After the Cloud

8 Mrz

Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit Anfang der (19)80er Jahre, als ein Schlagwort wie ein drohendes Schwert über unseren Köpfen hing und uns Kindern draussen das Spielen verdunkelte: Saurer Regen.

Ursächlich für den sauren Regen, so wurde uns erklärt, wäre die Luft-verschmutzung, hervorgerufen durch schädliche, säurebildende Abgase, wie sie insbesondere bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle oder Heizöl entstehen (vgl. Wikipedia). Massives Waldsterben war die Folge – wenn auch nicht immer direkt dort, wo die Umweltsünden begangen wurden, so dass es schwierig war, das Ursache-Wirkungs- bzw. Verursacher-Empfänger-Prinzip immer nachzuvollziehen.

Begünstigt durch technische Errungenschaften, wie den Einsatz von Kata-lysatoren in Fahrzeugen,  ist der saure Regen mittlerweile kein großes Thema mehr. Nicht ganz unerwähnt bleiben sollten aber auch die politischen Entwicklungen, wie z. B. einerseits das gesteigerte weltweite Umweltbewußtsein mit den entsprechenden Initiativen sowie andererseits auch die deutsche Wiedervereinigung und die daraus resultierenden Schließung diverser ostdeutscher Braunkohle-kraftwerke sowie die Verschrottung zweigetakteter Trabanten, die ihren Beitrag dazu beigetragen haben.

Wohl auch deshalb, weil es noch schlimmer kam (nicht, dass man es damals für möglich gehalten hätte), nämlich als es 1986 nach dem Kernreaktorunfall von Tschernobyl radioaktiv auf Europa niederschlug (auf englisch auch Fallout genannt). Dank Wind und Wetter verteilte sich die Radioaktivität zuvor nicht nur über den ganzen Globus (mit noch weitreichenderen und langlebigeren Folgen, als es ein saurer Regen jemals hätte anzurichten vermögen). Aber während man den Effekt des sauren Regens auf die Böden zumindest noch durch den Abwurf von Kalk zu neutralisieren versucht hatte, hatte die Menschheit hatte dem radioaktiven Niederschlag relativ wenig entgegen zu setzen.

Leider dauerte es noch etwa 20-25 Jahre, bis derartigen Gefahren mit neuen Wegen der Energiegewinnung begegnet wurde, und so bedankte sich Mitte April 2010 zur Abwechslung auch mal Mutter Erde für die nicht besonders wohlwollende Behandlung seitens ihrer Bewohner mit einer Wolke: Die Vulkanasche-Wolke vom Ausbruch des unaussprechlichen isländischen Vulkan Eyjafjallajökull – und wieder einmal reichten die Folgen weit über das direkte Umfeld hinaus. Quasi in ganz Europa herrschten tage- bis wochenlange Einschränkungen im Flugverkehr – während die Betroffenen fluchten oder auf völlig überfüllte alternative Verkehrsmittel ausweichen mussten, freuten sich alle anderen über den blauen Himmel und die lärmarme Umgebung… und für die Umwelt – so wird spekuliert – könnte das ganze sogar positive Auswirkungen haben.

Aber auch das ist heute schon fast wieder vergessen – stattdessen brauen sich über unseren Köpfen wieder neue Wolken zusammen: Mit gemischten Gefühlen sehe ich nämlich den aktuellen Entwicklungen entgegen, wie sie in diesem Jahr u. a. auf der CeBIT heiß diskutiert wurden, dem Internet der Dinge (auf englisch Internet of Things [IoT]).

Internet of Things – ein tragfähiges Netzwerk?

Wie zahlreichen Berichten, Diskussionen und Beiträgen im Internet zu entnehmen ist, scheint das IoT der Wachstums-motor der Zukunft zu sein. Nicht nur Computer, Autos oder Mobiltelefone werden miteinander vernetzt sein, wie es bereits heute der Fall ist, sondern zukünftig auch Kaffeemaschinen, Kühl-schränke und Herdplatten.
Was einerseits für die Konsumenten noch tollere (vermutlich aber auch noch störanfälligere) Geräte und für die Hersteller neue Absatz-Chancen verspricht, erfüllt mich mit Skepsis.

Denn bereits heute fällt es vielen Menschen schwer, auf gesunde Art mit der multimedialen Reiz- und Informationsflut umzugehen, die auf einen einprasselt, wenn man nur „mal kurz“ Emails lesen oder Online-Banking machen will. Schwups, ist wieder eine Stunde vergangen… Und wer von meinen 579 Facebook- Freunden ist wirklich für mich da, wenn mir danach ist, in den Arm genommen zu werden? Mein Smartphone zu streicheln ist da nur ein schwacher Trost…
Anstatt Komfortgewinn stellt auch das Formen von Stress dar.

Darüber hinaus stellt sich mir – unabhängig vom Datenschutz – die Frage, was mit den ganzen Daten passiert, die entstehen, wenn zukünftig Kühlschrank und Telefon miteinander kommunizieren. Und vor allem, was mit den Daten passiert, die die beiden vor drei Stunden ausgetauscht haben. Werden die Daten tiefgekühlt oder eingefroren und bei Bedarf wieder aufgetaut? Auf irgendwessen Festplatten zwischengelagert? Von hungrigen Datenschützern seziert?
Gläsern genug sind wir doch eigentlich heute schon.

Oder verschwinden die Daten auf Nimmerwiedersehen im Nirvana – auf neu-deutsch auch Cloud genannt, wie die öffentlichen wie privaten Rechnerwolken, die sich aus dem Web 2.0-Kontext ergeben haben, auch bezeichnet werden? Vor allem frage ich mich, was passiert wenn die Clouds ge- bzw. übersättigt sind. Normale Wolken regnen dann ab – und begiessen die Erde mit ihrem Niederschlag. Aber auch den darin gelösten Verunreinigungen (siehe oben).

Ist dann die nächste Katastrophe der Binäre bzw. Digitale Regen?

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