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Die weiße Linie

3 Jun

Neulich war ich mit dem Rad unterwegs in München. Auf einem dieser stinknormalen Radwege, bei denen der Fußweg vom Radweg durch eine weiße Linie abgetrennt ist. Es war samstags morgens um 9 Uhr und relativ wenig los auf Münchens Strassen.
Ich hatte es, nun ja, ein bißchen eilig.  Nicht übermäßig, aber ein wenig. So war ich etwas irritiert, als ich mich einem lauthals gestikulierenden Mitbürger näherte, der mitten auf „meinem“ Radweg mit seinem Handy telefonierte.

In meinem Kopf fanden sich Gedanken wieder, wie: „So ein Depp, muss der mitten auf dem Radweg stehen? Kann der nicht sich an die Spielregeln halten und auf dem Fußweg telefonieren?“ und ähnliche. Allesamt nicht besonders nett und ziemlich (ab)wertend. Vermutlich kennen Sie solche  Momente.

Während ich so diesen meinen Gedanken nach hing, schaute ich noch mal genau hin – und sah auf einmal folgendes Bild:

 

 

 

 

 

 

Ich bemerkte also, dass die weiße Linie, die eben noch vor meinen Augen den Fußweg vom Radweg abgetrennt hatte, eigentlich weggefräst worden war.  Ich hatte sie noch vor ein paar Minuten sonnenklar gesehen, obwohl sie eigentlich nicht mehr da war. Gleichzeitig hatte ich mich im Recht auf „meinem Radweg“ gewähnt, obwohl es eigentlich „sein Fußweg“ war, auf dem ich laut Verkehrsschild nur geduldet war.

Das zeigte mir,

  1. wie schnell wir doch über andere Menschen urteilen und glauben, im Recht zu sein
    und gleichzeitig erinnerte es mich
  2. daran, wieviele unsichtbare weiße Linien, Grenzen oder Glaubenssätze ich wohl noch in meinem Kopf habe, die ich für gültig halte, obwohl sie längst für ungültig erklärt oder aus anderen Gründen eigentlich gar nicht mehr vorhanden waren.

Das sind die „weißen Linien“, die Sie und ich häufig schon als Kind aufgemalt bekamen, und die wir immer und immer wieder zu hören bekamen und die wir deshalb auch heute noch befolgen, ohne sie zu hinterfragen. Häufig enthalten solche „weiße Linien“ die Formulierung: „Das muss man …, das macht man (oder macht man nicht)“ und so weiter. Vermutlich kennen Sie noch viele weitere Formulierungen…

Egal, welche es sind und worum es geht: Diese „weißen Linien“ in unserem Kopf fordern uns permanent auf, ob das, wovor sie uns ursprünglich schützen sollen (z. B. heißen Herdplatten, als Kind vom Auto überfahren zu werden etc.) auch heute noch eine Gefahr ist und wir uns bewußt dafür entscheiden können, diese Linie nach wie vor für gültig zu erklären. Oder ist diese „weiße Linie“ eigentlich überflüssig geworden, weil wir nun als Erwachsene einen neuen Horizont oder eine neue Perspektive darauf gewinnen konnten – und wir die damalige Gefahr heute eigentlich nur noch als „Randerscheinung des Lebens“ einstufen würden?

 

Also, wenn Ihnen das nächste mal auch eine vermeintliche weiße Linie begegnet – schauen Sie genau hin – und entscheiden Sie jedes Mal neu, ob diese Linie für Sie heute noch aktuell ist!

Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude, Erkenntnisse und Gutes Gelingen!

Ihre Christina Bolte

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Pass auf, was Du Dir wünscht – es könnte Wirklichkeit werden!

15 Mrz

Diesen Beitrag hielt ich am 13.03.2017 in freier Rede, so oder so ähnlich, im Toastmasters Club Speakers Corner in München:

Wer von Euch hat schon mal von den „Wünschen an das Universum“ gehört? Oder sie sogar auch schon mal ausprobiert?

Ich hab das früher immer für einen großen Quatsch gehalten – bis ich bei Hape Kerkeling in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ davon gelesen habe, wie er sich auf seinem Jakobsweg immer Einkehr-möglichkeiten gewünscht hat.

Deswegen dachte ich mir auf meinem eigenen Jakobsweg: „Super Sache, das muss ich auch mal ausprobieren. Schaden kann es ja eh nicht – im schlimmsten Fall passiert halt – nichts.“

Soll ich Euch was sagen? Es funktioniert!

An einem bewölkten Tag, wo es stundenlang bei Gegenwind durch die Weizenfelder ging, sagte ich mehr aus Spaß zu meinem Wegbegleiter: „Du, ich brauch mal ’ne Pause. Es wäre doch schön, wenn wir jetzt dann zum Picknicken eine Bank in der Sonne fänden.“
Er: „Hmm, so wie das hier aussieht – glaube ich nicht, dass wir eine finden. Lass uns doch noch ein bisschen weiterfahren.“

Ca. 10 Minuten später waren wir beide ziemlich perplex, als hinter einem Gehöft, das wir schon aus der Ferne gesehen hatten, ein ganzes Dorf samt Bank auf dem Dorfplatz auftauchte, wo wir tatsächlich ein Picknick machten.

Nun kann man sicher einwenden: Einmal kann das Zufall sein.
Aber ich hatte noch mehrere Erlebnisse dieser Art.

Nachdem ich in Santiago ankam, fuhr ich noch für einen Tag nach Finisterre. In meinem Reiseführer stand, dass das für Pilger zum Programm gehöre, also machte ich das.
Finisterre heißt übersetzt „Ende der Welt“. Tatsächlich ist es ein kleiner Fischerort am westlichen Zipfel von Galicien gelegen. Nach dem Ort geht es nur noch 4 km zu einem Kap. Dort liegt auf einer Art Klippe ein Leuchtturm – das Ende der Welt und des Jakobsweges.
Davon hatte ich in meinem Reiseführer auch schon Bilder gesehen, so hatte ich eine Vorstellung, wie es dort aussehen sollte.

Leider war es an dem Tag, an dem ich dort war, sehr neblig. Auf dem Weg zum Kap konnte ich kaum zwei Meter links und rechts der Straße etwas sehen. So saß ich kurz vor meinem Ziel eine Weile auf einem großen Stein – umgeben von Ginsterbüschen und Nebel. Dort wollte ich ein Pilgerritual durchführen. Das symbolische Verbrennen eines alten Kleidungsstückes – in meinem Reiseführer stand, dass das man das als Pilger so macht.
Ich hatte mich für meine Treckinghose entschieden, denn die war durch zwei Wochen quasi ununterbrochenes Tragen nicht nur erstarrt vor Dreck, sondern war von den vielen Rucksackreisen der Jahre davor auch schon ziemlich fadenscheinig geworden.

