Gedanken zum Garten und Burnout (2)

31 Mrz

Im letzten Jahr schrieb ich über den Zusammenhang zwischen einem Garten und Burnout.
Heute möchte ich das Ganze um einen weiteren Aspekt ergänzen, nämlich um den der Jahreszeiten.

Wenn Sie derzeit aus dem Fenster schauen, werden Sie die ersten zarten grünen Triebe aus der Erde hervorschauen sehen, und mancherorts sogar auch die eine oder andere gelbe, weiße oder violette Blüte. Endlich ist Frühling!

Frühling bedeutet aber – neben dem im letzten Beitrag erwähnten Boden bestellen – auch, die Samen oder Setzlinge für die Zukunft auszusäen, idealerweise auch zur richtigen Jahreszeit. Denn nicht jedes Korn oder jede Pflanze bringt das erwartete Ergebnis, wenn man es zu einem beliebigen Zeitpunkt aussät.

Im Sommer ist es dann an der Zeit, die Saat wachsen zu lassen. Natürlich muss man gelegentlich gießen und den Boden pflegen, aber im Wesentlichen heißt es nun: Abwarten. Oder etwas flapsiger formuliert:
Ein Grashalm wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht
(leider ist mir die Quelle dieses wunderbaren Spruches nicht bekannt).

Im Herbst heißt es dann endlich: Ernten. Egal, ob Apfel- oder Pflaumenbaum, Getreidefelder oder Mais, eines bleibt nicht aus – das Sortieren und Trennen von Ernte und dem, das zur direkten Verwendung nicht geeignet ist. Im Märchen heisst es so schön: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Dennoch ist auch das „Schlechte“ nicht sinnlos, denn auch aus dem Mist lässt sich für die kommenden Jahre zu einem hervorragenden Dünger machen!

Natürlich lassen sich diese Jahreszeiten auch auf unserem „Seelengarten“ und unser alltägliches Leben übertragen. Darüber hinaus verstecken sich hinter den „Bildern“ wichtige Faktoren, die einen Burnout begünstigen oder verhindern können.

Projekte starten und Kontakte knüpfen sind wertvolle Aktionen (Säen!) – die jedoch ohne Erfolg bleiben, wenn man sie zum falschen Zeitpunkt oder im falschen Umfeld angeht. Stattdessen verliert sich die aufgewendete Energie dann im blinden Aktionismus.
Natürlich empfiehlt es sich, auch darauf zu achten, welches Saatgut man aussät. Wer Intrigen sät, braucht sich nicht zu wundern wenn er (oder sie) später selbst welche erntet. Heutzutage wird das ganze etwas postmoderner als Resonanzgesetz bezeichnet oder wer auf Anglizismen steht: Law of Attraction. Früher sagte meine Mutter dazu  immer: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück“ “ – aus Wort und Ant-Wort folgt also, Verantwortung zu übernehmen.

Noch schlichter formuliert es ein chinesisches Sprichwort, das ich an dieser Stelle teilen möchte:
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Genauso wichtig für ein zufriedenes und gesundes Leben ist natürlich auch der Faktor Zeit. So, wie man im Sommer die Saat in Ruhe wachsen lässt, braucht eine Liebesbeziehung Zeit, braucht Vertrauen Zeit, um sich zu entwickeln. Auch eine regelmäßige Entspannungs- oder Meditationspraxis braucht Zeit (und Übung!) um einen Effekt zu erzielen. In meinem Umfeld höre ich immer wieder, dass Zeit haben ein Luxus sei, den man sich derzeit nicht leisten könne. Ich sehe dies anders, denn erstens habe ich keine Zeit, sondern vielmehr: ich nehme sie mir! Und zweitens finde ich, dass Zeit haben/nehmen kein Luxus ist, sondern eine unabdingbare Voraussetzung für ein zufriedenes Leben. Denn eine echte Freundschaft, die einem in schwierigen Zeiten Rückhalt gibt, möchte in „guten Zeiten“ gepflegt werden, und Entspannung auf Knopfdruck funktioniert halt auch nur, wenn man vorher entsprechend geübt hat. Eben so, wie ich auch den Apfel und das Getreide nicht gleich schon im Frühling ernten kann, sondern abwarten muss, bis es gereift ist…

