Nachbars Garten

30 Jun

Wie bereits in den letzten Wochen häufiger erwähnt, ist mein neuestes Hobby unsere 2x 25 Meter lange Ackerfurche. Natürlich nutzten wir das schöne Wetter der letzten Tage und Wochen etwas häufiger, um dort ein wenig Zeit zu verbringen – denn ohne Gießen und Pflege verkommt das ganze sonst zur Unkraut-Wiese. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell dort etwas wächst, was dort nicht hin soll…

Während ich also so vor mich hinzupfe, ertappe ich mich immer wieder dabei, auch die zwischen den Beeten zu unseren Nachbarn liegenden Wege von Unkraut zu befreien. Warum werfen manche Nachbar ihr eigenes gezupftes Unkraut immer nur so lieblos aus die Wege, anstatt es auf die dafür vorgesehenen Plätze zu entsorgen? Immer wieder überlege ich dann, ob es meine Ausgabe ist, es zu entsorgen oder ob ich es lieber auf deren Beet zurück legen soll.

Oder ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich mich daran störe, was für ein ‚Unkraut‘ in den Wegen wächst – so als ob ich Angst hätte, dass es unser Beet „anstecken“ würde. Warum stört mich nur so, was dort wächst? Bei diesem Gedanken fällt mir auf, dass ich dieses Verhaltens- (oder vielmehr Gedanken-)Muster auch aus meinem sonstigen Leben kenne: Das erste Mal ist es mir aufgefallen, als ich einen eigentlich trockenen Alkoholiker als Freund hatte: Je mehr er soff – desto vernünftiger, quasi ’nüchterner‘, wurde ich. Ebenfalls aus Angst, ich hätte der gleichen Sucht verfallen können oder die Lage geriete völlig ausser Kontrolle.

Und so oder so ähnlich verhält es vermutlich auch bei unserem Nachbarbeet. Manche Verhaltensweisen (wie z. B. herumliegende Sachen) stören mich bei meinem Partner, meinen Familienangehörigen oder auch bei komplett Fremden mehr als bei mir selbst – obwohl ich in Bezug darauf sicherlich auch noch Handlungsbedarf  hätte. Aber gut, es ist eine alte Erkenntnis und anscheinend menschlich, den Splitter in seines Bruders Auge zu sehen und den Balken vor dem eigenen nicht… Aber da kann mitunter ein Blick in den Spiegel Abhilfe schaffen.

Abschließend bin ich eigentlich selbst ziemlich überrascht, welche ungewöhnlichen und unerwarteten Orten man als Spiegel zur Selbst-erkenntnis heranziehen kann – sogar der eigentlich als Spielerei gedachte Garten kann dabei helfen. Zumindest wenn man sich die Zeit nimmt um von ganz profanen Tätigkeiten Rückschlüsse auf seinen Alltag zu schliessen.

Und so kann ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nur einladen, nach den „Spiegeln“ in ihrem eigenen Leben Ausschau zu halten – es ist immer wieder interessant, wem oder was – Nachbarn oder selbst – Sie dort begegnen werden.

Alles Gute wünscht Ihnen
Ihre Christina Bolte

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