Während ich so auf dem Stein saß und meiner Hose beim Brennen zusah, hörte ich in der Distanz immer wieder das Nebelhorn des Leuchtturms tröten. Um mich herum immer noch nur Nebel. Ich dachte mir: „Ich wünsche mir Sonnenschein und keinen Nebel mehr, wenn ich vorne an dem Leuchtturm ankomme.“

Leider hatte ich bei meinem Ritual nicht bedacht, dass die Hose einen ziemlich hohen Kunstfaseranteil hatte. Anstatt zu verbrennen, schmolz sie eher zu einem Plastikklumpen zusammen. Als ich das Ritual beendet hatte, entsorgte ich den Plastikhaufen ordnungsgemäß in einem Mülleimer und machte mich auf die letzten paar Hundert Meter auf den Weg zum Leuchtturm. Erst nach einer ganzen Weile fiel mir auf, dass ich auf der anderen Seite der Meeresbucht durch den Nebel ein Stück Ufer und die Sonne blitzen sah. So musste ich plötzlich laut loslachen, denn ich war begeistert, wie schnell doch so Wünsche an das Universum in Erfüllung gehen.

Voller Wehmut, alleine an einem „so wichtigem Ort“ zu sein, dachte ich mir: „Wenn ich schon niemanden habe, der mit mir bis ans (sprich-)wörtliche Ende der Welt geht, möchte ich zumindest beim nächsten Mal, wenn ich den Jakobsweg begehe, mit jemandem zusammen bis zum Ende der Welt gehen. Oder zumindest mit jemanden den Weg zurück ins Leben gehen.“

Ich sagte es, sprach‘s und vergaß es auch schon wieder, weil ich so damit beschäftigt war, den nun nebelfreien Ausblick zu genießen und Pilgerrituale zu absolvieren. Anschließend ging ich zurück in den Ort und verbrachte dort die noch verbleibende Zeit bis zur Abfahrt meines Busses. Der Urlaub war für mich beendet. Abgeschlossen. Terminado.

Wehmütig und traurig setzte ich mich in den vollbesetzten Bus. Wie man das unter Pilgern so macht, begann ich mit meinem Sitznachbarn ein Gespräch: „Wie lange warst Du unterwegs?“ – „Neun Wochen“. „Freust Du Dich, nach Hause zu kommen?“ Er schwieg. Stattdessen machte er ein eher nachdenkliches Gesicht. „Weiß nicht.“
Das darauf folgende Gespräch erstreckte sich über die restlichen 2 Stunden Busfahrt und darüber hinaus – so als ob wir uns schon ewig kennen würden. Darüber hinaus heißt, dass wir mit einigen Unwägbarkeiten für die nächsten 1 ½ Jahre eine Beziehung führten. Die war einerseits sehr intensiv, aber gleichzeitig auch sehr anstrengend und brachte mich oft an den Rand meiner Kraft.
Dennoch – das Universum konnte nichts dafür, es hatte geliefert, was ich bestellt hatte.

Deswegen: Pass auf, was Du Dir wünscht – sei präzise und klar im Ausdruck – es könnte in Erfüllung gehen. Denn sonst sehen die Lieferungen auf Deine Bestellungen manchmal anders aus, als Du sie Dir vorgestellt hast!

Ganz einfach ich sein!?

16 Nov

In ihrem Newsletter beschrieb Karin Wess ihren ganz normalen und vor allem unperfekten Tag – und lud gleichzeitig ihre (vorwiegend) Leserinnen dazu ein, sich ebenfalls der Welt zu zeigen wie man sei. Nun denn:

Schon als Kind durfte ich mir ziemlich häufig anhören, wie anders als andere Kinder ich sei: „Sei doch nicht so ein Stubenhocker, geh doch lieber zum Spielen zu den anderen Kindern nach draußen“. Doch anstatt dass ich draußen Gummi-Twist oder Fangen spielte, löste ich lieber Kreuzworträtsel, spielte Schach, Stadt-Land-Fluß oder puzzelte. Es machte mir einfach mehr Spass.

Neben diesen ganzen analytischen Dingen war ich aber auch noch unheimlich gerne kreativ. Im zarten Alter von 10 Jahren schrieb ich damals auf der Reiseschreibmaschine mit zweifarbigem Farbband, die ich von meiner Oma geschenkt bekam, meinen ersten Krimi. OK, ein Bestseller wurde es nie, denn über Auflage 1 kam das ganze nicht hinaus. Ich malte und bastelte gerne, phasenweise versuchte ich mich auch mit klassischen Handarbeiten wie Häkeln, Stricken oder Nähen. Das Malen war sicherlich meine erfolgreichste „Disziplin“, denn ich gewann sogar einige Malwettbewerbe.
Zumindest bis ich etwa 12 war, denn dann war die Bandbreite an Dingen, die man tun konnte und an denen ich auch (fast) allen Spaß hatte, so groß, dass ich im Durchschnitt versackte.

Der Universal-Dilettant

Aber so vielseitig wie damals bin ich auch noch heute, was sich auch an meinem nicht besonders geradlinigem Lebenslauf zeigt. Auf Anraten meiner Eltern (es sollte halt was Solides sein) habe ich ursprünglich Wirschaftsingenieurwesen studiert, oder wie mein früherer Arbeitskollege sagte, ich wäre „Universal-Dilettant“ – also einer der alles kann, aber nichts richtig. So war ich zunächst eine ganze Weile in der Zahlen-Daten-Fakten-Fraktion in der Industrie tätig, merkte aber bald, dass mir irgendetwas fehlte. So machte ich berufsbegleitend einige Ausbildungen im Bereich Massage und als Heilpraktikerin, um etwas Abwechslung in mein Leben zu bringen. Und später machte ich noch eine Ausbildung als Pilgerbegleiterin und studierte Spirituelle Theologie und schreibe Bücher – was zwar irgendwie den Eindruck vermittelt, dass es alles nicht zusammen passt, aber eben doch alles mit mir zu tun hat.

Schon seit Beginn meiner Selbständigkeit beschäftige ich mich nun also mit der Fragestellung: „Worin bin ich Expertin und welches ist meine Nische?“ Nachdem ich nicht nur ein „Volltischler“ bin (also einer, dessen Schreibtisch gerne mit Zetteln vollgeräumt ist), sondern auch ein Multitasker, der gerne Hundert Sachen und Projekte parallel macht, tat ich mich mit dieser Frage immer besonders schwer. Deshalb buchte ich immer wieder mal Coachings, um mich zu focussieren – nur um festzustellen, dass es mir nicht wirklich gelang, da ich immer wieder das Gefühl hatte, den einen oder anderen Teil von mir abzuschneiden.

