Mensch, wo blühst DU?

9 Mai

Auf dem Weg zu einem Wochenend-Besuch fuhr ich kürzlich durch die deutschen Landen. Während der Fahrt schaute ich aus dem Fenster und nahm sehr erfreut wahr, was ich bisher in einer Großstadt (wie München, wo ich sonst so die meiste Zeit verbringe) nur erahnen konnte: Mit ein paar Wochen Verspätung lässt nun der Frühling endlich die Natur wie auch Menschen und Tiere zu neuem Leben erwecken!

Das junge, frische Grün, das zaghaften manchen Bäumen zum Vorschein kommt, während woanders schon längst die Forsythien in voller Blütenpracht in leuchtendem Gelb explodiert sind. Und in so manchem Vorgarten kann ich auch schon die Magnolienbäume entdecken, die zur Zeit gerade ihre großen, rosa-weißen Blüten pompös zur Schau stellen.
Und deren Duft erst, der sich einen kräftigen Wettstreit mit den saftigen Wohlgerüchen aus den ersten Amtshandlungen von Grill-Anhängern um eine Wahrnehmung unserer Nasen leistet!
Zum fröhlichen Vogel-Gezwitscher, das schon seit Tagen in verschiedenen Frequenzen und Melodien erklingt, gesellen sich später, als es schon Dunkel geworden ist, im nahegelegenen Park noch das rhythmische Trommeln der Djembés – die gute Laune von deren Spieler lädt Erinnerungen an den längst vergangenen Karibik-Urlaub ins Gedächtnis. Dazu passt die warme Brise des Abendwindes, die sanft über mein Gesicht streicht.

Endlich wird’s Sommer. Endlich Zeit zum Aufblühen!

Auch für uns Menschen…. Nicht nur, dass sich jetzt das Leben – zumindest die Freizeit – zunehmend draussen abspielt, auf Strassen, in Parks, in Cafés oder Biergärten, auf Fahrrädern, in oder auf Gewässern oder in Schwimmbädern.

Während die Pflanzen zumeist an einen „Standort“ gebunden sind, an dem sie optimal wachsen und gedeihen können und an dem sie eine ideale Versorgung mit Sonne, Wasser, Licht, Nährstoffen und allem, was Pflanzen sonst noch so brauchen, vorfinden: wir Menschen können uns an verschiedenen (Stand-)Orten aufhalten  bzw. diese wechseln – und uns diese meist auch noch selbst aussuchen.

Wo ist denn überhaupt unser Biotop?

Und obwohl die „Standort-Frage“ für Menschen keine so lebenslange Entscheidung ist wie für Pflanzen, sollten auch wir uns die Frage stellen, WO denn überhaupt unser „Biotop“, unser optimaler Standort mit den für uns maximal förderlichen Wachstumsbedingungen ist. Was natürlich auch die Frage mit einschließt, WAS es ist, das uns aufblühen lässt. Denn so, wie jede Pflanzensorte andere Bedürfnisse hat, z. B. an Sonne und Wasser, hat auch jeder von uns andere Anforderungen.
Brauchen wir eher eine „gut durchorganisierte Umgebung“ sowie vorgegebene Strukuren oder eher viel Schaffensfreiraum? Sind wir eher Team Player, die inmitten einer Menge anderer Menschen ihr Potenzial entfalten, oder eher Lonely Wolves? Sind wir eher Denker/Theoretiker oder eher Pragmatiker? Arbeitet jemand lieber im Hintergrund oder ist er besser voll im Rampenlicht?
Verstehen Sie mich bitte richtig: An keinem dieser Pole ist irgendetwas „gut“ oder „schlecht“ bzw. „besser“ oder „schlechter“ als etwas anderes – es kommt ja immer darauf an, für was oder in Bezug auf was eine Eigenschaft von Vorteil oder eben von Nachteil ist. Und natürlich darauf, wie jeder von uns beschaffen ist.

So wie eine Wüste als Standort für eine Seerose den Tod bedeutet, während es für den Kaktus das blühende Leben ermöglicht. Eckart von Hirschhausen, den ich an dieser Stelle schon ein paar Mal zitiert habe, sagt in dem ihm eigenen Stil, dass aus einem Pinguin auch in sieben Jahren Psychotherapie nie eine Giraffe wird – und so ist es auch mit Seerosen und Kakteen. Und das ist auch gut so, denn die Welt wird durch beide schöner, nur eben nicht am gleichen Fleck…

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gutes Gelingen auf der Suche nach Ihrem persönlichen Biotop.
Jetzt und immer wieder neu – und:

bitte bleiben Sie gesund und lebendig!

Herzlichst, Ihre Christina Bolte

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