Von der Be-Sinn-ungslosigkeit zum Sinn…

22 Dez

Gestern passierte mir zweierlei, was auf den ersten Blick gar nicht so viel miteinander (ausser mit Weihnachten) zu tun hat: Einerseits hörte ich im Radio, dass der Einzelhandel bis zum Heiligabend (d. h. in nur noch 1,5 Arbeitstagen!) noch mit 20 % des Weihnachtsumsatzes rechnen würde.
Andererseits empfahl mir jemand ein Youtube-Video mit den Weihnachtsliedern von den Roten Rosen (Toten Hosen) aus dem bereits 1998 erschienenen Album Wir warten auf’s Christkind. Nachdem ich den Videoclip weder besonders weihnachtlich noch besonders musikalisch fand, sondern einfach nur laut, bin ich mir nicht sicher, ob ich ihn hier verlinken soll – tue es aber dennoch, für diejenigen, die sich eine eigene Meinung bilden möchten (wer es nicht möchte – bitte Link ignorieren).

Dabei muss ich sagen, dass ich das eine oder andere Lied der Toten Hosen und die darin zum Ausdruck gebrachte Sozialkritik durchaus gar nicht so schlecht finde, und durchaus auch ein Freund von gut gelungenen Parodien bin, aber diese Werke kann ich für mich beim besten Willen nicht dazu zählen – weder von der Qualität der Melodiosität noch von der „Treff- genauigkeit“ der Töne.

Und während mich das Zuhören des Videos „nur“ massiv in den Ohren schmerzt, kann ich gut nachvollziehen, dass es genau aufgrund der genannnten parodistischen Sozialkritik bei vielen (schätzungsweise) jüngeren Leuten, die sich mit den die althergebrachten Weihnachts-traditionen und -riten nicht mehr identifizieren können, auf breiten Zuspruch trifft, während es andererseits genau darum dem traditionsbewussteren Teil der Bevölkerung ausser in den Ohren auch in der Seele schmerzen mag.

Dennoch passen die Roten Rosen ins Anti-Programm. Denn kommt es nicht – alle Jahre wieder um diese Jahreszeit – in vielen deutschen Haushalten zu Stress (immerhin muss man ja in 1,5 Tagen noch sämtliche bis die verbleibenden Weihnachtsgeschenke besorgen, die dem Einzelhandel noch die erwarteten 20 % des Umsatzes bringen sollen!), Frust und Streit, weil es einerseits Menschen (zumeist Angehörige der älteren bzw. Eltern-Generation) gibt, die an tra- ditionellen, liebgewonnenen (weil nostalgischen), aber möglicherweise nicht mehr zur individuelle Situation passenden Gepflogenheiten (wie beispielsweise der Kirchgang, den Christbaum schmücken oder die viel zu fette Weihnachtsgans) festhalten? Andererseits kenne ich genügend zumeist jüngere Menschen, die trotzdem dass sie den zu Hause begangenen Traditionen eigentlich ablehnend oder gelangweilt gegenüber stehen, dennoch daran teil- nehmen, sei es aus Pflichtgefühl, der Angst sich „offen“ zu ihrer Einstellung zubekennen oder Mangel an Alternativen (von denen eine möglicherweise bedeuten würde, Weihnachten allein verbringen zu müssen).

Auch ich gebe zu, dass ich meinen Jahresend-Urlaub, der mich in der Vergangenheit regel- mäßig über Weihnachten lieber in den sonnigen Süden als in den matschig-kalt-und-dunklen Norden der Republik zog, gerne auch als Alibi für meine Abwesenheit von  weihnacht-lichen Pflichtbesuchen herangezogen habe. Aber nach stressigen Monaten des Arbeitsalltags war dies für mich einfach der Weg des geringsten Widerstandes, da ich meistens weder Lust noch Kraft hatte, auf argumentative Weise an den heimischen Weihnachtsritualen, die darüber hinaus noch ganz häufig eher im Stress oder Streit endeten, etwas zu verändern.

Klar ist es verständlich, wenn man an Weihnachten nach ansonsten sehr stressigen Arbeits-wochen und -monaten einfach nur seine Zeit mit Dingen verbringen möchte, die einem Freude bereiten anstatt von einer Pflichtveranstaltung oder vom Kampf-Shoppen oder Essen-und- Trinken bis zur Besinnungslosigkeit zu hechten/hetzen. Dennoch weiss ich mittlerweile, dass ich es mir damals (so schön die sonnigen Urlaub auch waren) etwas einfach gemacht habe.

Wenn uns bewusst wird, daß die Zeit, die wir uns für einen anderen Menschen nehmen, das Kostbarste ist, was wir schenken können, haben wir den Sinn der Weihnacht verstanden. (Roswitha Bloch)

Denn abgesehen davon, dass es auch in Deutschland genügend Alternativen gibt, wie man Weihnachten nicht allein und trotzdem „sinnvoll“  gestalten kann*, bin ich mir sicher, dass die  perfekt inszenierte Weihnachts-Settings oder Geschenk-Orgien häufig nur eine (möglicher- weise gut getarnte oder unglücklich ausgedrückte) Form dessen ist, das – trotz oder gerade wegen des materiellen Wohlstandes, in dem die meisten von uns in Deutschland leben – im Grunde unseres Herzens eigentlich nach wie vor noch in uns allen gestillt werden möchte: Ein Hunger bzw. eine Sehnsucht nach Liebe, Anerkennung und danach, mit ganzem Herzen von unserem Mitmenschen wahrgenommen zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen neben einer schönen und harmonischen restlichen (Vor-) Weihnachtszeit und beSINNlichen Feiertagen, dass Sie sich und anderen das schenken, was Sie/sie wirklich erfüllt.

Herzlichst, Ihre Christina Bolte

* Die Stadt München beispielsweise veranstaltet alljährlich an Heiligaben ein Weihnachtsessen für Obdachlose Menschen, das von der Anwesenheit und Mithilfe vieler Freiwilliger lebt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: