Zusammen-Wachsen

9 Dez

Vorletzte Woche war ich mal wieder auf einer Abendveranstaltung, bei der es darum ging, neue Verhaltensweisen und Gewohnheiten einzuüben. In einer Gruppe von etwa sechs Personen sollten wir uns dem Thema „Zusammen wachsen“ widmen.

Zunächst einmal sprachen wir über unsere ersten Assoziationen zu diesem Begriff, die so viel- fältig waren wie die Teilnehmer. Der eine fand sich spontan an das krankhafte Zusammen-kleben erinnert, das man besonders in Beziehungen zwischen Teenagern beobachten kann, wo beide sämtliche freien Minuten an- und ineinander verschlungen sind. Aber während man ein solches Verhalten bei erstmals verliebten Teenies noch als „normal“ bezeichnen kann, habe ich das Attribut „krankhaft“ deshalb gewählt, weil jede ausschliessliche Fixierung auf den Partnern bewi rkt, dass man gedanklich im eigenen Saft kocht und somit jegliches Wachstum verhindert – wie ein Zweig der nur im Kreis wächst… Eine andere Person aus unserer Gruppe assoziierte einen Vergleich aus der Natur, wo zwei verschiedene Pflanzen den gleichen Wachstumsraum einnehmen und durch Austausch oder ähnliches von der Gegenwart des jeweils anderen profitieren und sich so Schutz oder gemeinsames Wachstum ermöglichen. Bekanntes Beispiel hierfür ist der Clownfisch („Nemo“) und seine Seeanemone.

So verschieden die ersten Assoziationen auch waren, je weiter unsere Gruppe in der Übung voranschritt, desto mehr herrschte Einigkeit darin, dass man (also Personen, wie auch Paarbeziehungen wie auch die Gesellschaft) sich nur weiterentwickeln – also wachsen – kann, wenn ‚man‘ dies nicht alleine tut, sondern gemeinsam mit anderen. Wobei die Betonung in der Diskussion eben auf „gemeinsam mit“ und nicht auf „auf Kosten von“ lag. Im weiteren Verlauf der Übung sprachen wir zunächst darüber, dass es wohl eine ziemliche Herausforderung sei, so manch einen Zeitgenossen dazu zu bringen, von sich aus wachsen zu wollen, bis wir später darauf kamen, dass ja bereits jeder von uns selbst mit kleinen (oder auch großen) Schritten vorangehen könne – und das sogar im ganz normalen Alltag.

Mit der für absolut jeden geeigneten Übung, die uns dazu einfiel, würde nicht nur das tägliche Miteinander in der sonst so anonymen Großstadt deutlich freundlicher werden (Stichwort: zusammen), sondern würde auch der Tag des einen oder anderen einen derart schönen Aufschwung bekommen (Stichwort: wachsen), dass der Mikrokosmos um ihn oder sie herum gleich ein paar Grad freundlicher wäre. Dabei hatte aber niemand aus unserer Gruppe den (Hinter-)Gedanken, irgendjemanden veräppeln zu wollen. Nein, wir alle fanden einfach nur, dass ein bisschen mehr Offenheit und Herzlichkeit unserem Alltagsleben ganz gut täte.

Denn ein Lächeln ist laut dem dänischen Musiker Victor Borge (wobei der möglicherweise auch von Bhudda plagiiert hat) nicht nur der kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen, sondern ist auch noch ansteckend, wirkt attraktiv, es erwärmt somit das Herz von Sender und Empfänger. Und gerade das ist doch im Dezember etwas wirklich Angenehmes, oder?

Aber sehen Sie selbst, welche Übung für wir uns überlegt hatten…

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Ausprobieren und eine herzliche (Vor-)Weihnachtszeit.

Ihre Christina Bolte

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