Genauso ging es mir auch, nachdem ich aus dem Großkonzern, für den ich lange arbeitete, ausgeschieden war – auf einmal brauchte ich eine neue Herde. Als ich auf der Suche war nach Menschen, mit denen ich Räumlichkeiten teilen konnte. Wenn ich vor Gruppen von mir Unbekannten einen Elevator-Pitch halten soll.

Heute habe ich gelernt, dass man zu so vielseitig interessierten Menschen auch „Scanner-Persönlichkeit“ sagt. Das beruhigt mich sehr, weil es mir nach den ganzen „Etiketten“ wie man (ich) zu sein hätten nun endlich eine Art Legitimation zu geben scheint, dass es in Ordnung ist, ganz einfach so zu sein, wie ich bin. Das hab ich mittlerweile begriffen. Aber nicht gelungen ist es mir bisher, herauszufinden, wie man das alles in einen 40-Sekunden-Elevator Pich verpackt, wenn man die Menschen nicht kennt und nicht weiss, was am ehesten  ihre Anknüpfungspunkte sein könnten…

#ganzeinfachich

Wobei, so ganz einfach ist es halt doch nicht, vor allem nicht für meinen Liebsten. Denn meine Volltischler-Natur zeigt sich nicht nur auf dem Schreibtisch, da gehört schon manchmal viel Toleranz dazu. Vor allem, wenn ich sportlich-schimpfend im Auto unterwegs bin (klar, natürlich können immer nur die anderen nicht Autofahren 🙂 ) oder wenn wir in der ganzen Wohnung die Kaffee- und Teetassen zusammen suchen müssen, weil ich in jedem Zimmer eine hab stehen lassen. Gelegentlich kommt es auch mal vor, dass ich vor lauter Paralleltätigkeiten die extra ausgedruckten Zettel auf dem Drucker liegenlasse oder den Mittagssnack, den ich aus dem Kühlschrank genommen hatte, um ihn ins Büro mitzunehmen.

Doch auf der Suche nach meiner Herde: Was für ein Vogel bin ich? Kein reiner Heilpraktiker, kein reiner Unternehmensberater, kein … Dafür eine einzig-nicht artige Christina…

#ganzeinfachich – großartig!

In die Welt bringen

18 Apr

Diesen Beitrag hielt ich als Danksagung seitens der Studierenden am 16.03.2016 anlässlich meiner Sponsion (feierliche Zeugnisübergabe) vor ca. 300 Gästen an der Universität in Salzburg:

 

Liebe Absolventinnen & Absolventen,
Liebe Angehörige, liebe Gäste,
liebe Dozierende & liebe Lehrgangsbegleiter & Universitätsmitarbeitende
und natürlich ganz besonders liebe Studienkolleginnen und –kollegen des ULGs Spirituelle Theologie im interreligiösen Prozess.

Fast auf den Tag genau ist es drei Jahre her, dass sich 31 bunt gemischte Individuen zu ihrem ersten Studientag in St. Virgil trafen. Und dadurch fallen wir aus dem Rahmen: Nämlich die Zusammen­setzung dieser 31 Individuen war sehr ungewöhnlich: Während unsere jüngsten Teilnehmerinnen mit damals Mitte 20 noch so eben in einem Alter waren, in dem man üblicherweise studiert, waren unsere ältesten Teilnehmer schon in einem Alter, in dem andere Menschen in Pension gehen. Und dazu waren wir auch noch völlig verschiedener beruflicher und geografischer Herkunft. Und damit haben wir einige Dozierende vor ziemlich große Herausforderungen gestellt, weil wir viele neugierige Fragen vor unserem jeweiligen Background stellten.

Fast auf den Tag genau ist es aber auch drei Jahre her, dass wir – kaum dass wir unseren Universitätslehrgang begonnen hatten – auch schon beinahe wieder ertrunken wären. Ertrunken in den Tsunami-artig assoziierten Wissensmengen über die Basics der christlichen Theologie, denen uns Herr Prof. Dr. Paul Imhof aussetzte. Das ist jetzt ein kleiner Insider, aber ich bin mir sicher, Tsunamis dieser Art gibt es in jedem Studiengang…

Im Verlaufe unseres dreijährigen Studiums lernten wir nicht nur viel über die theoretischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens, sondern der ULG brachte uns auch in Berührung mit der einen oder anderen ungewohnten Erfahrung, die wir im Gebet, in der Begegnung und in der gemeinsamen Praxis mit Andersgläubigen machen durften. Unvergessen sind mir die Exerzitientage in Niederaltaich, die uns den monastischen Tagesablauf und die ostkirchlichen Traditionen näher brachten. Unvergessen ist mir aber auch Herr Stanfel, der muslimisch-österreichische Musiker, der begleitet von seinen orientalischen Musikinstrumenten, das muslimische Glaubens-bekenntnis für uns jodelte und uns so zeigte, dass „das Andere“ und „das Eigene“ kein Widerspruch sein müssen.

Das alles hat in mir – und wie ich aus Gesprächen mit Euch, liebe WegbegleiterInnen, weiß, bin ich damit nicht alleine – verschiedene Schubladen geöffnet: Gedankliche Konstrukte und Konzepte, von denen mir nicht mal bewusst war, dass ich sie hatte. Von denen ich im Laufe des Uni-Lehrgangs zunehmend merkte, dass sie mit der Zeit immer überflüssiger wurden, weil ich feststellte, dass hinter den Polaritäten mit denen wir heute leben, wie z. B. Mann – Frau, wir – die anderen, Christ, Moslem, Jude oder Hindu, dass dahinter letzten Endes immer Menschen stehen. Menschen, die sich trotz ihrer Verschiedenartigkeit in ihren Wünschen, Sorgen und Nöten gar nicht so sehr voneinander unterscheiden.

Wir leben in einer Zeit, in der die Welt immer dichter zusammenrückt, in der wir direkt vor unserer Haustür mit „Fremden“, manchmal auch mit „Andersgläubigen“ konfrontiert sind, was vielen von uns Angst macht, weil es unsere Weltbilder in Frage stellt. Umso wichtiger sind in dieser Zeit Brücken­bauer, die bereits die einen oder anderen gedankliche Mauern und Schubladen öffnen konnten und durch Einblicke in verschiedene Kulturen diese Weltbilder für sich verbunden oder geweitet haben. Dazu können wir – aber natürlich nicht nur wir – AbsolventInnen der Spirituellen Theologie im Interreligiösen Prozess einen Beitrag leisten.

Wir leben in einer Zeit, in der wir stolz darauf sind, wenn wir unser Leben im Griff haben und uns als „Krone der Schöpfung“ die Flora und Fauna Untertan machen. – Gleichzeitig müssen wir immer wieder hilflos zusehen, wenn persönliche Schicksalsschläge, Krankheiten oder Naturkatastrophen uns fassungslos machen und uns mitunter demütig werden lassen. In solchen Krisen ist es der Rückgriff und die Anbindung an etwas, das größer ist als wir, das uns in solchen Situationen Halt gibt und uns neue, kreative Lösungsansätze entwickeln lässt. Für manche Menschen ist dies die Natur, für andere die Familie und für wieder andere das Göttliche. Was auch immer es ist, lassen Sie uns gut darauf aufpassen.

