Erleuchtungs-Express

10 Mrz

In meinem Umfeld spreche ich immer mal wieder mit Leuten, deren erklärtes oder weniger deutlich formuliertes Ziel es ist (oder scheint), so schnell wie möglich zur Erleuchtung zu kommen. Wobei die Wege dorthin sehr unterschiedlich sind: Der oder die eine probiert’s mit Yoga, ein anderer fährt regelmäßig nach Indien in einen Ashram zu einem Guru und die dritte rennt vom einem Selbstfindungsseminar zum nächsten…

Wieder ein anderer probiert es regelmäßig durch den Konsum von Cannabis oder anderen mehr oder weniger legalen Drogen und wundert sich (oder auch nicht), wenn es ihm die Birne eher ausschaltet als erhellt.

Soweit, so gut – ich finde, jeder hat das Recht, nach seiner Facon glücklich zu werden – zumindest solange er niemandem anderem damit schadet…
Dennoch glaube ich, dass dies zum großen Teil Irrwege sind, zumindest wenn es darum geht, das Ziel (die Erleuchtung) so schnell wie möglich zu erreichen. Denn genauso wenig wie es wahrscheinlich ist, dass man 20 Kilo in 5 Tagen auf gesunde Weise verliert (und dies neue Gewicht auch dauerhaft hält!), funktionieren meiner Meinung nach auch alle anderen „Abkürzungen“.

Denn das wäre ja wie ein Doktor-Titel ohne sich die Mühe machen zu wollen, auch eine Dissertation zu schreiben. In Anbetracht der vielen Plagiateure unter unseren Politikern ist zwar ein böses Beispiel, aber es verdeutlicht, dass auch ein Versuch früher oder später auffliegen wird.

Stattdessen habe ich – sowohl auf meinen Jakobswegen als auch in der einen oder anderen Phase meines Lebens – entdecken dürfen, dass auch der Weg zum Ziel gehört (oder für die Techniker: Der Prozess zum Ergebnis).
Wobei ich zugeben muss, dass ich früher selbst auch immer ganz gerne dazu tendiert habe, am Grashalm zu ziehen, damit dieser schneller wächst. Anstatt der Saat die ausreichende Zeit zum Reifen zu geben, wollte ich nur das Ergebnis ernten – am besten sofort.
Aber um zu ernten muss man eben nicht einfach nur sähen und abwarten, sondern darüber hinaus auch noch vorher den Boden vorbereiten und während des Wachsens regelmäßig Unkraut zupfen und natürlich ab und zu mal gießen. Und so ähnlich bedarf auch die Erleuchtung eine regelmäßige Übungspraxis.

Nicht zu vergessen: Auch die Erleuchtung macht aus niemandem einen „besseren“ Menschen. Oder wie es im Zen so schön heißt: „Vor der Erleuchtung Holz hacken, nach der Erleuchtung Holz hacken…“

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