Das Leben – ein Labyrinth?

23 Jan

Anlässlich eines Wochenend-Seminars hatte ich vor ein paar Monaten nach mindestens 20 Jahren mal wieder die Gelegenheit, mich in ein Labyrinth zu begeben. Wenn auch nur mit einem (roten) Stift auf einem Blatt Papier.

 Dafür war es aber nicht eines von diesen Irrgärten mit Sackgassen oder so, wie die aus den Rätsel-Seiten in irgendwelchen Zeitschriften, sondern ein richtiges: Ein Labyrinth mit einem klaren, kreuzungsfreien Weg, der in die Mitte führt.

In die Mitte kommen – man sollte ja nicht denken, dass das so schwierig ist. Ist es auch nicht, aber auf jeden Fall philosophisch:

Am Anfang ist es am schwierigsten den Eingang zu „finden“. Später ist es dann einfacher dem Weg zu folgen, denn da gibt es links und rechts die Linien, die einem wie Leitplanken den Weg weisen, wenn man quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht…

Irgendwann wird es fast schon ein wenig langweilig: „Irgendwann muss doch der Weg mal zu Ende sein!“, und am Schluss, kurz vor dem Ziel bleibt ein klarer, kräftiger, fast schon geradliniger Weg.

Aber es ist eines, ein Labyrinth auf dem Papier zu beschreiben. Es ist aber etwas völlig anderes, und etwas viel Bewegenderes, das Labyrinth tatsächlich auch „zu begehen“. Dazu hatte ich gerade kürzlich die Gelegenheit.
Denn nur durch das Begehen kann man seinen eigentlichen Sinn auch wirklich er-Leben.

Denn ähnelt ein Labyrinth mit seinen Irrungen und Wirrungen nicht auch  irgendwie dem Leben?

Mal gibt es sehr enge Kurven und die Wendepunkte kommen schnell hintereinander, wo ich sehr achtsam sein muss um nicht aus meinem Takt zu kommen. Und mal gehe ich in großen langen Bögen, wo ich auch mal Zeit habe, ein wenig meine Gedanken treiben zu lassen.

Überhaupt, die Wendepunkte: Manchmal laufe ich gegen eine „Wand“, stoße an sie an, und muss zwangsläufig meine Richtung verändern, d. h. umdrehen, umdenken oder um-kehren.

Später dann die Erkenntnis, dass es anders als es mir scheint, dass mich die Wände nicht von meinem Ziel trennen, sondern mich hinführen – hin zum Ziel. Und doch komme ich weiter voran. Schritt für Schritt. Das macht es spannend – und überhaupt nicht langweilig.

Das Leben und die Mitte finden – meine eigene und die des Lebens – ist gar nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Zuerst hinein in die Mitte, und später wieder hinaus. Auch da ähneln sich das Labyrinth und das Leben.

Langsam und bedächtig gehe ich weiter. Und immer wenn ich denke, dass ich das Ziel schon direkt vor mir habe, ist es doch noch nicht so weit. Interessant ist, dass sich auch mein Blickwinkel auf das Ziel bei jedem Schritt verändert, und doch bleibt es (das Ziel) unverändert bestehen.

 Ist es denn eigentlich besser, mit meinem Blick lieber auf dem Weg zu bleiben – mit dem Risiko, mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen und die schönen Augen-Blicke am Weg zu verpassen ? Oder bleibe ich mit meinem Blick auf dem Ziel – mit dem Risiko, vom Weg abzukommen und eine Extrarunde zu drehen? Wobei jeder Umweg natürlich auch neue Einblicke gewährleistet… 

Klar ist: Es gibt keine Abkürzungen, jedenfalls nicht ohne über irgendwelche Linien oder Mauern zu steigen oder Gefahr zu laufen, am Ende wieder in die falsche Richtung zu gehen. Und vor allem nicht ohne die Gefahr, ein paar wunder-volle Augen-Blicke zu verpassen.

In der Mitte angekommen, darf ich sie dann auch ruhig mal ein Weilchen genießen. Und gern auch mal im Mittelpunkt stehen. Das Ziel umarmen, es festhalten, mich daran anlehnen oder mich auch darin hinein entspannen. Und aushalten – wie die Stille und die leeren Stellen zwischen den Worten. Vielleicht stelle ich dann auch manchmal fest, dass das Ziel doch auch gar nicht sooo perfekt ist, wie ich es mir vorgestellt hatte, oder wie es mir aus der Entfernung schien.

 Wie dem auch sei: Dann heißt es Abschied nehmen von der Mitte, sie wieder verlassen. Es ist ein tolles Gefühl, gestärkt und motiviert durch die Begegnung in und mit der eigenen Mitte den Weg zurück zu finden. Der Weg zurück ist der Weg zu neuem Leben, heißt es. Fast schon wie auf dem Jakobsweg…

 (PS: Wenn Sie sich auch einmal die Gelegenheit für einen meditativen Spaziergang durch ein Labyrinth gönnen möchten, schauen Sie doch mal unter: http://www.begehbare-labyrinthe.de/index.html?begehbar.htm)

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