Wir leben in einer Zeit, die uns vor immer komplexere Schwierigkeiten und Fragestellungen stellt. Die mitunter nicht in einzelnen Strukturen oder Verantwortungs-bereichen verortet werden können. Deshalb möchte ich abschließen mit der Feststellung, dass die Welt meiner Meinung nach keine weiteren Silo-Fürsten oder Mauern-Bauer braucht, sondern Menschen, die selbstbewusst und beherzt über ihren Tellerrand hinausschauen und, das Größere im Blick habend, den Menschen in den Focus ihres Handelns stellen. Vor allem aber braucht es Menschen, die lieber MIT den anderen reden als ÜBER sie. Und diese Fähigkeit, ist letztendlich unabhängig von der Studienrichtung, den wir Absolventinnen und Absolventen heute beendet.

Bevor ich ende, möchte ich mich bedanken, auch im Namen aller anwesenden Absolventinnen und Absolventen, bei allen, die uns das Studieren ermöglicht haben. An erster Stelle sind dies natürlich unsere Familien und Partner, die mit viel Liebe, Geduld und Toleranz unsere Anwesenheit hier vor Ort und die weitere Beschäftigung mit unseren Studieninhalten unterstützt haben, indem sie uns zu Hause entbehrten. Darüber hinaus sind das natürlich neben den Dozentinnen und Dozenten, Master­arbeitsbetreuern und Doktorvätern, Lehrgangsbegleitern auch die anderen Mitarbeitenden der Universität, die die ganze universitäre Infrastruktur aufrechterhalten. Dazu gehört auch eine politische Situation, die es uns erlaubt, dass wir uns um solche Themen überhaupt kümmern wir uns nicht, wie in anderen Ländern, um unser Überleben kümmern müssen. Aber natürlich gebührt auch ein Dank dem einen oder anderen Geldgeber, seien es Arbeitgeber, Freunde, Ehepartner oder die Salzburger Nachrichten oder auch der Staat und Stipendienstiftungen, die dem oder der einen oder anderen ganz oder teilweise die Studiengebühren gezahlt oder auf andere Weise das Studium finanziert haben.

„Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muß auch tun.“
So sagt schon der alte Goethe  in seinem Werk: Wilhelm Meisters Wanderjahre und so ähnlich haben wir auch gerade in der Formel bei der Zeugnisübergabe feierlich gelobt. Deshalb wünsche ich mir und allen Absolventinnen und Absolventen in diesem Sinne, dass es uns gelingen möge, unser Wissen, unsere Fähigkeiten und vor allem unsere Leidenschaft und unser Herzblut im eben genannten Sinn in die Welt zu bringen.

Vielen Dank

Willkommen zu Hause

2 Feb

Stellen Sie sich vor, Sie möchten abends mal ausgehen – und engagieren zur Betreuung Ihres Kindes einen Babysitter. Dieser hat eine glänzende Reputation, ist intelligent und macht einen gepflegten Eindruck. Guten Gewissens gehen Sie aus dem Haus und machen sich einen schönen Abend.

Als Sie nach Hause kommen, haben Sie eine komische Vorahnung. Schon von weitem bemerken Sie, dass in Ihrem Haus überall das Licht brennt und hören, dass laute Musik spielt. Als Sie auf Ihr Grundstück fahren, sehen Sie, dass Ihre Haustür sperrangelweit offen steht. Als Sie das Haus betreten, der nächste Schock: Im Wohnzimmer sind alle Fenster geöffnet, die Vorhänge wehen nach außen. Alle Stühle wie auch andere Möbel liegen umgekippt am Boden, auch die Blumentöpfe, deren Erde nun auf dem Teppich verteilt ist. Im Bad läuft non-stop der Wasserhahn, zum Glück funktioniert der Überlauf einwandfrei. In der Küche sind sämtliche Töpfe und Schubladen ausge- räumt und der Inhalt über den gesamten Boden verteilt, ebenso wie die Reste dessen, was vor Ihrem Aufbruch noch im Kühlschrank war. Was ist los, ein Einbruch?

Als Sie die Treppe hinaufgehen, hört der Alptraum nicht auf – im Gegenteil. In Ihrem Schlafzimmer sind die Schränke aufgerissen und die Kleider liegen am Boden verstreut. Überalle finden Sie leere Bierflaschen und volle Aschenbecher vor. Im Kinderzimmer ein ähnliches Bild – dazu sehen Sie Ihr Kind und den Babysitter, wie diese begleitet von lauter Hardrock-Musik auf dem Bett herumhüpfen, beide gekleidet in Ihren glitzernden Party- und Ausgehklamotten und mit einer Flasche Bier in der Hand.

„Oh je“, werden Sie vielleicht denken, „Was soll man dazu nur sagen, da fehlen mir echt die Worte.“ Und die Worte, die Ihnen möglicherweise als erstes in den Sinn kommen, gehen vermutlich in die Richtung: „Unverschämtheit“, „Wie kann der [Babysitter] sich nur so verhalten?“ oder „…
Die Rechtsanwälte unter Ihnen werden vielleicht noch ergänzen: „Den [Babysitter] werde ich verklagen!“

Ihr Ärger wäre verständlich – ich wäre auch ziemlich wütend, wenn jemand so mit dem ihm anvertrauten Hab & Gut und vor allem mit meinem Kind umginge! Denn immerhin kommt das Wort ‚anvertrauen‘ von Vertrauen, und das ist in diesem Gedankenspiel arg mißbraucht worden.

Doch wenn wir ehrlich sind, wir als Menschheit, gehen wir besser mit der uns anvertrauten Erde um, dem Erbe unserer Kinder? Wir Menschen halten uns für die Krone der Schöpfung, und vergessen dabei, dass die Krone wertlos ist, wenn es keinen Kopf gibt, der sie trägt. Oder der Kopf nur noch ein Totenschädel seiner selbst ist.

Und so bedienen wir uns der Schätze und Rohstoffe der Erde (Kühlschrank), fällen den Regenwald (das Mobiliar), vergeuden sinnlos das Trinkwasser und Energie und hinterlassen überall unseren Müll – und das alles nur um uns zu vergnügen (Partyklamotten).

