Pilger Dich reich!

10 Feb

Diesen Beitrag hielt ich (so oder so ähnlich) in freier Rede am 09.02.2015 bei den ToastMastern, Speakers Corner in München:

Viele Menschen, denen ich vom Pilgern erzähle, fragen mich immer: Warum tust Du Dir das an, tage- und wochenlang durch die Hitze zu laufen, sich Wind und Wetter auszusetzen, permanent sein Zeug durch die Gegend zu schleppen, Blasen an den Füssen zu bekommen, um dann in Herbergen mit Hunderten von anderen Menschen zusammen eingepfercht in einen Schlafsaal zu verbringen, mit Sanitärbereichen in dubiosen Zuständen?

So unglaubwürdig es auch klingen mag, genau deswegen tue ich es mir an: um tage- und wochenlang durch die Gegend zu laufen und Blasen an den Füssen zu bekommen. Das ist zwar manchmal ziemlich ätzend und auch mitunter schmerzhaft, aber trotz allem Tag um Tag, Kilometer um Kilometer weiter zu laufen, laufen zu können! – macht mich ehrlich gesagt dankbar.

Dankbar für die Leistungsfähigkeit und Ausdauer meiner Beine und Füße, die mich Tag um Tag, Schritt für Schritt auch durch meinen Alltag tragen, und das, obwohl ich sie nicht immer gut behandele. Ist das etwa kein Wunder? Auf dem Jakobsweg wird mir bewusst, wieviel mein Körper und auch meine Organe für mich leisten – und wie dankbar ich ihnen dafür sein kann. Danke Körper!

Und genau deshalb, tue ich es mir auch an, mich dabei Wind und Wetter auszusetzen. Ich bin hautnah mit der Natur in Verbindung – und allen ihren Kräften: Mit der Sonne, und auch mit dem Regen. Klar ist das nervig, vor allem wenn das Wetter nun schon zum dritten Mal von Sonnenschein auf Regen wechselt, was jedes Mal damit verbunden ist, den Rucksack abzusetzen und seine Jacke aus und wieder anzuziehen. Für mich ist es der Wahnsinn, ein riesiges Feld voller Mohnblumen zu bestaunen oder den Morgentau, der dir Pflanzen oder auch Spinnennetze am Wegrand benetzt. Jedes Mal, wenn ich am Himmel einen Regenbogen entdecke, frage ich mich von Neuem, ob es wohl tatsächlich schon mal jemandem gelungen ist, den Topf mit Gold an dessen Ende zu finden.

Letztendlich sind es nämlich nicht die vielen Kilometer, Kirchen oder Herbergen, die das Pilgern so erinnernswert machen, sondern die Vielzahl an schönen Momenten, die Erinnerungen, die Emotionen, der Duft nach frisch gemähtem Gras, die herzzerreißenden galizischen Melodien und vor allem die Gespräche mit anderen Pilgern, die das Herz berühren.

Es sind die vielen kleinen, scheinbar normalen Dinge, die das Herz erblühen lassen und das Pilgern so besonders machen: Eine warme Dusche, saubere Kleidung, ein Getränk nach längerer Durststrecke – die Tatsache, dass man morgens nicht lange überlegen muss, welches seiner 3 Trikots man anzieht oder auch nur ein Nachlassen Deiner Schmerzen.

Dankbarkeit zu üben, nicht nur auf dem Camino, sondern auch im Alltag, verstärkt das Bewusstsein für all die kleinen und großen Geschenke, den Reichtum und die Freuden in Deinem Leben. Deshalb möchte ich Euch einladen: Pilgert euch reich, Ende April mit mir auf dem Tiroler Jakobsweg – weitere Details gibt es hier!

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2 Antworten to “Pilger Dich reich!”

  1. koelnerschalk 17. Februar 2015 um 21:55 #

    Schöner Beitrag. Ich begebe mich Mitte April auf den Camino Frances – von Leon Nach SdC. Ich wünsche mir auch so wie Du über die Pilgerschaft berichten zu können…

    • Wortakupressur by CB 17. Februar 2015 um 22:54 #

      Koelnerschalk, dann wünsche ich Dir guten Weg, berührende Begegnungen und schöne Erkenntnisse. Ultreya, CB

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