
Sie zu sammeln ist für mich eine Meditation.

Wandel

Ein neuer Tag bringt mit sich den Regen
Und hinterlässt statt knisterndem Laub
eine matschig braune Blätterschicht am Boden.
Achtsam gehe ich darüber um nicht darauf auszurutschen.

Nur Schwach noch erinnern die feuchten Blätter
An die Wärme und das Licht des Sommers.
Vorbei – nun ist’s kälter und dunkler ist’s auch.
Stattdessen erwärmen mich Mütze und Handschuhe.

Aus dem Tal steigt hinauf eine dicke Schicht Nebel.
Wie Watte schützt er die Landschaft vor dem Lärm
und verpackt sie in eine Schicht aus friedlicher Stille.
Sie lädt mich ein, ebenfalls zur Ruhe zu kommen.

Vergänglichkeit – nichts ist oder bleibt wie es mal war.
Doch weiß ich auch, dass hinab gefallene Äste oder das Laub am Boden
Den Bäumen und Sträuchern als Schutz und Nahrung dient
Um zu ruhen im Winter und zu wachsen im Frühling.

Es stimmt mich froh, zu wissen,
dass nach einer Zeit der Ruhe und des Rückzuges
Im Frühjahr wieder neues Leben und Wachsen
Seine Zeit und seinen Platz hat in der Natur.

Eindrücke vom Camino (2)

22 Jun

Zusammen unterwegs auf dem Weg des Lebens.

Vogelgezwitscher, Blumenduft.
Mal schweigend, mal lachend.
Regentropfen im Gesicht oder Sonnenschein.
Stehen bleiben, sich umarmen.
Gedanken teilen, und Erlebnisse.
So geht es weiter, bis zum Ende der Welt. Und zurück.

Getragen – von den Füßen, den eigenen.
Und der tiefen Verbundenheit, zu Dir.
In tiefer Dankbarkeit – bin ich. Angekommen.
Spüre das Leben! JETZT!

Eindrücke vom Camino (1)

18 Jun

Zu Fuß unterwegs auf dem Weg des Lebens,
die Langsamkeit des Gehens genießend.
Ich nehme mit all meinen Sinnen wahr:

Höre das Vogelgezwitscher und das Plätschern des Baches
trotz der Geräusche der Autos auf der Landstrasse neben mir.
Hin und wieder gackern die Hühner.

Spüre die Sonne und den Hauch des Windes auf meiner Haut,
oder gestern auch den Regen.
Auch spüre ich die Anspannung in meinen Muskeln von den
noch ungewohnten Bewegungen und den Schmerz in meiner Achilles-Ferse.

Ich sehe die bunten Blumen am Wegesrand und
die weissen Wolken am blauen Himmel über mir.
Auch die verfallenen oder zum Verkauf stehenden
Häuser in den Ortschaften am Wegesrand sind kaum zu übersehen.
Die gelben Pfeile weisen mir den Weg.

Ich nasche ein paar Walderdbeeren vom Wegesrand,
deren süßer Geschmack hallt noch lange auf meiner Zunge nach.
Die Klarheit des Wassers erfrische meine Kehle.
Ich genieße die teilweise mir fremden Gewürze,
die meine Mahlzeit zu einem Hochgenuß für den Gaumen werden lassen.

Trotzdem, dass der Bauer gerade sein Feld gedüngt hat,
duftet es aus der Bäckerein im Ort nach Frischgebackenem und Kaffee.
Zeit für eine Pause.

Jede meiner Zellen jubiliert:
Ich BIN! Ich LEBE! JETZT!

Der traurige Leuchtturm

14 Mai

Der traurige Leuchtturm – ein Gedicht in drei Ausführungen…

Allein auf weiter Flur und hoch oben auf den Klippen stehe ich,
bin weithin sichtbar bei Tag und bei Nacht, ohne dass ich klage.
Tagsüber imponiere ich durch meine Größe und Lage,
und nachts durch den Strahl meines kreisenden Lichts. 

Erbaut in exponierter Lage, um Menschen, die reisen,
Orientierung zu geben und verlässlich den Weg zu weisen.
Den Weg herum, vorbei an den Klippen und derlei Gefahren
für die Reisenden auf dem Ozean des Lebens. 
Das Licht durchdringt für Euch von vorne den NebeL
Und beleucht’ Euch von hinten den Weg in das LebeN.

Geduldig und erhaben lasse ich zu, wie von Landseite
Neugierige und Touristen mich als Besichtigungsobjekt besteigen,
um meinen Weitblick zu genießen und die Weite.
Für manchen Pilgerer bin ich an seines Weges Ende
immerhin ein Punkt zur Umkehr oder der Wende,
auf dem Weg zurück in das alte oder ein neues Leben.

I.
Wie kann ich Euch Orientierung leuchten oder den Weg weisen,
wenn ihr mich bewusst ignoriert ?
Wer mich nur benutzt, ohne sich Ge-Dank-en zu machen,
oder welchen Wert und welche Richtung ich denn seinem Leben gebe,
der muss sich nicht wundern, wenn er gedankenlos auf Grund läuft.
Denn verlässliche Sicherheit kann ich nur dem geben, der mich beachtet.

II.
Aber oh weh, denk ich manchmal des Nachts auf der Klippe,
die Menschen und Schiffe reisen vorbei, hin zum Ziel.
Es wird mir ganz übel, mich tagein, tagaus im Kreise zu drehn,
jedoch ohne selbst mal im Rampenlicht zu stehn
oder ein Ziel zu erreichen, ohne mich von der Stelle fort zu bewegn.

III.
Ach nein, wer bin ich denn? Steht es mir zu
Erwartungen zu haben immerzu?
Ein Leuchturm ist wie ein treuer Freund ein Geschenk,
schenkt Dir Orientierung und gibt Dir Sicherheit,
und wenn Du Dich verloren glaubst, 
bin ich für Dich da, bin ich Präsent.

Das Universum in uns

27 Dez

Ein schönes Wort: Uni – ver –sum, lat. ich bin – alles – in einem.
Allerdings bin ich nach dem hermetischen Prinzip sowieso mit allem verbunden,
und alles ist in mir und mit mir verbunden.
Und doch ist alles für sich.  
Das Wort „Universum“ drückt es einfach, quasi universell, aus. 

Uni-versum drückt aber zugleich auch eine gewisse Einmaligkeit, Einzigartigkeit aus.
Ist das nicht großartig? 

Universum – drückt Weite, Ausdehnung aus, gleichzeitig Tiefe.
Universum drückt Bewegung aus und gleichzeitig Zentriertheit. Zentriertheit, Ruhe und Stille.
Aber Ruhe ist mehr als die Abwesenheit von Bewegung und/oder Geräuschen.
Ruhe ist ein innerer Zustand. Oder eine Kunst.
Denn Ruhe bedeutet, trotz all der Unruhe um uns herum nicht aus der Ruhe zu bringen zu sein,
nicht umzufallen oder aus der Mitte zu fallen.

 Universum bedeutet ruhig zu sein und doch gleichzeitig bewegt.
Licht im Dunkeln. Oder am Ende des Tunnels.
Der größte Teil des Universums liegt in uns.
Das bedeutet auch, dass wir – wenn wir das Universum ändern wollen – bei uns selbst anfangen  sollten.

Ist das nicht wunderbar? Denn wenn vor seiner eigenen Tür kehrt,
wird das Universum innerhalb kürzester Zeit zu einem noch liebenswerterem Ort!

Alles Gute dabei!