Um noch mal auf den Babysitter zurückzukommen: Wie würden Sie sich wünschen, dass er mit Ihrem Kind (und Ihrem Haus) umgeht – sicherlich pfleglich, sorgsam und liebevoll. Und vermutlich wären Sie auch nicht traurig, wenn er nebenbei auch noch staubsaugen oder das Badezimmer putzen würde, oder? (Zumindest ginge es mir so…)
Wie wäre es, wenn wir beginnen würden, so auf und mit der uns überlassenen Erde umzugehen? Sie in einem besseren Zustand hinterlassen als wir sie vorfinden? Und vor allem mit uns selbst und miteinander umzugehen? Ich finde, das käme dem Paradies auf Erden schon recht nahe.

Pflegen wir es also!

Paradiesische Grüsse sendet Ihnen

Ihre Christina Bolte

Schweigen

23 Mai

Ein Gedicht in vier Kapiteln

I

Du läßt mich allein in diesem eiskalten Schweigen.
Mein Herz schreit vor Schmerz und es drängt mich zu wissen warum.
Was ich falsch gemacht hab, trau ich mich nicht zu fragen –
viel zu groß ist meine Angst vor dem Lärm Deines Wutausbruchs.
Das Schweigen macht mich hilflos. Und sprachlos.
Ich fühle mich getrennt. Und klein. Und nichtssagend.
Dabei bist Du es, der tatsächlich nichts-sagend ist.

II

Ein Vierteljahrhundert später hab ich gelernt mich auszudrücken.
Die Welt dreht sich schneller, als als Kind es mir schien.
Jedoch nicht nur schneller, auch lauter,
vergeht doch fast keine Stunde, wo kein Radio oder Lärm ertönt.
Wie sehr genieß ich die Auszeit in der Ruhe der Berge,
oder die wortlose Aufmerksamkeit beim Tauchgang.
Ich genieße das Schweigen als Ausgleich in dieser beschleunigten Welt.

III

Wie wohl tun mir heute die Orte der Ruhe –
in Kirchen und Klöstern scheint die Zeit still zu stehn.
Und auch die Welt scheint langsamer zu drehn.
Ich fühle mich wattiert wie in der Stille des Nebels.
Und dennoch: Meine Sinne sind geschärft,
denn das Schweigen hilft, mich zu zentrieren:
Die Stille gibt mir wohltuenden Halt.

IV

Welch kraftvolle Ruhe! Ein Schweigen so heilsam.
Es braucht kein leeres Füllwort, um die Stille zu füllen.
Denn das Schweigen sagt alles.
Dein liebevoll-aufmerksamer Blick
vermag so viel mehr als ein Wort auszudrücken.
Ich fühl mich vertraut und verbunden zugleich.
Ich bin so dankbar und von Schweigen erfüllt.

Damit das ICH in mir einen Raum findet, um zu schwingen.
Denn ohne Schwingung bin ICH wie erstickt.

Gesunde Menschen – gesundes Unternehmen

18 Apr

Kürzlich wurde ich gefragt – weil mich meine Visitenkarte als Wirtschaftsingenieurin und Burnout-Lotsin ausweist – wie denn diese beiden scheinbar so verschiedenen Berufsbezeichnungen zusammenpassen würden. Oder ob ich „gescheitert“ wäre – nun Letzteres hängt sicherlich primär von Ihrem Verständnis von Erfolg und Scheitern ab, fokussieren möchte ich mich in diesem Beitrag aber eher auf die erste Fragestellung.

Ganz einfach: In meiner ersten Berufslaufbahn (als Wirtschaftsingenieurin angestellt im Einkauf, aber hauptsächlich im Controlling eines produzierenden Großkonzerns) durfte ich mich primär dafür engagieren, dafür zu sorgen, dass „die Zahlen“ passten. Durch die Verbesserung der Kostenstruktur sollte ich meinen Beitrag dafür leisten, dass das betriebswirtschaftliche Ergebnis des Unternehmens den Erwartungen von Aktionären und Geschäftsführung entsprach. Ob diese immer realistisch waren oder nicht, ist eine andere Frage, aber Fakt ist: Ohne eine gesunde Zahlenbasis, ohne ein betriebswirtschaftlich gesundes Geschäftsergebnis –  kein gesundes Unternehmen. Und langfristig auch keine gesunden Mitarbeiter (wenn überhaupt welche).

Denn diese müssen ja entsprechend gezahlt werden. Das gilt für große Konzerne wie für Ein-Mann-(oder Frau-) Unternehmen. Wenn im Unternehmen langfristig finanzielle Ressourcen mißachtet werden, hat auf Dauer niemand seine Freude an der Arbeit. Insolvenz droht. Das kann sich auf mehrere Arten äußern: Entweder gehen die Mitarbeiter (meist nicht freiwillig) aufgrund von Entlassungen, oder sie gehen von alleine – weil sie sich woanders bessere Chancen / mehr Geld / mehr Freude erhoffen. Was auch ungünstig ist, denn erfahrungsgemäß gehen die engagiertesten und leistungs-fähigsten Mitarbeiter als erstes – und mit ihnen wertvolles Know-How.

In einem Kleinunternehmen ist es ähnlich: Wenn der Unternehmer und ggf. auch seine treuen Gefährten rund um die Uhr, rund ums Jahr ohne Urlaub am Rad drehen – in der Hoffnung so das finanzielle Ruder herumzureißen – begeben sie sich damit häufig an den Rand ihrer körperlichen Belastbarkeitsgrenze. Oder darüber hinaus, bis zum Zusammenbruch. Leider bricht dann nicht nur der Unternehmer zusammen, sondern meist das Schiff seines Unternehmens gleich mit. Andersherum kann jedoch auch das Unternehmen nicht dauerhaft betriebswirtschaftlich gesund sein, wenn nicht auf die Ressource der physischen oder psychischen Gesundheit geachtet wird:

Ohne gesunde Mitarbeiter und ohne einen gesunden Unternehmer kein gesundes Unternehmen.

Logisch, denn wie kann ein Mensch, der angeschlagen ist, Schmerzen oder Sorgen anderer Art hat, ein gutes, innovatives und professionelles Ergebnis abliefern? Apropos Ergebnis: Schon im Physik-Unterricht war Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das heißt, wenn  „Arbeit“ geringer wird und/oder die dafür benötigte Arbeitszeit ins Unendliche gesteigert wird, reduziert sich das Gesamt-ergebnis von „Leistung“.Länger Arbeiten hilft also auch nicht immer viel.

Und genau aus dem Grund, dass mir die Gesundheit des Leistungs- (nicht Kosten-!)Faktor Mensch mir in meiner bisherigen Laufbahn zu kurz kam, dass ich den Eindruck gewann, dass häufig die wirtschaftliche Gesundheit des Unternehmens zu Lasten der physischen oder psychischen Gesundheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt wurde, widme ich mich heute dem Thema aus einem anderen Blickwinkel. Es ist also kein Widerspruch, sondern vielmehr ein Perspektivenwechsel.

