Grüße aus der Vergangenheit (1)

19 Mrz

Kennen Sie auch solche Phasen, in denen sich manche „Dinge“ oder Ereignisse häufen? So völlig plötzlich aus der Luft gegriffen und ohne Vorankündigung? Vorher passierte nichts dergleichen, und nachher ist auch wieder alles wie gewöhnlich – wobei, wie vorher ist es nicht mehr…

Neulich hatte ich auch mal wieder so eine Phase von „ungewöhnlichen Häufungen“, die mit einem simplen Telefonanruf begann. Nichtsahnend (die angezeigte Rufnummer war mir nicht bekannt) ging ich ans Telefon, als mich eine mir bekannte aber nicht sofort zuzuordnende Stimme begrüßte: „Hey, Christina, wie geht’s, hier ist der Andreas.“*

Andreas, der Traum meiner schlaflosen Nächte in meiner Studienzeit. Seit mindestens drei Jahren hatten wir nichts mehr voneinander gehört, und seit über zehn Jahren hatten wir uns auch nicht mehr gesehen. Wieso also jetzt? Dabei hatte ich ein paar Wochen zuvor sogar an ihn denken müssen, weil ich zu Besuch in einer anderen Stadt war und in der gleichen Straße über- nachtet hatte, wie seine Schwester früher gewohnt hatte (damals schrieb man noch Briefe, von denen mir einer letztes Jahr beim Umzug in die Hände fiel, daher war mir die Anschrift wieder in Erinnerung gewesen….)

Nun rief er also an. Der gleiche altbekannte Tonfall, die gleichen wohlbekannten Sprüche (zumindest von der Art her) – die ich zwar damals toll fand, aber von denen ich nun am Telefon wahrnahm, dass sie auf mich eher „fassadenhaft“ und ohne echte Emotionen wirkten. Seine Feststellung, ich hätte mich überhaupt nicht verändert (was nachweislich nicht stimmt, da ich in den letzten Jahren so ziemlich alles in meinem Leben umgekrempelt habe), traf mich tief.
Wir hatten im Wesentlichen über Platitüden oder Vergangenes gesprochen. Dennoch war ich nach dem Gespräch noch eine Zeit lang verwirrt – und fragte mich, was für eine Botschaft mir das Gespräch zu geben hatte (eine Angewohnheit, die ich mir vor einigen Jahren zugelegt hatte).

Immerhin, das Gespräch über die Vergangenheit weckte auch vieles lange Vergessene: Die emotionale Kälte mit der er mich damals – bewußt oder unbewußt – abblitzen liess. Seine überaus verhaltene Reaktion nach meiner Rede, die ich als Vertreterin der Studierendenschaft für die Abschlussfeier seines Jahrgangs hielt (und wegen der ich vor lauter Nervosität fast in Grund und Boden versunken bin, immerhin waren im Publikum gut 350 Leute gewesen). Wie sehr hätte ich mir damals gewünscht, ein kurzes Wort der Anerkennung aus seinem Munde zu hören? Viele seiner Jahrgangkollegen hatten sich bei mir für meine Worte bedankt – aber genau er, von dem ich mir ein ehrlich gemeintes Lob so sehr erhofft hatte, sagte — Nichts.

Die Erinnerung an diese (zugegebenermaßen) schmerzliche Begebenheit vor gut 17 Jahren liess mich grinsen. Wie sehr hatte ich mich damals von der Meinung und dem Lob meines großen Helden abhängig gemacht? Und wie sehr hatte ich mich klein und unzulänglich gefühlt, weil ich seine Anerkennung nicht bekam. Wenn ich ehrlich bin, gab es damals außer Andreas auch noch etliche andere Menschen, die diese Gefühle und Gedanken bei mir ausgelöst hatten.

Heute weiss ich, dass es kein Wunder war, dass ich früher oder später in einen Burnout rutschen musste, wenn ich rackerte wie blöde um anderen Menschen für meine Leistung eine Anerkennung oder ein Lob abzuringen, das ich brauchte um mich selbst wert-zu-schätzen. Und das in unserer deutschen Gesellschaft, in der nicht g’schimpft ohnehin schon Lob g’nug ist…

Danke, Andreas, dass Du mich mit Deinem Anruf und unserem kurzen Gespräch an diese Erkenntnis erinnert hast, und daran, dass ich eine solche Situation nie wieder erleben möchte.

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*aus Gründen der Anonymität sei hier ein Kunstname verwendet

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