Integration

2 Feb

In den letzten Wochen & Monaten war quer durch alle Medien das Thema der zahlreich nach Deutschland (und in andere westeuropäische Länder) kommenden Menschen (manche verwenden auch das Wort Flüchtling) sehr präsent. Auf die vielfältigen Attribute, die in den Medien diesen Menschen zugeschrieben werden, oder die Thesen, ob die hierher kommenden Menschen nun gute Gründe haben, ihre Heimat zu verlassen oder das ganze eine geschickt eingefädelte Aktion von wem auch immer ist, um Europa in Unfrieden zu bringen und damit wirtschaftlich zu schwächen, wie von verschiedenen Stimmen & Gerüchte zu hören ist, möchte ich gar nicht eingehen. Denn eine pauschale Antwort aus deutscher (Aussen-)Perspektive ist aufgrund der Vielzahl der individuellen Gründe der Menschen weder möglich noch etwas anderes als Spekulation.

Auch finde ich es müßig, sich darüber Gedanken zu machen, ob diese Situation nun eine „Gefahr“ oder eine „Chance“ für Deutschland respektive Europa darstellt, wie andere Stimmen verlauten lassen. Denn die Situation ist nun einfach mal da – und damit heißt es umzugehen, egal wie wir sie finden oder bewerten. Und deshalb finde ich es umso wichtiger, sich Gedanken zu machen, wie wir konstruktiv mit der gegenwärtigen Situation umgehen können, sowohl auf national-politischer Ebene als auch auf regional-konkret praktischer Ebene.

Schnell war und ist in den letzten Wochen immer häufiger der Ruf nach „Integration“ zu hören. Offen bleibt nach wie vor, wie diese genau gelingen kann und soll. Nun ist es allerdings so, dass man zwar Menschen dazu bringen kann, Deutschkurse zu besuchen, die sie mit mehr oder weniger Erfolg abschließen. Man kann Menschen auch dazu bringen, irgendeine Arbeit anzunehmen, für die sie qualifiziert sind oder auch nicht. Evtl. haben die Menschen daran ein Interesse oder sogar Freude. Das wäre wunderbar und würde vieles erleichtern. Aber wenn man eines nicht kann, dann ist es, jemanden die „Integration“ in eine andere oder fremde Kultur zu verordnen. Genauso wenig, wie man jemanden dazu zwingen kann, einen anderen Menschen zu lieben.

Dennoch können wir – und mit „Wir“ meine ich uns alle – dazu einen wichtigen Beitrag  leisten, dass die vielen Menschen, die zur Zeit nach Deutschland kommen, eine Kultur und eine Haltung erleben, in die sie sich auch integrieren möchten. Denn der Begriff Integration kommt ja lt. Wikipedia vom Lateinischen integrare, was „erneuern, ergänzen, geistig auffrischen“ bedeutet.

Für diese ‚geistige Auffrischung‘ ist es hilfreich, seinen Blick wie aus einer Hubschrauber-Perspektive mal auf sich selbst zu richten und auf sich selbst zu schauen, wie wir denn eigentlich leben. Damit meine ich nicht: „Wie groß ist das Haus oder die Wohnung, in der wir leben?“ oder „Wie groß das Auto, das jemand fährt?“ Sondern ich meine viel mehr: Wie gehen wir mit Kindern um? Oder mit alten Menschen? Oder mit Fremden? Wie gehen wir um mit Menschen, die andere Gewohnheiten haben als wir, z. B. andere Essgewohnheiten? Sind wir mit ihnen freundlich und offen und einladend oder begegnen wir ihnen mit Misstrauen? Sind wir (und dafür ist Deutschland ja auch ein Stück weit berühmt) strukturiert, organisiert und  „effizient“ oder haben wir vor lauter Effizienz das Gespür für das Wesentliche im Leben verloren – die Lebenskunst, die Mitmenschen, das Sein?

Und so möchte ich noch von einem kleinen Erlebnis aus unserem kleinen Ort bringen, das ich letzten Sommer hatte. Ich war eines Abends auf unseren Acker gefahren (von dem ich bereits hier und an anderer Stelle berichtet hatte), der nicht weit entfernt gelegen ist von einer Asylbewerber-Unterkunft, in der u. a. auch Afrikaner untergebracht sind. Ich war zum Acker hingefahren, um die Pflanzen zu gießen und Unkraut zu zupfen.
Als ich so mitten am Zupfen war, hörte ich auf einmal aus Richtung der Unterkunft Trommelmusik herüberschallen. Mit Trommelmusik (und auch darüber hatte ich ja bereits hier geschrieben) verbinde ich immer Sonne, Strand, Tanzen, Lachen, Lebensfreude & Leichtigkeit.

Und so setzte ich dann ganz beschwingt meine Ackertätigkeit fort – und dachte mir: Da gibt es etwas, was wir uns unsererseits für unser Leben von den Menschen aus anderen Kulturkreisen abschauen können. Ein Geschenk, das auch unser Leben bereichern kann – wenn wir es denn annehmen. Ich denke, es täte uns in vielerlei Hinsicht gut…

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