Kooperation – oder: 1 + 1 = 3

6 Feb

Wenn ich an die Studien- und Ausbildungszeit in meinem ersten Beruf als Wirtschafts­ingenieurin zurückdenke und an die Art und Weise wie Frauen häufig miteinander und untereinander umgingen, fühle ich mich ganz heftig an Amerikanische TV-Serien à la „Sex and the City“ erinnert: Zicken-Alarm vom Feinsten!

Allzuoft versuchte „frau“ mit kurzen Röcken, frechen Sprüchen oder anderen mehr oder weniger arbeitsrelevanten (und zumeist subtilen) Methoden, die Zuneigung der männlichen Kommilitonen oder die Aufmerksamkeit der Dozenten zu gewinnen. Ähnliches wurde auch versucht, um sich beim Chef zu profilieren. Weibliches Konkurrenz-Verhalten?

Ich jedenfalls glaube nicht, dass ein solches Verhalten „typisch weiblich“ ist – vielmehr sieht die Art und Weise des gleichen Verhaltensmusters, nämlich dem Mangelgedanken, bei Männern einfach nur anders aus. Unter Mangelgedanken oder Konkurrenzdenken verstehe ich in diesem Zusammenhang das vorherrschende Gefühl, sich und anderen etwas beweisen zu müssen. Oder die Befürchtung, dass der oder die andere einem etwas wegnehmen könnte.

Bei Wikipedia liest man unter Konkurrenz: lat. concurrere „zusammenlaufen“, „um die Wette laufen“. Aber um was läuft man denn eigentlich mit der sogenannten Konkurrenz um die Wette? In der Wirtschaft bezieht sich das wohl auf den Wettbewerb verschiedener Anbieter um die Gunst der Kunden.

Was ist es denn eigentlich, was mir jemand anderes wegnehmen könnte, auf das ich einen Anspruch hätte? Wie komme ich auf diesen „Anspruch“? Und könnte man es nicht auch so sehen, dass es umso weniger wahrscheinlich ist, dass sich jemand ausgerechnet mit mir in genau diese Nische drängen möchte, je klarer und trennschärfer ich positioniert bin. Je genauer also meine Nische definiert ist?

 „Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“
Marlon Brando

Es stellt sich natürlich die Frage, ob es immer so einfach – und auch sinnvoll – ist, den eigenen Weg als Einzelkämpfer(in) zu beschreiten? Denn, was nützt es mir, wenn ich als kreativer Geist vor Ideen übersprudele, aber alleine nicht in der Lage bin, diese auch nur annähernd in die Tat umzusetzen?

Bereits Thomas von Aquin  erkannte im 13. Jahrhundert, dass vereinte Kraft „zur Herbeiführung des Erfolges oft wirksamer [ist] als zersplitterte oder geteilte.“ Kooperation (von lat. cooperatio – „Zusammenwirkung“, „Mitwirkung“) lautet demnach das Motto. 

Grundvoraussetzung für eine – für alle Beteiligten „fruchtbare“, gewinnbringende – Kooperation ist aus meiner Sicht eine klare Positionierung der Einzelnen: Lesen Sie gerne nochmal in den Beiträgen unseres Oktober-Impulses nach! Und im Optimalfall ergänzen sich die Fähigkeiten und Eigenschaften der Kooperierenden zum Nutzen aller.

Konkret bedeutet das, dass sich zunächst einmal jede(r) Einzelne für sich gesehen Gedanken darüber macht, was er bzw. sie in die Zusammenarbeit mit einbringen kann und möchte – und was nicht. Anschließend sollte dies vor allem auch auf eine klare und wertschätzende Weise kommuniziert werden. Geschieht dies nicht und die Erwartungen der Einzelnen an ein Geben und Nehmen sind nicht geklärt, kann es passieren (muss aber nicht), dass sich die weniger „scharf abgegrenzten“ Kooperationspartner über kurz oder lang unzufrieden aus der Kooperation zurückziehen.

 Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die gegenseitige Wertschätzung für die Individualität und Beiträge des einen oder der anderen ist nicht gegeben ist. Oder eine Partei versucht, sich einseitige oder unangemessene Vorteile zu verschaffen. So ein Verhalten stellt natürlich die Kooperation und insbesondere den betreffende Kooperationspartner sehr stark auf die Probe, denn das ist in etwa so, als ob ich das Licht meines Kooperationspartners bewusst unter den Scheffel stelle, in der Hoffnung, dadurch selbst mehr zu „glänzen“. Tatsächlich ist es aber so, dass nicht nur das Licht unter dem Scheffel nicht seine volle Leuchtkraft entwickeln kann.  Letztendlich bedeutet dies jedoch auch, dass damit die ganze Kooperation nicht ihr volles Potenzial entfalten kann oder im Zweifelsfall zugrunde geht.

Ein überaus geniales Konzept der Kooperation demonstriert uns übrigens die Schöpfung! Nehmen wir als Beispiel den menschlichen Körper mit all seinen vielfältigen Organen: Angefangen über die Knochen, die Haut, das Herz, die Lungen, den Magen bis hin zu den übrigen Organen – jedes hat eine bestimmte Funktion und Aufgaben und trägt dadurch zur Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit und –qualität des „Organ-Inhabers“ bei. Dabei ist es zumeist noch nicht mal erforderlich, über die Aufgabenverteilung neu zu verhandeln.