Wie nun offensichtlich geworden ist, ist das Gebilde aus Gesundheit des Unternehmens und Gesundheit der Mitarbeiter ein unschöner Teufelskreis. Was können Sie als Unternehmer also tun? Achten Sie auf und investieren Sie in ein wichtiges Gut – die eigene und die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter. Das geht am besten wenn Sie sich dazu temporär jemanden mit an Bord holen – zum Beipiel einen Lotsen. Idealerweise jemanden, der sich sowohl mit Gesundheit als auch mit Finanzen auskennt.

Und damit wären wir wieder bei der Eingangsfrage, was ein Wirtschaftsingenieur/Controller mit einem Burnout-Lotsen gemeinsam hat…

Bitte bleiben Sie gesund!

Herzlich Ihre Christina Bolte

Führung, Kunst und Burnout

30 Aug

In meinem letzten Beitrag schrieb ich über Führungskunst und Selbstführung. Heute möchte ich dies anhand eines kleines Beispiels bzw. einer Übung ein wenig konkretisieren, auch um den Zusammenhang zu meinem fast schon Lieblingsthema „Burnout“ zu verdeutlichen.

Stellen Sie sich bitte die folgende Situation vor: Auf Ihrem Schreibtisch stapeln sich die Unter- lagen für etliche unerledigte Aufgaben, und permanent klingelt das Telefon und jeder will „noch ganz dringend“ etwas erledigt haben.
Zu Hause müssen Sie noch ein Geburtstagstagsgeschenk für die (Schwieger-)Mutter oder wahlweise die Partnerin oder den Partner kaufen, die Wohnung will geputzt werden und das Finanzamt mahnt auch schon zur Abgabe der Steuererklärung. Das sind dann die Momente, in denen man sich wünscht der Tag hätte 36 Stunden, damit man endlich mal genügend Zeit hätte, alles zu erledigen und sich anschliessend auch mal um sich selbst kümmern kann.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Hat nur leider einen Fehler – das Modell funktioniert nämlich nicht. Denn auch wenn Ihr Tag 36 Stunden hätte, ist das in etwa so wie mit dem Auto, mit dem Sie in den Urlaub fahren. Denn egal wie lang oder kurz der Urlaub, ob mit Kindern oder ob ohne und vor allem egal wie groß oder klein das Auto ist – der Kofferraum bzw. das ganze Auto sind immer voll. Und genau so ist das mit dem 36-Stunden-Tag: Am Ende des Tages hätten Sie vermutlich genauso viele unerledigte Dinge wie mit dem herkömmlichen 24-Stunden-Tag. Denn es ist nur allzu menschlich, in den dann längeren Tag auch nur noch mehr Aufgaben zu packen.

Und was die Länge des Tages betrifft, da ist ja das Leben äußerst gerecht: Egal wie arm oder reich jeder von uns ist, oder wie alt oder wie jung – der Tag hat nun einmal für jeden 24 Stunden, eine Woche hat demnach 7 x 24 Stunden = 168 Stunden. Die Frage ist, wie wir sie gestalten.

Gerne können wir das mal anhand eines kleinen Beispiels durchgehen. Praktisch wäre, wenn Sie parallel zu meinen Ausführungen Ihre eigene Woche auf einem weissen Blatt Papier darstellen, in dem Sie sich darauf zwei gleich große Kreise malen (Anmerkung: auf den Kopf gedrehte Teller oder Untertassen sind hierfür geeignete Vorlagen).
Stellen wir uns nun also vor, dass wir uns eine typische Woche des Lebens als Kuchen ansehen.
Die 168 Stunden der ganzen Woche sind demnach der ganze Kuchen. Wenn Sie mögen, klicken Sie sich dazu durch diese Datei, die ich hier als Beispiel heranziehen möchte:

Wenn wir nun von einer durchschnittlichen Schlafdauer von je sieben Stunden pro Nacht ausgehen, sind davon schon 7 x 7 Stunden = 49 Stunden weg. Bitte schneiden Sie sich Ihren „eigenen Schlaf-Sektor“ aus Ihrem persönlichen Kuchen.

Gehen wir nun weiter davon aus, dass Sie eine auf die üblichen Werktage (Mo-Fr) verteilte 40 Stunden Woche haben.
Zuzüglich täglich etwa einer Stunde Mittagspause und etwa 2 Stunden Fahrtzeit von zu Hause ins Büro und zurück (denn die verbringen wir ja auch nicht unbedingt so, wie wir es täten wenn wir könnten wie wir wollten). Das ergibt bis hierher 5 x 11 Stunden = 55 Stunden. Aber Überstunden machen Sie vermutlich auch gelegentlich, oder? Also geben wir noch mal fünf Stunden extra die Woche dazu. Ergibt 5 x 12 Stunden = 60 Stunden.

Außerdem essen Sie ja noch was – was allerdings vorher noch zubereitet werden muss. Und anschliessend muss noch abgespült werden. Grob überschlagen rechnen wir hier für das Thema Essen einmal mit im Schnitt 4 Stunden täglich, macht 7 x 4 Stunden = 28 Stunden.

Darüber hinaus investieren Sie als gesundheitsbewußter Mensch auch noch einige Zeit in Sport oder für Ihre Gesundheit, Arztbesuche gehören beispielsweise dazu. Unterstellen wir mal viermal pro Woche 1,5 Stunden bzw. dreimal pro Woche 2 Stunden = 6 Stunden.

Für’s Fernsehen, Playstation oder Videos schauen unterstellen wir nun noch täglich eine Stunde. Ergibt sieben weitere Stunden unserer Woche. Ach übrigens: Das ist weniger als ein Spielfilm oder ein Fussballspiel am Tag!

Damit sind wir nun schon bei 150 Stunden unserer Standard-Woche, obwohl wir noch nicht einmal etwas „Besonderes“ gemacht haben. Und dafür bleiben uns dann nur noch magere 18 Wochenstunden übrig, die ich hier auf dieser Grafik nun mit „übrige Zeit“ gekennzeichnet habe:

LebensKunstWerk by Wortakupressur

Von denen dürfen Sie sich überlegen, ob Sie sie mit dem Partner/der Partnerin oder mit der Familie, mit Freunden, mit Ihren Hobbies und/oder mit sich selbst verbringen können (oder Ihr Fußballspiel zu Ende gucken möchten, das oben nicht „im Budget“ war).
Jedenfalls sind das nur etwa 2,5 Stunden pro Tag, das finde ich nicht besonders viel. Vor allem weil da Hausarbeit und Körperpflege noch gar nicht berücksichtigt sind.

Wie sieht nun Ihr Idealzustand aus?

Aber wie sieht nun Ihre tatsächliche Alltagssituation, die Sie gerade beschrieben haben, im Vergleich zu dem, was wünschenswert wäre – Ihrem Idealzustand aus? Den Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte malen Sie bitte alleine in den zweiten Kreis auf Ihr Blatt. Denn ich kann Ihnen ja nicht sagen, wie Ihr Ideal-Zustand aussieht. Sie sollen sich ja damit wohl fühlen. Außerdem ist der Idealzustand für Sie ja vermutlich auch etwas ganz anders als zum Beispiel für Ihren Nachbarn.

