Zwischen den Welten

29 Sep

„Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen“,  heißt ein Sprichwort. So auch neulich, als ich ein paar Tage nach Rotterdam fuhr, um eine Freundin zu besuchen. Wie sich das so für einen „ordentlichen“ Touristen gehört, unternahmen wir natürlich eine Rundfahrt durch Rotterdams Hafen, der im übrigen der drittgrößte der Welt ist.

Während wir so Kaffee und Kuchen mampfend auf dem Boot so dahin schipperten, manche Leute laut plappernd, war es teilweise ziemlich schwierig, den informativen Ausführungen vom Tonband zu folgen. Daher verlegte ich mich aufs Beobachten des Geschehens da draussen im Hafen: Kräne, die riesige Container wie Spielzeug-Schächtelchen von und auf Containerschiffe luden, Werftmitarbeiter, die im Trockendock ein Schiff neu anstrichen, andere Schiffe an anderen Kais, auf denen weitere Handelsgüter oder -flüssigkeiten wie Erdöl und Orangensaft umgeschlagen wurde (was ich zugegebener-maßen weniger beobachten konnte als den audiovisuellen Ausführungen entnahm). Inmitten dieses ganzen Treibens für den Welthandel und das Bruttoinlandsprodukt, das vielen Menschen Arbeitsplätze gibt und damit zu ihrem Lebensunterhalt beiträgt und gleichzeitig uns allen mit Kleidung aus Asien oder anderen uns selbstverständlich gewordenen Annehmlich-keiten versorgt, kam mir der Gedanke, dass in diesem – wie vermutlich auch in jedem weiteren Moment – sich sprichwörtliche Welten begegnen: meine gemütliche Kaffee-und-Kuchen-Welt mit „der anderen“ da draussen.

Aber welches ist nun die „reale“ Welt? Das hängt sicherlich davon ab, mit welchen Augen ich die Welt betrachte (wobei neben den Augen natürlich auch noch die anderen Sinne zur Wahrnehmung beitragen können) und aus welcher Perspektive… Also vom eigenen Standpunkt – denn Menschen neigen dazu, nur das, was sie (er)kennen oder erleben, als normal – real – existent, oder wie auch immer Sie es nennen mögen, einzustufen[i].

Den meisten von uns werden diese parallelen Welten – wenn überhaupt – eher im Urlaub bewußt, wenn man mit während eines Telefongesprächs mit „Daheim“ erfährt, wie blöd dort gerade das Wetter ist und man es somit in seinem Urlaubsziel gut getroffen hat. Oder wenn man nach einer längeren Auszeit, sei es im Backpacking-Urlaub, auf dem Jakobsweg oder (eher unfreiwillig) nach einem Krankenhaus-Aufenthalt wieder zurückkommt in sein alltägliches Umfeld, seinen alltäglichen Job und sich fragt, was man dort eigentlich tut – bestenfalls, manchmal möchte man sicherlich auch sofort gleich wieder abhauen.

Doch Abhauen würde bedeuten, zu fliehen, sich der (seiner eigenen!) Realität nicht zu stellen. Deshalb ist so ein aufrüttelnder Moment, in dem zwei Welten aufeinander prallen, so eine Konfrontation mit dem anderen, doch eigentlich ein guter Anlass, um mal in sich zu gehen und sich zu überlegen. was es eigentlich genau ist, das einem in der einen – oder der anderen – Welt so gut gefällt oder auch nicht. Für die logisch-rationalen Menschen unter Ihnen gerne auch mit einer
Pro-und-Contra-Gegenüberstellung.

Und dann entscheiden Sie sich – aber nicht für oder gegen die eine oder die andere „Welt“ sondern dafür, die Punkte, die Ihnen in Ihrer Alltagsrealität nicht (so gut) gefallen, nach Ihren Wünschen und Möglichkeiten zu verändern.
So wie es auch schon die Heldin aus Kindertagen, Pippi Langstrumpf, sagte: „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt…“

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