Stille Nacht

24 Dez

„Stille Nacht, heilige Nacht…“ schallt es derzeit wieder vielerorts her, denn Weihnachten steht vor der Tür. Aber ist es wirklich noch so, dass man Weihnachten mit still und heilig verbindet? Ist es nicht viel häufiger hektisch oder stressig, weil noch dies oder jenes so kurz vor den Feiertagen erledigt werden will?

Hmmm. In einer Zeit, in der Ruhe und Stille ein fast schon seltenes Gut geworden sind, in der man kaum irgendwo hingehen kann (sei es zum Einkaufen, in eine U-Bahnstation, in eine Bar oder ein Restaurant) ohne von einer im Hintergrund laufenden Melodie beschallt zu werden, habe ich mir eine fast schon als Luxus anmutende mehrtägige Auszeit gegönnt, um einmal Ruhe, Schweigen und Stille zu genießen.
Und wenn ich sage „Luxus“ meine ich zweierlei: Zum einen selten und zum anderen unbezahlbar. Kostenlos, aber gleichzeitig für kein Geld zu erwerben. Und dabei kann Schweigen jeder. Es ist eine aktive, bewusste Handlung des Nicht-Sagens. Stille ist etwas anderes, man muss sie willkommen heißen, einladen. Das ist immer noch aktiv, aber Stille ist mehr: Es ist ein passives Geschehen-Lassen: Ein Zulassen und sich fallen lassen, manchmal auch ein Aushalten. Das ist nicht immer einfach.
Aber am besten geht es damit, dass man zu schweigen beginnt. Weder Schweigen noch Stille lassen sich mit einem Wort ausdrücken, also probiere ich es einfach mit ein paar mehr…

  • Schweigen ist mehr als die Abwesenheit von Worten, sowie Stille mehr ist als die Abwesenheit von Geräuschen.
  • Schweigen ist viele lange Augenblicke.
  • Schweigen ist auch die Abwesenheit von Beurteilung. Aber wen und vor wem sollte ich denn urteilen, ich bin doch kein Richter oder Gott… – Wer andere verurteilt, hat sich selbst noch nicht kennen gelernt.
  • Schweigen ist ein Wahrnehmen, ein Hinspüren – auf die Gedanken und Gefühle, die da sind. Und vielleicht auch auf die Sehnsüchte, die sich dahinter verbergen. Hilfreich ist da (zum Beispiel) die Frage: „Wie kann ich jetzt gerade gut für mich sorgen?“
  • Schweigen ist die Einladung zum Dialog mit sich selbst, denn die Stille ist die einzige Gelegenheit, die Melodie seines Herzens zu hören. Die innere Stimme des Herzens singen oder jubilieren zu hören – oder weinen oder aufschreien, je nachdem.
  • Schweigen ist also die Stille, die mit neuen Ideen und Impulsen gefüllt werden will. Luftholen. Wie beim Atem: Beim Einatmen schöpfe ich Kraft für neue Impulse – nicht umsonst heißt Einatmen auf lateinisch auch Inspiration. Schweigen und mit sich selbst allein sein ist erstmal ungewohnt und daher am Anfang unendlich schwer zu ertragen. Ein „Ertragen“, sich selbst aushalten.
  •  Schweigen ist die Stille, die der Schatten – das sind die dunklen Seiten meines Selbst und meines Innersten, die ich soooo lange versucht habe zu ignorieren, zu übertönen und beiseite zu schieben – nutzt um sich zu Wort zu melden.
  • Schweigen, mit sich selbst allein sein – einSchweigen, Stille ist die Pause zwischen dem Getanen und Gesagtem. Die Zwischenräume, ohne die die Buchstaben, Worten und Taten nur eine sinnlose Aneinanderreihung wären. Die leeren Stellen also, die den Buchstaben, Worten und Taten – also dem Leben – erst einen Sinn geben…
  • Schweigen – Gedanken wollen gesagt werden. Wollen ja, aber müssen sie das auch? Im Hinblick auf und mit Respekt vor der Stille erscheint vieles von dem, was normalerweise soo bedeutungsvoll und wichtig geglaubt wird, doch belanglos und nur noch halb so wichtig. Getreu dem Lied aus meiner Jugend von Depeche Mode: „Words are very – unneccessary“

Und hier noch in den Worten Helmut Reutters:
„Wer die Sprache der Stille hört und sie versteht, erfährt etwas von dem reinen Glück der Gegenwart Gottes.“

Anlässlich einleitend erwähnter Feiertage wünsche ich Ihnen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest und dass Sie die Gelegenheit haben bzw. sich schaffen können, sich ein den Luxus ein paar stiller Momente zu schenken.

Und im Sinne (und in den Worten) oben erwähnter Band meiner Jugend: Enjoy the Silence!

(PS: Um die hier zitierte Stille nicht zu konterkarieren, verzichte ich auf irgendwelche Verlinkungen zu oben genanntem Song)

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