Egal, wie der Soll-Zustand Ihrer wöchentlichen Torte aussieht, wichtig ist, dass sie Ihre persönliche Lebensqualität darstellt. Wussten Sie eigentlich, dass der Begriff „Lebensqualität“ früher auch als Ars vivendi bezeichnet wurde, also „Lebenskunst“?  Sind Sie ein Lebens-künstler? Was ist Lebenskunst überhaupt?

Meiner Meinung nach ist Kunst in jedem Fall Geschmackssache, also subjektiv, wie Ihre persönliche Lieblings-Lebensführungs-Torte. Sowohl in Bezug auf die Form, als auch in Bezug auf die Zutaten. Denn was dem einen gefällt, gefällt dem nächsten vielleicht nicht – oder anders herum. Und wissen Sie was gut ist? Es gibt dabei kein richtig und fast kein falsch – wie eben bei Kunstwerken auch. Nur Nichtstun funktioniert nicht.

Das heißt, Sie müssen Ihren persönlichen Weg finden. Also, seien Sie verantwortungsbewusst und kreativ. Schaffen Sie sich das Kunstwerk Ihres eigenen Lebens. Selbstführung ist das: Pflegen Sie es (das Kunstwerk), und pflegen Sie, was besonders an Ihnen ist und vor allem: Pflegen Sie sich selbst. Sei es durch eine ausgewogene Ernährung, durch Entspannung, durch regelmäßigen Sport, durch eine entspannte mentale Einstellung oder durch geistige Einkehr sein. Oder durch jede beliebige Kombination davon.

Ganz besonders „leckere“ Zutaten für Ihre Lieblings-Lebens-Torten-KunstWerk sind übrigens Neugier und Freude.
Zum Ausprobieren zum Thema Neugier habe ich eine ganz einfache Übung: Sehen Sie sich doch mal für eine Stunde die Welt durch die Augen eines Kindes an – für Kinder ist nämlich alles im Leben voller Wunder, also ganz wunder-voll.

Und das wiederum – wenn sie es ausprobieren –  macht unheimlich Freude!
Und mit Freude können in Ihrem Leben auch schwergewichtige Themen gaaanz leicht bewältigen.

Weiterhin viel Freude mit dem Kunstwerk Ihres Lebens
wünscht Ihnen herzlichst

Ihre Christina Bolte

PS:
Passend dazu – und als ob er meinen Beitrag gelesen hätte – zu was sich die 168 Stunden der Woche so im Laufe des Lebens aufsummieren können:
Die lesenswerte Kolumne von dm-Gründer Prof. Götz W. Werner aus dem alverde-Kundenmagazin, Ausgabe 09/2012

Der traurige Leuchtturm

14 Mai

Der traurige Leuchtturm – ein Gedicht in drei Ausführungen…

Allein auf weiter Flur und hoch oben auf den Klippen stehe ich,
bin weithin sichtbar bei Tag und bei Nacht, ohne dass ich klage.
Tagsüber imponiere ich durch meine Größe und Lage,
und nachts durch den Strahl meines kreisenden Lichts. 

Erbaut in exponierter Lage, um Menschen, die reisen,
Orientierung zu geben und verlässlich den Weg zu weisen.
Den Weg herum, vorbei an den Klippen und derlei Gefahren
für die Reisenden auf dem Ozean des Lebens. 
Das Licht durchdringt für Euch von vorne den NebeL
Und beleucht’ Euch von hinten den Weg in das LebeN.

Geduldig und erhaben lasse ich zu, wie von Landseite
Neugierige und Touristen mich als Besichtigungsobjekt besteigen,
um meinen Weitblick zu genießen und die Weite.
Für manchen Pilgerer bin ich an seines Weges Ende
immerhin ein Punkt zur Umkehr oder der Wende,
auf dem Weg zurück in das alte oder ein neues Leben.

I.
Wie kann ich Euch Orientierung leuchten oder den Weg weisen,
wenn ihr mich bewusst ignoriert ?
Wer mich nur benutzt, ohne sich Ge-Dank-en zu machen,
oder welchen Wert und welche Richtung ich denn seinem Leben gebe,
der muss sich nicht wundern, wenn er gedankenlos auf Grund läuft.
Denn verlässliche Sicherheit kann ich nur dem geben, der mich beachtet.

II.
Aber oh weh, denk ich manchmal des Nachts auf der Klippe,
die Menschen und Schiffe reisen vorbei, hin zum Ziel.
Es wird mir ganz übel, mich tagein, tagaus im Kreise zu drehn,
jedoch ohne selbst mal im Rampenlicht zu stehn
oder ein Ziel zu erreichen, ohne mich von der Stelle fort zu bewegn.

III.
Ach nein, wer bin ich denn? Steht es mir zu
Erwartungen zu haben immerzu?
Ein Leuchturm ist wie ein treuer Freund ein Geschenk,
schenkt Dir Orientierung und gibt Dir Sicherheit,
und wenn Du Dich verloren glaubst, 
bin ich für Dich da, bin ich Präsent.

Aus der Maske auf die Bühne: Einladung zur Wahrhaftigkeit!

14 Mrz

„Unsere zivilisierte Welt ist nur eine große Maskerade.“
meinte schon Zeit seines Lebens der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) .

… und das stimmt – wie ich finde – nicht nur zum Karneval. Ja, Karneval (man in manchen Gegenden Deutschlands auch Fasching oder Fasnacht genannt) bietet Menschen die unheimlich tolle Gelegenheit, sich zu verkleiden, um dann so völlig unerkannt „die Sau rauslassen“ zu können… Oder, wie der Aphoristiker Gerhard Uhlenbruck es auszudrücken pflegt:
„An Karneval maskiert man sich, damit man die Maske fallen lassen kann.“
Ich selbst habe das früher auch so praktiziert – als Kind sowieso, hauptsächlich des Verkleidens wegen. Später dann, während des Studiums und während meiner frühen Münchner Jahre, war die Karnevalszeit immer eine gern gesehene Gelegenheit zum Feiern.

Nachdem mich allerdings seit einigen Jahren immer häufiger das Gefühl beschleicht, mich im Alltag ohnehin schon oft genug verkleiden zu müssen oder mich in irgendwelchen Rollen wieder zu finden, die mir nur zum kleinen Teil entsprechen, habe ich selbst vor einigen Jahren beschlossen, die Karnevals-Festivitäten zukünftig zu meiden.