Wie wir bereits am Frühling gesehen haben, ist Acht-samkeit also das Mittel der Wahl – und dazu fordert uns auch der Herbst wieder heraus. Das Aufheben und Sammeln der Ernte kann bereits – zumindest wenn man es manuell erledigt – als wahre Meditationsübung praktiziert werden. Dabei in einer gebückten Körperhaltung zu verharren, z. B. bei der Ernte von Beerenfrüchten, verlangt auch dem Erntenden auch mental eine quasi demütige Haltung ab.

Wenngleich mitunter auch ziemlich lästig, so erfordert das Aussortieren von Ernte und „Abfall“ eine noch ausgeprägtere meditative Grundhaltung: Achtsamkeit und Konzentration auf das Wesentliche: Das was ich gerade in der Hand habe und tue. Eine Bekannte von mir, die gerne Marmeladen einkocht, meinte neulich halb scherzhaft, ihre Art zu meditieren wäre Birnen schälen. Sehen Sie, immer noch besser als zur Entspannung herumzusitzen und nichts zu tun!
Spass beiseite…

Der aufmerksame Leser wird sich nun sicherlich fragen, was mit dem Winter ist. Im Winter leben wir von dem, was wir übers Jahr erarbeitet haben – und kümmern uns um ganz andere Dinge, z. B. darum, unser Handwerkszeug instand zu halten oder die Planung fürs nächste Jahr vorzubereiten.  Das mag erholsam klingen oder bequem, ist es aber nicht.
Denn de facto braucht es alle Jahreszeiten und alle Tätigkeiten, alle Anspannung und alle Entspannung, alle Arbeit und alle Besinnung. Aber eben alles zu seiner Zeit.

Abschließen möchte ich mit einem (gekürzten) Zitat aus dem meist gelesenen Buch auf dieser Welt:

Ein jegliches hat seine Zeit

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde:
geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; […]
weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit;
Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; […]
behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; […]
schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; […]
lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. […]
Da merkte ich, dass es nichts Besseres dabei gibt als fröhlich sein […] in seinem Leben.“

In diesem Sinne:  Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis aus allem was Sie tun, pflegen Sie Ihren Seelengarten und betrachten Sie das Leben mit einer gewissen Heiterkeit – ernst ist es schon von ganz allein.

Und: Danke, dass Sie sich die Zeit dafür genommen haben diesen Text bis zum Ende durchzulesen.
Deshalb möchte ich Ihnen nun auch noch verraten, wo Sie das zuletzt genannten Zitat in ganzer Länge nachlesen können:
Im Alten Testament beim Prediger Salomo (Kohelet) im 3. Kapitel, hier in der Übersetzung der Luther-Bibel von 1984.

Herzliche Ostergrüsse
wünscht Ihnen

Ihre Christina Bolte

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2 Antworten to “Gedanken zum Garten und Burnout (2)”

  1. Petra Klein 31. März 2013 um 13:14 #

    Hallo Christina, ein sehr berührender Artikel zum Thema Burnout. Gefällt mir sehr gut! Ich hätte gar nicht gedacht, dass Jahreszeiten und Burnout soviel miteinander zu tun haben. Nun wird mir auch klar, weshalb manches einfach nicht funktionieren kann 🙂
    Frohe Ostern und bis bald mal wieder, Herzlichst Petra

Trackbacks/Pingbacks

  1. Vom Sehnen und Suchen: Sehn – Sucht | Wortakupressur - 28. Mai 2013

    […] der Erinnerungen – denn wie ich bereits hier erwähnte, hat alles seine Zeit. Die Reisen ermöglichten mir – neben der Möglichkeit Sonne […]

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