Kommt es jedoch aufgrund von Krankheit oder mangelnder „Pflege“ beziehungsweise Fürsorge zu Defiziten in der Leistung des einen Organs, sind ganz automatisch bis zu einem gewissen Grad die übrigen Organe bereit und in der Lage, dessen Aufgaben zu übernehmen um so das oberste Ziel der Kooperation, nämlich das Überleben des Körpers, zu gewährleisten.

Stellen Sie sich nun einmal vor, dass irgendeines der Organe spontan beschließt, aus der Kooperation auszusteigen und ab sofort nur noch das zu tun, wozu es Lust hat oder sich auf Kosten der anderen Organe übermäßig Platz zu verschaffen. Die medizinischen Ausdrücke für diese Krankheiten des Ungleichgewichts heißen Organversagen oder Krebs – und meistens ist der vorzeitige Tod des Organismus die Konsequenz. Das Ende der Kooperation…

Was ist nun der Part, den jede(r) Einzelne von Ihnen und uns zum guten Gelingen einer Kooperation beitragen kann?

  • Welches sind Ihre Motive, mit anderen Menschen zusammenarbeiten zu wollen? Sind Sie bereit, sich im gleichen Umfang einzubringen wie Sie erwarten zu profitieren?
  • Seien Sie authentisch, also echt. Denn der Begriff Solidarität, also das Grundprinzip der Zusammengehörigkeit, sich leitet vom lateinischen solidus (für gediegen, echt oder fest) ab, deshalb steht das eigene Echt-Sein, also die eigene Authentizität, eng damit im Zusammenhang.
  • Sehen Sie Ihre(n) Kooperationspartner und dessen Stärken, Fähigkeiten und Individualität mit der gleichen Wertschätzung wie Sie selbst gesehen werden möchten? Oder anders herum: Sehen Sie sie mit derselben Wertschätzung wie sich selbst an?
  • Warum möchten Sie genau mit dieser Personen oder diesen Personen zusammen arbeiten? Welche Eigenschaften haben Sie, mit denen Sie sich gut unterstützen oder ergänzen können?
  • Und zu guter letzt: Seien Sie verbindlich. Genauso wenig wie Sie vermutlich möchten, dass Sie in Krisenzeiten nicht alleine dastehen, möchte es auch ihr Kooperationspartner. Natürlich erwartet niemand, dass Sie eine Verbindung auf Lebenszeit eingehen. Dennoch ist es hilfreich, bereits im Vorwege für sich und mit dem Kooperationspartner zu definieren, wie lange die Zusammenarbeit andauern soll – zum Beispiel für die Laufzeit eines bestimmten Projektes.

Denn damit zusammen hängt natürlich auch in gewisser Hinsicht das Thema Strategie, Kontinuität und Verlässlichkeit. Wer in der gleichen Geschwindigkeit wie das sprichwörtliche Fähnchen im Wind die Kooperationspartner wechselt, weil jemand anderes kurzfristig mehr Vorteile oder mehr Kontakte zu haben verspricht, muss sich nicht wundern wenn er irgendwann in stürmischen Zeiten alleine da steht, weil sich alle anderen enttäuscht von ihm abgewendet haben.

Noch weiter über die Kooperation hinaus geht meiner Meinung nach der Begriff Solidarität, der als Grundprinzip des menschlichen Zusammenlebens ein Gefühl von Zusammenge­hörigkeit bezeichnet. Diese Haltung der Verbundenheit mit bzw. Unterstützung von Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer äußert sich vor allem in gegenseitiger Hilfe und dem Eintreten für einander.

Denn im Zweifelsfall lassen sich im Team auch Misserfolge besser verarbeiten: Geteilte Freude ist doppelte Freude, und geteiltes Leid ist halbes Leid.

 Ach ja, ganz anders als eingangs beschrieben erlebe ich heute das Miteinander mit Frauen; als ganz aktuelles Beispiel unser „Quantenspringerin.*“-Kraftwerk: Jede unterstützt jede und hilft der anderen, sich weiter zu entwickeln. Zwar hat im Wesentlichen jede ihre eigenen Projekte und Themen, aber es gibt auch „Gemeinschaftswerke“, wie zum Beispiel unseren gemeinsamen Auftritt auf der Existenz am 12. November im MOC. Gleichzeitig unterstützen wir uns, sei es mit neuen Ideen, Hinweisen zum Internet-Auftritt, oder tatkräftigem Anpacken beim privaten Umzug. Jede von uns hat ein einzigartiges Profil, und bei unseren gemeinsamen Schritten ergänzen wir uns und lernen gegenseitig von uns. Getreu dem Motto der „Quantenspringerin.“: „Voneinander lernen. Miteinander wachsen. Gemeinsam gewinnen.“ 

 Denn Kooperation zum Nutzen aller Beteiligten ist etwas, was größer ist als die Summe der einzelnen Beteiligten. In diesem Fall ein klassisches Beispiel von 1 + 1 = 7.

Oder – wie die deutschsprachige Popband Klee singt:  
„Wir sind Teil eines Ganzen, was größer ist, als Du und ich…“  (aus: „Wir werden wie Gold sein)

* siehe auch www.quantenspringerin.de

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