Sie fragen sich nun, welche „Verkleidungen und Rollen des Alltags“ ich meine? Dazu hatte ich im letzten Jahr schon einen kleinen Blog-Artikel verfasst, den Sie hier  nachlesen können. Aber vermutlich können Sie sich ohnehin schon denken, dass ich mit Verkleidung das Anzug- und Schlips-Trägertum in deutschen Wirtschaftsunternehmen meine. Und das Rollenspiel, das ebendort gespielt wird, häufig „Ich-Chef-Du-Befehlsempfänger“ heißt.

Ob Sie meine Ansicht dazu teilen oder nicht – am Aschermittwoch – zum Abschluss des Karnevals – ist es jedenfalls an der Zeit, das (Rollen-)Spiel zu beenden und die Masken und Verkleidung fallen zu lassen. Und somit der Welt sein „Wahres Ich“ zu offenbaren.

Das mag sich zunächst einmal ungewohnt anfühlen, so kalt, laut und ungemütlich, mitunter schmerzhaft – wie wenn ein Baby nach neun Monaten der Schwangerschaft das Licht der Welt erblickt und so mehr oder weniger nackt, wie es selbige „betreten“ hat, der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.

Meiner Ansicht nach ist es jedoch einfacher, gleich „ICH“ zu sein, als vor sich selbst und der Welt eine Rolle aufrecht zu erhalten – primär weil mir Energieaufwand zu hoch ist, mir permanent ein „Drehbuch“ merken zu müssen. Ich finde, die Energie kann ich viel effizienter in andere Dinge investieren. Letztendlich ist es allerdings fast egal, ob Sie sich Ihr rollen-adäquates Kostüm anlegen oder nicht, denn auch dieses lässt mitunter tiefe Einblicke in den eigentlichen Charakter einer Person zu. Denken Sie nur an „des Kaisers neue Kleider“ – aus Angst, für schwach oder dumm gehalten zu werden, spielt der ganze Hofstaat das Spiel der Betrüger mit und geht ihnen dadurch auf den Leim. Und erst ein kleines Kind in seiner naiven Ursprünglichkeit nennt die Dinge wie sie sind.

Wenn es Ihnen gelingt, sich auf das Masken-Fallenlassen einzulassen, können vielleicht sogar auch Sie gespannt sein, zu erkunden, wer dahinter zum Vorschein kommt. Und vielleicht können Sie ja sogar auch Freude daran entwickeln – oder auch Stolz – sich so völlig unmaskiert der Öffentlichkeit zu zeigen. Denn es gehört ja auch eine ordentliche Portion Mut dazu, und erfordert viel Stabilität und inneres GleichGewicht (dazu auch mein früherer Beitrag ), um diese Situation aushalten zu können.

Was hat das ganze Thema Karneval zu tun mit Unternehmer(innen)tum?
Nun, auch als Unternehmer(in) muss ich irgendwann mit meinen Visionen – unserem Monatsthema vom Januar – an die Öffentlichkeit und diese mit der Welt teilen. Auch auf die Gefahr hin, in dem Moment dafür für verrückt erklärt zu werden. Denn, wenn ich meine Visionen oder meine Kenntnisse oder Fähigkeiten nur so still und heimlich für mich in meinem Elfenbeinturm behalte, fehlt ihnen ja von vorneherein das (Rampen-)Licht der Öffentlichkeit, um zu wachsen und zu gedeihen.

Somit sorgt die Öffentlichkeit quasi als „Katalysator“ für meine Ziele und Visionen für zweierlei: Zum einen wirkt das Veröffentlichen wie ein „Tritt in den Hintern“, um die eigenen Ziele und Visionen auf die Welt zu bringen.

„Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muss sich gefallen lassen, dass nachgezählt wird, wie viele er getroffen hat.“ (wusste schon Kurt Tucholsky)

Denn wenn ich einmal etwas „hinausposaunt“ habe, muss ich damit rechnen, dass auch mal jemand danach fragt – und das wiederum verleiht meinen Visionen dadurch mehr (Gestaltungs-)Kraft.

Wichtig ist jedoch, sich seine Bühne(n) mit Bedacht zu wählen. Präsentiere ich mich lieber ganz direkt und „zum Anfassen“ im persönlichen Gespräch? Oder anonymer, als Autorin oder Redakteurin in Schriftform, mit für den Kunden/Leser niedriger Schwelle? Oder wähle ich das Internet – mit all seinen Vor- und Nachteilen, vor allem demjenigen, dass Informationen nicht mehr revidierbar sind – als Präsentationsplattform?

Passend zum Thema hat übrigens dieser Tage auch meine neu gestaltete Website das Licht der Öffentlichkeit erblickt – mit vielen neuen Veranstaltungen und Terminen. Ich freue mich über Ihren virtuellen wie persönlichen Besuch unter www.gesundheitspraxis-sinderau.de.

Und was folgt nach der Wahl?
Habe ich eine für mich passende „Bühne“ gefunden, ist es fast noch essentieller, diese nicht nur halbherzig oder gar „zufällig“ zu betreten. Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, wie ich, die sagen: „Ich kann noch nicht anfangen, weil mir noch dieses oder jenes fehlt“ – dann wird es Zeit, diesen Gedanken fallen zu lassen. Denn der Mensch – und das Leben – sind immer in Entwicklung, im Fluss. Zu warten „bis man fertig ist“ oder perfekt oder sonst etwas, heißt warten, bis es vorbei ist.

Eines sollte klar sein: Was immer Sie auch tun – Kritiker wird es immer geben. Aber die breite Masse kommt ins Theater, um etwas zu lernen, um zu lachen oder um unterhalten zu werden.
Und das lässt sich am besten transportieren, wenn wir selbst nicht etwa bierernst, sondern mit Spaß und Freude auf der Bühne und bei der Sache sind.

Denn, wenn ich eines in den letzten Jahren gelernt habe von meinem langjährigen Arbeitgeber, dann ist es das „Prinzip Freude“, das für mich zweierlei beinhaltet: Erstens: Freude ist nicht nur das wichtigste auf der Welt, ein elementares Grundbedürfnis von uns allen und ein tolles Rezept gegen Missmut und Depression. Und sondern auch Zweitens: Freude ist eine Frage der Einstellung!

Deshalb lassen Sie uns bewusst wählen und JA! sagen – zur Bühne, zum Publikum, zur Rolle und zum Tun des eigenen Lebens und zu uns selbst. Experimentieren Sie damit! Zeigen Sie sich, am besten unmaskiert und so wie Sie sind – und glauben Sie mir: Das ist das beste was Sie sein und tun können. Und ganz wichtig: Seien Sie authentisch und vermitteln Sie das, worum es Ihnen geht.

Ich finde: Das ganze Leben ist eine Bühne – nutzen wir sie also, und spielen wir mit Freude darauf. Lassen Sie uns spielen – mit uns selbst, mit unseren Mitspielern und mit dem Publikum. Wer auch immer das ist, der interessiert zuschaut.